Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 13 (27.3.1890)
- Date
- 1890-03-27
- Page
- Seite 102 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Nur Line« noch wollen wir zum Schluß in dikser Richtung anfüg«. Die jüdischen Landgemeinden hoben sich zu Gunsten der Stadtgeminden «tvölk»tt. Gur oft ist die lieber südelung geschrhm, nachdem, wie w׳r oben schon andeuten, durch Synagogenbaut« drückende Lasten herbriqeführt wurden. Die Avziehknden überlassen den gewöhnlich ärmeren Zurückbleibenden die — Schulden. Wäre e* da so überaus ungerecht, wenn, wie iu mehreren Orlen Bayern« durch Gemeindestatut sestg, stellt ist, überall ׳in Ab zu gßgeld gefordert würde? Ist es nicht moralische Pflicht, die Jnstiiuliomn, zrl deren Beschaffung man beigrtragen bat, auch bis ans Ende zu erhalten? Da tritt un« aber statt besten sehr oft da« Gegeniheil entgegen. Die Havptotte de» Distrikts- oder Provirzial-Rabbinat« haben van Alters her Beiträge. Atmachuugrn n. B. m., wir viel die Landgemeinde» zur Besoldung de« Rabbiners beizutrogen hoben. Diese Eumwln sind festgestillt word-n auf Grund der längst durchaus »erändrrten Berhältniffe. Die Stadtgrmeinden haben die Bewotnrr der Landgemeinden in sich ausgenommen. Und nun sollen dir auf dem Land« verbleibenden die festgestelltrn Beiträge dennoch fortbezahle». Der Reiche läßt sich hiernach vom Armen unterstützen, statt umgekehrt. Die Nebenumstände, die wir hier nicht weiter erörtern wollen, machen diese Bertzältniffe noch drückender und schädigen die gut« Sache, indem sie Unwille» erregen. Sollten die GroßgemeioLen nicht da« Bewußtsein haben, wie sie damit das Judcnthum gefährden das sie verhindern, daß die kleinen Gemeinden ihre religiösen Justiwtionrn erhalten köanen? Dir ceben dies zu bedenken, um der Gerechtigkeit willen!!*) Und darum nochmal« zum Schluffe: Stützung und Förtriung der bestehenden Institutionen für die Förderung de« Religiousunterrlchts להנדיל הורה ולהאדירה; das ist unsere rorzüglichste. da« ist die dringendste gemeinsame Aufgäbe de» deutschen Judenthum«. Beten können wir auch in kleinen, rinfachrn Totteehävsern und Betftuben, wenn wir keine großen haben. Aber lernen und lehren: da« ist da» LasungSwort tx» JubenthumS zu ollen Ztiten. Da» muß unsere stete Sorge sein; und da dürfen wir auch die kleinste Gemeinde, ja die Einzelnen nicht im Stiche laffe». Die Bildung vou ,Bezirksgemeinden* zu diesem Zwecke, m welchen die leistungsfähigen Gemeinden die armen unterstütze», würde allein sichäen Erfolg haben. Wer ergreift hier die Initiative? (Saun da« eine Frag« sein? «er ander«, al« der deutsch-isr. Gemeinde-Bund, der ja gerade zur Förderung solcher, da« innerste Wesen den Gemeinden betreffenden Angelegenheiten begründet worden ist und nicht znr Fixirung religiöser Dogmen, zu deren Sanonifirung jetzt vou ihm ,ogar schon iu den Sreisen der Juristen Unter« schriften gesammelt werdev, nachdem so viele Rabbiner ihr Veto dagegen eingelegt.) vtroßbrttemaie». L«»do». Die jüdische Gelehrtenwelt England« hat durch ten am Dienstag, den 11. März erfolgten Tod de« RabdimrS Dr. Salomon Mayer Schiller-Szinessy einen schweren Verlust erlitten. Geboren zu Ältofen in Ungarn 1820, studirte er in Jena, wirkte später al« Rabbiner zu Epe ries in Ungarn, zugleich al» außelordenüicher Profrffor am doriigkn lutherischen College und im Jahre 1849 al« Feldprrdtgrr im ungarisch« RkvolutiooSheere. Hier wurde er wegen seiner Thriloahme an der Sprengung der Brücke bei Szegedin verwund« und gefangen genommen. Der Stillung vor «iu LriegSgericht wußte er durch die Flucht nach Trust zu entgehen, wo er sich einschiffte und nach SO Tagen Cork in Irland erreichte. Bon hier begab er fich nach England und wurde zu Anfang der Fünfziger Jahre al« Rabbiner nach Manchester berufe». Seit 1863 beschäf« tigte er sich iu Cambridge mit der Untersuchung und Latalogisirung der hebräischen UniversitätS-Manuscnpte und wurde 1866 als Dozent der hebräischen uud talmudischeu Fächer on die dortige Universität bnufeu, woselbst seine Vorlesung« sich de« reichsten Beifalle« zu erfreue» halten. Der Ber« stör bene war ein begabter Lauzelrrdnrr und fruchtbarer Schriftsteller. Bon seine» Werken seien besonder« erwähnt: 0»Ulogae of (he Hebrew MSS. nebst Nachtrag; Eommrutar zum 1. Buche der Psalmeu; Masia Brarab oder Romauelli'« Reisen iu Marocco; di« Beiträge in der ,EaSyclopädta Britannica* über Talmud. Mischna, Targu«. Maimoaide«, Roschi und zahlreich« andere iu ,Expositor, Academy, Journal of Philology und anderen Zeitschrift« und Sammeln»«!». Seine letzten Arbeitru bestanden in einer Serie von Artikel» für Smith'« ,Dictionary of the Bitte*. Zu seinen Schüler» gchören d« Bischof von Lurham, der Master vou St. John'«, der Direktor de« Queen'« College. Profeffor Lumdy, der Decau von P««borough, Professor Lowell, Dr. Liug, Herausgeber de» Jalkut zu Secharjah, W. H. Lowe, Herausgrber der Mischna uud viele Andere. Außer seiaer Wittwe und 4 Lindem beweint ri!1e große Freunde«sch»ar de» Tod diese« gelehrten und hochgeachteten Manne». rra'JS'ITU Rußland. TftttxaHxi. Di« Statut« der palästinensischeu Gesellschast sind von dem Ministerium de« Innern bestätiK wordeu und hat da« Ceatral-Comitä in Odessa zu residire». Da« Verdienst, diese Bestätigung «laugt zu haben, gebühkt Herrn Cevnbaum, ehemaligem Redakteur de« ,Hameliz*. Rach den Statuten hat die Gesellschaft dm Namen zu führmr ,Gesellschaft zur Unterstützung d« jüdischen Ackeüeutr und Handwerk« in Palästina und Eyrim*. Die Statutm bewilligm» in den verschiedmm Städtm Rußland« Agent«, Z« ׳ halten. Diese Bestätigung wird von all« jüdisch« Bläftzrn mit Freuden begrüßt. Dir meisten bringen Leitartikel und Aufmunterungen: auf legalem Wege nunmehr nach dem Jordau auSzuwandern, wo über 600 — früher blutarme — Familien, jetzt durch Bodenbearbeitung chr Brod hob«. Da die Gesellschaft tausende Mitglieder zählt, so blickt die jüdische Maffr voll Hoffnung auf ihr segensreiche« Wirken. Bielleicht ׳ wird auch dtes den Blitzableiter für die traurig« Zustände jener polnisch« Juden bilden, worüber jüngst Ihr gesch. Blatt au« Warschau eine so eingehmd« Schilderung brachte. — Eine Anzahl französischer Jndusttieller mosaische« Glaub«« begab sich jüngst über Petersburg nach dem La»- kasu«, um die dortigen Bergwerke zu untersuchen und nutzbring-nd zu mach«. Der ,GraSdanin* erhebt nun ein Zetergeschrei über diese ,Franzos«. Juden* — worauf der ,Ried. Sr. Wosch* richtig bemerkt: Wenn die kaddischw Bergwerke Schätze besitzen, warum Harum hat der ,GraSdatüa* bisher keine Expedition zur Ausbeutung dersrlbm geschickt? E« ist leichter sqrei«, al« selbst Capüal und Hand anlegrn- — Die Expedition der französisch« Unternehmer jüdisch« Glaub«« kan» jede! fall« nur neue Quellen der StaatSeinnahmm und BolkSarbeit entdeck« und Staat und Volk mehr Botthell bringen, al- Lärm über jüdisch« Exploitation.* — Der Warschauer Jude, Dr. Moritz Mendelsohn, der nach Absolvimug der Petersburger Universität sich später iu Pari» und Dorpat al« Doctor uiederließ uud seit einig« Jahr« hier in Petersburg wohnt, wurde vom Präsident« der ftanzöstschen Republik zum Cavalirr der Ehrmlegton ernannt. Da« Diplom und Ord« wurden chm von dem ftanzöstschen Gesandten in P ter-burg am 20. d. M. über» reicht. Dr. Mrndelsohn practieirte auch iu Algier und war einige Jahre Assistent de« Prof. ChaScot in Pan«. Marsch»«, d« 13. März. (On-Corr.) WaS helfm di« Erklärungen der Päpste, Männer der Wiffeaschaften — ja der ganzen Welt — wenn cS dem Redactmr de« aatuemitischm Blatte« ,Rola* hier gefällt g e g e u sei»« innerste Ueberzmgung nur giftige Lügen zu verbreit« «ad w«n er gegen dm Ausspruch de- Cardinal« Maaing anküadigt, ,daß er sich die Freiheit läßt, darüber »och seine off«« Ansicht« kund zu thun*. — — Gegen solch« Leute grrbt r«-gar kein Mittel in »er Wett —, al« die Verachtung, oder — wa« praktisch erfolgreicher wäre — ,die Rüge* weg« aufwieglerische Skribelei — seiten« der Behörde. — —