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Israelitische Wochenschrift · 1890-05-29 · 22 (29.5.1890) · p. Seite 161

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
22 (29.5.1890)
Date
1890-05-29
Page
Seite 161 (sequence 1)
Language
German
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M 22. Pasb'lmtg, 2». Mai 18««. litt«, m IsrMischtMochMchH eine allgemeine Zeitung des Jndenthnms. & (BMratltd «tlchtim I« eine •hiamer btt chMochaa scheif 1-, d«» ״fa«lll*a> llifl•" u. «trt• fflt all« Irilfliltn drl «0«n WaALaltt» a. >uchd»»dl>1»»e» cl^«t 1V1»ria ttrrttllSfrtl. MN kittet« 1 8utl**ne: jlbttitt U Watt, ׳ach bca Nullaad«: 16 S!f. (86״ »Stt»., 8 Mbl., 4 Dollar«), Sk ^Vachaaschtin׳ alt ^aatiUraktatt' lab» « .i)ttttt«turMatr) lall«!: a DMaev SS Vf«, »ittttli-btllch. -a HeranSgegeben von Rabbiner kr. M. Aahmer in Magdeburg. Fär Watzrheii. »echtFriede,! «?- ffit btt .ג » r a «11111 <6 e JB 0 <S t n ( tl 11 f t' trat Mt da».I»bilch«ailt«tat»t->latf, di« Ntina»ibalt«»« dttiijtil« ostr attt« »aua SS Vf. sind «atwtbtt durch di« Nitmmeta- 4rvtdtnontn vo» d. I*. Daubo ScOo., Rudolf Moa«, HuMatt•!!««» ־Voglar a. *. obtt bittet ettnu cabta an: Dl» «t»<kliin bM,Jm<Ut. IV •<•>»»־ rdririir‘ ht Ma,»»ka», -»hall: L«it««de lllreikrl: Lebensgefährliche Suren für eine wenig gefährliche Krankheit. D e Schuld׳ bä'te im preuß. H.rie!׳Hause. Bon Rabbiner Dr. Roihichild. ixt Reformstreil in London, Bericbt» und 15orr»spoudea,eu1 Deutschlanc: Magdeburg. Berlin. Esten. Witten. Mannheim, Lleiwitz. Oesterreich-Ungarn: Ans Ungarn. Sroßbritannien: London. vermischt» und neuest» Nachrichten: Berlin. Berlin. Berlin. Berlin. Berlin. Breslau. Hamburg. Heidclberg, Heilbronn. Wien. Wien. -iS Ungarn. AuS Äbonh. London, DifliS. New-Port. Nl»6 drm V. O. B. B. New-Jork. Inserat«. Briefkasten. MT Nachdruck ohne vollständige Quellenangabe uuirrfagt. ' 1 Wochen- 11L 1890. Sinai. küibO. Aalender. Donnerstag . . 29 10 Freitag . . . 30 11 1 Sonnabead. . 31 12 4,«> מ*א) p. 1. 1 Sonntag. . . Jui 1 13 , Montag . . . 2 14 Dienstag. . . 3 lö 1 Mittwoch . . 4 16 Donnerstag. . 6 17 LebemSgekährlich« Auren fftr eine wenig gefLyrliche Krankheit. 11 Herrn Dr. Leon ist die von Stöcker angeregte Lntise- ' «ttendebatt« bedeutsam genug, um eine die tiefsten Fundamente de« JudenthumS erschütternde Umgestaltung desselben zu planen und zu empfehlen. Hätte Stöcke r nicht gesprochen» so hätte Leo» nicht geschrieben. Herr Leon »ird un» entgegnen, Stöcker habe nur den Schaden aufgedeckt, der längst vorhanden war. seine Red« sei nur der äußere Nnlaß, nicht der tiefere Grund, daß diese fundamentale Reform auf die Tagesordnung gebracht wurde. Aber dem gegenüber ist daran festzuhalten, daß Stöcker nnS vorläufig keineswegs als der Vertreter einer wirklich im Volke vorhandenen Strömung gilt, sondern wir meinen, sein Treiben sei eine vorübergehende Erscheinung, die «ehr durch die Gunst zufälliger Verhältnisse, als durch ihren innen: Werth oder auch nur durch ihre innnere Macht Ansehen erlangt hat. Der Antisemitismus ist ganz und gar das Prodnkt hoher Protektion. Für de«, der eS noch nicht wnßte, ist eS im HenenhauS bei Gelegenheit des Antrags Pfeil offiziell kund geworden, welche Gefinnuug länger als ein Jahrzehnt im Kultusministerium und im Ministerium des Jauern das entscheidende Wort geführt hat. Herr v. Puttkamer hat entgegen dem Wunsche seines einstigen Kollegen für de« Antrag Pfeil gestimmt; Herr vor Goßler mag Recht haben — wir wollen eS hoffen — wen« er von der heutigen Regierung sagt: sie sei weder semitisch noch antisemitisch; so lange Herr v. Puttkamer Vicepräfident bei StaalSmiaisteriumS war, Tut 'a entschieden antisemitisch. Also von einflußreichster Seite ist die Judeufeindschaft begünstigt worden. Noch heute ist dir Meinung unter dm Beamten vielfach verbreitet, mau empfehle fich bei dm hohen Vorgesetzten, wenn man gegm die Juden wühlt, j j .A Dagegen zweifelt Niemand, daß, wenn heute vou höchster Stelle der Abscheu gegen den Anlise» mitiSmuS zum deutlichen Ausdruck käme, plötzlich tausende und aber tausmde in Deutschland zu der Erkenntniß kämm, daß die Judm ganz nette und ltebmSwürdtge Leute find und daß fie sich vortrefflich zu Reserveoffizierm eignen, ja daß man ohne Furcht int nächsten Kriege eine Niederlage zu erleidm, getrost dm versuch machen könne, fie zu Liaiewofstzieren heranzubilden, vollendwürden die Kastno'S und Klubs sich ihnm weit öffnen und mancher Lieutenant würde eS geradezu als eine Erlösung betrachten, daß es nicht mehr für unfein gilt, eine reiche Jüdin heimzuführm Ein Wort könnte diese Wandlung erziele» und dieses Wort wäre doch nur ein« Wiederholung eines im deutschen Staatsrechte längst ausgesprochenen und nur noch nicht überall zur praktischen Geltung gelaagtm Grundsatzes; gerade di« Antisemiten unter den Konservativen sind zumeist keine Männer, sondem Lakaien, und nach Lakaienart bringe« fie die Gefinnuug, die fie bei den Vorgesetzten vorauSsetzm» übertreibend zum Ausdruck. Wmn wir nun die Uebrrzeugung haben, daß e i n Wort die Reptilien wieder in ihre Höhlen jagm könnte und wir sonach die ganze Bewegung für keine urwüchfigr, sondern für eine Treibhaus» pflanze ansehm, sollm wir nun daraufhin das Judenthu» reformirm? Das wäre absurd.

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