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Jüdisches Familienblatt · 1890-01-01 · 2 (1890) · p. Seite 6

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1890
Issue
2 (1890)
Date
1890-01-01
Page
Seite 6 (sequence 2)
Language
German
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ich in ihrer (kptmart fciteltK fkfc mU rix fmxM I Bef ex, «Ich«» M» «echt hat» «n* dxo XXr f»r Wx Ich ailinrfrri» befHaat« Ftßlichtett LheS ji xchxte»? Hst» j ich bix ei« Jüdin! «de Jüdin! vieste Name drmKmarkt mich schon ait Baach«,,, xxb JfMÄm, — »erxr- «heilt aich per Brrdannuog ul de» Parobitst de» Geiste», io welchem alle übrige» Wese» lebe» .... Die geistige Welt — wa« für magische» Zauber besitzt für mich dieser Begriff. Poesie! wie tax» ich »ax Poesie spreche», ich di« Jüdin, die Schankwirihsiochterl Wa» für schräklich« «xd dttttige Ironie! Ich von Poesie sprechen, inmitten solch einer Umgebung, inmitten solch einer odinär« Prosa . ach . . .* Den Fluß dieser glühenden Wort« xnterdroch Josef. Sr hatte vor einer Weile da» Ziuuxer betreten, blieb einige Minute» auf der Schwelle stehe», oerschlaxg seine einzig« Tochter mit einem Blicke voller Lieb« und väterliche» Stolze», näherte sich ihr jetzt auf den Zehen «ad drückte einen herzlichen stutz auf ihr Haupt. — Wie befindest Du Dich, mein stlärche«? — frag er in correetem Poloisch. Sie erhob sich sie unwillig und küßte ihm kühl die Hand. — Ich danke Dir, Bater, wie gewöhnlich. — Du wirst keine Ursache habe», Dich über Langweile zu beklagen, ich habe Dir eioe» neuen Stoß auf einer Licitatioa erstandener Bücher »itgebracht. — Mit Blitze»- schnelligkeit fuhr da» Wort Licitatioa durch stlara'» stopf und Herz. Sie wurde verstimmt und bebte zurück. — Wahrlich Bater, Du verhätschelst mich. — — Da» ist nicht», meiu liebe« stiud — fuhr Josef fort, sie wohlgefällig streichelnd — Bei einer Licitatioa kauft mau zum Spottpreis« «ud rrriue Geschäft« gehe» gut. Und für Dich ... Er küßt sie noch einmal, und sie, ihr Gesicht ix sein« Handflächen bergend, flüsterte schmerzvoll: — »Licitatioa:», Geschäfte* — da» ist mein« Poesie, da» ist meine geistig« Nahrung. — »Lärchen — sprach Josef nach eiuer Weile — ich bitte Dich, ziehe Dich hexte so schtzu und geschmackvoll, wie Du da» verstehst, an, xxb lege Dir da» unläugft gekaufte Arm- und Halsband an. — .Für hexte Abend? Wozu denn da»?" — Ru, ux, Dx wirst schon sehen. Neugierige. — »Ader ich muß heute »beud nach de» Pfarrhaus« gehen.* Josef zog die Braue» zusammen. — Klärchen, gehst Du nicht z» viel dorthin? — »Wies«? Ist Dir da» uttlieb?* — Dean siehst Dü, Xreiu stiud, wir sind Jude» xxb Du lebst so vertraut ait Sophie. Im Dorfe bereden xrich die Leute deshalb. Bei un» ist da» nicht gestattet. — Und wa» kümmert da» mich? Warna sollt« mir da» nicht gestaltet sei»? Aber za wem soll ich sonst gehenk mit wem im Dorse lebe», «ex» Rirmaud mehr da ist, der eine bester« Erziehung «ud Bildung besäße? — .Geh' als», geh', «et» liebe» Sind. Wer vermag Dir wa» zu wrsage» — erwiderte Josef ait Unwillen. — Ader weile dort nicht lang« uud komm« puu Sabdath-Nachttxahl nach Hause * Die erfteut« stlara warf sich «ix« Mauüy« xa, ardarg darunter einige Bücher, und sich vom Vater verabschied«», raunt« sie hinan». _ IV. Der griechisch-katholische Pfarrer Andrea» Lotali in Matinee, ist et» ungefähr vierzigjähriger SRan. Niedrig, breitschultrig xxb von euicr axsehxüchex «ohlbeteidthett, unterscheidet er sich dem A«ßerx »ach.ix nicht« von settw» übrigen Brüdern ia «hristx». «ett zwax^g Jahren hach er in seiner dürr« Pfarre, sei« OdliegeXhett« mehr im bürgerlich«, als im kirchlich« Geiste erfüllend. Wähxex» dieser Zeitperiad« gelaxg e» ihm, sich bie'Achtx», seiner Psarrkinder z« erwerben. IxfänPich wnr« sie Um, seine Fnncttomu eine» streua» Lehar» der Dorfsthxl« aü Z». ^lstn-hae seiner .Diaks* «äüdend« Geistldh« nicht sehr gemogen; oder ixf Lanke der Zeit erkannt» sie. ax bist- Fmchttx dit gxtG JMNtioM» xhd Bchrebung« ihrgstä. »geistlich« Bater»* xnA eratchrst sich ihm »uf verschied»^ Weist tniir. Oasür Ger erstatt« sich det'Pf«ga i» däst-- »Büraerkeeisen* der Uxtg«a»d keiner grüß« Stznrpattzie. Die Ursache hieran ist erst«» dir .vaeerxnaxie* de» Probst«», xxd zweiten» afiel e» viel« »ich», daß er ei« Ruthe« und «ix rxtheuischer Patriat ist. Dies« sein Pa triotisxm» manifestirte sich ix der Lectüre de» .Dila* — rxth»stche» Blatt — »xd dadurch, daß er i» der Darfschxle da» Nxthexische al» Bortr»-«spräche «infihrte. Ax» sein« rxthexisch patriotisch« Ueberzengungeu »acht« übrig«» der Prabst Andrea« gar kein Hchl, und al» der Landadel au» der Nachbarschaft einst in ir^nd einer periodisch« Zettschtist den Tttel ett»« »r» uuserrm Pfarrer verfaßten Adhaudlnng .«ockol» uaonott» naxocka" — die Rothlage xxserrr Ratio» — z» lest» bekam, zieh sie iha van Ohr zu Ohr de» — Nihiliämus. Unser Pfarrer war aber kettwsweg» et» »hart» gesottener* »xd verblendeter Lhauvttttft, wst j«e Ruthexe» die da» B»U nur au» der F« ne und au» de» Liede kexuexd, selbst idealifir« «ud di« zu» Apathrosr erheb». P. Andrea» war auch in der polnisch« Litenttnr got dewaxdrr», deherrsch«« vorzü^ich die Spreche, in sei»« häxSlich« »xd Amtsgeschäft« oder bediente er sich ausschließlich seiner rutheuilch» Muttersprache. De» Pfarre» dritte »xd hauptsächlichste Sünde war deffen Axtistmitisum». Sr war nämlich ei» echter Axttstxttt» d. h. au» zwar irriger, aber thätsächlicher Uederzexgxxg. Uusere« Geistliche« gegenüber, war der Adel fast philosemitifch zu nenn«. Der Axttsemitismu» de» P. Andrea» i» Verdixdxxg mit seiner „Baurrnmauie* dafirte dari», daß er i» stix» Predig» di« Baneru zur Enthaltsamkeit mttmirte, was i» d« lasch« der Schattpächter ein traxrigr» Echo »ad i» weiterer «eihe auch ix den« der Herr» Gutsbesitzer, «x den» jeder t» al» feixe heilige Pflicht erachtet, i» settw Dorst — keine Schule, sonder« ei»« Brexxrrei zu erricht» — hervorrief. Ferner gründete der Geistlich« im Dorst ei» .christliche» Gewälde*. »«» sich «ch de» Arexdator »xd dem Händler a»s d« .Sreujstraßen* schmerzlich fühlbar Machte und diese» Letzte« «nßte der Gatsherr de» Jaheszin» ermäßig». Die in der vchnle de» Pfarrer» heraxgattldet» Bawm» wallt» nicht ar d» .Herr»* ihr« Rück« krümaw» nnd «ückldige mach», »o» wied««» Reidxng» oerxrfacht». Jqst sitzt der Geistlich« in settw» niedrig» aber sauber» Zimmer und liest anfmersia» ei, .Project zxr Gründxna von »ckerdonverein«*. An der Tchürr wird gepocht xxb «f du» Here ix* betritt Klara gaxz oxßer Athem die Schwell« mit dem »ws de» Sand« üblich» Gruße »■!*▼» Bohx* Rtthm sei Gatt. — — «3» Eaigkeit Ruhm* — antwortet« der Geistliche mit einem Lächeln — Ach, D, bist «» »et» «xd . . . Wstxx wirst D» sch« Drix kasnagMtischt« ,oi»w» Bohu* gtße» d«» christliche »Gelobt sei Er« ettttoxsch»? Er reicht« El«« di» Haxd, xwlche sie respektvoll »xd mit ettwa Grobe von BertroxlttMeit küßt«. — Shnoürd», ich drinm Jhxe» ihre Bücher zurück. ,Bchön> fchik. Wo» hast D» gelesen? Ach, Rohling'» .Dalnadsttd»* nnd Jxstn» .Jndenspstgel*. «nn, nttan Platz nnd antwmt« xttr, ditto, wa» für Mnsiuß dies« Büchet axfDtth onsgeüdt habe».* — Sttwn sehr xiederdeückexd» — erwidert« Klara xirdergefchlagM. — ^ad» sie Dich t» de» Uedorgmgxxgni, welche Vir eixzx-äß» ich mich bestrebe, bestärkt^*— Klar,MM ettw Antwort schuldig. — De», siehst D» mein Kind, — fahr der Pfarrer fort — mir ist nicht hmm zu thme, Dich auf nnstr, Echt« hiMderzngiehex. daß D» ettw schlecht» «hripix »«rdest. xttr

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