Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 35 (1890) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
35 (1890)
Date
1890-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
89% known words query
IRI
…/6492351-8723730-5959593--1455-5374179
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

t«u>«ttg(in »on Br. M. > atz «er in »agbtbutg }n Sitftldtni t Kelrhnuß fir dir.. liwlir. Zam 8. Septmiber! Der Zag Don 6ebatt, rin Fried«»«, nab Erntefest b«r bentfchen Nation Ein« ßicknlrrb« von Theobor Lehmaaa — Kepl»«ang. Eine Prager Ghen»>s(beschichte bau Matt-ia-Klsch,in Vien. (Fortsetzang.) — Rstbielavsgaben > lutea Witte ist nab NVHfeliösangea. (Uabrfagtcr RasDrack aas aatersag«) 8«« 2 September: t>n La« »»» timt «i» ffrUb«a«* mb <Prat«f«ft bet beatfche, 9tatf»n, .Ariebe, Griebe dem fernen wie de» Nahen!" (Iesaj. 27, 19.) Zum 20. Mal« ist heut« bet Tag «schienen, an dem , der Herr, der König aller Könige, Großes an un» gethan hat. Tamalr sang ei« gottbegnadeter deutscher Dichter: Ran lagt bk (blöden von Thurm zu Thurm Durchs Land frohlocken im Jubrlfturm! De« Alammenstohe« (beleucht sacht an; Der Herr hat ibroheS an uns gethan. Ehre sei «on in ber HSh'! Io, durchs ganze Land und weit über die Grenzen desselben hinaus, in allen deutschen Herzen, hallte am 2, Eeptrmver 1870 die lauterste Freude wieder, daß ins terz getroffen der übermüihig« Kind, der freventlich den rieg herausbeschworeu, daß der eroberung-lustige und ehrstchtigc Kaiser der Franzosen als Gefangener sein ganze» rLfieü von der Großmut h de» Sieger», unseres hochstligen ^^Aaiker» und König« Wilhelmerwarten mußte. Sedan! Sedan! schallte e» von Mund zu Munde. .Napoleon gefangen!" tönste es von Millionen Lippen wieder. Ehre sei Gott in der Höh« jauchzte das Vaterland von Fel« zum Meer. Seda«! — da» ist auch heute der Ruf auhimmlischer Höhe! der uns von der Erniedrigung de- Hof» färtigeu nnd von der Erhöhung de» Demüthigen predigt. Er, der au seinen vielen Millionen Unterthanen, an seinem reichen Lande, an all seinem Glanze und all seiner Ehre nicht genug hatte — et mußte schließlich vaterlaudSko» auf fremde« Boden, allein und vereinsamt, unter den Verwünschungen und Flüchen seine« von ihm irregeleiteten lyolkcs sterben. Er aber, der seinen Lebensabend gern und ausschließlich mit Serken de« Frieden« auSgefüUt Hütte, der nur widerwillig in den Kampf gezogen war, und der daun bei allen Erfolgen, nach allen glorreichen Siegen Gott allein di« Ehre gab und sich deiuüthige vor den, Köniae der ganzen Welt, — er wurde erhoben: der Glanz - der deutschen Kaiserkrone umstrahlte sein greise« Haupt. Io, well er getreu gewesen war dis in den. Tod, hat ihm ' Gott, als das Ccepter irdischer Regentengewalt seinen müden Hüudeu entsunken war, eine noch herrlichere Krone verlieh««, die Krone des Leben«, dieKrone eines imreiu strn Glanze leuchtenden guten Namen«. Heil dem, der mit ihr geschmückt ein- -weht in die Gefilde der Seeligkeih wo Friede herrscht und Gottes hellig« Stille. So ist er eiugezogen zu den Scharen {einer Helden, der Sieger von Sedan, zu den Braven, die «rch de» ehrenvollen Tod auf den blutgefleckten Schlachtfelderu ei« großes, aeeintrs Und starkes Vaterland un« «stritte« haben. So ist auch er heimgegangen, Friedrich IIL, auf dem Haupte die nimmer welkende Lvrbeerkrvne des Siegers, der sich selbst bezwingt, des edlen Dulder«, der da leidet, oh« zu klagen. So.find auch sie heimgegangen — di« «eisten der Führer aus jrnm herrlichen Ruhmeslagen, deren Lndenleu wir am 2. September feiern. Längst verhallt ist der möderische Kanonendonner, verstummt sind die Klagen der Wittwen und Waisen, auf die einst so brennenden Wunden hat die Zeit lindernden Balsam geträufelt. Und au« den himmlischen Höhen ertönt uns heute der Ruf des Propheten entgegen: Friede, Friede dem Rahen und dem Ferne«! So lasset un« diesem Rufe folgen und den Tag von Sedan, den Tag der Erinnerung an ein gewaltige« Ringen zweier Völker, al« einen Friedens« tag begeben, ganz im Geiste der heiligen Schrift, nach welcher einst «ine Zeit anbrechen wird, in welcher man aus den Werkzeugen des Krieges Instrumente de« Frieden«, aus den totbringrnden Schwertern frcudenerweckende Rebenmesser machen werde. Dieser für di« fernst« Zukunft vorau«- geschenen Zeit eines allgemeinen Weltfriedennähern wir un» heute um einen kleinen Schritt, indem wir den Tag heftigen Ringen« und Kämpfen« al« ein Fest de- Friedenbegehen. — Wo aber Friede ist, da herrscht auch Freude. Und so werden wir denn am heutigen Tage überall, in den Hütten der Armen, in den Palästen der Reiche« und Große», dei Jung und Alt der reinsten Freude begegnen. Aber worüber freuen wir un» so sehr? Gewiß darüber, daß Friede herrscht in urseren Tagen, aber sicher auch über die herrliche Sedanernte, zu der in jenen Ruhme-tageu von 1870/71 die Saat auSgeslreul worden ist. .Die mit Thränen säen, werdell mit Freuden ernten." Wir hoben mit Thrünen gesäet, mit den Thränen der Wittwen und Waisen, der vcrrinsamteu und ihrer Stütze beraubte» Eltern. Wjr haben gesäet mit den zahllosen brennenden Wunden nnserer tapferen Krieger. Wir haben gesäet mit den hingr streckte» Leibern nnserer braven Vater« lond-söhne. Drei sackt schmerzlich ist also die Saat gewesen. Dreifach köstlich ist darum auch die Ernte. Denn alunser unbestrittene« Eigcn hum, alde» von Gott gesegneten Ertrag unserer Sedanernte dürfen wir heute betrachten: ein starke« Vaterland, eine reine Muttersprache, ein treue- Brüdervolk. Ein starkes Batet land! Hatten wir denn früher kein Vaterland, könntet Ihr fragen. Wohl hatten wir eine»; aber eS war zerrissen und in sich gespalten. ES gab kein einige« deutsche Vaterland, sondern viele Vaterländer und Läoderchen. Es gab kein Bewußtsein nationaler Zusammengehörigkeit; Berrath u„d Bruderkrieg.zeigten der Welt die Ohnmacht und die gegenseitige Eifersucht der deutschen Staaten. Da wurde es mit einem Schlage anders. »Das Vaterland ist iir Gefahr 1" Dieser Ruf ließ alle deutschen Herzen in allen deutschen Gauen fühlen, daß sie zu einander gehörten: Preußen und Würtembcrger, Baiern und Badenstr, Hessen und Hannoveraner. Auf dem Altar« des gemeinsame« Vaterlandes haben sie alle 1870/71 gleichmäßig, ja im regeste« Wetteifer, unzählige Opfer an Gut und Blut dargedracht. E« ist nicht umsonst geschehen. Unter der Einigkeit seiner Söhne ist da« Vaterland erstarkt und gefestigt und unter der weist» Führung eine« gemein- 5869

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.