Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 28 (10.7.1890)
- Date
- 1890-07-10
- Page
- Seite 209 (sequence 1)
- Language
- German
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Mn. XX1. M 28. MLsdetmrg, 10» Krrli 1890. eine allgemeine Zeitnag des Judenthnms. SeAmlUch erfA«i1tt te rin« Kummer »er a>v»ch»«la,»«««". de» >>»««»-». de,..«>«»,»»» »»»I »«»»«. Per«» für alt kriiflltin brt alm «ottämtmi 0. BkA60nMun.nl dralX^axk »terreliüh!!. «II dtrecter Aulen dun,: l il hriich 14 «ark, roch de« »uolonde: I« »k. (8fl., 80Frc«.. 8 «dl״ « Lo1lor»>. It» «iI^»«Ui»»dl»tt' <«l>,e.Lllteroluedloll') foftrt: 8 *Urh SB Vf* MntriUWIA. -a HerauSgegeben von Rabbiner vr. W. Aaymer in Magdeburg. FSr Mehrheit. Pech,;titlta! a- )«r19«(1 für bie.3lraefttH6c Wochensckrtft" tote für da».Jüdische Litteratur-Vlat l* die Neinqespatteae *etltjdle ooer oerm Raum Pf. ünd entweder durch die Annoncen, ltrvedittonen von O. L. äcOo», Rudolf Möwe, H«afa»UlodB Vogler ». L. oder d i r e e r ei»tu ende« an: pte «UpovMmn den ..-enaottt. Wscho«» fchrifv» ta W«,dov»rr»n«ltr i Leitend» Artikel: Sind di« Juden ein .Volk" oder eine »Ration"? Bon Rabbiner Dr. Rothschild. 1 Bericht« nnb Sorresvo«den,«nr Deutschland: Magdeburg. Danzig. Oberhausen. Bielefcld. Eisleben. Stuttgart. Oesterreich-Ungarn: Preßburg. Broßbritannien: London. Rußland: Petersburg. Padom. Türkei: Smyrua. Amerika: Richmond. vermischte und neuest« Nachrichten» Berlin. Berlin. Lands, birg. a. W. Aus Halle, Erfurt. Leipzig. Ungarn. Paris. Nancy Rouen. Rom. London. London. Petersburg. Palästina. — Inserate. HT Rachdruck ohne vollständige Quellenangabe untersagt. ‘VB Wochen- Juli. 1690 T1m«a$. 5650. Kalender. Donnerstag . . 10 22 Freitag . . . U 23 Sonnabend. . 12 24 9,11) פנחס) Peret 1. Sonntag. . . 13 25 (JJeumonbtinfegnung.) Montag . . . 14 26 ־ Dienstag. . . 15 27 Mittwoch . . 16 28 Donnerstag. . 17 29 Sind die Juden ein ״Volk" oder eine ״Ration?" Von Rabbiner Dr. Rothschild. In dem christlich.socialen Songreh, welcher kürzlich in Berlin tagte, stritten Prof. Harn ack und Hofpred. Stöcker darüber, ob die Juden ein Volk oder eine Nation seien. Erstere bezeichnete sie al« Volk, dieser als Nation. Al« Volk würden sie ja wohl ein gesonderte« und selbstständiges Staatswesen haben, oder als in Personal-Union stehend gedacht werden müffe». Wie kann man an dergleichen bei den faktischen Verhältnissen denken, in denen die Juden in allen Ländern, auch bei uns, leben, in geringer Zahl und zerstreut unter andern Völkern? Darum bestritt auch erst Stöcker diese Behauptung und bezeichnete die Juden als Nation (v.uaooor), um auf ihre gleiche Abstammung und ihre Absonderung als Raffe hinzuweisen. Auch daß er nebenbei und gleichzeitig sie eine besondere Religionsgesellschaft nannte, hatte wiederum nur den Zweck, sie als von den'Christen ge- und verschieden hinzustellen? Dann fügte er hinzu: »Nicht eine Religionsgesellschaft wie wir, sondern »mit talmudischer,* — d. h. im Stöcker'schen Sinn: unsittlicher — »Praxis und Moral." CS scheint angezeigt, die Begriffe von ״Volk" und »Nation" festzustellen, um danach zu bemessen, ob diese auf die Juden paffen. Denn man hört oft von »Volk Israel" und »Israelitischer Nation" sprechen, Bezeichnungen, welche sich von der Bibel und au» der Vorzeit erhalten und ver« erbt haben, ohne zu bedenken, daß die politischen Berhältoiffe in denen Israel heute lebt» nicht mehr dieselben sind, wie ehedem.: Denn so viel steht von vornherein fest: »Volk" und »Nation" sind »politische" Begriffsbezeichnungen, Israel bildet aber ausschließlich eine ,religiöse" Gemeinschaft. »Volk" und ,Nation", beide also bezeichnen politische Bereinigungen, staatliche Verbände mit gesondertem Eigenthum und Land, besonderer Sprache, eigner Verfaffung und Regierung. »Volk" ist eine solche Vereinigung ohne Rück« sicht auf Abstammung und Sprache; ein »Volk" kann eine Mischung, eine Vereinigung verschiedener Volks- und Sprachstämme enthalten, die unter einer gleichen Regierung, Verfassung und sonstigen Berbandsbedingungen sich an einander geschloffen haben, oder an einander geschloffen worden sind. »Nation" ist ein solcher politischer Verband Gleichgearteter in Bezug auf Abstammung und Sprache, mit Ab- und AuSschließung stammesverschiedener und fremdsprachlicher Elemente. »Nation" drückt demnach eine Raffengleichheit mit Ueberrinstimmung der Sprache und Blutsverwandtschaft aus. Alles dies paßt nicht auf die Juden, die demnach weder ein besonderes Volk, noch eine gesonderte Nation bilden. Sie haben keine besondere politische Bereinigung, sie sind Deutsche unter Deutschen, wie Franzosen unter Franzosen'; sie haben auch keine gleiche Abstammung, sondern haben verschiedene Volksstämme in fick! ausgenommen; sie sind eine Mischung orientalischer und occidevtalischer VolkSelewente, die ehedem sogar vielfach und so masse erzwungen wurde und heute noch durch freiwillige Mischehen andauert, von gleicher Raffe und demselben Blute sind die Juden demnach nicht. Auch kommt e» nicht einmal ausschließlich auf Blutmischung an; locale und klimatische Einflüsse, wie socialer und commerzieller Verkehr, bedingen ebenfalls Blutb schaffenheit und Temperament und «odificiren in gleicher Weise die Eigruthümlichkeit de« menschlichen Charakter« und Leben», wie die