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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 36 (1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
36 (1890)
Date
1890-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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•u sc, savilcht. Vi/ («ratifgegdai »en Br. M. Natzmer in Magdeburg fcnouifltgt»« ■Maut _3»t Ittahilin,«. Selch»», fit Mt isrieliWe |t«ilit.__ . 8«» « vcptrwbrr, brat 161. «<6nrltMgt Mose» ««ndelSsvhn». «in «ahnwsN ton Rabbi »er Lr. Roths»ild-«lj«y, — JNYlltl! V'« Präger ,he«».»^chichi« v»n «atthla, «is» in »ien. (S«rij. u. «chlnb.) - RI««l»nsqaden und «äthstlv UKnnyn. (On»(fn«trT «n»»rn< tnf Mtfnn *Utt» tft nntrd««t.) Ar»« 6. September, de« 161. GedartStage Mose» MeadelSsahnS. Ein Mnhnwort von Rabbiner Dr. R othschild»Aljey. Am IS. Juni d. IS. fand dir feierlich« Enthüllung des Denkmals statt, welches nicht nur die jüdische, sondern auch die Übrige Welt öffentlich und unter allgemeiner Theil» «ahme und Begeisterung Mose« Mendelssohn, dem jüdischen Weilen, dem frommen Deuker und Gelehrten, in seiner Vaterstadt Dessau auf freier und öffentlicher Stätte in großer Bersanmlung, in Gegenwart des Landesfürsten und seines Hofe», wie vieler Grüßen aus politischen und Ge» lehrten-Kreisen errichtet hat. Ein bedeutungsvolle- Ereigniß, besonder» in vusrer Heit antisemitischen Judenhasses, zu jcbui, daß auch die nichtjüdische, hohe Welt einen jüdischen Mann, zwar von hoher, geistiger Bedeutung, aber niedriger Herkunft und Stellung friert. Nicht daß Mendelssohn den Nichtjudrn näher gestanden hätte, al» un» Juden, nicht daß er sein Judenthum. verleugnet hätte, von ihm ao» gefallen und zu einer andern Religion übergeirrten wäre; — da wäre ein solche» Ereigniß nicht auffällig. Rein, Mendelssohn war ein gläubiger, frommer Jude, der den Werch und Borsug seiner Religion kannte und vertheidigte, der den Antrag auf Abfall und Ueberlritt mit Ernst und Entrüstung weit von sich gewiesen, der im Umgang mit Nichtjuden selbst sein jüdisches Gesetz streng beobachtet und doch die grüßten Männer seiner Heit zu Freunden und Berehreru, zum persönlichen und brieflichen Verkehr gehabt hat; — dir» will ich hervorhebrn. Welche Bedeutung hat Mendelssohn besonders für uns Jude« gehabt! Tr hat gezeigt, daß'der Jude Gott upd feinet Religion treu, und doch, dem Vaterland und seinem Volk ergeben ist, sein kann und sein muß, daß der Abfall von seiner väterlichen Religion nicht nöchig ist, um dem deutschen Volk und Vaterland anzugrhörrn und ein guter Patriot zu fein. Die» aber gerade ist eS, was unS heute noch unsere Gegner ins Gesicht ableugnrn und, oft wider befferrS Wissen, oft aus Unkrnutniß und Borurtheil, in fckldseligrr Absicht gegen unS hervorheben. Weisen wir auf Mose» MrndÄSsohu hin, um durch ihn unS zu vertheidigen, um durch ihn solche feilsch« Anklagen zu widerlegen, aber nehmen wir auch an ihm mrS ei» Beispiel, um wie er mit der Lieb« zum Vaterland gleiche Treue gegen Gott und Anhänglichkeit an der Religion zu bekunden. Au» der Judengasse in Dessau kam Mendelssohn nach Berlin, ohne richtig Deutsch sprechen, lesen und schreiben zu können, nur jüdische Religion»- und hebräische Sprach» iamtmffe hatte er sich, nach' der Bildung-weise aller Juden feiner Zeit, zu eigen gemacht, und doch hat er sich zu einem deutschen Gelehrte« von solcher Berühmtheit oeraugebildet, daß er deutschen Nichtjuden zum Muster und Vorbild in deutscher Sprach» und Red«', in deutscher Denk, und Schreib» weife gewmche» ist. Dabei pflegte er aber auch seine jüdische Rrligwn-wiffenschast fort, hielt an seinem jüdischen RrligiouSbrkrnntnisse fest und vertheidigte diese» argen Angriffe, woher sie auch kamen. Mehr noch l er wollte seine Glauben»« brüder auf denselben Weg führen, den er gegangen; er lehrte sie auch durch seine deutsche Bibelübersetzung richtig deutsch schreiben und sprechen, denn man hatte eine solche vor seiner Zeit nicht, sondern verkehrte nur in der vor» maligen jüdisch-deutschen Sprach- und Schreibweise. Da» Volk griff »u und folgte seiner Weisung, aber einzelne Rabbiner mißbilligte» anfänglich solche» Bemühen, sie verboten sogar den Gebrauch solcher Bücher und verbannten Mendelssohn'» deutsche Bibelübersetzung. Warum? Sie fürchteten, daß da» Volk dadurch zur Benutzung anderer, gefährlicher Bücher angrleitet, von der Pflege jüdischer Religionswissenschaft abgeleitet und zu falschem Denken, zum Abfall von der jüdischen und aller Religion verleitet werde. Und sie hatten nicht ganz unrecht, diese weisen und gottesgläubigen Männer, schon Mendelssohn'» Kinder sind Abtrünnige geworden, und seitdem hat sich der religiüse Abfall und die religiöse Gleichgültigkeit in Israel gemehrt; daher kommt e», daß jüdisch« Lehr- und Bethäuser leer und unbenutzt stehen, daher kommt e», daß jüdisch« Religion»» lehre fast vergeffrn und jüdisches ReligionSlebcn immer mehr geschwunden ist. Die Bibel warnt ja schon auf ihrem ersten Blatte: „Mensch, iß nicht von dem Baume eigener Erkenntniß, sondern halte dich an der Frucht göttlicher Weisheit, wolle nicht selbst »Assen und entscheiden, nras gut und bös« ist, nach deinem Denken und Begehren, nach der Lust und dem Boriheil de» Augenblicks, jeder eigen- und verschiedenartig. — da» ist die Geschichte vom Sündenfall de» Menschen, dadurch kommst Du und kommt jeder zu Abfall und Sünde. So lehrt e» auch die Güttrrfabel der alten Völker, von dem Manne, der für die Menschen da» Feuer vom Himmel gestohlen. Welches Feuer? Das Feuer de» göttlichen Geiste», das eigene selbstständige Denken und die feurige Begeisterung dafür, die die Menschen zum abfälligen Denken, aber auch zum abfälligen Handeln führt. Di« Götter, heißt «», erkannten die Gefahr und wehrten e» ihm, sie schmiedeten ihn an einen Felsen, d. h. das Leben ohne geistige Entwickelung blieb starr und versteinert, und ein Geier ftaß dem Manne da» Leben weg. d. h. Gram und Mißmuth zehrten sie ihm auf. „Prometheuswird der Name diese» Manne» genannt, d. h. ein „Bordenker für die Menschen.- Noch weiter! Auch in der chrisllichen Religion ist «in Mann aufgestandeu, der durch seine deutsche Bibelübersetzung da» Volk zum SÄbstdenken führte und auf dem Wege c;«m Denken» und Erkennen» Trennung von den Anderen v ranlaßtc. Aber auch hier wird über religiöse Gleichgültigkeit und religiösen Abfall geklagt, auch hier sind die Krrchen, roie bei un» di« Synagogen fast leer ge», worden. Soll und will ich darum von Denke« und Auf» ' klärung abrathei, davor tvaiucn? Nimmermehr! Wir haben ns* wollen keinen .blinden Glauben," in unserer Religion ist Wiffen und Denken vorgeschrieben und hoch gehalten. Aber „lernet and denket," denket nicht ohne erst

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