Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 19 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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SP" M 19. sa»i»ch«« $«*iHjfö(9ni son 9r. «. »«»«er bi «oadebura. tmotfflcgi Be. M. bi Wogt* bürg. 3»t Kltertzswmß t Keichmg ftr die isrlMische jemlie. Inhalt LLELrML! - Da. «st- °W~* - -- <U»detzmt» Hrnttnuf ul dich» Watt» ist «mtrTf«jt.) Die schK»e gkdi«. St« soztat-vfbchologffche Er,«dt»»g do« Wilhelm jj«lbmaim. (Mut de« Polnschea übertrage« von S. Horowttz.) Ist) - <n«4>»w m—j XXVIII. .Der junge Herr ist angrkommen', rief Johann, da« Spetseztmmtt, in »elchem da» Ehepaar Marmor feine Siesta hielt, betretend. Dü Eheleute eilten gleich auf de» Saug, na den ersehnten Gast zu begrüße». Nor 2tara blieb in Zimmer zurück, bereu Herz plktzltch lebhafter zu schlage» begann «ud bereu Gesicht von einer Röthe übergossen wurde. Warum? wußte sie selbst nicht. Tie hatte schau viel van Herr« Jakob, Daclar der Medici», Bruder der Ara» Marwar gehört, hatte früh«' einige feiner, von ungewöhnlichem Latente und großem Wissen zeugenden Artikel mit lebhaftem Interesse gelesen, bail Ehepaar Marmor hatte ihn in solch schvuem Lichte oorgestellt, daß sie manchmal puudeulang damit zubrachte. a» chu zu deukeu und jetzt wart«e fir halb nengittig. halb ängstlich, fich »uwillkürlich ihren Anzug nbacnt, seiner Aobulst. Nach einer Deiile erschienen Wirth und Wirthiu i» Gesellschaft eine» jungen Mauue« vo» stattlichem Wüchse »ud tmpouireuder Haltung. .Met» Bruder, Doctor Jakob D.', stttlte Kr«, Jeiuette vor. .Fräulein Helen« Eybul«ka, »usere Hauslehrerin.' Der Gast, dem verlegeneu Mädchen di« Hand reichend, sprach mit einem Lächeln: .E« ist wir angenehm eine Bekannte zu begrüßen; meine Schwester hat mir viel Gute» über Sie geschrieben.' Und ihm fiel die uugewähuliche Schöuheü de» Mädchen», zu welchem er fich auf eiumal durch ein« geheiwoißvolle Macht htugezogeu fühlte, auf. Auch sie wurde v»n einem «»begreiflich«, Gefühle beherrscht. Sie zitterte »ud glühte, ihn anschaueud uud seine Haud haltend. Er war ei» dreißigjähriger Mau», schlank, dunkel brünett, mit hoher Stirn urid duukelbrauuem, von Zeit zu Zeit »rrvtz» zuckendem und »o» einem dichte» schwarze» Barte umrahmte» Seficht, mit kohleuschwarze» fortwährend fnukelndc» Auge», in denen fich Intelligenz, Scharfsinn, Begabung und Energie widttspielte». Dieser erste Moment de« cerrmonigsea Bekanntncrden» der jnngeu Leute geuügte, um in ihren Seele» einen Fuuke» aizufachen, der einmal entzündet, schnell in eine im Lebe» nie erlöschend« Klamme übergeht. Bo» jetzt ab »eilte Jakob täglich einige Standen tu Klara'» Gesellschaft» bald ihre» de» Kinder» erthriltr» Lektionen beiwohnend, bald mit ihr Gespräch« über verschiedene interessante Themata führend. Ei: suchte ihre Gesellschaft auf, den» der Herr Elia» grnügte chm nicht, und fie sah ihn sehr gern. Er w« nämlich gar nicht ähnlich allen diesen, mft welchen fie bb» tcht in Batist »ng gekommen war. Er war Doctor der Medici» und der Liechte in einer Person, besaßt« fich Met eifrig und mft einer Gewissenhasttgkeit, die vm» mehr al» van «iurm gewtzhnltche» Dilrttaatismu» Mgte, mft philosophisihnr Problemen und insbesondere mit dem Studium der social«» Frage. Jakob vereinte iu fich Gelehrsamkeit und Energie mit einem ungewbhnliihea Redurrtalent uud sprach tnslnsoade mit Klara gerne «ad lange. Diese Letztere blend«e er. Sie hatte fich bisher ak» ein gebildete« Frauenzimmer betrachtet uud mit Recht, deuu auf galtzische Weise war fie gebildet. Ja d:m besten Eonvict«, welche» fie in Lemberg besuchte, hatte fie etueu Borrath vou Wissen aufgestapelt, welches einer rationellen Kritik nicht Stand hielt. Sie wähnte, daß die Geschichte au« dea Erlebnissen der Köuige »ud ihrer Thateu. insbesondere der kriegeitschen bestehe, daß dieLiteraturgeschichte mehr oder wenigerBiographtea der hervorragendere» Schriftsteller und die Bibliographie ihrer Werke sei; die Naturwissenschaft eine langweilige Zoologie, Mineralogie und Botanik und die Oeko iomie au« einer prakitsLeu Wissenschaft für Easstrer und Bachh ilter großer GeschäftShäusrr bestehe. Bon de« Borhaudensein socialer Wissenschaften hatte fie keine Borstellnng; jegliche philosophische Weltaaficht war ihr ftemd, trotzdem fie seit der Zeit, al« die Erfahrung da» Gebäude ihrer ftühereu religiösen Träume untergrub, kämpfte; vou einer Rolle der Wissenschaft im Leben und ihrem Zusammenhänge mit der Existenz der Menschheit hatte fie nie gehört. Boa der geistige» Bewegung im Au«lande, konnte fie weder m de« deutschen .Familteadlättern' noch in den LembergerZeitnugen etwa» erfahren. Loa den Strömungen und Idee» der Zeit halte fie nur insofern eine» Begriff, al» ihre Earricaturen fich tu den Lemberger Blättern »irderspiegelte»; über die Repräsentanten der sciatßeu Ideen und den gegenwärtigen Stand de« geistigen Leben» der Natioa, wußte fie beinahe nicht«, deuu die politische» Z-itungru befassen sich «»»schließlich mit polftischeu Größen x. und m der .Litereturgeschtchte' wie auch bet den Borträgen in Pensionat, wurde beinah« bet jedem Schriftsteller em Kreuzche» (d. st .gestorben') hinzngrfügt. Nebst dem hatte fie jetzt «tue gewisse Summe Sympathien und subjeetiver Auschannngea, welche mit der Zeit zur Schablone und Gewohnheit werden und bei den Bewohnern Galizien» al» .lieber« zeuguugen' gelten. Und so konnte Klara beispielsweise nicht ohne Wtdervftllru und Entrüstung au Darwin» Theorie denken, dir de» Meusche» vom Affen ableitet, an die Frauenemancipatio», die dt« Frau, die Prtestert» de« häuslichen Herde», bei» Rimbn», de» leuchtenden Gewandes de» Ideale» uud der Reinheit beraubt, und fie in den Koth de» Leben» hinuuterzertt, an de» Pofitioisma« .der Gott vom Throne stürzt und schamlos die Herrschaft der schmutzigen Materie verkündet' au den SoetalGmu» .welcher mittelst vyuamft uud Petrolttu» »nt« einem Handvoll Schufte und Müßiggänger die im Schweiße de» Srfichte« erardettetea oder ererbten Roichthümer der G^ammtheft vertheile» will' n. f. w. I» der That aber besaß Klara eine ästhetische Bildnng, war in der Belletristik sehr beftseu und streifte oberflächlich viel« ernst«« Dinge, über welche sie übrigen» gm» und mit Aumuch sprach. Und fttzt näherte fich ihr plötzlich ein