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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 47 (1890) · p. Seite 184

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
47 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 184 (sequence 4)
Language
German
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Sri^ra e gt er auf. gcrefee da, tootyn dir Leute vorhin gr» taitri t}‘tte. Such jetzt deuten sie dahin, und an de« Gürten de» Orte« bemerke ich Leute, die alle unverwandt dorthin schauen und eifrig gestikulire» und schreien. Was kann «S sein? (rin Brand? Hn der Wüste ist nickt«, wa« brennt. Line Windhose, di« eroen Staubwirbel auszieht? — Aber eS weht riu so gleichmäßiger milder Ost seit gestern, kein Wölkchen am Himmel. Roch sinne ich nach, da — fliegt mit leisem Schwirren m-d Klirren ein Stückchen gelb« Glas an mir vorbei, glitzernd im Sonnenlicht. Und hui! rin zweites. Und ein dritte« — und noch rin«, mehrere oben, unten, links und recht«! Und da« leise Schwirren und Klirren wird dauernd stärker, da« fliegende Gewimmel dcr Glasbrocken dichter, alle fliegen sie horizontal an mir vorüber, alle kommen sie au« einer Richtung: von Osten her — von dem Rauchbaum her, der unverändert am Horizont steht. Endlich trifft mich selbst rin« der Stückchen, und — bleibt an meinem Rock haften. — Und nun habe ich'«! Hab« r« in optica» form»; denn ich halte es an den gläsernen Flügeln fest» das böse Thier, die egyptische Plage, die — Heuschrecke! Und der Rauchbaum da draußen ist nicht« andere« al« der koloflale, endlos nachschirbend« Schwarm, der von fern einem Staubwirbel gleicht. Und all' diese Myriaden von gestäßigen Thirren ziehen heran — eine Wallfahrt ebenso interessanter, aber schrecklicher Natur, als jene wüstenpilgernden Gläubigen. — W.hc den Gärten Heluans! Weh« den Zuckerrohren und Palmen, den Durrahfridern unten im Rilthale! Mich durchfuhr'« mit Schmerz, als ich diesen Gedanken erfaßte und einen Abschiedsdlick auf die Baumkronen der Gärten warf. Dabei trieben mich die anstürmenden »Vegetarier der Lüfte* in eiliger Flucht in'« Hau« zurück. Denn sie prallten jetzt in dichter Menge mir in'« Gesicht, au tat Körper» verfingen sich in den Aermeln und Falten; ob sie «ich als willkommenen Ruhepunkt benützten, oder für eine noch unbekannte Art eßbaren Gemüse« betrachteten, war mir dabei aanz gleich; sie kratzten und schlugen wie eine Herde fliegender Äiniaturratzen, der heftige Änprall der ziemlich großen, hartbeschildeten Thiere wurde empfindlich lästig. Im Vorsaal pflückten mir die herumlageruden arabischen Diener noch eine Anzahl von den Kleidern und dann stieg ich in mein Zimmer hinauf, gerettet zwar, aber betrübt, Denn mir ging da« Schicksal ta Bäume de« Garten» nahe; wenn man unter einer flammenden Soune lebt, gewinnt man eine zärtliche Zuneigung zu Pflanzen im Allgemeinen und zu tat vegetabilischen Sonnenschirmen, den Palmen, insbesondere. Ergriffen von der Wucht des Naturcreigniffe«, das ich herannahen gesehen, entwarf ich bereits Briefe und Depeschen »ach Europa: .Soeben Heuschrecken oberhalb Kailv ins Rilthal eingefallen. Ernte vernichtet, alle« kahl — Bevölkerung muß auswandern, Elend groß. Veranstalten Sie Sammlungen*. Und dann beschloß ich, da« grauenvoll« Zrrstörungswerk mir erst morgen, wenn es vorüber sein mußte, auzusehen. Denn daß die Milliarde Fresser bi« morgen mit der Vegetation einiger Quadratmeileu fertig sein mußten, das war über allen Zweiftl erhaben. Schaudernd «eichte ich, während der Abend herrinbrach, des Unheils, da» sich da draußen vollzog. Ich hörte sie nagen, knirschen, kufftern und kuaspern. Das Abendroth schmeckte mir nicht. Die Unterhaltung der Tischgenoffen drehte sich um die Heuschrecken, einige der Thiere krochen verirrt auf dem Fußboden, au den Wänden umher oder schwirrten gegen die Lampen.- Aber auch trotz ticfften Mitleids mit de» vielgeplagteu Landbauern am Nil, trotz grübelnden Fragens nach der Gerechtigkeit und Rothwmidigkeit solcher Vernichtung«- Verantwortlicher Ketatenr paushalte der Natur — Wies ich doch w lichen Bewußtsein, keine Pflanze zu sein, ndern Morgen öffnete ich; Trauer und düs! gla La nomene im, wacker, im glü Und am andern Morgen öffnete ich; Trauer und ' Erwarternng im Herzen, die Läden, um mit einem da« ganze Schreckliche zu übersehen. — Und ich sah lrnge hin. In die Nähe, in die Fernes und recht« und link«. Vom auf die Blumenbeete, auf diel Schlingpflanzen; weiterhin auf die Gärten und die Pal» gruppen. Lange sah ich hin; aber dann hätte ich eine«, echten oberbayrischen Juchzer loslassen mögen: — denn um«' laublich, aber wahr — t« fehlte kein Blatt; die dunkle nbmasicn der TigeliaS, die rothen Ta-kaden der Prachtvollen Bougainvillia, die Bananen und di« Phönix, die; Gebüsche uud Blüten — alle« war da!! — Nur ein« fehlte: die Heuschrecken. Sie warten, wie ich später hörte, zeitig bei Tagesanbruch ausgeflogen und hatten^ ihren Marsch quer über« Nilthal nach Westen fortgeß hoch über diesem als dunkle, langgestreckte Wolkenmafse ' aus in die libysche Wüste ziehend. Und was da« grüßte Wunder war, sie hatten n«,, «in Blättchen benagt. Landeskundige wissen zwar schon l lange, daß die Schwärme auf ihrer Wanderung zuweilen eme. Rast halten, bei der sie wie auf Kommando nicht« anrühren? aber es ist immer ein seltener Fall und ich konnte von! Glück sagen, bei meinem kurzen Verweilen in der Wüstes nicht nur die Bölkei Wanderung gläubiger MoSlims, sondern! auch die Karawane der Lust gesehen zu haben, und zu bv»f merken, daß die eine nichts zurückgelassen, die andere nicht« mitgenommen hatte. R. v. Seydlitz. Allerlei ftrr de« Famittentifch. Woche! Manche Der wohlverstaudene Wink. .Weißt Du auch, welche Sidrah wir dies« haben?* fragte Herr Abr. MoseS einen jungen welcher etwas lange bei seiner Tochter Rachel verweiltes — Um zu zeigen, daß er auch in der Bibel bekannt sei," antwortete dieser sofort: ipt 0,®«^ hinweg!"), peinliche Stille verbreitete sich nun über die kleine Gesell schaft; der junge Mann verstand aber den Wink, nahEÄ seinen Hut und empfahl sich in der Hoffnung, wiederkomuwwW zu dürfen, wenn die folgende Sidrah ICH (.und er erschwu^D gelesen würde. (I. Stand.) m Kitttzjel-A«fgar»en. I. Deutsches Komony«. Bon c. in R. Weiblich sieht man« durch Hannover fließe«^ MSnnlich darf« der Jude nicht genießen. II. KeSräisches Bon O. in B. De« Heuchler wird e« abaeschnitten, Sie mir i« Buche Jjob sehn; Sobald mir steh'n in seiner Mitten, Wird'« bald mit ihm z» Ende geh'n; Doch eh' e« Abschied nimmt, Noch freudig es uns stimmt. Dr. Ü »ahmer, Magdeburg. A»ßrf«»s drr Kitttzsel i« »»r. 3»«, «atz. CIL Eli«. iß), pW (Snsn) L. De«!»», «»atz IL ppW, ,-vtzNw (SUl Druck: D. L. Golfs,

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