Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 6 (5.2.1891)
- Date
- 1891-02-05
- Page
- [Seite] (sequence 2)
- Language
- German
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Die Zahl i^/eme Kraft, sollte sie uNS in diese« Auge«» blick fehle,? Wen» jeder unserer Glaubensgenosse», durch» druagen von einer Pflicht ,egen diejenigen, die unterstützt, ermuthigt und unterrichtet sein sollen, un» seinen Beistand leiheu würde, wie viele Unglückliche könnten den Verfolgungen, der Unwissenheit, dem Elend, dem Tode entzogen »erden! Wir beschwören Sie also, sehr geehrter Mitarbeiter, uns beizustehrn. Wenden Sie sich an die bestehenden ComiteeS, bildet neue ComiteeS überall wo sie fehlen, fordert alle unsere Glaubensgen offen auf, unserer Gesellschaft beizutreten, reget ihren Eifer an zu Gunsten uiisereS Werkes, dessen Wohlthaten so groß sind und das keine andern Gegner hat, als die Feinde des Guten, der Gerechtigkeit, der Civi lisation. ES giebt keinen Israeliten, keinen wohlwollenden Menschen, der die Wohlthaten der Alliance nicht würdigt. Laßt unS neue Anstrrngungen machen, um dieses Werk zu befestigen und zu verbreiten. Mit aller Hochachtung Für daS Central-Comitee. Ter Vice-Präsident: N. Leven.' ׳ Bedürfen diese ergreifenden Worte »och einer Befür- »ortung unsererseits? Die ,Alliance iSr. universelle", die so vielen Hundert-Tausenden schon Hilfe gebracht, ruft um Hilft, nicht ,für sich, sondern für Millionen unserer unglücklichen Glaubensgenossen, wer wollte da zurückstehen. wer nicht bereitwillig sein Scherflein l>«itragen, und Mitalied dieses Weltrnbundcs werden? Darum trete jeder dem Bunde bei; es sollte keine jüdische Gemeind« geben, in welcher sich nicht ein Local-Comitee bildete, das der Alliance Mitglieder zuzuführen bemüht ist. Die Mitgliedschaft wird durch den germgcn Jahresbeitrag von 6 FrcS. (Mark 4,80) erworben. Ja die Zahl ist eine Macht! Auch die Redaktion dieses Blattes erklärt sich bereit, Beiträge für die Alliance in Empfang zu nehmen und durch da» hiesige Lokalcomitee an das Pariser Central Comitee abzuführen. (S. ,Magdeburg" unter U. 0. ß. B.) Die Einrichtung des befsudereu Jugend׳ gotteSdienftes. Bon Rabbiner Dr. Rothschild. Verschiedene Zeiten haben verschiedene Anschauungen und Bedürfnisie. Anträge auf Einrichtung eines besonderen Iugendqottesdienstes kannte man ehedem nicht; eS lag das Bk^ürfnitz nicht vor, für die Jugend einen abgesonderten Gottesdienst einzurichten und abzuhalten; man führte sie Vielmehr frühzeitig in die Synagoge, um sie zur Theilnahme an dem Gottesdienst der Erwachsenen zu befähigen und zu Swübnen. Mit dem vollendeten 13. Lebensjahre gilt ohnees der junge Israelit als Mitglied der Religionsgemeinde; wie konnte man da von einem besouderen Jugendgottesdienst sprechen? Die Zeiten und Zeitverhältnisse haben sich aber geändert, und mit ihnen auch die Menschen. Die Jugend ist durch dir Schulen gehindert, dem Gottesdienste der Erwachsenen anznwohnen und verliert dadurch die Kenntniß davon und das Interesse am Gottesdienst und Judenthum. Dafür soll der gesonderte Jugendgottesdienst eingericht werden, denn eS gilt, durch denselben das Judenthum zu retten, ihm für die Folge und Zukunft Bekenner, Pfleger un? Träger zu er- -iehen. Aber eS gilt nicht nur solche in der Jugend zu ersondern cknch in den Gewachsenen zu etfSUea, auch diese Hnd durch das Geschäft und Leben gehindert, de» Gottrsdicnst anzuwohnen, auch sie verlieren die Kenntniß von und das Interesse am Gottesdienst und Judenthunt. Der gesonderte Jugendgottesdienst müßte und könnte den» nach dem gleichen Zwecke den Erwachsenen dienen, nämlich dem Theile der Erwachsenen, welcher gehindert ist, an dem allgemeinen Gottesdienst sich zu betheil,gen. Selbst die Säulen und vermeintlichen Hauptträger deS, Judenthum», die sog. Orthodoxen, fangen an zu wanken; auch ihre Kinder sind durch die Schulen gehindert, zu» Gottesdienst zu kommen, auch in den orthodoxen GemeindM fängt man daher an, die Einrichtung eine« JugendgoGW diensteS zu empfehlen. In der AdaS-JSroel-Gemcinde z»׳ Berlin besteht bereits ein solcher. Wundre man sich nickst? darüber! Jede neue und beste,e Einrichtung wird voa der Orthoxie anfänglich al» Neuerung und Reform verworft« und verketzert, nachher aber angenommen und nachgeahGL So hat sich in vielen Dingen schon die Orthodoxie der sog. Reform genähert. Es ist verfehlt, die Kinder beten zu lassen und zum Gebet zu zwingen, ohne daß die Eltern auch beten und die Kinder dies sehen; sie halten die» dann für Kinde rwerß daSsie nur so lange beibehalten, so lange sie sich Kinder glauii»^ und wisien, daß sie dem Zivange unterliegen. Darum ist: Religionsunterricht und Religionöpflegc erfolglos, wo d.ie Jugend das Vorbild und da» Beispiel der Eltern entbeßülß Ein JugcndgoltcSdienst ohne Bctheiligung der Eltern und der Erwachsenen hat weder dauernden Bestand noch nach» haltige Wirkung. Ec ist für die Schulzeit eingerichtet, und! der Besuch wird darum als Schulzwang betrachtet werde!( den die Jugend gern und so oft und so bald wie möglich abzuwcrfcn suchen wird. Tie Jugend läßt sich auch uick^? gern unter die Kinder zählen und will möglichst bald als erwachsen zählen und wie Erwachsene handeln. Auch a»< d׳esem Grunde wird sie sich bald dem Besuch deS SugmiK gotteSdienftes entwachsen glauben, ohne darum den GotteS^ dienst der Erwachsenen auszusuche», weil auch hier die Elt> und die Erivachftnen, nach denen sie sich richtet, nicht zu finden sind. Nun aber entsteht di« Frage: wann soll der Jugend»- gotteSdienst eingerichtet ,verden? Der Sabbath Vormitv»^ steht außer Frage, denn erst von den Mittagsstunden an ist Jugend freu Soll sich nun der Gottesdienst unmittelbar H dem Schulunterricht anreihen, soll die Jugend vom Uo richt ermüdet und. abgespannt, hungrig sich nach Hause und^ dem Mittagstisch sehnend, gezwungen »verden, in den Go dienst zu e,len und dort eine Exhortation oder Predigt an^! zuhören, in Werktagskleidern, mit Schulmappe und ranzen beladen, int Gottes Hause weilend? Da kann keine Stimmung und Weihe, keine Andacht und Aufmertsamkeft erhofft und erzielt werden. Diese Zeit ist wohl dft une' geeignetste von allen. Als ein anderer Zeitpunkt wurde der Sonntag Bor» mittag vorgeschlagcn und gewählt. Gegen einen Gottesdienst am Sonntag ,st ebensowenig ein Einwand zu erheben, wie an jedem andern Tage, denn ein täglicher ®ottefbMft ist 1a pslichtmüßig. Aber gegen die Einnchtung eine» de» sonderen sonntäglichen Gottesdienste« zum Ersätze de« sabbatzsk, lichen, ist viel einzuwenden, denn «S Ningt fast wie eine ®er» legung der Sabbathfeier auf den Sonntag. Die Jugend wirb sicherlich darin ine Verlegung erblicken, der Sabbathfeier ent» ftemdet werden und für die grundsätzliche und thatsächUM Verlegung der Sabbathfeier auf den Sonntag später stimMff oder doch vorbereitet werden. Auch werden die Elter« geschäftlichen Rücksichten am Sonntag dem JugendgotteäWnft ebensowenig beiwohnen können, wie bischer de« Goti der Erwachsenen. SS liegt darin also die verleugn« jüdischer Anschauungen und Grundsätze, denn «»