Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 22 (1891)
- Issue
- 2 (8.1.1891)
- Date
- 1891-01-08
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
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«i« •ranfamftit Wr auf un« gehäuft«« Prüfungen, bie nur den ־ fftkfeen unseres Dasein« ft »reu können, vor di« Seele ssihren. Ihr ׳ iMMfArodcnt« Austreten als wahrer Priester in Sachen der Religion ' «d Wahrheit muß bei den Anhängern aller Religionsbekenntniffe ^"rhigunq und Anerkennung finden. Di« Beter in den Synagogen nbethgrad» haben nur ihre Wünsch« mit den Bittenden in allen Aschen Strchen des russischen Reiche» vereinigt und einmüthig die! Botte» zu Euer Eminenz Benesung ersteh». Benehmigen Euer linenz die Versicherung der vorzüglichsten Hochachtung Ihre» ergensten Diener» Schaptra ׳ Rabbiner in Elisabethgrad." Zu diesem Schreiben macht das genannte Blatt folgende aerkung: .Wir wundern uns nicht, datz die Juden von Elisabethgrad sich dem Erbischof zu solchem Danke und solcher Verehrung verpflichtet fühlen. Bi» heute hat nicht «tu einziger russischer Prediger oder Lehrer der Religion seine Stimme dazu erhoben, das Volk über de» wahren 1h der jüdischen Religion aufzuflären. Der Erzbischof anor lvar der erste, der eS unternommen, dieses furchtlos ind offen in einer gehaltvollen Rede zu thun, die er iu dem 'rlsisjssitut zu Odessa hielt, von dessen Studirenden Prozent der jüdischen Religion angehören. Vermischte und richte». W(»Mir|. In Bezug aus dte Jesuitenfrage hat Llebermann tz»n Samtenberg Im katholischen Münsterland« sich für dte Aushebung »»'>11111111[|1[1[111 ausgesprochen, weil nur dte Juden Profitirten, wenn Ue Jesuiten draußen blieben. Umgekehrt meldet der Böckel'sche Wlichsherold", die antisemitisch« Fraktion de» Reichstage» habe be- Mosten, gegen die Aushebung de» Jesuitengesetze» zu stimmen, weil Bür bie Juden davon profitirten, wenn die Jesuiten wieder herein Dmen. — O, löset mir, Bros Oerindur, diesen Zwiespalt der Natur! t □ Berlin, 1. Januar. (Or.-Cor.) In der heutigen Nummer de» MWWhen Reichsherold" ist da» Programm der antisemitischen Volksenthalten. Besonder» bemerkenSwerth ist Punkt 13: »Nur christlich- ■Mt Männer (n icht j ü bischer Abkunst) dürfen in gesetzgebende Depe, schoflen gewählt und in Staats- und lsemeindeämter berufen ' n." Also auch getaufte Juden und deren Nachkommen sollen Beschränkung unterliegen. Man sieh», wie weit es mit dem dieser verthierten Rotte gekommen ist. Mögen aber ns die tauslustigen Juden doch endlich einmal einsehen, daß di« Dause nicht zum Bortheil gereicht. Berlin, b. Januar. Anläßlich des sechsten Todestages Eduard Ikrr's war heute seine Brust von Freunden des Berewigten mit Blumenschmuck versehen worden. HßsterUn, den 6. Januar. Der zweite älteste berliner Arzt, der rltag im 91. Lebensjahre verstorbene Geheime Sanitätsrath nrich Wilhelm Frtedberg wurde heute aus dem Friedhof der . Gemeinde in der Schönhauser Allee zur letzten Ruhe bestattet, um einige Jahre älter« Geheimrat Dr. Steinthal erfreut sich Gchundheit. — Der gestern im Alter von 72 Jahren verstorbene ״Belehrte l Ssadderadatsch", Rudolf Löwenstein ist, zwar der Lohn jüdischer in Breslau gewesen, aber im Jahre 1828 in der resormirten getauft worden. UGdnrg. (Elsaß» Hier hat sich ein Eomite gebildet, welche» neu Oberradbiner Aron «in Brabdenkmal errichten will. p»n (Posen), 1. Januar. Die hiesige Lhewra kadtscha Woche ihr 200jährige» Bestehen in restlicher Weise durch ahl, an welchem all« Mitglieder dieser heiligen Brüderlilnahmen. kiesen. W.-Pr. (Or.-Eor.) Am nächsten Sabbalh, den ar, begeht unser Sanjor Herr Blaustein sein 25jährige» Amts- und zugleich sein Silberhochzeittfest. Bon den 25 Dienst- Hai Herr B. 17 Jahre hindurch treu und gewissenhaft der!.Gemeinde als Kantor und Schächter gedient und sich die Liebe hiung aller Bemeindemitglieder zu erwerben verstanden. 'MenMtzt d. Pinne, L Jan. Borgestern begingen hier dte 1 Bormaß'schen Ebeleute das seltene Fest der goldenen Hochzeit! Famillcukrise. Im Laufe des Bormittag» wurde da» Jubeln israel. Sorperationsvorstand« in oorpors beglückwünscht. > Iberwies am Jubel tage an die Armen hiesiger Stadt (ohne der Sonfession) ein« Summe zur Bertheilung. i'Stiicn. Zu der großen Zahl der in der Wiener Gemeinde wirkenden «ohlthStigen Vereine gehört auch der ,Prediger Berein", der bereits auf «in Bierteljahrhunderl seiner ieit zurückbltcken kann. Er bezweckt, dienstunfähige Rabvtner, Wittwen und Waise» zu unterstützen. Mit «X» Gulden, seligen Mannheimer an dessen 7V, Geburtstag als Ehrengabe ' . worden, begründet, verfügt derselbe nunmehr nach dem Bericht Über 31250 Gulden. Zur Bertheilung kamen im verfioffenen GuldeO und zwar an 13 Lehrer, SO LehrerwiUwen und rwittwen. An Jahresbeiträgen gingen nur 140 Gulden ein. Wir wünschen dem Berein, daß sich zu den alten treuen Mit» gliedern noch viel« neue gesellen mögen. Wien. Bon dem .Berein zur Unterstützung mittelloser israe». Studierender" liegt un» der 29. Jahresbericht vor. Anerkennenswerth sind die Leistungen de« Berein» im Jahr« 1889/90 gewesen, denn sür Unterstützungen sind verausgabt an 22 Hörer der Rechte 335 Gulden; an 214 «wdenten der Medici» 3160 G.; an 4 Hörer der Philosophie 60 G.; an 13 Höre» der Technik 110 (M.; an 2 Pharmaceuten 8) G. und an 6 Veterinäre 55 G, zusammen 3750 (9. An Einnahmen hatte der Verein zu verzeichnen an Jahresbeiträgen 1252 B., an Spenden 1367 B., an Zinsen 1619,6 t G. Die Effecten repräsentieren einen Nominalwerth von 33800 G. Möge der Berein durch zahlreichen Beitritt von Mitgliedern in der Lag« sein, immer segensreicher wirken zu können. Ganz, 4. Januar Tiefe Trauer erfüllt die hiesige israel- EultuSgemeinde. Ihr Rabbiner Tr. Aron B ä r w a l d ist gestern Abend in seinem 38. Lebensjahre, im lO. Jahre seine» segensreichen Wirken» in unserer Bemeind« einem tückischen Leiden erlegen. Di« Beerdigung findet Dienstag, den 6, Nachmittbq» 2 Uhr statt. Gsnigswartl, «Sr. Eger), 5. Januar. Die für gesten hier ang«. kündigte antisemitische Versammlung zur Organisation der Partei in Böhmen, bei welcher auch Schönerer und Türk erscheinen sollten^ ist au» Gründen der öffentlichen Ruh« und Ornung von der Brjirkshauptmannschast verboten worden. Skandnitz (Böhmen). Herr Tr. Klotz, Zögling der Berliner .Lehranstalt s. d. Siff. d. JudenthumS", welcher am vergangenen Sabbath unter allgemeinem Beifall hier eine Probe-Predigt gehalten, wurde von der Generalversammlung einstimmig zum Rabbiner gewählt. Paris. Tie ,Archives Jsraelite»" sagen bei der Besprechung des Buildhall-Meettng, daß England seine Schuldigkeit gethan hat »nd fordern demgemäß auch Frankreich aus, ein Gleiches zu thun. Das Blatt glaub», daß in Folg« der äußerst freundlichen Beziehungen Frankreich« und Rußlands elne von der Republik ausgehend« Sund» gebung der Sympathie mit den russischen Juden den günstigsten Erfolg haben muffe. Paris. Die Gesellschaft »los stuäos j11i»es• nimmt ihre Eonserenzen wieder aus. Di« erste fand am 20. December statt, in. welcher Professor Eagnat am französischen Eolleg .über die römischen Heere bei der Belagerung von Jerusalem" gesprochen. Bukarest, 27. Der. In der gestrigen Senatssitzung hat das nationalliberale Scnatsmilglied Schendrea die Frage der russischen Judenausiveisungen zur Sprache gebrach», indem er gleichzeittg an das Ministerium des Innern die Aufforderung richtete, durch dte Anordnung von Ausnahmsmaßregeln längs der Grenz« der Ueberschwemmung Rumänien» mit aus Rußland vertriebenen Israeliten zu verhindern. Da der Ministerpräsident Mann im Hinswei» aus di« Dringlichkeit der Adreßdebatte die Erklärung abgad, daß er sich auf die Erörterung de» von Schendera berührten ttzegenstandes nicht einlassen könne, so wird letzterer seine diesbezüglichen Anfragen in Form einer Interpellation erneuern. Herr Schendrea scheint demnach von der Lage der tsraelittschen Bevölkerung Rumäniens eine sehr trrthüm» lich: Meinung zu haben, da es ihm sonst unmöglich einsallen könnt«, den au« Rußland au»ge«ies«nen Juden die Absicht eine« Uebertritt» aus rumänische» Gebiet zuzumuthen — (Da« hieße von der Scylla in di« Eharybdis sich begeben.) Providenc« (Rhode Island). Ain Sonntag, den ersten Tag Ehanuka wurde die neuerbaute Synagoge der Gemeind« .Sinder Jsroe» und David»" eingeweiht. S» ist die« da» zweite jüdisch« Gotteshaus in unserem Staate P«ter*bnrq, 2. Januar. Der .Wilenski Aestnik" da» halb» amtlich«, unter Eensur des Äeneralgouverneurs erscheinend« Blatt er» zählt Folgende«: ,In einer der Städte, in welcher die Juden Aufenthaltsrecht besitzen, beschloß der «ouverneur, ernste Maßregeln gegen die Juden zu ergreifen, sobald sich ihm eine paffend« Gelegenheit bieten würde. Er brauchte nicht lange daraus zu warten. Bon ihrem Spazier» gang« zurückkehrend begegnete die Frau de» Gouverneur» einem Juden, der nicht nur nicht zur Seite trat, um der Dam« auf dem schmalen Bürgersteg Raum zu geben, sondern sie so onstieß, daß sie zu Boden fiel. Da» geschah dicht bei dem Hause de» Herrn Gouverneurs. Der dort stehende Polizist sprang sosort hinzu und packt« den Juden. In großer Erregung erzählte sie ihrem Gatten, was geschehen war, worauf der Gouverneur, dem Juden sosort so und io viel auszählen ließ. Am anderen Tag« erscheint beim Gouverneur et» Bevollmächtigter des Geprügelten, gleichfalls ein Jude, und fordert« vom Gouverneur eine Kopie des Protokoll», aus Grund dessen er, der Gouverneur, sich für berechtigl gehalten, seinem Clienten so und so viel Prügel zu Mftirtn. .Sie »minschen «ine genaue Kopie?" fragte der Gouverneur. Ja wohl, Exeellenz, erwidert der Bevollmächtigte. Gut. Wenden Sie sich morrät an de» Polizeimeister. Ich werde da« NSthig« veranlassen. Am solgenden Tage begiebt sich der Bevollmächtigte zum Polizetmetster und dort wird ihm dte versprochen- .genaue Eopte" zu Thetl, d. h. ihm werden genau eben so viel ausgezählt wie seinem Clienten und dann wird er an dte Lust ^esttstl" — Da» genannte halbamtliche Blatt entblsdet sich nicht, diese Geschichte, in welch« der Gouverneur wider alle» Recht und Gesetz gehandelt, mit großer Genugthuung wiederzuerzählen!