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Israelitische Wochenschrift · 1890-03-27 · 13 (27.3.1890) · p. Seite 98

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
13 (27.3.1890)
Date
1890-03-27
Page
Seite 98 (sequence 2)
Language
German
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wisse, wie diese Forderung zurjZeit Pich verwirklichen^ lasse und mit dm Gesetzen zu vereinbarm sei. Herr v. Goßler hat inpder Debatte tifi bestrittm, daß n schon vor Eröffnung derselbm von dem Borgchm Stöckers unterrichtet gewesen und daß sder Hofprediger im Einver» stäudniß mit dem Minister vorgegangm sei. ES liegt nicht der mtfemteste Anlaß vor, dem Worte deS Ministers zu mißtrauen, um so bedenklicher ist eS, den Minister aus dmselbm Wegen zu sehen, die Stöcker wandelt. Herr ». Goßler kann sich bei der Weite und Schärfe des Bl ckeS nicht darüber im Unklaren sein, daß er mit feiner Behauptung, daß er die Frage der konfessionellen Gymnasien deu Bersuch der Herstellung jü» bischer Gymnasien, studire, zum Theil die Miß» stände erst schafft, deren Vorhandensein er beklagt. Denn bis jetzt hat wohl kaum ein christlicher Lehrer und ein christlicher Schüler sich ernstl'ch bedrückt gefühlt durch die Thatsache, daß jüdische Gywnasiastm im Verein mit christ» lichm unterrichtet wurden. Aber die Lehrer und Schüler werdm ten Schmerzensschrei Stöckers und das Echo, da« er beim Minister gesunden Hot, lesen und die Schmerzm werdm sich schon einstellm und die armm jüdischen Jungen werdm noch wehr als bisher von dem Uebelwollen hochmüthiger Kameraden und unfreundlicher Lehrer zu leiden haben. Jüngst Hot ein strenge» thodoxer und ultrakonservativer Gymnosialdirektor, der schon Jahrzehmde sein Amt verwaltet, de« Schreiber dieser Zeilm gegenüber sich beklagt, daß sein Gymnasium in neuerer Zeit von wmiger Juden besucht würde, al» früher; der Mann hat also bm Schwerz Goßler» und Stöckers gar nicht ewpfundm; aber er wird wahr» scheinlich dem frommen und kooservativm Mann schon kommm, «mn so hochgestellte und mächtige Lmte diesem Uebelstande eiurn so lautm Ausdruck geben. Der Riß wird erweitert durch solche Worte von hoher Stelle und mau muß glaubm, daß dm Minist« vermuthet, im Einvnstäudniß mit einem höhern Willen zu haudelu; hoffentlich erweist sich die Bermuthung wie so «anche Ansicht, die in letzter^Zeit in den preußische« Ministerien vertreten wurde, als eine-durch und durch irrige. Hmr Stöcker und Herr Goßl« hattm auch wmig Glück mit ihrm thatsächlichm Ansührungm. Frankfurt a. M., die von Stück« erwähnte Musterstadt, würde, wmn die kon» stsfloaelle Mischung dn Schulm ein so schweres Uebrl wäre, daran nicht mindn kr an km als anvrrr Städte; trotz d« beidm Mischen höhn« UnlerrichtSanstalten in Frankfurt besuchm viele Judm die dortigm Gymnasim, dawußte Goßl« am zweiten Tage d« Debatte selbst zugebm; also «ine Scheidung nach dem Bekmntniß ist von d« dortigen jüdischen Gemeinde nicht beabsichtigt. WaS sollte es f«n« bezwecken, wmn d« Minist« daran ninnrrte, daß die orthodoxm Rabbin« Bnlins um Verlegung kr» Abituiimtenexomms einkomm, als der Tag auf «inm jüdischm Feiertag vnlegt wmde? Wir sind per» sönlich gegen dnortige Vorstellungm beim Miuist«, die ein wenig wie Spektakelwachmei sich ausvrhmm; wäre es durchgesttzt wordm, so häv« sich die Herrm als Rett« des Judmthums ousgespielt; solche Angelegeuheitm loffm sich erfahrungswäßig bequemer mit dem Gymnasialdirrktor, allm» fall» mst dem Schulrach, regeln, und d« betreffende Schill« od« auch d« am Gymnasium uutmrichtmde jüdisch« Xeli» gionSlehv« stad dann dir bestm Anwälte. Einem beschei» dmm Wunsch« erweism sich dann die Herrm meist zn» gärglich; freilich, wenn in solch« Fällm^a Zweck erreicht und von vornherein-der Termin so gelegt wird, daß « die Judm in ihr« religiösm Uebung nicht stört, so kommt das nicht an die große Glocke und da» ist manchm fromm« Leuten das Wichtigste; ab« d« Minist«, d« doch so sorg» fällig taS Mat«ial sammelt und die Frage studirt, hatte mit seiner Anführung kein Glück; den« all die jungen Leute hobm sich, als da» Gesuch d« orthodoxm Rabbin« ab» schläglich beschiedm wurde, gefügt und nicht ein« hat die Ablegung des Examm» hinauSgeschoben. Lief bedauerlich war die Gleichgültigkeit de» Minist«» für die religiöse Erziehung von jüdischm Gymnastastm, welche doch dm zehnten Thell all« Gymnasiasten Deutsch» land» bilden; « «hob große Klage, daß der Unterricht hi« und da stocke, well die jüdischen Schül« am Nmjahrsfeste fehlt«; nun, jeder weiß wohl au» sein« eigmm Schulafahrung, daß nicht an jedem Schultage da» Wissen gemehrt wird; jed« Unbefangene wird zugebea, daß die Stockung de» Unterrichts ein ungleich geringere» Uebel ist, als daß vielen Schülern noch der letzte Rest religisser Erbauung im Gotteshaus« geraubt werde. D« Schreib« diese» Aussatze« hat da» Gymnasium z« Zeit d« Blüthe de» Raumer'schen Regiments besucht; als nun einmal ein jüdisch« Schül« sich riafallm ließ, das Gymnasium am Neujahrsfeste zu besuch«, während seine speciellm Kameraden im Tempel waren, rief ihn d« alte Gymnasialdirektor h«au» und bat ihn, doch nur seine Büch« zusammmzupackm und «'S Gotteshau» zu gehen; da» wäre ihm beff« al» d« Unterricht. Herrn Stöck« gefall« die fromm« Judm beff«, Herr v. Goßl« hat offeubar mehr Sympachie für die Freisinnigen, well die weuig« dm Gang d« Schule aufhaltm. De« Miuist« scheint jedoch jede d«artige Störung, die doch die Judm nicht muthw'llig, soudem in Erfüllung chr« religiösm Pflicht« v«ursachm, vor Allem unter den Ge» sichtspunkt einer Verletzung der Majestät des christlich-germanischen Staates. Die Judm soll« auf d« Schule sich so duck«, daß man sie gar nicht merkt. Die Armrrleituug ist in dies« Beziehung well tolnaut«; für dm jüdischm Soldatm gelt« alle jüdischm Feiertage al» freie Lage, offenbar, weil die Gewiffm nicht vnletzt w«dm soll« und weil da Staat die Religiost» tät für die ganz« Haltung und Ausbildung des Soldatm nicht glaubt entbehren zu käuneu. D« jüdische Soldat stört dm chrisllichm komeradm nicht; ab« Herr v. Goßl« glaubt, daß o« jüdische Schüler den christlich« störe und aufhalte. Es ist sckbstverstäadltch, daß jeder Schüler, der öffentliche Schulen besucht, nicht ohne de» triftigste» Grund dem Unterricht fern bleibe« wird; da» ist er sowohl seinem eigenen Fortkommen al« der Anstalt schuldig. Mll wmigen AuSnahmm Waden die Wünsch« d« Juden bezüglich d« Feiertage nichts Ungebührliches mthattm; die Störung«

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