Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 24 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 92 (sequence 2)
- Language
- German
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— SS — wußte», daß fabelhaste Seide, ih» oorauf^he» mußte«: Unheil und Erdbeben, ei» »eie, mit .G«g und Magog", ja fast der Unter,«, der Wett! Da« Znsa«meut«ften de« nenm Ukase« mit de« Serücht« über die Ankunft de« Mesfia« »urd« vo» viele» wie ftftf nflirt: Die Christen, welch« dvrch ihre Zeit»v,e» erfahre», daß der jüdische Mesfia« i« «az»ge sei, hätten darum die »christliche- Tracht den Jude» vorgeschriebe», damit e« de« Mesfia« »n«»glich werde, Jude« von Lhrtste» zu «»trrscheide», und er somit gezwuugm werde, auch die Letztere» mit »ach Kanaan zu nehmen, dem Laude, wo Milch »nd Honig fließet. -Di« Anlegung, die wir natürlich glaubte», «acht« eine» zwiefache» »«druck auf »ich. Einerseits regte fich da« nationale Selbftbewußtsei» iu mir und erfüllte «ich mit Stolz, daß just di« Christen, welch« fich über unsere Rlligio» stet« luftig »achte», ebrufall» an unsere» Mesfia« Raubten »nd fich »ach de« Land« Kanaan sehnten, demnach muß «nser Loos doch «in beneiden«« und begehrenswerthe« sei»; und an diese» Tage» sprach ich mit besonderer Inbrunst di« Gebeiformel: »Gepriesm seiest D«, Ewiger, unser Sott, König der Welt, daß Do «ich nicht al« Heide« erschaffen J" Anch au« einem anderen Grund« empfand ich Freude ob der Theilnahm« der Ehristea an unsere« Zuge, den« in diese« Fall« wird ja auch da« Stadtorchefter, in welche« ich rein vernarrt war, mit an« ziehe» und di« weite, ermüdend« Reise durch Musik angenehm mache». Wohl durste mau schlimmsten Fall« auf den Gesang nnsere« Gemeind e-Cantor« und seiner Gehilfe» rechne», allein ich hatte immer da« Orchester de« Pan Stephauowitz dem Grsange de« Sender Chase», de« di« Jude, nicht oft genug höre» konnten, vor« gezogen. <tS machte mich sehr glücklich, daß rin so abscheulicher, gottloser Geschmack mir tnuewohnte, allein ich konnte. mich unter keinen Umstünde» seiner entledigen. Dar«« erfüllte «ich der »ene Uta« mit Wonne, denn er wird de» Lhristeu ihr« List gelingen laffe» nnd e« uu« möglich machen» de» weite« Weg »»irr den entzückende» Klängm der Trompeten »nd Flüren, der Klarinette» mrd Fagotch der Triangel und Becke», der Trommeln »nd Parcke» zurückzulege». «ndererseil« überkame» mich Zweifel» ich mit de» andern Inden nach dem gelabte» Land« gelang« würde. Dies« Zweifel bildete» sich «llmühlich z» der ernstlich« Befürcht»», au», daß ich sicherlich dahin nicht gelang«, daß der Mesfia« Alle, f««ar viele Christ«, anfochmrn, mich aber in de, alten verhältniffm zurücklass» nnd ich Kanaan nie l» sehe» bekomm» würde. Und diese Befürcht»»,« hatten folgend« gegründete vast«. 9» wurde mir nämlich »erfichert, daß ein Jrte« «»bedingt schwarze oder röche und dazn rroch gekräuselte Haare Hab« müff«, und da ich «glücklicherweise blv nde« und glatte« Haar besaß, so stand zn befürchten, »aß ich. an« versehen in der Liste der Juten ^strichen, in da« Milch und Hont, fließend« Land Kana« nicht kommen würde. Und schmerzlicher den» alle« Andere war mir da« Bewußtsein, daß Waßk«, da« erzdumme Popensöhnchen, welche« ich öfter durchkeilte, hinkoam« werde, ich aber nicht, denn Waßka hatte röche«, gekräuselte« Haar und ich blonde«. Ich begann ernstlich uuruhig zu werden, mich zu härm«. Ich zürnte «ein« unglückseligen Hur«, die allein schuld war«, daß ich weder Jerusalem »och d« Tempel, weder di« Priester »och die Levilm sch«« durfte. Ich wollte mir die Haar« einzeln ansranfen, tu der Hoffnung, daß an der« Stelle andere, «üglicherweise dunklere wachsen könnte»,' allein al« ich «ich gar bald überzeugt hatte, daß diese Operation «in« äußerst schmerzliche, nah« ich von «eine» vorhadm Abstand. Wa« thu«? frog ich «ich selber »nd fand keine Antwort. Ich war der verzweifln», nah«. Schließlich hiett ich e« nicht länger an« und entdeckte »ich eine» Schnlkameradm. Ramm« Hirsch. Dieser war älter und reifer, al« wir, mtwickrtt wett über sein Alter hinan«, und wir All« behandelt« ihn, wie einen erwachsenen, vernünftig« und gelehrt« Mann. Er spielte bei uns gewisser»«»« die Rolle eine« Aeltest« n»d Frird»«richler0, au dm wir uu« »« Rath wandte» »nd tun Schlichtung unserer kindlich» Strettigkeitm. Er besaß «ine eminmt« Redarr^be, vermittelst welcher er mit »u« machte, wa» er wollte. Seine Rede», die er »ft an »»« richtete, spickte er mit biblischen Lttateu, d«n er konnte einige Prophetenbücher ««»endig. Schwärmerisch, exzmtrisch, energisch und verwep» bi« zur Unbesoneuheit, verwickelte er uu« nicht seit« in Affatrm, bei deum nnsere arm« Kn«chm herhalten mußte»; nichts - deftoweaiger folgt« wir ih« immer, »eil er »»« zu überzeug« verstand durch seine Beredsamkeit, welche ans uu« ein« magische Wirkung ««übt«. Just an dies« Laad« wandte ich «ich mit der Bitte um eine »eußernn, über die mich qnälead» Befürcht»»«« und Zweifel. Er hörte mir rafmerksa» zu, wurde uachdmklich »nd sprach: ,G»t. Safte mich ein wenig nachfiunm. Du aber hole alle nnsere Kamerad« herbei und erwarte mich drauß« »rat Ördf«." Ich that als». Racheiniger Zeit erschim Hirsch, kletterte .ans de» .Felsen," erhob die Hände »nd begann pathttisch: ,HIret, geliebte Kameraden, meiner Stimm«, ans daß der Herr mch erhöre. So spricht Gatt, der Herr Zebaoth! Mn großer Tag ist «gebrotzen, et» «ch^ener und furchtbarer. den» der Herr ist erschiene», um zu richten die Völker der Erde und Alle«, so ans ihr lebet. Aber fürchte nicht, mei» Knecht Jakob, »m Zion« will« »erde ich nicht rast«, nicht schweif» «» Jerusalem« willen. Tröstet »et» voll nd sprechet an dies» Ztp: ich danke Dir, » Herr, daß D« mir gezürnt, den «nlschwnd« ist Dein Groll nd D» hast »ich beamtet. Der Herr ist »et, Heil, ich vertrrae ihm «nd zage nicht, den Gott hat Jateb« sich wieder erbarmt, hat Israel wieder -«hört. Er führet e« in kein Sand, nnd Mgesllte, »erd» fich ih» dt« Fremd».. Ttznrt B»ße, sehet Festtag et»; waschet, reiniget rnch, «chmt we, dt« Miftethat rar rur» Aich», höret ans p sündig»! . Lange redete er in dteser Weise fort. M triefte vor Schweiß; nnd wir standen, bebend vor Furcht, stntnw da. Al« er geendet, lletterte er vom Fels» hernntrr, wischt« sich dm Schweiß an« de» Gesicht nnd sprach: .Wißt ihr rach, »a« wir jetzt thn müsse,?" .Wo»?' .Wir müft« gleich »ach Lhederschluß n, ra« der Stadt i, di« .Wotfsschlncht" begeben, »nd dort in einer der Höhten Gott anfleh», daß er n« würdige, Jerusalem zu schauen. Sott wir» nnä erhören, well wir Kinder find, den da» Gebet der Kinder wird nnverzüglich vor d« Thron de« £cmt (fHtd)t.* lp-:< n*iWiiFT9 » «Warn» gerate in einer Höhle?" fxng Jemand au« unserer Mttte. .Well, die Höhte» zn d« Pforten de« Himmel« führen," erwiderte Hirsch. Gesagt — gethra. Wir betet» inbrünstig i» der «olsöschlucht, »nd ran diese« Momente « wurde ich heiterer, dera ich lebte der Urbrrpugnt«. daß nser Gebet Erhörng gesund« «Nd daß der Mesfia« «ich al« Jud« «kenn» »erd«, obwohl «et« Haare tticht schwarz nd gekrilnsett. . 4 » * Sehr« wir zu nnsere« Melamed zurück. Der Uk« batte ihn dermaßen bestürm grmacht. daß er in dm «st» Tag« fast von Sinn» kam. Während de« Unterrichts versank er »st in Rachdenkr», hiett da« Bnch verkehrt in d» Händen, blätterte um von link« nach recht« »nd schwatzte zusammenhanglose« Zeig, da« »«der nns nach sicherlich chm selber' verständlich war. Btsweil« stand er ans, ging im Zimmer ans nnd ab nnd brnmmle vor sich hin: Aber die Ptzpaiöl Rnetnl-