Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 21 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Heraas^gebea Boa Vr. 9t Nahater ia «^drbarg. Jn KckkW«! i |ddni| fir Mt isreMscht liailit. /». t tii Skelett M Großvater!» ober Der Misch« Mff«u»trieb. — I Wtn^jlb01«aa (Fortsftzaag). — Di« Juden ia Luai«. — Die schöne Jüdin. Line sozial-svvchokogisch« iürzühluag von Allerlei für de» Familien tisch. — SUtdielaasgaden and Illndeftmtn »achdnur aa« diese« vlatte ist «ttersagt.) La» Lkelett de» Gr»ßv«ter» oder per jüdisch« Mtss-lmlri,». (Schluß) >l» die erste« Fertea herankawe», zog er «ich Hause I« ftixtm Großvater. Sr fand ihn recht gealtert; der gute Maua schien mit der Zeit ganz zusammen klappen zu wollen wie ei» Lascheumeffn und war »ah« daran, in seinen alten Lagen wieder etwa»! mehr von der Welt zu sehen, al» viel« 2ahre vorher, ab«' jetzt durch seine Beine hindurch uud lle« umgekehrt. Tronerudt« Sinne«, aber die Lieb« im Herzen, sah ft aus die Studien seine» au« d« Vlrt geschlagene« Enkel», and »ft «atnhielt er fich mit ihm über diese wunderliche» Dinge. Sie waren ihm freilich eine ganz unv«sti»dlich« Welt, werthlo» wie Phantasie, und nur daß sei» Ävger Schwul sie trieb, schützte sie vor seiner Mißachtung. Aber sei«« fürsorgliche Siebe «achte ihm rin Aitneffe daran zar Pflicht, uud oft, wenn der junge Student klagte, daß er kein Skelet besitze, wa« doch zum Studium uuuwgäu glich uothwendig sei, berieth n sich mit ihm gtweiuschaftlich über den schwinigen Fall. Leider konnte «an de» ht!he« Preise von füufundzwavzig Gulden auch mit vneiuln Kaff« uud uutn Aufbietung sehr feimr Speculatiouen nicht nahe kommen. Da« that de« guten Großvatn «ehr wehe, al» dem Enkel, obwohl für ihn ein Skelet nur au» alte» Knochen bestand und nicht «ehr werih war, al» er wog. So gingen die Ferien dahin. Schmul bezog wieder die Hochschule, uud dn alte Schlaome ging nach wie vor uud krümmer al» je mit dem Zwergsack durch die Straße». Da schlug eine» Lage» da» Alter mit dn -rücke derart noch ihm, daß « za HlMse bleiben und in Lodetubthen seine Nachbar» rufe» mußte. S» waren arme Leute wie n, die den letzten willen de» stnbcude» Greife» vernahmen und »ühsam zu Paptn brachte«. Dn bimve Manu hatte nicht« Geriagne» im Sinne, al» übn sein Skelet z«' versüge». Sr kannte seine >ru,nth genau uud konule jeden Abeud ohne Schwierigkeit dt« Gi1chäft«birauz im stopfe ziehen. Sttt n mit seinem Snkel üln da» Skelett gesprochen hatte, wußte n haß seine Hinterlassenschaft um nahezu süosuudzwanzig Gulden höher auznfthlagen sei wegen de« stnochengerüste« tu seiner Leiche, uud «evn der liebevoll« Großvatn »och dn Geschüft««au» in ihm waren gewillt, diese» Kapital wegzuwnfrn uud uuvnwntbet eiugrabe« zu laffen. Sr dacht« nur au Siue«, an seine» Sukel» Nutze». Da« Grausige, da» mit de» Gedanken verbutden war. fühlte n nicht; die Liebe, kühn uud selbst!»«, kennt keine Schrecken, und ia dn Men Juterrfltu-Gemeinschaft dir Familie, die den persönltchen Sgoi»«u» «»»schließt, schien e» ihm ganz seldstorrstündlich, ja sogar seine Pflicht. Demgemäß richtete er seine» letzten willen an 1k« Senat dn Stadt mit dn Bitte, „tiefer mbge mit den paar Gulden «Selb uud Gelde»»erth, die n hintnlaffe uud die für die Kosten eine« Begräbniffe« nicht hinreichend wären, gütigdie Skeletiruug seine« Leichnam«, jedoch ohne Bcrwiffeu seine« SnkelS vornehmen laffen uud da» gewouuene Präparat eben feine« besagten Sukel und uatürlicheu Erben, welchn Student dn Medieiu in Heidelberg und eine» Skelett» gar sehr bedürftig sei, überweisen." Diesn Wunsch ging fteilich gegen alle üblichen Sterbegebrüuche; aber der Senat dn freien Stadt, den die Gejetze»f«ffel leichter drückte, al» monarchische Instanzen, beschloß den Willen de» Tobten an ehren, umsomehr, al» der Sürper de« armen Manne« doch dn Anatomie verfallen gewesen «än, wenn sein« Glaubeu«genoffen ihn nicht lo«kaufteu. So wurde denn au» dem krummen Schlaume nach allen Regeln der Kunst ein so schöne« grade» Skelet gemacht, wie nur je «ine» auf einer Anatomie verkauft wurde, und daun de« ahuung«losru Erben in Heidelbng die traurige Nachricht zugleich mit dn ftohe« gegeben. Der junge Sludeut kam und mit Lhränen in den Augen uahm er auf dem Rathbause feiner Vaterstadt die Erbschaft in Empfang sarnmt dn denkwürdigen Mütze, dn Bahnbrecheriu seine» Schicksal», welch« einzig au» dn Berlaffeuschaft «nvnäoßnlich geblieben war. Da« Herz voll von Gefühlen dn Traun und zärtlichn Lmnkbarkeit, den Kopf verwirrt von dem Abenteuerlichen de« Geschehniffe« und unklar in jugendlicher Studirlust, so trug n, arm und sparsam wie weiland sei» aufopfnndn Großvatn gewesen, deffen Skelett auf seinen eigenen Schult«», durch ave di« Dörfer «n der schvoen Bngstraße, durch die fingende Natur und die verwoudnten Mruschen nach Heidelbng. Dn gute Großvatn, dn im Lebe» so wenig von dn Wissenschaft gehalten heüte, trat auf diese Art nach seine« Lode selbst in ihren Dienst und lehrte al» stummer Knochenmann seinen Enkel eine TSeiSheit, wovon der lebende Schlaume kein Härchen wußte. Längst ruht jetzt da» Skelet in g-wethtem Bodtn, und rin fchönn Denkstein steht aut hem Grabe. Kvuute aber dn gute Großvater noch um seinen Enkel sein, so würde er zu seiner vrrwundnung finden, daß auch au« der Wissenschaft ein gute» Geschäft zu machen ist. Die schöne Südt«. Eine stzlal-pshchologtsche Sr^hl«» von Silhelm Feldmanc. (Au« dem Polnischen übertragen von V. Horowip.) SO] - OU&rwt mmrfaiL) Noch einige lauge Abende widmeten sie der Erörterung dieser Angelegenheiten und am meisten Aufmerksamkeit und Zeit dn Besprechung der Mil'tl und Wege, die zur Milderung dn gegenwärtigen Spannung uud zur Ermöglichung einer Au»gleichu«g der Verhältnisse zwischen der Judeuheit uud dem Lande, behuf« gemeioschaftlichrr Arbeit uud gemeinschaftlichen Wöhle«, führen. Aus Klara'» Anregung und Mitatrkuag, faßte Jakob seine Anschauungen in Fon» «inn Lbhandiuug zusammen; abn keine einzige Zeitschrift wollte dteselb» aufaehmen. Er ließ sie also i» einn