Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 31 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 121 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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ttsbfo krocht« jeder SU% io ber Doch« sein AbmMimi . tut O» Um SMatilaiai nl UnttiM ftib chch Mm nttcibite Ccde, «Ich« na für rari|t Kirnte« ora Ick Nshrsiock-Prärogottve befreit litte. 7. OM mb friedlich floss» »ras«« Lag« ba|ia in bet MHMRleftti Gaff«, an Strande bei aanealolea .Leiches" »ab »aler den Schutt« de« FüuftopekeuNohrftocke« uaserel mirrtsche» Melamed« Red Mair Je«tchalmi. Ja uaseren Eheber ßia, Lies setaea ungestörten Saug nach der etamal eingeführten, eben besbrtebeaea Ordnung. Uad es schien, baß btes« Ordnung bis zum jüngst« Tage bestehen bleiben »flxbej bt kam ab« plötzlich der Dr. Lilienthal*) in unsere Stabt. Die erste Nachricht aon der Ankunft und ben schlimmen »bfichtt» bes brutschen Dotters brachte unser Melamed, ber {U i» Beb-Hamidrasch aufgefange» und sich, trotz seiner gering« MittheÜsumkett, beeilt hatte, sie den Bewohner,« der Söffe zu berichte». Später wurde diese Nachricht »oa Neb Jmttel Licker bestätigt, der seiner Hände Arbeit selbst aus« «tragen und mit den kupfernen Fünfkopekenstücke» einen Sack voll Neuigkeiten. zu bringe» pflegte. Und diese Nachricht» die ganz dazu angethau war, jeden rechtgläubigen Inden mit Bestürzung zu erfüllen, stellte die bislang im -Lieber herrschende Ordnung auf den Kopf. Unser Melamed begann — o Wunder! — zu reden, der wirth hörte auf zu singen, der Topeztrer zu hämmern, dal Lhepuar Kusfiel zu zanken, Jankel Bäcker zu witzeln und wir Härten'auf — Stsflige zu bekommen; denn Alle waren mit der Besprechung «nb Beurtheilung des gottlosen Doclor» und seinen ent« setzlichen Abfichten beschäftigt. .Schau, was sie ausgeheckt haben" — rief Liner btt» Andern zu — .Schkoles!**) Die Juden solle» Schkoles bekomme»! Jüdische Ander sollen genommen werben in die Schkoles! Das hat uns noch gerade gefehlt! Und daß mir bei jeder Aushebung eine bestimmte Zahl an Nekruten stelle«, soll uns nicht angerechuet werben?" ' .Was meint Ihr, Neb Mair," frag der Wirth täglich meh«re Male den Melamed, .werden auch meine Söhne in die Schkoles genommen »erbe«? Habe ich doch erst vor drei Jahren einen Nekruten gestellt für meine ganze Familie, worüber ich eine Quittung habe." .Möge Sott uns beistehen," antwortete unser Melamed, der es nicht liebte etwas voransznsag«. .Ls ist doch gar nicht beeckbar, baß unsere Nummer scho« wieder an der Reihe ist," drang'der Wirth tu unseren Melamed. »Ich würbe mich beim Gouverneur beschweren." .was aas alle» Jude» «erbe» wirb, bas wird auch aus Luch werben," bemerkte »nser Melamed tief scüfzeud. »Und wißt Ihr, was mit den Ktaberu geschehen wird, wen» sie die Schkoles »erlaffe»?" warf Jemand die Frage auf. Alle horchte» auf. .Mau wird sie daun »ach Kaukasteu bringen," schloß •ber Fragesteller. .Sie gehen schon, sie gehe« scho»!" ries Neb. Lanchum, mtt seiner Büchse Kappernd, .am nächst« Montage ans." .Wer geht sch»»?" frug Jemand. .Pie B'ne-Da» und Vue-Moscheh," antwortete Red Tonchum, gehetmuißvoll mit de« Kopse »tckmd. .Sie hob« sich "scho» /aaf die Reise begeben» bewaffnet mtt Schwerter» und Pfeile» pud Spieß« und andere« Kriegsgerith. Der Fluß Sambatjou hat sich beruhigt und hat ihre Schiffe burchgelaff«. Bet den .Hers Lhoschech,***) »erb« sie Schabbetz holt« mb am Schabbetz-Abend wirb der Krieg mit Sog und Magog beginn«. Der Feind ist .nichtig, allein für uns werden streit« die Lngelschaar« des ") Dr. L, »eil. Robb, i« Eiuciaaati, wurde 1840 tu M raff. Miuisterimu ssr vatkDm^UäafIg aU:W«t£ t« ßMfüage der , um dort Hlegteruug' bereiste er I . --Er Mn ul jeuer Zeit der Schreit« aller *•) Schulen. »♦*) «a»ühestes Eebtr^ et jüd. «Ottlschuleu etozoÄchteu. rBtöchchrAler. («,». d. Hebers.) Her« Zebaoth. Die Soest wirb heronstrete» aus ihrer Scheide n»b der Veit wirb es nuerttilglich heiß ftin; nur im Thale Josapheth wirb Kühle herrsche», «nb der Herr wirb besteig« k» Richterstuhl, »m gu richte» alle Böller der Erbe. Nicht «»sonst hat der Lrz«,ei Michael »ihre»b bar ganz« verfloffeu« Nach« geblas«; ich weiß was bas z» bedeuten hat." schloß er und sah die Zuhörer mtt eine« fast verzückt« Blicke an, der »ns «beb« machte. — An diesem Montage siel« in s.-tne Büchse viele, »tele Pfennige; sogar da« Dienstmädchen des Wirthe« beeilte sich ihr Scherflet» beizntragen; wir Lhederktuder aber gaben Neb Lauch»» unser ganzes Tasch«geld hin und bat« ihn leise, bäht» g» wirken, daß der Krieg mit Sog und Magog möglichst noch vor de« nächst« Donnerstage beginne, damit wir unter der allseitig« Verwirrung der üblich« Wiederholnngspet» entging«. Diese Messtasstimmung hatte «ns wihr«b der ganz« Woche dermaßen beherrscht, batz unser Melamed sich veranlaßt sah, uns zu melden, daß er an dem nächst'» Donnerstage .Omar Naddi Jochanan" b. t. talmubische Legend« über dieletzten Tage des zweit« Tempels — eine Piece, die gewöhnlich in d« Tagen vor de« n«nt« Ab (dutt) vargetragen zu werden pflegt, wir aber schrieb« erst Thebeth (Decemver) — außer Abonnement lesen »erbe. Und diese Mtttheilung erfreute nicht nur uns. denen eine iutereflauto Vorlesung bevorftond, fonbern auch viele Bewohner der Sasse, die den Wunsch äußerten dieser Vorlesung beiwohnen zu dürfen. Der erwartete Donnerstag brach an. Um für bas .Publikum" Raum zu schaff«, ließ der Wirth alle überflüssigen Gegenstände au« dem Zimmer schaff« —7was in drei Sekunden vollbracht war. Sogar die Linquartirung gestattete, daß der tmprovtstrte Btvnak in ein benachbartes Haus geschafft wurde. .Wir wollen eurem Geber nicht hinderlich sein," erklärten die gut« Soldat«, ihre Tornister htna»strag«b. .Betet nur, betet; habe« wir doch Alle Liu« Gott!" Zur festgesetzten Stunde war unser Zimmer dicht gefüllt mtt Greisen und Kinde« beiderlei Geschlechts und zuletzt könnt« der Hausflur und der baueb« liegende Stall die Zahl der «ach dem Worte Gottes Lechzenden nicht fass«. Die Gesichter der Anwesend« drückt« die gespannteste Neugierde aus und ihr Blick war dankbar und ergeb« auf j«e Stelle gerichtet, »0 unser Melamed, in ein Buch verlieft. stumm uub kouz«trttt dasaß. Ludltch setzte Neb Mair seine Pelzmütze auf und räusperte sich. Dies bedeutete» baß er z» les« beginnen wolle und da«« trat sofort feierliche Stille ein. Neb Mair blickte sein Avbitoriu« düster, schwermüthig an mb begann, tu Form eines Prologs, mtt der Beschreibung des Jerusalemisch« Tempels, der Salomonischen Hofhaltrng. der grandtSs« Pracht des königlich« Tlhroues und ähnlicher Dinge. Die Zuhörer schüttelt« mit den Köpfen und zuckt« mit b« Achsel» ob ber ungeheure« Retchthümer ber jüdischen Könige und des jüdischen Volkes, und waren überzmgt, baß ein ähnlicher Neichthnm noch nie war» uie gewesen sein kannte mb seldstverstäudlich auch nie mehr sein wird. Nach Beendigung üieses Prologs schob Neb Mair die Mütze völlig auf die Nase uub begann mtt weittöueuber weinerlicher Stimme zu les«: »Omar Naddi Jochauau;" die Zuhörer spitzten die Ohren und hielten es für ihre Pflicht, eine wetuerltche Mteue nuzuuehme», und je weiter Reb Mair las. desto weinerlicher wnroe diese Miene. Nach einig« Minute« trat« in die Aug« der weichherzig« Frau« Lhräne» uad kur, daraus waren diese f«chten Nmel auch in den Aug«.der härter« Männer sichtbar. Rach Verlauf einer halb« Stunde weinte schon die ganze Versammlung — erst leise, dam immer lauter, bi» daß Alle aus Leibestrift« schluchzten. Und immer mehr erhob Red Matr seine «ÜMme nab immer mehr regte er sich ans; er las nicht «ehr, ssnbern schrie jede Phrase seines Teste»