Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 18 (1.5.1890)
- Date
- 1890-05-01
- Page
- Seite 135 (sequence 7)
- Language
- German
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— 185 fen1if4rnf<Std)r, wohl ober -u einer der letztera^abträ-Ucheu Pasflvität bewog». und unter den vielen, »ehr au« Tradition, als an« Na rer Ueberiengnng de» Deusschthu« anhingenden »den ist׳ infolge der an«edlich in Ehren de« deutschen amen« belricbenrn ,Semiten-Hetze" bereit« gar mancher stark in« Schwanken geralhcn. Trotzdem darf man erwarten, daß der An/rnf zn politischen Fahnerflncht nur vereinzelt Gehör finden wird, denn die Inden in Böhmen wiffen allerseit«, daß fie ihre bürgerliche und gesellschaftliche Stellung im modernen Staate in erster Reihe de« deutschen Liber»- liSmu« zu danken haben. Jhu?«klzie». (Or.׳«orr.) vor Kurzem fand in « r a k a u eine Versammlung der Professoren höherer Lehranstalten statt. E« handelte fich um Regulirung de» jüdischen Religion«» unterrichte«, welcher seit zwei Jahren in den Krakauer Gymnasien gar nicht mehr gelehrt wird. Nach Jahreöad» schluß bringen die Gymnafialschulen von Rabbinatöoertreter eine Notiz und da« genügt. Noch schlimmer ist e« mit dem jüdischen Religionsunterricht in den Mittelschulen, wo dieser Gegenstand und dessen Lehrer förmlich zum Spott wurden. E« handelt sich nunmehr entweder den jüdischen Religion«׳ unterricht ganz zu fistiren oder mit anderen Unterrichtsfächern gleichzustellen und Fachlehrer heranzuziehen. Der galizische Landes-Schulrath wünswe die Annahme der letzteren Reform. Allein der Professor der Krakauer Uuioersttät, S m o l k a, und der Geistliche Lenkiewicz prot«flirten mit der ganzen Macht ihrer Redekunst gegen die Gleichstellung der jüdischen Religionslehrer mit den christlichen Religionslehrern und trotz der Gegenrede des Rectors der Lemburger Universität Professors Dr. Piaztek blieb es vorläufig beim Alten. Daß gerade S m o l k a der Sohn de« durch seine liberalen Ansichten und Bertheidigung der Juden wohlbekannten Präfidenlen de« österreichischen Reichsrath« mit den Schwarzmännern fich verband, ist jedenfalls zu bedauern. B. Amerika. Kiuciuuali. Dem Tomite zur Organifirung einer Eentralconferen, amerikanischer Rabbiner gelang e«, in 7 Monaten die Unterschriften von 73 Mitgliedern zu erlangen. Das ist bereit» ein Erfolg und diese Zahl genügt schon, ein ,Großes Synhedrin" abzuhalten, oder ist doch wenigsten« groß genug, da« beabfichtigte Ziel: 1) eine jährliche Lonferenz abzuhalten, 2) ein Jahrbuch mit den Eonferenzbeschlüffen zu veröffentlichen und 3) einen Fond zur Unterstützung dienstunfähiger Ministre« zu gründen der Ansführung näher zu bringen. Die nächste Eonferenz, welche im Juli iuLlevelaud tagen wird, wird fich mit der Feststellung der Satzungen in Betreff der Publikationen und de« Uuterstützuugsfond« beschäftigen, die Beamten und Lomitemttglieder für da« laufende Jahr wählen und über alle Angelegenheiten verhandeln, welche rechtmäßig vor eine solche Versammlung gehören und da« Judenthu« nebst deffm religiösen und «üerrichtlichm Deftitutionen betreffen, so wie die Lage«, »rduuug für die i» Jahre 1891 in Baltimore tagende Toufereuz feststelle». Einer der Hauptpunkte der Berhandlungeu wird in der Wahl würdiger und hervorragender Laienmitglieder bestehen, wie die« in den Beschlüssen van Detroit schon vorgeschlagen war. Da« erste Jahrbuch soll hauptsächlich eine Zusammenstell«»- aller seit 1840 auf de« verschiedenen Konferenzen gefaßten Beschlüsse nebst dm Berhandluugm der die»- jährigen Lonferenz enthalten. Sa werden von Jahr zu Jahr die Beiträge zu dm historischm Nachrichtm über da« amerikanische Judenthum »»d deffm gesetzmäßigm Entwickelung-gang fich mehr« — Nachrichtm, welche für da« folgende Jahrhundert fich ebm so wichtig erweisen werde», »l« die« mit dmm der ersten Hälfte de« gegmwärtigm Jahrhundert« für uns der Fall war. Permifchtr «»d ututße N«hrichte». Berlin. Die Kaiserin" August« VIeloria har de« jüdischen Krankeohause einen Jahresbeitrag van bv Mk zugewendet. KSmgsderg Die Feier des Amtsjubilänm» des Rabbiner» Dr. Bamberger ist ans den ersten Pfingstfeiertag verlegt. Wolfeubütwl. Ans de» Jahresbericht der in wetteren Kreise» sich eines guten Rufes erfreuenden Samsonschule in Wolsenbünel er» sehen wir. daß sich die Anstalt in gedeihlicher Weis« entwickelt. Al« von besauderer Bedeutung für den Ausschwung der Schule ist zu ver» zeichnen, daß i« verfioffenen Schuljahr zu« ersten Male unter Borsitz eines Reglernngscommiffars ein« Abgangsprüfung abgehalten worden ist. (Unsere« Wissens mußte der Ezamiairende der Anstalt früher La Lrauuschweig sich einer lolchen Prüfung unterwerfen.) So wird dir Schule hoffentlich in nicht zu ferner Zeit de.ljenigen Anstalten bet» gezählt werden können, die die Berechtigung zur Ausstellung von Zeugnissen für den einjährig-freiwilligen Militärdieust besiNen. — Die Samsonschule ist eine sechs'lassige lateinische Realschute, an der 12 Lehrer unterrichten, darunter ein Pastor für den christlichen Religionsunterricht. Die Frequenz der Schule war 1889/20: 101 (gegen 94 im Borjahre), von denen 89 der jüdischen »nd 12 der christlichen Religion angehörea. Zum Schluß wollen wir noch hervor» leben, daß auch dem HandsertigkettSunterricht besondere Aufmerksamkeit im verfioffenen Winter zugewandt wurde. Aus der Provinz Pose». Herr Rudolf Masse hat seiner Paterftadt Br ätz «lne Schenkung von 00,000 Mt zur Erbauung eines , städtischen Krankenhauses gemacht, das zum Andenken an seinen Bater, der als Arzt SO Jahre in B. praltizirte, den Namen ,Dr. Moffe» Krankenhausführen soll. Der Kai,er hat die Schenkung genehmigt, i Hannover. Hier fand am vorigen Sonntag ein Antisemiten»! kongreß statt, der von etwa 200 Mitgliedern au» Deutschland besucht! war und in aller Stille vorbereitet gewesen ist. Die Berhandlungeu j waren geheim. Die Herren haben eine größere Reihe von Wahlkreisen zur besonderen .Bearbeitungin den nächsten fünf Jahren auSqrwäblt, (darunter Stad«, Kaiserslautern, Hagen. Bielefeld, Minden- Lübeck, Lörrach, Bingen), während dem Dr. Böckel und seinen flte» »offen, ganz Obe!Hessen als ihr besonderes Agitationsgebiet üderlaffea ist. Auch in Elsaß-Lothringen will man di«Jude..,hetz« einbürger». Darmstadt. In dem hier erschcinenden .Hessischen evangelffche» j Sonntagsblatt- (Redakteur ist Pfarrer Gönhaldti fordert ein .Gustav I Scharaiann in Fahienbachdazu aus, Butschristen an die Regierung! und den Reichstag ergehen zu lassen, um nicht blas die Sozial- > demokrvtic mit Gewalt zu unterdrücken, sondern auch ,die Juden an» den Stellu»g-n zu verbannen, welche sie im Reichstag und der Regierung einchmeu. Das Vaterland der Juden sei allein der Beldsack.- kaS des Herrn Scharmann der Urwald. Nürnberg. Die Wiilwe de» Abg. Frankenburger spendete zur Erinnerung an ihren Mann 20,000 Mark für eine Stiftung, welche zur Errichtung eine» HeimS für alte Leute ohne Unterschied der Konfession verwendet «erde» soll. wie«. Der im Kampfe gegen de» Antisemitismus bewährte Abgeordnete Prof. Süß hat wegen der Pöbel-Exeeffe in Neulerche»» selb, von denen insbesondere die Juden zu leiden hatten, die Ssterr. Regierung intrrpelliri, insbesondere, weil militärisch« Hilfe zu spät gekommen war. — Possierlich war e» daß der Pater Eichhorn in keineSweg» jnden» freundlicher Weis« den Antrag auf gastronomische Gleichberechtigung im Buffet de» Wiener ReichSrath», einbrach,« «ad in nicht-koschere« Siane allen Ernste» den Wunsch für Errichtung eine» ״koschere» Restaurantsaussprach. «Ranchester. Herr I. H. Whitaker, einer der bedeutendsten Vnumwoll-Manusacturistrn tnLaneashire, hat kürzlich in den dortigen Blät» lern Folgende« veröffentlicht: .Man hat mich an der Börse de» schuldigt, in einer Eonferenz mit der Weberdeputation mit verachtuag über me Juden gesprochen zu habe». Ich bitte Sir, Herr Redakteur, zu erklären, daß diese» durchaus ans Unwahrheit beruht. Ich Hab« nie über die Juden mit Berachtung gesprochen, beabsichtige auch nicht «S je zu thun.- Rew-Hork im April. In dem «segneten Atter von 100 Jahre» und bewundernswürdiger geistiger Frisch« und Rüstigkeit ist vor wenigen Lagen Dr. Jsaae Wiener in dem Hause seines anch schon SOjähMgen Sohne» Philipp Wiener tn die Ewigkeit eingegangen. Der alteHerr stammte au» dem Königreich Preußen(Posen) und wirkte dortvtele Jahre als gesuchter Sprachlehrer. Bor 28 Jahren, damals also ei» schon hochdetagter Mann, kam er «ach den Bereinigten Staaten, um bei seinem Dohne den begnadeten Rest seiner Tag« zn beschließen. E» war für Jedermann eine wahr« Freude, den. Greis zu scheu und zu beobachten, wie ihm scheinbar die vielerlei Beschwerden de« hoho» Alter« fernbliebeu. Sein« Augen waren so hell und scharf, daß er bi« au sein Ende keine Brille gebrauchen durfte und seine Handschrift deren Schönheit allseitig« Bewunderung erregte, wie» auch nicht die Spur eine» Zittern« der Finger auf. Da» Gehör de« alten Manne« hatte tm letzten Jabrr etwa» gelitten, aber nicht so, daß man fich schwer mit ihm verständig.-» konnte. Bor Kurze« nah« er «0$ an einer Hochzett tm Kreis« einer besrennoetr» Kämllie theil und war der Muntersten einer. Krank ist er eigentlich nie gewesen. Al« sei» Stündlein nahte, legte er sich uieder un!> schlief sanft und ruhig eia» »m tu dieser Welt nicht wieder zu erwache».