Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 24 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 93 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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98 — - Ulk oxfUtt auf sei»» Platz prückzukrhr», versuchst «r. sich »f da» Fensterbrett z« setz» uud als ihm «es «tcht gelang, ließ er fich a»f der erst» best« Bank nieder, nn« d» Rück» zuweudeu». -r Krgi| fcfau Pfeife, die Backstube, Ni»» und Alles »a» bonil zosammmhblg. «r scht» seine zukünftitze Lfthälste kau» zu erkenmu »enn sie, «sie ehedem, nach de» Lheder kam, u» fich ,nach der ZeU » erkundig»"; und eiumal erhielt sie sogar d» uudestimmten «eschttd: »Fsfünfviertel auf Achtzehn!" Nito« kicherte i» »er Luuah»«, daß die Paie» zu scherz» -beliebt», allriu »tr Aiuder »ar» darob eruftltch erschrocken, Heu» >oir glaubt«,, et»» Irrfiuuigen »or uu» zu habe«. Allmählich began» dieser Starrkrampf sich zu lös»; nufer Mela»ed fing a» zu sich zu kann»»; seine normale Dum«. Heit kehrte wieder; er beruhigte fich uud »ir mit ihm, er »nrd« sogar heiter. Uud als der alte veruch einig» Tag» gekommen war uud thu gefragt hatte, was er »tt sein» Pate« zu de« ginn» gedacht«? autwortete er, verschmitzt lächttu», mit der Hwas that Jachedebmit ihre» Kind«, als Pharao ft. .fohl» hatte, di« israelitisch« Anäblet« in» Baffer zu -werfeu? ,Sft »erdarg thu drei Monate laug," a»t»artetr Ba»ch ft» Urtexte. ,Nu», ebenso »erd« ich mit »eineu Paie« verfahren," trinmpHirte unser Melammed, sei« lkleiuod streichelnd. »Da »dge der Herr Luch beistchu!" g» der Thal, dte Id« »ar eine glücklich«, «tcht nur -eine glückliche. sonde» anch et« aosführbarr; da» »nser Gheder befemd fich in einem Seiten^tßch«, daß nicht allein von einem Lhrist», sonder, selbst ms einem Polizist» nie» als detret» »«de; daß Bäßch» stand gavtffermaßeu mnftrhalb der Polizeilich» uud fthtrbltch» »Echt, ja fast antzerhald «er russisch» Sanftsgrrngi. v« «uqaartirung »nd ähnlich» Annehmlichkeit» halt» die Hansdefitzer dieser -Gaffe nie et»a« verspürt. Mochte dft« mm als etu Priotleginm oder al« et»a« andere« anfgrfaßt »erd» — gen», diese Saff, nah» et« |»rtff« exzeptionelle Stelle ein. Der Beanffichtignng seiten« der BehdS» mtratheu, »n diese Gaffe mrt Schutthaufen ftgnaftt. dte di« an die Dächer chftmnragt» und dt« vrrhetßnugsvvlle Aussicht ftt», ftretnst anch »der di« Schornstein« tu» de» gaai» Umkreis Herrschaft z» ge»iun» Und dar»» »ar» in dieser gottbegvaftieu Gaff« di« Pate« unsere« Melomebs so sicher, als hinter ehern» Whll» un» ftirfl» nicht fürchte«, von de« Auge eine« Polizist» erdlickt, von einer eisig» Vcherr»- GchWiftutcheaftet'zü'lftrtztti.' UM so omr e« anch — »»tgsten« iu der erst« Heit. Biele Pate« »urd« uftftrgemacht oder gräßlich verstümmelt von d« grausame» Häud» sndalterner Poltzeidtener; di« klassisch» Lbckch» zählt« zu d» Rarität» — »enigst»« »ar» fi« ans ftr Straß« ftcht zu setz» — ad« dte Pate« »nseres Mttamed« »ar» heil, blühst» üppig «ach »te »or »nd der Mas hatte keinerlei Aendruna» »ihn» zu ertrug» vrrmocht. Berguüglich rieb unser dirrrrr Melammed sich dte dürr» Hände >md »nrde sogar stolz; seit» ftsuchst er »nr mehr di« Backstnbch d«ahm fich gegen bibveu sehr kühl» behandelte fie von ob« herab, als »aUk er sie fühl» last», daß tu (tarn solch Patrsarm» Zeit er» der «mglge Pate«« Bttltzer fast in »er |«)a Stadt, ans ei« viel varthttlhast», Hetrath rechn» dürft und ftcher keim» Grund Haft, »m. dir Gnust der ^Pstgtt"eBäcke»j» mi »erd«. Selbst geg» d» oll» Barnch benahm er f«h rrservirt, in der Absicht d« arm» Schammeß tu tiner respektvoll» Lutftrmmg von fich z, halte». M« sah fürmltch »ft «rser Melammed erwartete, »aß in allernächster Heft <fa» fromme «ich« vittmr fich einfind« »nd ihn mst Sol» überschütten ' »erd« — seiner Pate« »egen, ^st» seiner grruzeuloft» Dummheit ließ er sogar mancherlei Audentnng» fall» über dft Mdgltchftit «in» derartig» Wechsel«, allein r« soll» ander« komm» ... Gg »ar et» heißer Juli-Nachmittag. Dft San« branute heiß. Dft Straß» »arm fast verSdet. Alle »erkroch» fich vor der nuertrigltch« Hitze. Ich kehrte vom Mittageff» »ach dem Lheder zurück. Ich ging sehr langsam einher, denn eiumal lftbft ich es im Allgauei»« nicht, nach de« Lheder ja eile», sodauu »ar ich mst einer ernst» Arbett beschäftigt. Ich »ar nämlich bemüht, dft Aushängeschilder durchzubuchftabtr», um mich zu vergewissern, »elche Fartschritte ich im Nusfisch-Les» — ia «elche Weishest ich vor sturem etngewethst »ord» »ar — fstmacht habe. Diese Selbstprüfuug befriedigst mich nur zur Hälfte, den» wohl gelang e« »st, dft Warft zu »tziffe», e« ^lang «st aber nicht, der» Sin» zu errathe». tlllrrdtugs »ar die« Letztere »tcht gut «dgl ich, da ich dft »sfische »ft hebräische Schrift behandelst uud fie — ob« rechts «ach link» la«, und so kam e« den», daß da« bekannte Wort »Magazin" iu »cbm Lesart .Ntzagam" lauft» und da« sollst der Auckuck verstehn I Ob dieses Mißerfolge« verdrießlich, ließ ich M» de» Autvexamm ab nu» eilst schnelle» Schritte« dem Lheder z». Schon »ar ich der verlassen» Gaffe nahe und i* Begriff ttnznfteg», da lenkst tt»a« LiiugÜche« und Schwarzes da« tnmttt» der Straß« aus^strrckt »ar, «et», Anfmerksamftit auf sich. Ich hielt die« für ein Sammetband an» stat hinpr, um es auf zuheb»; kan« aber batst ich einige Schrstte ^tha», als mst da« vermeinilich« Land »ft rin« Schlang erschien, «ntsetzt prallstich pstück. den» ich vmßst au« der Bibel, daß dft Schlag« dft «rbfetndt» de» »«sch« sei und daß man fi« ans dies», Grund« meid« müffe. Dan« safte ich «st aber, wo sollst» in unferer Stuft mst einem Mast Schlang» Herst»«», nachdem mau von ihn» nst etwa« gehsrtk Ich «in« bah« dreist »nd entschloss« auf d» Gegenstand zu, »ud man docke fich metu» Schreck und mri» Staun», als ich anstatt »ine« Sammetbanbes ob» «in« Schlange dort lieg« sah — die Pate« meine« Melammedl (Faetsehurg saftig Düs GephiechoAStzle« beruht bestuftlich auf der Bvrschrist (Lev. LS. Deut IS): van der nst» Gerstenerntt und de» Dankopfer dafür (Omar) dis zur »st» Weizener»»« und de» Dmckopftr dafür wiosturim) 7 Wach» zu zähl«. D« Sinn ist «ffrobar, 7 Wochm »ach der Gerstenerust dft Wetz», rrfte zu halt», d. h. ans ihre Reif« zu rechn», ad« 7 Wach» »ach ft« Oman der Gerste dft Biolrarim ft» IMpn» z» opfern. G« ist die« pmtchft tt« kalendarische Httüeptumrnrg, aber dft Bestnnng ftr Gftben-Zahl ist amh «tu« reltM« Lonseqnenz, indem dft mosaisch» Feste, »ft Schttnsta- und Jobel-Einrichtung» anf der Sirftu-Zahl al« einer heilig» der« he». Dft Nam» Sodomuaoo uud Pfingsten (koatokoato), d. t. ftr fünfzigste Tag »ach 7 voll» Wochen, «klär« fich dadurch. Anch btt un« Haft» dft Bane» derartige Negel» für Saat- und Lrutebestimmnug», »elche feste Tage oder Wochen, oder anch kalaftarische Nam»") al« Mertzttchee dafür nehme». In Pftästina und ft» benachbartt» Lrop» find diese Negel« um so fest», »eil dft Natnftstflüff« für ft» Ackerbau, »ft ftr «intrttt ft« Ne«»«, ftr Wechsel der Jahreszeit» nud ftr damtt ptsammenhängend« «echstt »ou Stur« und Niitte dort oft! regelmäßiger find, l1« auftrswo. So stuust «an in Palästina für ft» hast» «tffa» dft «ttfe der Gerste «ed 7 Sach» später dft. ft« Wetzen« «ft auf ft» halft» Ltschrt die Obstuud Setustse, »ft dft neue Lstsaat ftsttnm»». Mtt ftr Agrftnltnr hiag deshalb dft Negelnng ft« Aalender« zusammen. Der Momtt «tffa» mnßst gleich» zeitig,Adib" (Aehrmmouat) sei»; dag» war dft Jntercolatst» ") GogeaauM« ^olltgru," als» auch eia religiöses Wahrlich«» »ft »ft »irbro-Sahl.