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Israelitische Wochenschrift · 1890-10-08 · 41 (8.10.1890) · p. Seite 311

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
41 (8.10.1890)
Date
1890-10-08
Page
Seite 311 (sequence 7)
Language
German
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fa rselchkm glLrllicherweise Niemand anwisMd war, mit Steinen ein-uwerfen! Daß angeheiterte Studenten hie ' und da Streiche begehen, deren sie sich bei der Wiederkehr deklaren BewußtseiilS schämen und schämen müssen, kommt wohl auch anderwärts vor. Daß aber in einem Falle, in welchem sich der jugendliche Uebermuth boshafter Weise geaen das BethanS einer nn Lande »ahlreich«verttetrnen, friedlich ihrem Berufe nachgehenden ReligionSgenossrnschaft kehrt, das Hauvtorgan der liberalen Partei btt* auch noch zu ent« schuldigen versucht, dürfte wohl koch nie dagewesen sein. Justizminister Th. Rose t ti ist in seiner Eigenschaft al» interimistischer Verwalter des UnterrichtSportefeuilleS aller- Ung» anderer Ansicht, und er soll den studentischen Theilnrhmcrn am Bottoschaner Exzesse gegenüber die vollste Strenge zu üben entschlosien sein. c.׳ Vermischte und ntutfU UEchrichtr«. 0Ct(in. Der Neubau der Synagoge in der Lindenstraße ist i« Rohbau jo gut wie vollendet und läßt schon jetzt di« künftig« «chdnheit diese» Bauwerke», da» di« Architekten Crrmer und Wolffen- ,stein geschaffen, ahnen. Da» umfanaretche Grundstück ist vollständig bebaut, «ährend auf dem Hinteren Theil. abfeit« vom Geräusch der Straße, die eigentlich« Synagoge sich erhebt, ist der an der Straßenfront gelegene Theil mit einem Wohnhau» bebaut, da» Wohnungen der Beamten, Säle u. s. «. enthalten wird. Der aesammte Bau ist in rothen Berblendsteinen ausgcführt und macht mit seinen Spitzbogen, den Säulen und mächtigen Bogenfenstern einen überau» vortheilhaften Eindruck. Ter Bau soll im nächsten Jahre» beendet sein. Beeil». Die antisemitischen Studentenvereine, di« sogenannten .Vereine deutscher Studenten״,, drängen sich hervor, um die Führung tu der Studentenschaft bei einer Moltkesetcr zu gewinnen. (Z.Z.) v«rU». Ueber den Wechsel der GlaubenSbttennttiisse veröffentlicht der Evangelische Oberkirchenrath in dem »Kirchlichen Besetz- und Ber» ardnung»blatt" -tue Statistik an« den Jahre« 1875 bt» 1888, die allerdings, da ft« Schleswig-Holstein, Hannover und Heffen-Naffau nicht beriickfiehtigt und nur die HauptglauvenSbekeniniffe der Evangelischen, Katboiiken und Juden in Betracht ziehtz auf Bolständigket» keinen Anspruch machen kann. Danach find in diesem Jahre zu «vanaütschen Landeskirche übergetreren 2i 764 Katholiken, »»»» Inden, *918 AnderSglüubige, während von Evangelischen übertratm; 2141 zmn KalholiziSmu», ISS 11m Iudenthum, 1(825 zu sonstigen Kirchenckttnrtnschasten, di« im Einzelne» »um größten Theil unbekannt sind. Di« Uebertritte von Judnt haben sich fortwährend in steigenden Richtun-en bewegt, sie betrugen 1888: »48, e» waren hauptsächlich Brandenbürg und Schlesien daran betheiligt; bei den Katholiken hielten sie sich 1» den letzten drei Jahren' auf gleicher Höhe, ungefähr 2000, und Haben zulqt sogar etwa« abgenommen. BeeU». Der wegen Beleidigung der jüd. Necht«anwältr und de» RechlSanwalts Sello angeklagt« Kausman Röder in Zeulenroda, ist auch in der Berufungsinstanz vom Strafsenat de« Sansmergericht» «ndgiltig fretgeiprochen töorden. Der AngeNagte Hütte bekanntlich de« Anwalt SeUo geschrieben, in der irrigen Meinung, daß «.Jude, duß er rtr.» Juden, welcher schon durch seine Religion verpflichtet ist, di« Christen zu betrüge«, nicht al» Deutschen und nicht al» An- «alt anerkennen «erde. Aegen diese» Paffu» war s. Z. von der Staat»- «twaltfchast Anklage erhoben worden. In Ueberrtnstimmung mit den Vorikstanzen entschied jedoch auch da» Kammergericht auf Freisprechung wdc« «» zwar «ln« objektiv« Beleidigung al» vorhanden, dieselbe aber al« nicht strafbar erachte, mrtl die gedachte Aeußerung , zur Wahrnehmung berechtigter Interessen (§ 198) gemacht sei, und auch nicht au» der Form oder au» de» Umständen, unter denen sie geschehe», dt« Absicht der Beleidigung hervoaaiche. Ha»»»»««« 38. Septdr. Western Rachnitttag wurde der hiesige Rentier S. Coppel unter Betheiligung her Spitzen der Behörden, Deputationen fast aller Verein« und einer endlosen Zahl von Freunden zur letzten Ruhchätte geleitet. Der im 80. L«ben»jahre Dahingeschiedene, ein in allen Kreise» der Bevölkerung hochgeachteter.Mann, hat sich durch seine wohlthäeigen Schöpfungen und reich dotirten SUftunaen et« dauerndes Andenken gesichert Abgesehen von der im Jahre 1881 mit einem Kapital von Ml. 90,000 errichtete» jSiwon und Carl Coppel'sche» Stiftung", deren Zinse» zu Stipendien für Künstler u»d Studirende, Unterstützungen an Arme und zu jährlichen Beiträgen a» verschiedene WohUhätigkeitSanstalten verwendet werden, rief Coppel, nlerfiützungskasse für Leh «ine .Unlerstützungskasse für Lehrer" in» Leben uud war Miwegründer der segensreich wirkenden .Hannoverischen Kinder- Heilanstalt". In diele« Bereine», sowie in einer Reihe anderrr gemetimütziger und wohlthätiger Anstalten bekleidet« der Verstorbene da» Amt eine« Vorstand» mit warmer Lieb« und eine« sich stet« gleich bleibenden Wohlwollen. DveSde», 1. Oktober. Ei»«» »«längst vom hiesige» Stadtverordnrten-Cokltgtu» gefaßten Veschlufst, auf Grund dessen der Stadtersticht wurde, vom 1. Januar 1891 ab daSBrod für '' -JOB bei J»au»g^»«1st«r» zu « rach nicht beigetrrten. Be»erken»»«rth W «S, daß der erwäLHe Antrgu von eine« antesimitischen JnomtgSschwärmer, dB» Bäckermeister Mrrilg, »»«ging, der sich besonder« darüber zu ärger,« scheint, daß di« städtischen Brodlieftrunge« gegenwärtig einer Brodsabrtk übertrage» sind, devm Inhaber rin Jude ist. Dir Leistungsfähigkeit und Reellität der I«- treffende« Firma ist über alle» Zweifel erhaben und wurde s. Z. auch von konservativen Smbverordneten anerkannt. Mrankfnrt «. M. Bei der jüngsten Ziehung der badischen Loose hatte ein« hochbetagte jüd. Frau den Hauptgewinn (800000 Al.) gewonnen, diesen Betrag aber den Armen Frankfurt», ohne Unterschied der Lonfession, testa men torisch vermacht. Alle antisemitischen Abgeordneten «erden, wie bie .Staat«bürgerzeitu»g" verkündet, im Verlaus diese» Monat» in Hessen Ihätia sei» mit Einrichtung von judenfreie» Märkten, Einrichtung von Bauernvereinen, wirthschastlichen Hülf»kaffen und Consumvereinim. (BSckel'S״ReichSherold" kündigt bereits ״antisemitische Schweine- und Rindviehmärkte" an.) «Ufa«»»». 28. September. Dt« hiesige t»raelitisch« Qtantbk« erfreut sich zur Abhaltung ihre» Gottesdienste» einer zwar kleinen aber freundlichen Synagoge, Dieselb« ist im Jahre 1859 erbaut, und ist neuerding« mit einem Kostenaufwand« von 6000 Mt. renovirt und «tngtweiht worden. Die ist in ihrer jetzigen Gestalt eine Zierde unseixr Smdt. Dt« Ren»virung«k»sten sind «in Geschenk de« Herr» Ritteront«besitzer» I. Rohr aus Lang-Guhl«, weichte stet« ein lebbase» Interesse für den Bestand der gedachten Gemetnd« und di« Unttr- Haltung ihre» Cultu» bekundet hat. E» wäre der kleinen, nur 16 beitragende Familien zählenden Gemeinde nicht möglich, eine» kostspieligl«, einen. JahreSetat von 4000 Mk. umfassenden Cultu» zu unterhalt,«, wen» sie Herr Rohr im Verein mit seinen hochherzigen Geschwistern zu Bre«lau und Heidelberg durch Hergab« einer dauernden jährlichen Rente von 8600 Mark hierzu nicht in den Smnd gesetzt hätte. Rofchmt» (Posen). Am 6. ׳September hielt Herr Dr. H He pp ner au-Pieschen seine Antrittsrede al» Rabbiner (über Sprüche der Väter 1,2: .Aus drei Dingen steht die Welt u. s. w."), die sich allgemeinen Beifall» erfreute. ■Mtit. Seit einigen Wochen erscheint hier ein dritte» jüdtsä»e» Blatt: .Der unparteiische Beobachter", h«rau»gegrb«n von b:m wohlbekannten jüdischen Litteraten Arthur Wetßmann. BSte» Der Kaiser verlieh unser« Slaub«n»g«noffen, dem RegierungSraih Herrn Wilhelm Raschauer, Präsident der Frucht- und Mehtbörs« den Orden de« eisernen Kreuze», sowie dem erste» Secrrtär. Herrn Moritz Leinkaus, ebensall» Z«raelit, den Franz Joseph-Orden. — Ein gewisser Dr. R. Blau in Wiener Reustadt hatte vor zwei Jahren au» persönlicher Rach« gegen den i»r. Lnltu-vorstand am Jourktppur die Taäs« genommen. Ein eigenthümliche» Zusammentref en wäre«, daß derselbe gerade wieder am Jomktppur d.I., vom Schlag« gerührt, seinen Tod sand. »mfterba«. Dle mcdicinischc Facultät wählte den Professor «rz zum Vorsitzenden und den Dr. Stocvl» zum Secretär, beide md JSraeltten. HaAantz. Gegen alle» Erwarten hat auch unser Land jetzt elnc & Dieselb« erscheint unter dem Titel ״Do Dalcnachjoock“ zu Äieersen in der Provinz Llmburg. B«»o»»e. Unser Oberrabbiner, Herr Ast ruc, seit 2 Monaten fußleidend, konnte dt« hohen Feiertag« nicht predigener'gab an Sttlle der Predigten «ltgiöle Vorlesungen, di« er während de» Gottesdienste», sitzend abyielr und die sich großen Betsall« erfreuten. Krakau Hier erscheint — gleichsam al» Ersatz für den Jtort — ein neue« hebr. Wochenblatt, redtgirt von dem »üchttgen Hebrälsten R. B r o d e », unter dem Titel: 8״». Sanum“ (.Die Zeit".) Krakau. Der Hof- und Gericht-advotat Reich»rath»mitgi.^0r. A. Rappaport ist vom Katser Franz Joseph in den Adelstand nit dem Titel ״Edler von Porada" erhoben worden. (R. ist ein Enkel de» ehem. Prager Oberrabiner» S. I. L. Rappaport.) Lz«r»»»ttz. Kapitän Bernhard Baltinester, welchrr 1866 in der Schlacht von Custozza schwer verwundet wurde und welchen der Kaiser für seine Dienste im Felde durch ein allerhöchste» Anerkennung«- schreiben geehrt hat, erhielt jetzt vom Kaiser die neugesristete nulltärische Verdienstmedaille ,.Stgauva l-aaüi»^. Der tapfere Kapiän war ber erst« jüdische Offizier in der Bukowina und ist auch der «lrfte Einwohner dieser Provinz, welcher durch die neueste Decoratlon ausgezeichnet wurde. Knn» (Or^Corr.) Ich bin glücklich, baß ich auf meiner Reise Kiew bereit« Hinte׳, mir habe. Bor Kurzem wurde hier ein Jude, der im Eisenbahnwagen 1. Klaff« fuhr, plGzllch angehalte», aus da» Bureau genommen und mit SO Stockstreichen derart auf de» nackten Körper bethellt, daß ihm da» Blut in Strömen rann. Er war nämlich mit einem russ. General zusammenaefahren, der ihm zu aus hin, daß e« «in Raucheoupee rrot rauchen verbot.! Der Jude wie« aber daraus l sei; daä kam ihm uuu so tHeuer zu stehen. Vk»K»» (Rußt.» Durch Berwenbung unsere» Rabbiner« ist «S gestattet worden, daß den da» hiesig« Gymnasium und die Rralichnl« besuchenden jüd. Knaben und Mädchen auch Religionsunterricht dr:rch jüd. Lehrer ertheilt werde. Der Schah hat den «eneralconsul zu Taaanrog, H rn. Jacob Poliakoss, die Soacrssiou zur Gründung einer Di«cont»da»l und im Errichtung w» Dari«hn»kassen für de» Umfang de» Persisihen - 1■ י - ^,s^ik^tittgkAt. T 4.^.3*. . i י) ) v

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