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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 18 (1890) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
18 (1890)
Date
1890-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^^18. Iüklsche» 1898. Herau«ge,ibr» m« Dt. M. Aadmer ix «agkebarg. Jit JÄtttzrw«- x. -elttznmfir die isrßMsche Fmilte. Sk Wat 3tbte. Cint Ichiaks»»chol»gische »rzShlung Mn «ilhelm &elbwann Absetzung.) — Der »abbi unk ' »er Mdnch. — Allerlei für kt* Aawilientisch. — Dk klug« Achter de« Rabbi. — RLihselausgateu und Rächsellösun^u. Inhalt (Unbefugter Nachdruck »ns kiese» vlatte ist mttrrsagt.) Die sch-ne Titdi». *tu« so,tal-»chchvlo«ische skqablNN, von Wilhelm Aelbmauu. (Au» de« Polnischen übertragen von K. Horomitz.) 17s - IXtoä^nd iiMifnt.) (Bntfcfiing.) xxvn. Sin Tag folgt dem andern, eine Woche der andern. Klar« erlangte innerlich ein gewisse« Gleichgewicht. Di« große» socialen Probleme brannten sie nicht «ehr, wenn fir ihr auch nicht an» de« Sin» kamen. Sie forschte und beobachtete Alle« und Alle mit einem herzlichen Jutereffe, «brr nicht mit solch.einer subjecttvra Heißblütigkeit, wie früher, vor ihren Augen zogeu wie in einem Kaleidoskop die Ereignisse und die Mensche» vorüber. Da« ganze hiesige sieben war ihr eine interesiaute Neuigkeit. Nur Neb Mendel konnte sie nicht näher betrachten, da er gleich am anderen Tage nach dem oben geschilderte» Disput, voll Groll und Zorn wegfuhr. Gleich darauf langten auch «mrklich im Herrschaftshause Aufruf«, in eine« von Fremd. Wärtern strotzenden Hebrüisch versaßt, au, dazu anuimirend und aueifernd, de« ueugegrüudeteu Vereine »Maohoak« hadaa" beizutreteu. Der alte Salomou schaute auf diese Machinationen mit Bedauern und mitleidig. — »Sir wollen der morsche» Neactiou ein pompöse« Leicheubegäuguiß »«raustallen-, sagte der Herr Elia«. »Sie »erdeu mll Ehre sterben. — Weil sie D»»m< köpf« find'; sprach der Herr Salomo«, »st« habe» auf ihrer Seite genug billige und gerechte Puukte, sie »ollen aber uicht der Zell Rechnung tragen. Sll »ollen nicht« rinräumeu und so »erden sie alle« verlieren. Urbrigeu« »erwögen sie uicht da« Rad der Geschichte zurückzuweudeu. Wir haben in unserer Familie «tu Beispiel, »ll sich die Gtufeufolge der Begriffe und der Enltur »ollzieht uud man kann sich »och nicht »ou der Welt, »ou de» Leuten, »elche mll uu« unter einem Dach« wohnen, »ll eiuer chinesischen Mauer absperreu. Da« ist aber wahr, baß sie »»rderhand unsere» 8ebe»«lauf trüben können uud hier etue Welle den Fortschrllt, der bisher so rasch und radical immer weitereKreise umfaßt, aufhaltea werde». »Und am meisten ärgert mich", fügte er nach einer Weile hinzu, »daß t» Lager unserer Fortschrittler gar keine Eontre-Aktio» zu bemerke« ist. Alle stad vom tiefen Schlafe der Gleichgültigkeit befangen. Der Verein »Schomrr" ist untauglich, unser »Reprisentoutent^ der. galtzischeu Gemeinden" hat unlängst Ftasco grmacht, unsere vorftäud^steckyr ganz in der Schale be« Ghatsm««^ oder^bkr Opportunität und so könnt« d«se Euleu und Fledermäuse sich in der allgemeine» Ftnsterniß frei bewege»." — »Da« »«ubert «ich einigermaßen", sprach Klara, »soviel ich au« de» Zeitungen fchlllße» kann, s» sind die Jude» rührig uud immer sehr thittg." — »Dort wo persönltcha »der materielle Inlerrffeu in« Gplll komme». Uebrigen«, w» sucht mau jetzt in unsere» altem Stamm« kühne, auf # eiue« größerem Schauplätze für eine Idee wirkende »Fortschrittler?" »Und warum", frug Klara, »warum geben Sie, der die Wichtigkit der Dach« anerkennt, kein gute« Beispiel, warum rufen Sie uicht alle znr That, zur Arbell au, warum stellen Sie sich nicht an die Spitze der schüum, fortschrittliche» Wirksamkeit?» »Ich?" erwiderte der Herr Elia«, wie »or einigen Monaten. »Ich . . werde nicht eine« Don Onixot« spielen. Uebrigen« sehen Sie befinde ich mich in einer heikle« Lage. Ich habe gebenden« Hände, ich habe Pflichte» und Rücksichten, wie soll ich mich nur ««»drücken, Stande«-, ja Sta«de»rückfichten. Ich muß mit der Nachbarschaft, mit dem Adel der Umgegend in eiuer — wenn auch nur platonischen — »a« doch nicht meine Schuld — Gemeinschaft leben . . und deshalb kann ich mich mit der Judenheit uicht so grell, so demonstrativ produciren. dem» da« würde fit «och mehr verscheuchen und mir die Position erschweren." Dieser Punkt lag ihm augenscheinlich sehr am Herzen. Ein Liberaler, mll der »Neuen freien Presse" sympathlstrend, konnte er de« Adel uicht leiden, raisounirte über ihn, trotzdem hatte ihn da« Rad der socialen Maschine in seinen Sttudel hiueiugezogen. Er schllderte seyr richtig sein Berhältniß zu »seinem Stande." E« war die« ein körperloser Platoni«nm«. E« wurden öfter« Arttgkeiten, Dienfterweisungeu und Btllet« ansgetauscht, aber »ou der Ferne. Aeußerst selten war jemand bei ihm und umgekehrt, obwohl Elia« für alle seine »Nachbarn", oft bi« zur Uedcrtreibung, ja bi« zur Zudringlichkeit, zuvorkommend, dienstfertig und höflich war. Nur einmal veranstaltete er i« Winter eiue lustig« Jagd für die nähere und weitere Gegend, e« waren genug viele Gäste, man ttauk, zechte lange, die buschigen Schnurbärte küßten und umarmten sich, sogar mit de« Backenbart«, aber da« alle« blieb ohne weitere Folge». Da« Ehepaar Marmor hatte ebenfalls schon einige Einladungen zu Bälle« und Unterhaltungen erhalten, sie gingen aber nirgend«. Frau Jeanette fuhr auf drei Wochen «ach Lemberg. Jetzt empfing eben der Herr Elia« die bedeutenden Gutsbesitzer der Umgegend der Reih« nach, die sich sogar mit einer «ngenirten Herzlichkeit zu Mittag einluden uud der Frau Jeanette die schwellende» Hände küßten. Sll war sehr zufrieden und gab sich Mühe, der gastrouomischen Ausblldua, und dem Geschmack« der Gäste würdig gerecht zu werden. Rach ihrer Abfahrt ging Hrrr Elia« im Zimmer auf und ab uud lächelte llouisch. »Die Wahlzeit ist da7, sagte er zu Klara, »daher ihre Herzlichkeit und Süßigkeit." Er umarmte. träukll, speisll seine Gäste, empfing, sll lllbenswürdig. lächelnd und versprach sellrtich seine Stimm«. Sichtlich sah er sie gern kommen, ttotzdem dll Beweggründe und da« Zlll ihre» uugrwähnttch«» Besuche ihm bekannt waren. Ihn leitet« da« BedÜrsuißeiner »Standesgeselligkell, und Solidarität. Bei solchem Empfange kam der Herr Salomou uicht zum Borscheme. Nur der graue Titular-.Marschall"

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