Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1890
- Issue
- 2 (1890)
- Date
- 1890-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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r? II»tl«e« 18M. ll'F/5// M. Aahmer in M»i»«burg. jw KltrrtzMnß «. -elttzn«- str die irrßtAische jmilie. nr »r. Die sch»« Jiwtn Freimaurerei. In Eine >»,ia1«Wychos»§>sch« Grftlhlmw «a Wilhelm Feldmau». (Fmrse^iNA.) -- Weine Ansichten von Prediger Gotthold Salomo». -Proseffor der Dr. -duard Pendeman». — NLihselLusgaden und Nllchftlldlungen. (Undesngtrr »achdmuk M »teirm Platte ist nutersagr Die sch»«e TLVi«. Ei« sdztalchshchologtsch, Erzählvag von Wilhelm Feldmann. Au» de« Paluischen übertragen von 8. tzorowltz. (Forrs^ong.) Maryna nach einig« Anftrilge ertheittnd, begab fich bas Ehepaar ins zweite Zimmer. Dasselbe war eia sehr bescheidenes, aber sanber eingerichtetes Wohnzimmer, in welchem auch »au Zeit zn Zeit bessere Eilst» empfangen worden, «rin grweißt und gescheuert, hatte es auch feinere Möbel. Ein palirtrr Lisch und Seffrl mit Strohgeflecht, zwei schöne Betten und «in etwas verschasseurs Sopha, eine ungeheure Lammob« und «in eleganter Schrank fürs Hansfilbrr bildeten das Mobtlatt dieses .Gesellschaftszimmers". wahrscheinlich hatte Josef eine« größeren Lheil dieser Gegenstände, »an welchen einige einst schön und »au guter Qualität waren, zu« Präsente vau .Herren" erhalte», »der auch auf eimr Licitatiou erstanden. Ei« weile desaßtt fich Lhaj« mit der Küche und fich dann die Häute waschend nnd et» seid««» Tuch nm ihre» Kaps hüllend, halte sie au« de« Schranke« dt« Silberleuchtrr und stellte fie auf den mit eine« weißen Lischtnche gedeckten Tische. Die Magd stellte die Lichter hinein, Lhaje zündele dieselbe» au und, fich die Ingen leicht mit de« Handflächen b«. deckend, betete sie leise zu Gatt »um Glück nnd Wohlergehen für ihr Haus und für ganz Israel." Jasef aber gtug ins anftaßrnd« Zimmrrchen, welche» anckschlirßlich für seine Tochter Klara deflimmt war. HL Dieses Labtuet, ei» wahre Stätte des Frühlings und der Eleganz, steht i« grellen Kontraste zu den übrigen Räumlichkeiten. Inf dr» »tt Tapete» ans geschlagenen wände» hingen Landschaftsbtlder nnd dir Porträts heroorragender polnischer Schriftsteller, der Fußboden ist «tt eine«, wen» anch nicht kostbaren, doch schöne» Teppich bedeckt, dtt geschmackvollen Möbelstücke bilde» ebae Farbenharmonie und verleihen dem Ganzen einenreizrndru poetische» Zander. I» der Mme steift et» größerer »tt Zeitschriften, «bums uud Jstnstratiane» bedeckter Tisch; dtt zwei seitwärts stehende» Glasschriinke entlwtteu Bücher und t» einem Zimmer- Winkel selbst schießt »am Fußboden rin, eine» vielfarbigen Lh»rme ähnlicher, Bücherstoß in mannigfachem Einband« «mpar. Dir Basen »tt blühende» Bl»««» verbreiten im Zimmer edw» wonnige» Duft, »nd dtt Bögelche» in einem niedliche» Käsige erfülle» das Gemach mtt ihre» unau hörltche» Zwitschern »nd chlerliebfteu Geräusche. Mtt ei»e» Wart« hier ist,« so frühli»glich nub «genehm, so reizend mtt dnftend, daß es schier mnnögltch erscheint, daß sich dieses schö« r»sige Zimmer mtter einem Dache mtt der schmutzigen Schenöe befindet. ' Dtt Königin dttses HeUigthnms ist Klara. Stt ruht halb liegend anf ettwm wrtchrn Sopha, die linke Hand stützt fie auf« Kiffen und in der rechten Hand hält fie rin Buch. Die untergehende Sonne wirft durchs offene Fenster einige Helle Streifen auf ihr Erficht, dtffea alabastrrwrißr und Jncarnatfarbe «üancirend und bestrahlend. Ihre nachlässige nnd ongezwnugene Pose gestattet es. die Slasticität uud Seschmetdigkeit ihre« Wuchses, die wtt Ebenholz schwarzen über den Arm auf den ruhig wogenden Bosen wallenden Haarflechte» uud ihr volle« runde« Anlitz zu betrachten und zu bewundern. Ihre kleine etwa« in Unordnung grrathene Mähne beschattet eine schneeweiße und in Folge der geistigen Anstrengung jetzt in Falten gezogen« Stirne und «ine Nase von feinsten Linien schattirt himbeerrnähnliche, feuchte Lippen. Das kleine niedliche, von unter dem Kleide indiskret hervorschauende Füßchen, vervollständigt da« Bild dieser — wie sich drr alte Kozmian oder Ofiaskt ausgedrückt hätte — prrsonifieirten Grazie, oder auch prachtvollen griechischen Statue. Und anf diesem Gefichte leuchtet im phosphorischrn Feuer et» Paar großer Augen, oon lange» Wimpern beschattet, wenn es wahr ist, daß, wie man sagt, dtt Augen die Fensterlüden der Seele seien, so könnte dieser Ausspruch nirgend« besser als hier Anwendung fiudea. Denn diese Augen leben, fnukeln, glühen in einem taaern Feuer nnd wiederspttgeln die Sttrne nnd Gedanke« ihrer glühenden, rwpfängltchen, beinahe leidenschaftlichen Seele. Kein Wunder, in den Adern dieser Schankwirthgtochter rollt da« orientalische Blut einer Judit. — Klara war eben mit der Lectüre des .Mohort" oon Biuceuz Pol zu Ende. Stt btättertr noch einmal einige Seite» tun, wie «tt Bedauern von den großartige» Ratur- und Menschenbilder«, »elche fie in diesem prachtvollen Werke »orsaad, scheidend, »nd fich erhebend streckte fie ihre» Körper, krenzte dt« Arme über einander, nnd beugte ihr« ganze Gestalt nach rückwärts, «tt ein »ach nächtlicher Ruhe mit seinen Flügeln schlagendes Vögelchen. » Sie legte das Bnch auf den Tisch, dnrchmaß einigemal finnrud ihr Boudoir und schrieb danu «tt kleinen Lettern Folgendes in ihr Mb««: »Meine ovn den schrecklichen Bildern drr Verirrungen und Rechtlosigkeit, welch« Pros. Rohling «nd Dr. Justus in ihre» werte» ansmaltea, zerrtffen« Seele, sehnte fich nach besänftigende» und erhebenden Eindrücke». Deshalb griff ich, ich weiß selbst nicht zum «ttvielten Matt nach Poi's Meisterwerk, damtt sein »Mohort", dieser »«»«»entale über jede» Ausdruck erhabene Mann, jene abscheallcheu, niederträchtigen Wesen, von denen ich so vttl gräßliche Dinge vernahm, mtt ans de» Herzen vertreib«. Mohort l Ach Gatt, mein Sott! Wtt glücklich die Natttn, aus deren Schvvße solche Helden hervvrgtngeu I Sie glück, lich das Land, welches solche Männer großzog k Wtt glücklich nnd stch, müsse» dies« Individuen fein, die da wisse», daß stt za dieser große» Famtttt gchöre», daß stt das Recht habe», sich solcher Mttbrüder wie Mahnt, Pt rühme»! . .. warm» darf ich nicht dies, Gefühl« «heile»? Warn» mnß