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Israelitische Wochenschrift · 1890-09-04 · 36 (4.9.1890) · p. Seite 279

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
36 (4.9.1890)
Date
1890-09-04
Page
Seite 279 (sequence 7)
Language
German
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mtfc «ttttfU Nmhrichi»». •cgailKn' ber wm Mr ״*«&. tffla. Zeit." an- •*epdWltn «chchttt btt in vor. *t. veröffentlichten. tat Antisemiten fc nMramai »rltfct btt Hochs, *ttifttin «uguffc, erttärt »userr Oudlc. Mc ,Tägl. Runbtzhan", baß sie die Abschrift bet Original« nur mit'Hinpffügung timt -omma und einet Semikolon«, t« Uebrigen -aber n'nverailbert »baedruckr Hane., öffMöchte« die Nnnscmitenblälkr" auch bi« denkwürdigen Worte b« da« ganzen Volke so geltedttn Preußenkönigin Louis«, bet Ur- «oßmutter «aferet Kaiser«, in Zweifel ziehen? Sft stehen ausgezeichnet i» x. Bande bet von Conrad Rahn herautaegebenen .Preußische Fürsten nnb ihre Krauen", S. ISS, unb lautet: »Det Königs Minister sind hart, sobalb et sich um di« Juden handelt Mein Gott. ntchtt alt Witzeleien! O. et «st unn-thig, di« armen Leute» noch weiter zu kränken, dt liegt sehr, sehr viel De- «üthigenbet für de» menschlichen Stolz in de« Leben einet Juden. >t schneidet tn't Herz, wenn man an den Ton denkt, den sich Christen oftmals gegen Juden erlauben. Wir sehen in den Juden auch die "Menschheit in ihre« uugeschmincktcn ZusMnbe. Sie sind eben ihren Böllers! Ne» treu geblieben — unb et ist ein trauriger Gedanke um bat Kstwußtsein, daß wir Christen diesen Zustand verachtrn und sie zu nnt htnitberziehen wollen, von der grauen Morgendämmerung det Mittelalter« btt jetzt war bat Jubenleben ein« Kelle mit Gesetzen umstinm». Di« ganz« heiter« Welt, worin wir unt bewegen unb der- -gnügeu, machen wir für ihn zu einem Ort voller Fallstricke und Äefahren. Herr Minister, verhärten Sie bat Herz meinet künftigen Gemahlt nicht st u. s, w. Maachedurg, 1. September. Hier feierte heute in seltener körtzerlicher -Müstiakeit unb geistiger Krisch« bat Levy unb Paulin« Franck'sche Ehepaar da« Fest der goldene «Hochzeit, vei« Sabbath- Gatwtbieaste sanb di« rellgtöse Ctnsegnung in der Synagoge durch et» inniaet Gebet bet Rabbiner« statt. Heute zeigt« sich die Theilnahme der Gemeinde in regster Weise. Der Vorstand üderbrachte persönlich «in« OraUtlationtabreff«, auch von der Hamburger Kreimauerloge, dessen .Mitglied der Jubilar schon seit 2 Dezennien ist, ging ein« solche et»; rin« große Anzahl von Angebinden, kostbare» Biumenlörben, Dqnschen «nd Briefen nicht nur von verwandten nnb de« großen vekannten- Ireise, sondern auch von nichtjübische» Freunde« aut Rah unb Fern sägten bi« weiten Wähnungträume bet Jubelpaaret. Der Abend »ereinigte di« Familienmitglieder von hier, Berlin, Erfurt, Görlitz u. a. 0., zu ««rat solennen Mahle lim Hotel zur »Stadt Rom"), bat durch Rede« Da« Jubilar selbst, dem Rabbiner, unb Vertretern der verschiedenen MWWNNdtschcsttgruppFk besonder« gewürzi war. Sine besonder« freut Überraschung bereitete der Synagogen-Männer-Gesang-Verein t Jubilar durch den Vortrag geeigneter Lieber, dt war «in« Freude, eftt sehen, wie bat Jubelpaar, ungebeugt von der Last der Jahre, ohne mebnchen und Schwächen det Altert, mit überraschender geistiger Regiamleit und körperlicher dlastizität bit spät in der Rächt hinein an den immerhin aufregenden Feierlichkeiten unb Vergnügungen sanch Terpsychove't) »heil nahm. Möge der Lebentabend desselben noch lange von den goldene» Sonnenstrahlen der göttlichen Gnade beschienen, und die -Feter der bemantenen unb eisernen Hochzeit ihm beschtebea sein! '' Berit». Unter dem Titel: Ist die Jubensrage «in« Kulturs ragr? ist ein« Broschüre erschiene«, welche inbeß lediglich «llge- »eine Hetzphrascn enthält, die noch unter dem Niveau der gewöhn- Uchsten Antisemiteobläner bleiben. י Berlin. In einer Mitgliederversammlung det deutschen Anti- Unbunbet besprach Herr Sitte den Fall Morris de Jonge unb zu dem weisen Schluß: et sei für die Antlsemiwn nicht angezeigt, der Sache anzunehmen. Berlin, 1. September. Gestern wurde in der Chausseestrnße 42 di« neu« Synagoge der Vemelnb« »Ohel Jizchak" eingeweiht. Am nächsten Sonntag, wirb auch die Synagoge der ältesten Prtvatgemeiube Berlins «Schochare hattob" lHolzmaritstrahe 5) ihrer Bestimmung übergeben. Di« hiesige Gesellschaft zur Fö rderu n a bet Christenthumt unter den Juden hat nach ihrem Jahresbericht im Jahre 1809 im Ganzen 11 laufen von Juden zu verzeichnen, darunter vier Beamte, drei Kansteut«, et» Künstler. Aut Brest»« schreibt «in neibgeschwolhener Antisemit im .Volt": TU,rer den 101 jungen Damen, welche bi« kaiserlichen Majestäten am Jl. September hier begrüßen sollra, find mindrstrnt 30, als» ein Fünftel, Jüdinnen. Da ein SeäAehntei der Bevölkerung vretlaut jüdisch ist) so sind bei dieser hervarragendr» patriotische» Geszegenheit wieder einmal dreimal »ehr begünstigt alt die Dentschra. /Cb man de» Kaiser damit ein« so ganz besondere Freud« zu machen -׳ Glaubt?" (Sicherlich k dran er sieht hierbei nur aus di« Pethätigung der ' Lmriotischca Gesinnung, unb man ehrt ihn mit de« Schönsten, was «an hat.) Brnth«. (Lberschl.) Der früher« Opernsänger Herr Kinkel- Pein, welcher in Frankftwt. Regentbura unb Vrünn rnaagtn war, Mt dem Theater Valei gesagt und ist Vorsänger bet der hiesigen »mneinbe gewordey. «toi Hass«». Am letzte» kannabend wnrdr« in der Synagoge zu Da hlheich oei Oppenhekm'nächtllcher Weil« iämmtliche Eegiastönbe, Mc m liturgischen Zwecken diene», demottrt. Alt man am Mmgp» di« Synagoge öffnet«, war das Allerheiligstr «maltsa« erbrochen und ein« Thora-Rolle lag am Boden zerrissen, beschmutzt und mit giß» zertrete». Bänke waren zertrümmert und nmgerisse», Gebetbücher und sonstige bei« vtottetdienst gebräuchlich« Gmenftände lagen aus der drdr zerstreut. (Das stn» bi« Folge» der Antisemitenagitatlon!) Gaffei.Gegen den Rektor Dr. Drake in Robenberg hat dl« hiesig« SSnigl. Regierung weg«» der von demselben in der »Schaumburära Zeitung" veröffentlichten, so« anttiemitlschen Geist durchwehten Artikel bat Ditctpitnar-versahren eingelritet. tzBetirrbnr«, (Raffan.) 2. September. (prMSot.) Wie wenig die in vorigen Winter gehalten« Hetzrede des Antisenritenhäuptlingt Dr. Böckel hier gefruchtet, beweist die heule; am Sedantage,, «ff dem Festplatz von dem hiesigen Anttsemtttnführer Clemens Brandigehalten« Festrede, d« war darin nichts von den gewohnten Schmähungen der Judenfeind« zu spüren; die Rebe «achte t» Gegenteil braüiabnut, alt wäre der bisherige Feind Israels -inet Besseren belehrt worden. Dieses erfreuliche Faemm verdauten wir den« humane» Wirke» des edlen unb menschrafreunbltchen Präsidenten bat hiesigen Kriegrrvemins, Herr» Grubenbirector Aich tel. Scktzneeinfart. Hier wurde Dr. S. Stein, der feine Aut» bilbung am Berliner Rabbtnerfeminar erhielt, einstimmig zum RNb» biner gewählt. Lnngtzniz. (Elsaß) 20. August Aus einer steilen Anhöhe, in der Rühe unseres Dorfes, liegt fern vom menschlichen Wogen und Treiben der israelitische Fnedhof, einer der ältesten unseres Landet. Zahlreiche Denlstetne aus de« Id. unb 19, Jahrhundert legen «ine» sprechenden Beweis ab. I» den schwere» Zeiten det Mlttelaltart hatte» hier die aut der menschlichen Gesellschaft autgestoßenen, vom Mißgeschtck arg verfolge» Juden eine Stätte gesunden, wo sie wenigstens ihre« Tobte» «in sicheret Rnheplätzchen geben konnten. Dethal'- kamen sie auch aut alle» Gaue« be« Elsaß mit den. sterbliche». Ueberresn» nach dem Junghölzer Friedhof«, da sie bieselbr« dort vor dem oft grausamen. Pöbel sicher glaubten. Selbst heut« »odient dieser alte Frtebbof weitaus der grüßten Anzahl der ttraeltttschen Gemeinden de» Kreise» Gtbweller zur Begräbnisstätte. Gin« uralt« Titte besteht «um bei den Israeliten, während des Mmmw dlul an de» Gräbern, brr. Berstorbeuen zu beten. Seit voriger Wach, herrscht nun ein reget Leben! auf diesem saust so stillen Orte. Au» Ray und Fern, kamen letzten- Dimnerttag unzählige Fremde hier an; «m dieses Werl der Pietät autzuüben. SSt«». Die Katftrt» von Oesterreich, ha« auch ihren, dies malige», kurzen Anftnthalt in Parts dazu benutzt, den Ramen. ihres Lieblingsdtchtrrt ihr« Verehrung » bezeugen. Match am Tage ihren Ankunft,., begab sie sich gang alle« nach dem Rdntmartrr und. lagt« aus dem. Grab« Heinrich Heine't «inen Kraut nieder. Bshme». Rach der neuesten Zählung befinden, sich in Böhmnr 90,000 J!!dr» («ater einer Gesammtbevöikerung von n»hezw s Millionen. Seelen). Htte». Der Atnsnzmintfter veraednete baß, den. Jude» hier, welche bisher keine Gtlden-Attefte 7. Klasse autlausttn. (um größere Geschäfte führen yt könne») solche nicht «ehr autzzisolge». ttzeracstznrg. lieber die jüdische» A-terlaüte in» südwestlichen Rußland bringt «Rnskie Wiedowostie* folgende amtliche Angaben:Von der Gesammtmhk der Läertleute (zgsaanmen 2«isitS« sind davon. 209» e '.- - ~ Marsch«». (Cr.'(Car.) Das Ahepaar Heünrtch »nd da milk L« vtz schenkten sünvv Rudel zu einen» Reeonvalatceutuchaut, welchet a» 1. September ans der,Dzielnastraße hier eröffnet wird. Di« Hälfte (SS Betten) für Inden und dt« Hälfte für Christa«. Scho« des Heinr. Lev» Bat«, Lessar Levy, ha» sehr zatzfteiche Sttstungr» zu wohlthätigen Zwecke» für Jude« übarlassen, unh es »«dien« jcdensallt große Anerkennung, baß dtc Goh» i» «eiste seine» edlen Vater« «netter handelt. «nßisnd. Wie «elawiet, hat der Lendettommandirende, General Kuropatkln, mehreren in Aschkabad «ohäenbea Juden den- Befthi »ugehe« lassen, ihm Geschäfte «bznwtckeln und binnen einen Monat Tranteastzte» zu verlassen. Vensylvanieu. Die Gesetzetkund« hat,'man nicht lmmer, wie es sich gebiichrt, auä die Bibel zUrückgeftvnt. Diejenigen, welche mit Mt Materie vertrant sind, wissen, daß di« dntwickluog ber Rechttibee unb deren Ausdruck in de» Rechttgrundsätzen und Gesetzen aus di« Bibel als der«» Dude und Ursprung zurückgesührt werden müssen. Unlinaü hielt der Oberriichtrr Pazvn de» Hörern der Rechts- Wissenschaft «me Vorlesung über di« .die Mosaische Gesetzgebung". Inde« er me Rotwrabigtait des Studiums der Rechte aut den Quellen betonte, ftate derselbe: »Biele halten das Zurückgehe» zu de« g«. meine» Recht für genügend. Die Urqnelle» der Rechtswissenschaft liege» aber tiefer und wenn wir zu denselben gelangen, sie verstehen unb an Ihren Naren Wassern «nt erfreuen wollen, so müssen wir auf dem gewnnbeuen Weg« des zenwinen Rechts zu einer viel früheren Periode uerückgehra, ehe nach di« Richter geboren waren, deren lichtvoll« dntscheibunge׳׳, dem'-lte« Form «nd Substanz verleihen. Um dieses zu könne», erianbe» Sir mir, Ihrer sorgsälttge» Beobachtung «in Bmä zn rwmehlr«. welche»,' wie ich fürchte, bei unser« Berufe nur zu sehr p;«nachlässigt «virb: Ich «ein« die Bibel!"

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