Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 38 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Jüdische« HtUif Her»u«g»g,b«» Mn »e. «. »«»«er tu Magdeburg. -*N»- Aa Bäertrttnß i -rtthrimr flr lie irraeiitis-e Irailir. Inhalt: Die vier Brrsähnu»g«tage. — Km BersöhnuagSabend. 8on Bertha Gin«berg. — Die Jagd nach »Jiche«". Bon Emilie Bett. — Allerlei für den Familientisch. — Räthsel-Aufgabe» und Räthftllösuugn,. lvntzrfnjkrr «nckdrnck «»< dtrfr« Blatte ist »aterfagt.) Die vier Aersöhnungslage. Mir hatte einst geträumet ein wunderbarer Traum, Venn ich daran jetzt deute, so glaub« ich «* kaum: Ein Mann mit weißem Haar« vor meine« Bette stand. Er nickte mit dem lkopft'uud winkt« mit der Hand. Al« ich ihn s» erblickte, erschreckt« ich mich sehr. Ich fragte, wie er heiße und wa« wohl sein Begehr. Dach schweigend nickt' er weiter, und schweigend meine Hand Ergriff er schnell und führt« mich so« in fremde« Land. Doch plötzlich blieb er stehen vor einer Hütte ttein, Und durch die enge Thür« stieß er mich schnell hinein. Drin' war «4 eng' und dunkel und drückend war die Luft, Und in dem ganzen Raume roch e« nach Leichendust. Gestalten, weiß getteidet,'sich bückten aus und ab. Mir schien, al« ob lebendig geworden fti da« Grab. Sie «einten und fie schlugen sich ihren ftdtpcr wund, Und laute» Jammern, »lagen erscholl an« jedem Mund. Ei« tiefer, lauter Seufzer au« jeder Brust sich rang. Und ach! bei diesem Knblick ward mir so angst und bang. Erschreckt fragt' ich de« Alten, «a» es bedeuten mag: .O, sag« mir, mein Lieder, wa» heut« für rin Tag?" .Bers»hnung«tag ist heute," erhielt zur Antwort ich, .Mit ihrem Gott versähnen di« frommen Juden sich." Und sprechend dies« Worte erhob er seine Hand, Und sieh! im Augenblick« da« ganz; Bild verschwand. Und au« dem engen Raume ward schnell «ln großer Gaal, Geschmückt mtt bunten Blumen, mit Blumen schönster Wahl. » Und hundertsarb'ge Lampen verbreiteten ihr Licht Mi» märchenhaftem Glanze: ich sah dergleichen »ich«. E« .füllt« sich allmählich mit Menschen ganz der Saal, Ich'sah, wir sie sich freundlich begrüßte» allzumal. Man warf sich in die Arm«, man drückte sich di« Hand, Und ein« Freudenthräne in jedem Auge stand. Erstaun» fragt' ich de« Alte», wa« c« bedeuten mag: j,D, sage mir, mch« Lieber, wa» heut«, für ein Tag?" »Berslhnunaötag ist heute!" so sprach er wiederum, »Denn <* versähe» sich heule da« ganze Indenthum!" Und sprechend dies« Wort« erhob er sein« Hand, Und steh! im Augenblicke da« ganze Bild verschwand. Doch schnell rin schöner Garten hervorgegaubert stand, Ei» wunderschSnrr Garten gleichwie im Sunderland. Die schönste« Bdalein spielte« i» Mittagsonnenschein, Mm Nelte» und sie sangen di« schdnften Melodei'«. Di« schdl.s.ii Blumen prangten in bunt'ster Farbenpracht, Mir scksi.rn, daß hier die Schöpfung ihr Meisterstück gemacht. Im Schallen hoher Bäum« spazierte Arm in Arm, Gleich alten, lieben Freunden ein großer Menschenschwarm. Bom Norden und vom Süden, vom Osten und vom West, Sie schienen all' geladen zu diesem Gartrnftst. Erfreut fragt' ich den Alten, wa« es bedeuten mag: .L, sage mir, mein Lieber, wa« heute für ein Tag?" .Versöhnung«»-« ist heule," er wiederum begann, »Denn e« versöhnt sich heute Jud', Christ und Muselman!" Und sprechend dieft Worte erhob er seine Hand, Und sieh! im Augenblick« da« ganz« Bild verschwand. Und au« dem Garten wurden viel («ärten, Wald und Feld, Und Alle« war so herrlich, gleich einer Märchenwelt. Doch nein, ed war kein Märchen, e« war die Wahrheit ganz, E« war die Welt, die wahre, in ihrem schönstrn Glanz. Die schönste Flora blüht« im («arten, farbenreich. Die reifsten Früchte prangten aus Bäumen, sternengleich. Und Wunder! bei der Fauna der Fried« war zu Hau«', E« spielt« mit dem Löwen die »atze und dt« Mau«. Der Wolf lag bei dem Schafe, der Hund daneben stand, Und sieh! an ihrer Seite sich ein« Schlang« wand.» Mit majestät'schen Schritten, al« Herr'n der ganzen Welt. . Sah ich die Menschen schreiten durch Garten, Wald und Feld. Am blauen Himmelszelte die Mittagssonne stand, Die Alle« ueu belebte, wa« unten sich besand. Entzückt ftagt' ich den Alten, wa« e« bedeuten mag: „0, sag« mir, mein Lieber, wa» heute für ein Tag?" .Bersöhnu»a«taa ist heute!" sprach er aar ftierlich, .Denn e« versöhnet heut« die ganz« Menschheit sich." Und sprechend dieft Wort« erhob er seine Hand, Und ,,eh! im Augenblicke da» ganze Bild verschwand. Unh wieder, so wie früher, vor meinem Bene stand Det alt« Mann und lichelnd ergriff er mein Hand. .Und willst Tu gerne wissen," sprach lächelnd er zu mir, »Wie mich die Menschen nennen, nun wohl, ich ftg' e« Dir: .Ich bin der «w'ge Jud«, Ahatver nennt man mich!" Er sprach'» und war verschwunden; und — da erwachte ich. Und wachend aus dem Bette dacht' ich darüber nach: Wie schön wird'«, weu» «inst eintrisft dieser Bersöhnung«tag. Allüberall wirb wehen ei« «armer Frühltngthanch — Ihr fragt, wann wird'« geschehen? Dasselbe frag' ich auch. «,»!» »