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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 37 (1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
37 (1890)
Date
1890-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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t'rmtfftgikoi mo Br. «. «cHkt i* Vtagbctarg. 3« |itn|iUnf ir#drtti«| fit die itrirlitiftc jrailit. Inhalt: «u* km Mischen Leben einer »leini Allerlei für km Kamilienrisch. — «Ltl ladt. Von Bertha «inkberg. — X(c Jagd nach .Jlchek". Von jel-Aufgaben und Räthiellösunaen. ltinbeingter Amtzkr^ ans diese« Blatte tft metrisagt.) V«rf«h«t. LliM ans kern jüdischen Lebe» einer iileinftad«. Von Bertha «inkberg. Lin seiner kalter Rege» rieselt auf di« Erd« nieder; di« Damen raffen ängstlich ihre Lleider empor, um sie vor. der Berührst»g «it de« unzähtigeu schmutzigen Wafferlachen zu schützen, di« sich schnell ans der schlechtgepflastetten Straße gebildet haben. Zu gleicher Zeit offnen sich «ine Menge Regenschirme, so daß die Straße in eine« Augenblick wie von eine« einzigen großen Zeltdach überspannt auösirht. Aber das Zelt bleibt nicht stehen; e» bewegt sich langsam vorwärts, hinter eine« schwarzverhüllten Geführt her; denn es ist ein Leichen zug', der durch da» Städtchen -um »Guten Ort' hiuauszieht. »Ein abscheuliche» Wetter!" klagt Fra» Hirschberg, eine behäbige Dame zu ihrer Nachbarin, .und dieser weite Weg dazu! Glauben Sir wir, da» verleidet einem die Lust zu den Begräbnissen zu gehen." »Gott, — M ist doch Pflicht!" sagt di« Angeredetr, »und übrigen», wenn '» Wetter auch noch so schlecht ist, so geh' ich doch lieber Andern »ach, al» daß Andre mir aachgehen." Und da e» sonst Niemand that, belacht sie selbst ihren ebenso geistreichen wie taktvollen Witz. .Sie gehen nicht gern zu Beerdiaungrn?" wendet sich von der andern Seite her rin junge» Mädchen an die erste Sprecherin »Ich sehr! — da» heißt — ich meine nur. weil unser Herr Doktor immer so rührend schön predigt!" Der Herr Doktor ist noch unvecheirothet und hat e» diesem Umstand mehr noch al» seinem Prrdigertalent zu verdonkrv, daß di« jüdisch« weibliche Jugend de» Städtchen» plötzlich sehr stomm geworden, »ud daß di« Synagoge de» Sonnabend» di» auf da» letzte Plätzchen gefüllt ist. .Unser Rabbiner ist überhaupt reizend, finden Sie da» nicht?" fährt da» Mädchen fort. Frau Haschbera lächelte spöttisch. Sie will der Sprecherin zeigen, daß sie fie durchschaut. JD ja," sagte sie, „«» möchte ihn wohl manche» von den jnngeu Mädchen hier gern haben! — daß er sich noch immer nicht entschließt zu heirathen, — er ist doch schon viel länger al» «in Jahr hier!" .Er soll eiu« unglüclliche Liebe' gehabt haben," wirst bi« andere-Frau ein. .Aber, wie können Sie sich so etwa» ausbindrn lassen! — Nein, er wird wohl noch kerne gefunden haben, die ihm mm geaug ist!" ‘ .Da brauchte er doch nicht lange zu suchen!" sagte ba» Fräulein, die Lippen aufwerfeud. .Als ob e» nicht selbst hier in der Stadt fromme Mädchen genug gebe!" Frau Hirschberg gievt chr darauf eine bwöhafte Antwort, — und so schwatzen sie hin und her, v^u de« und jenem, »ährend sie langsam weiterschreiten. Und gleich ihnen vlaudern auch die meisten Damen im Leichengefolge. Einige sprechen auch von dem Trauerfall selbst. .Di« arme Frau muß doch ganz außer sich sein!" bemerkt Eine, die ziemlich weit hinten geht, wo sie gut den geschloffenen Wagen sehen kann, hinter dessen Scheiben die Gestalt der trauernden Wittwe sichtbar ist. .So ein plötzlicher Tod, da» ist doch schrecklich!" setzte sie hinzu. .Ja, ja, für den Augenblick ist e» ja schlimm," erwidert« eine Andere, eine schmächtige, abgehärmte Fra», „aber ich biu' Sie, die reichen Leute, bei denen ist gar keine rechte Trauer. Geld ist genug da, und unversorgte Linder hat sie nicht-" Und dabei denkt die Sprecherin au ihre eigne ansehnliche Lindcrschaar daheim. „Aber sie wird sich doch sehr einsam fühlen! Mit dem einzigen Sind verfeindet —" .Ach, paffen Sie «al auf, mit der Tochter versöhnt sie sich noch und zieht hin zu ihr!" prophezeibte die Andere. Sie soll ja nie so sehr gegen den Verkehr mit dem Assessor gewesen sein, — aber vor dem Alten failich." .Wisse» Sie denn auch, daß die Tochter zu dem Begräbniß gekommen ist?" mischt - sich eine Dritte in» Gespräch. „Denken Sie, sie soll oben am Sarg gekniet haben!" .Warum denn nicht, sie ist doch Christin!" „So? — Was Sie sagen! — Seit wann denn? Früher hieß r» doch ander»!" tönt es nun im lebhaften Durcheinander von allen Seiten» bi» die Allwiffende den Neugierigen die Auskunft erlheilte .La. früher war sie '» nicht, aber jetzt bei der Taufe de» Linde» ist sie auch abergetreten. Wissen Sie. al» Jüdin hatte sie doch ein« schwer« Stellung in jenen Kreisen." „E» ist doch eigenllich eine Keckheit von der Person, zu dem Begräbniß zu kommen'" ereiferte sich Jemand in der Nachbarjchast. „Sie muß sich doch sageu, daß sie ihr«,» Vater in» Grab gebracht hat." „Na, aber, — er hat doch noch ein Jahr gelebt, und war frisch und gesund —" „Gesund, ja scheinbar!" rast die andere Dame unter lebhaften Gestikulationen au». „Gesund, bi» er den Herzschlag bekamt Ich jage Ihnen, damals hat er'» bekommen, tote sie aü» der Synagoge nach Hause kamen und statt der Tochter «inen Zettel i-nden mit den Watten: „.Verzeiht mir; ich kann ohne Oswald nicht leben!"" — Da» zu erleben, daß ihm du einzige Tochter mit einem Christen davonläust! So eia frommer Mann!" .Nun, sie haben aber doch dann ihre Einwilligung zu der Hochzeit gegeben!" ,Wa» konnten sie. dann noch thun? — Aber zur Hochzeit war Seiner, und wissen wollten sie nie etwavon chr!" In diese» interessante Thema vertieft, da» sie auf da- Lebhafteste »ach alle» Richtungen hi» au»deuteten, haben

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