Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 16 (17.4.1890)
- Date
- 1890-04-17
- Page
- Seite 119 (sequence 7)
- Language
- German
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— iri — ^lottficntifdet Clttr.1 gemeinschaftlich unterrichtet werde» 7' — 6״• lange die jüdische» »-»der in der Minorität sind, habe ich durch!»» »ich!» dagegen, daß sie gemeinschistlich mit andern Kindern unterrichtet »erde». Aber wenn «4 dahin kommt, daß */, cder sogar der Schüler Juden sind, so opponir« ich an» dem Grunde dagegen, daß e« sür «inen Lehrer oder rin« Lehrerin ganz unmöglich ist, rach denjeMtaen Grundsätzen zu un errichten, welch«, wena sie gut und geschickt 8«lehn werden, da- Fundament unsere- Natio:a!wohlstand«s sind. Sie kann die Religion de» Kreuze» in einer Schul« oelehrt werden, in welcher sich z. B. 12 jüdische und & p oiestanstsch! Kinder befinden?» .Hierzu bemerkt ״Jrwi»h Standard», welche diesen Artikel rcproduzin«: »Religiöse- Vorurlheil — sür Patrioli»mu» ar-gegeben — leuchtet so angen'Sllig audiesem Loiiglomerat von Behrupluiigen hervor, daß jeür Commen'ar überflüssig ist. ES ist nicht der Reich» thum der Juden, der den Stein de- Anstoßes bildet, esi,d die Juden, welch« manchen Herren im Wege stehen.» (E« ist da« die bekannte Sprache aller Judenfeinde seit Pharao, der über ihre Vermehrung klagte, und seit Haman, der auch meinte, die Juden fügten sich nicht in dieStaattordoung. Schließlich erwiesen fie sich doch al» die bessern Patrioten. Red.) Krrmischte und neueste Nachrichten. Berlin, lieber die S'ellung de- Kaiser« zum Judenthum schreibt man der ״Augsd. Abcadztg.» au- Berlin: Ich kann au» zu» verlä sigber Que"e minhcilca, daß »er Kaiser s ine» jüdischen UntertHanen nicht andergegeuüberstcht, als den christlichen. S ir er da- Gymnasium in Kofel besuchte, h,t er e ne gewisse Loilieb« sü sei ien damaligen Mitschü er, den Assessor Dr. S om wer, ge -aßt und demftlbe» sein Wohl»ollen auch nach der LH onbrsteigunz «ehrsach bewiese». Er ist de« Kaiser tvicderho't empfangen morde׳, und zwar ging, nach meinen Jnsoimatione», die Anregung zum Empfang stet- »vm Kivs.r au». Ja de» Ictzm Lage» hat der Kaiser auch einen jüdischen Privatfekretilr in seinen persönlichen Den st genommen. Berlin, 2. April. Die Angelrgenheit der Schulvorsteherin Frl. ». Schmidt ist lvgl. vor. Nr.) »un in d.r städtischen Schuldcputation zur Sprache gciommen, da- ״B. schreibt darüber sollendes: ״Al» im vergangenen Jahre der bekannte v o re t i u - 'sche Fall erörtert wurde, erhielt die städtische Schuldeputation von der Vorgesetzten Aussichttbehörde, dem Proinzialschu kollegium, den Auftrag, eine statistisch« Ermi ielung über da- Zahlenverhältniß der in den PrivattSchlerschulen untergebrachten chrisil chen und jüdischen Schülerinnen onzustellm. E« wurde zu diesem Zwecke ein Fragenbogen an die betreffenden L»rst«herinnen versendet, ln welch«« unter anderm Autkunft da über txrlangt wurde, ob jüdische Schülerinnen auch seiner ausgenommen «erden könnten. Diese Frage bcantworrete Frl. v. Schmidt mit den Worten ״esollen jüdische Schvlcrinnen auch ferne nicht mehr ausgenommen werden." Hie au« erhellt, daß die städtische Schulbehörde nicht entse nt daran gedacht hat, dem Frl. v. Schmiüt eine Verpflichtung, jüdt'che Schülerinnen ftztan nicht mehr auszunehmrn, ouszuerlegen. Viclm hr hat Fäu'ein v. Schmidt Veranlassung grnommen, aus d e ihr vorgeleg e Frage freiwillig eine einseitige Lerpslihtung auSzusprrchrn, die ihr von keiner behördlichen Seite zugruiulhel worden war. Lhatsächltch Hut der Deeernent die Erklärung abgegeben, daß dir städtische Schulverwaltung eweit von sich weisen müfle, ,ine dera tige Verpflichtung irgend einer Vor« Pehcrln elnr Priranöchtcrschule auseileg» zu hatcn. Wenn j doch Frl. v. Schmidt der Ansicht aewcsin sein sollte, «ine derartig« Verpflichtung übernehmen zu müssen, so ist diese Ansicht al» eine in hohem Maße bedauerlich« z» bezeichnen." ' Gießen. Mil Hils« der Nationalliberalm — derm Vorstand Stimmmenthalmng empfohlen hatte — wurde hier der Antisemit 'Pickcnbach aus Berlin zum ReichtagSabgeordnetm mit knapper MajoritSt gewählt. In letzter Stunde wurde vom Prosefor Dr. Stengel m Marburg ein ikries P.'S veröfmtlicht, in welchem sich derselbe al» . arger Wuchersreund entpuppt. Pros. Stmgel schließt sein«, allerding-.etwa» zu spät gekommene Enthüllung mit den Worten: ״Der Mann, der in diesem Briese selbst cingcsteht, daß er einem - von Noch gedrängtem Gcldbedürsligm auf BOOO Mark Hypothek 4000 Mark verschafft und ihm nochmalvüO Mark abgezogen habe, empfiehlt sich nun de« Wahlkreise GH, ßen al» Spezialist sur b~t Bekämpfung de» Wucher». Marburg, dm t>. April 1800. Dr. Edmund Stengel, -Prvsesi-r." Der Stöckersche ״Reich-bote" erklärt nun, mit sauer-süßer Mim«, daß die Wahl P.'S ihm ״keine Freud« «ehr» mach«. Ostvtkvde. (Oftvr«»ß«»). Der hiesige Prediger und -ieligioutzlehrer •tunuann beging am 1. April dr« LSjährige «ml-judilllum, welch«- Semrinde, Schule», Amisgmossr» u»d Krraude ihm zu ri»e» fchö»e» Jute!feste gestalt««». (Der u»- zug-gange,« Bericht folgt in BÜchster Nummer.) L»L««b»r-, IS. April. (Or.-Lor.) Der Stadtraih xeaehmig« in s«in7r heutigm Sitzung kie u,«atgelllichc Ueberlaffung «i»rS der schi',stm öffentlich«» Plätze der Stadt zu» Ba» der neue» Syna- 1H«g« svwie «in Subfidialsnmme vor zehntausend Krerken. Sfc», 9. April. Gefi«n Abend »rrm die westlichen Vvrorw der Nesidmz der Schauplatz schändlicher Pöbelepcrffe, tvelche »atz Lebe» und da» Eigenthu« vie'er jüdischer Familie» theil» bedrohte» u theilbeschädigten. Unter dem Ruft: ״Nieder mit dm Judml», nm.de» jüdisch« Geschäft-lokale geplündert, die Inhaber derselben mißhandelt und einzelne Lokalität« n ln Brand gesteckt. Diese Au-Ichreltunge» de- Pöbel-, welche ken Namen Wimio der ganten Wel: schänden, sind die Fo'gm der antisemitischm Hetz leim und Wühlereien in öffentliche» B7rsammlll»gen und in den Journal-n. Der Antisemitismus hat Mensch-n in wilde Bestien verwandelt. Und die Herren Kaplän-, diese Lehrer de- EvanacliemS, holim fanatische Hetzreden gegen die Judm, anstatt die Masse» im Geiste de» cch cn Evangelium» zu zähmen nnd zu züaeln. Pest. Air Unterstützung der niich Amerika au» Rußland au»- wandernden Juden hat Baron Hirsch di« Summe von 120,000 Dollar» jlhrltch dotirt. Pari«. Nach den Mit׳h׳il,mgen de»Herm A. Diehfuß Im hiesigen ״Gil-Blas" ist der Judmseind Dmmont ein getauslec I ,de; sein« Großeitern hatten in drr Judcngasse in Köln einen Lplikcrladen ״zu den drei Mondm'. Drumonl ist das sranzösirte ,.drei Mond." Die Renegaten haben aus l:ichtbcg׳cisticher Absicht sich st:tS als die ärgsten Judenfeinde geze gt. London. Im Rathbause zu Westminster wurde die Büste de« Herrn Salomon Havm Lohen ausgestellt. Derselbe gehörte über 83 Jahre zum Kirchspielvorstande drr vereinigten Pfarrer von St. Margaret und St. John. TeSgleichm wirkte er mehrere Jahre in der Armmvrrwaltung dieses Bezirk» als Armenpstegcr. Da die ״Hüll Iritic» hehauptet, daß der RathSherr Lohen wahrscheinlich der erste Jude war, der als Mitglied «inechristlichen Becrdigungsvereins aewählt wurde, so dürste e» von Jntcreffe sein, zu erfahren, daß derselbe diesem Verein bereits 12 Jahren angehört, u»d zwar al- Nachfolger de» verflorbmm Kanonicus Lonvay, Reewrs zu St. Margaret. Bukarest» 28. März <Or..Sor.) Zur Ergänzung mein:» in Nr 6 d. Bl. veröffenllichen Bericht» rproduzire ich au» dem ״Bukar. Tageblatt' folgend: Milt Heilung, die, au» Rumänien kommend, nicht ganz brlon^lo» ist: ״Line wohlverdimt: Ehre." Dem wohlbckonnten Arzte in Husi Herrn, Dr. Almogen, wurde in anerkmnender Würdiguug se ncr Leistangen in drr medizinisch«! Litterator die Ehre zu Lheil, von der Bukarester medizinischen Gesellshast zum kor׳cspontirmdm Mitglied« grwähll zu werden. Eine gl-iche Ehre n urde Dr. Almogm seitm» Jasiyr-r Grstllschasr der Aerzte und Naturforscher zu Theil. Aus Alaßlaud berichtet di« ״Berliner Volk»-Ztg.": In ähnlicher Weise >vie die preußische Regierung gegen die polnischen Grundbesitzer in den östlichen Provinzen, geht die russische Regierung jetzt gegm die jüdischm Grundbesitzer ui Polen vor — nur noch schneidiger, «ährend bisher nur in dm eigentlich russischm Prodinzm die Judm in der Er- Werbung von Grundbesitz beschränkt waren, soll jetzt auch Polen mit solchen Hrilsmaßregeln beglückt werden. Nach dem bezüglichen Projecte sollen di« Grundeigmthümer jüdi ch r Religion gehalten sein, ihre ländlichm Besitzungen binnen fünf Jahrm zu verkaufen. ES werden zwar Bemühungen aufgeboten, um vom ReichSrath« eine Verlängerung die'er Frist zu erwirken. Aber wenn auch die Frist verlängert wird, wird der Entbescheid der Staatsweisen von Petersburg doch lautm: ״Lhut nicht«, der Jude wird rxmittirt." (karlige. (Rumänim.) Der hier wohnende Ascher Weiß, welcher nach dem Krieg« von 1877—78 als Feldwebel entlaffcn ward, wurde mit seiner Frau von nichloser Hand ermordet. Die Mörder sind nicht mtdeckt. «uS dem V. O. B. B. Bevöi». In den meisten Logen de- Distrik» ist man jetzt sehr lebhaft mit der Frage beschä'tlgt, wa» nach Aushebung der General- Sterbekaffe an Stelle derselben in den einzelnen Logen zur au»reich«nde» Fürsorge der Witwen und Waisen zu treten habe. (Sir werden von den un« zngezaugenen, und in Aussicht gestellten Vorschlägen über diese wichtige Frage da» Wesentliche mittheiles. M«gd«b»rg. Ja der hiesigen Mendelssohn-Loge fanden im abgelaufenen Quartal zwei öffmtliche Vorträge statt, de» einen hielt Herr Dr. S. Weiß« aus Dessau, über den Werth der Arbeit bei den Juden nach der biblisch-talmnd. Gesetzgebung, den ander» Herr Rechlsanwalt Lhch« nh« im von hier. Beide Vorträge ersreuten sich des Beifall» der zahlreichen Zuhörerschaft. — Zum Präsident unserer Loge wurde sür da- Jahr 1800—81, Herr Isidor Liu de nthal, Mitglied de- Borstandder hies. Gemeinde, zu« Bieepräsidenten Hr. Sperling gewählt. Mit der Installation der neuen Beamten ivar der Exprsd. Dr. Rahm er betraut, der dieselbe in der jüngsten Sitzung vollzog. Deffa». Sufang« März fand in der Hiegen Anhrlt-Loge die bat, ist rin Bewei» der Hingebung und opferfreudigen Lhättakelt ihrer Mitglieder. — Au den feierlichen Weiheakt, zu deffea Bollziehnng die Dislrict-groß Lo^e de» Schatzmeister Hm. Berge! entsandt hatte, schloß würzt war, au. Da auch ei» schöner Damenflor die Lasel zierte, so hielt -er Tanz dl« FesttheKnehmer bi» znm Morgengrauen in -emüttzsicher Sitmmung Helsa«»«.