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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 10 (1890) · p. Seite 38

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
10 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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„Sehr gone, sehr «er«, ich will Dei»e Nachkbnuaea-' schhst sehen", spricht her Herr Dabrowftckl, her sich bei gntem Humor befand. „Und »ft heißt er?" — — .Iptetz? Halt. »h er ist Inbe?" — „Gewiß, et» Jade, ei» Jnd«. »ar ist er eben „uenm »bisch." — .L» I' Nach einer Bierlri stunde he «hie her Pächter seine» Luke! mit. eine» vielleicht IS jährige», lebhafte» Jung« arit intelligente» Blicke, bei beste, U»bliS Klara fich n Lemberg und ta Panlinchens »Ideal" erinnert«. Herr D«dr»»i«ckt empfing de» Gast t» Speisezimmer. Bo« Wort z» Wort ließ er fich »st dem aufgeweckt« Studenten uuwilllürlich in et» lebhafte« Gespräch ein. Klara, welche gigegai tot, hiirie sehr noigierig zm Nach einer halbflüudig«» Dnsknsfl« «tfonte fich Ignatz nnb der Herr Dabrowftckt ging anfgeregt im Saal «ns und ab, schuäufenb n»b zornig mit h«, Kühe» stampfend. Endlich blies er Büschel eiue Rauchwolke in« Gesicht nnb rief lant: ^Hlre Alterl Bor großer Klngheit ist Dein Enkel. ein Narr; ei» Narr ist Dein Schwiegersohn, daß er ihn nicht täglich durchprügelt, ei, N-rr bist Dn, daß D» da« solche» Trost erlebt hast. Ich kann dies« gescheit sei» wolleabeu beute nicht leibe», ich kan» diese nenmobische» Statzer »tcht ertrage», welche da die Schule gerochen habe», sich germauifirr», dir groß«, Herren spiele« nnb «it ihrer Bergaugenheit breche». Wie hat er fich nnr aasgetzrückt? baß er et» Pole, ei» Pole mosaischer Lonfeifio» sei.. baß er «tcht z» de» Rückschrittler», z» de» Onhobope» gehöre, sonder» fitr den Fortschritt ist «nd de» Aberglaube» nicht leibe . . Rotzjunge da«, ich möchte ihm zeige» ei» Pole seil Du bist ein Jude, «in Mischer Jude von >h» uud Urahn. Er ist gerak« so Pol«, wie «et» Haushund . . Ist es wahr. Moschek, baß Du und Dein Enkel Jude» seid?' -- „Ja, es ist wahr." — «Kan, stehst Du, was planbert ds» Del» Philosoph? Et» Pole mosaischer LoufesstonI Ha, ha. ha-i Pole» — baß find Katholiken. Pole», da ist der rein« Kathoiicismus. so sagt unsere Trodttftu und Glaub«. Und da sagt er: mosaischer Lonfesfiou . . Dammkopf da», D» bist als Jode geboren, stirb al« Jude I Werbe kein Ueberiänfers- — „Uob wen» er da« au» Ueberzengaag gesagt hätte", bemrrft« Klara. „Tra—la—la . . u»d was hätte da« zu bedeateo? kan» die Ueberzeuguug, welch« fich a»f Raisounemeat stützt, die reine Wahrheft gebe»? Nria. Da« sagt na* der Stolz der Menschen." I» diesem Tone hiett brr Herr Dabrmoftcki «ine laug« Predigt. Moschet hörte ihm mit sichtbarer Befriedigung zu. bejaht« fortwährend mtt de« Köpft nnb ünßerte seine lebhafte Freude. Seine Predigt schloß der H:rr Dabrowftcki mtt einer Kpoftroph« an Moschek: »Ich hatte mtt be» verschiedenartigste» Mensche» »nd Inden z» ihn», Jeder ächte Strenggläubig«, der fich so trägt, spricht, und denft »ie seine Borfahren, der hat immer »eiue Sympathie. Ich kan» «ft ihm spreche», eiue» Spaß machen, zanken und ihm btt Thür« zeigen — aber Tag« darauf leben wir wieder in bestem Eiuvernehme» nnb spreche» über Palilik. Aber bftser Rockjnd«, in kurzem Fracke, der weder an Jesu« »och a» eueru Talmud glaubt, dieser ist »«der Hund noch Widder. Mtt solche» will ich nicht« z» schafft, habe». Ist e« wahr, Moschek?" JD, heilig, wahr." — „Warum erlaubst D» als«, -baß Dein Enkel . ." — .Ha, »« thnu? So ist hotte -bi« Welt." »So ist hente dft Welt I" wiederholte der Herr Da-x, chrowftcki und er seufzte einftftamig «ft seine» Pächter. Derartige Debatte» »ad Scene, ließe. Kl«», de» Lharakter »ab Denkwetft ihre« Brotgeber« ganz Ottawa nnb oerarsachlrn, baß obwohl sie ihm »ftle persönliche gute »igrnschaften »tcht versage» konnte, aber seine „Grundsätze und Aaschaunngen", welch«, tnsolang sie fich tu der Sphifte der Abstr actio» deweg», tolerftt woben amacn, aber wie ihre Folge» auf be» Song der laafenbe» ßebeasaageftgenhdten «ine» schädlichen Euflnß aasüben, im Namen de« allgemeinen Wohles obge- .stumpft nab eingebämmt »ob» müssen — verdamm« auch. Zm diesem Schlaffe gelangte st, Überaa« schnell, 'chlw einmal tohrzu nehmen, wo« für Spraag da« fei o«d» Ueberzengnagra» za »elch» ste fich noch oor einem HM» Jahre belmmt hettte. Do im Hanfe herrschend, rdigHft Formalismus retgie ße ebenst««. Sft pn tkm «hrWn, rda wie Krhstall» nnb da »acht» ihr der Herr Dabrowftckl »st zarft Wchntelungen weg« ihrer NfthtRftdtMändtgkdt »nd Vernachlässigung der Formen. Ado bald sollt« sie an sich selbst dft Lousequenze» der Ueberzeagnngen Ihres Herr» »erspür«. Es war Sonntag Nachmittag. Der Herr giag io» Pfarrhaus, wo zu Ehren des wn angrkommraen Bftars eine kleine Unterhattang veranstaltet »urt«, in Besuch, »bo bald kehrte er heftig anfgeregt and zornig »»» do Pfarre zurrück. — „Mein Fräulein", rief o strenge, dft Lehrerin o»fsuchend. „Ist da« »ahr, daß.. daß Sft «inst «im. . . eine Jüdin ware»? Odo einfach gesagt, daß eine Getaufte find?" Da« Blat stieg Klar« in d» Kopf. Sft ward« schamroth »ad zornig. Bald abo kam sft z» fich n»d «ft einem Stolze, dessen sft »o einem halb» Jfthre nicht fähig gemeseu wäre, erwiderte sft: »So ist e« . . ich entstamm« von Jnd»; unlängst Hab« ich dft römisch-kacholtsche Religio» . . an« Uebozeagaug angenommen." „So .. Da irrt fich selbstredend do Bftar nicht, ton» o sagt, daß o Sft t» P. gekannt hat. Sft teawa nwiae Ansichten übo solch« Sachen, ich bi» et» guter Katholik, dft Jnd« Hab« ich gern«, abo . . Abtrünnige leide ich nicht. Der Mensch soll in demjeutgeu Stand« stob», in welchem er ans dft Wett kam. Uedozeugaag, Berstaad . . San« bet veartheilang 0« göttlicher, religiöser Dinge nicht maßgebend sei», von morgen Hab« Sft bei «ft Mac Stelle." Klara widersprach nicht ,»» verließ am «der» Tage Pagorki. End« de« ersten!heile«. Nester Mi Berei«»wese» im Smstemttzwm«. BoNiotz, ,«hakte» t« de» Vereine „Uaiou" a» 1. Februar UM). So« Dr. Dt. »Itdrwaan. (Schloß.) Ich habe voht» do Zünfte gedacht. Dies« hielte» t» größer« Semetndeu ihr dgenes Bet-Hamtdrasch »nd ihr» eigenen Rabbi, do sft belehrte. R. Jäte Ehaji» Bacharach, do gegen End« de« 17. Jahehandots gestorb« ist, berichtet »« ftnKletderhändlern in Worms, baßste ein« dg«« Rabbi hielt«, der ihn« täglich haggadisch, «artrüg, hielt. Sft hatte» zugleich das Abkommen »ater sich getroffen, daß eitoige geschäfttich« Streitigkeiten unter ihn« oon diese« Rabbi geschlichtet »ob« mußten. Uaftrdtig haben diese aa» ähnliche Bereiue «uh all« «ichtnngen hfte den günstigste» Einfluß geübt. Durch om,es Bereinsleben »ad dft Ansönureukünftr ward« nicht bloß dft Sruataiß des Jndenthnms ta alte» sein« Kreis« vobrdtet, sonder» auch das Interesse an d« Gemeindeangrftgeutzettea geweckt, und in religiöser, ethtscho and cnltnrello Hinsicht ans dft Semeiudemitglieder eingewtrkt. Es hat allobtng» da« Bereiasleb«. wft jede mraschlich« Einrichtung, auch seine Kehr- »nd Schatteajeite. 9» tan» t» Boeiasmeftrrt oder, was noch schlimmer ist, in Sonderdüudelefta aasartea. Davor Hab« unsere Weis« gewopat. Sft sag«: -Ihr soll euch ketae Sonderbaad« mache»!" Ja der Thal möge» dft oftlfach« Streitigkrifta ta teu mittelalterlich« Goneiad« darta ihr« Grand hat». Es kam ga Reibangeu, Etsosüchteleftu und schlimmer» Srscheinuugen» »elch« dft Einheft do Gemeinde za sprenge» drohte». Die« ist OoMagt bedauerlich, denn dach Jndenchnm bedarf do Eiuhett und Einigkeit, nnb kan» dnrch Separatismus aar Sch«»» nehme». Wft dft Famtlft etw Stütz« des vürgerthnms, »ft dieses dft Grnndlag, des Staat« ist, und »ft do Staat wftdernm do gesaamtt» Menschheit dftu» maß: f» darf das Boetnsftb» dft Gemeinde nicht

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