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Israelitische Wochenschrift · 1890-02-20 · 8 (20.2.1890) · p. Seite 62

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Journal
Israelitische Wochenschrift
Volume
21 (1890)
Issue
8 (20.2.1890)
Date
1890-02-20
Page
Seite 62 (sequence 6)
Language
German
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«vs^hetzt« ftttl Mt christliche »t,w«h,krschUft »tetet. *' * Klister jnplrte. U>Hestchi> sdcher nt sollte na doch vorstchtiger sein i» ktj«» KaQoätn metzelt« nt Kirche« fMMnbct Vorgänge gegen Me Viferen. Ha» gegenüber — filtrt «ebner f»rt — werden «lle vegriffe von «echt und «»recht. Lnaenb nab Laster verkehr«, vildungbstrebe« ist doch gewiß «in« rügen». Man preist die Völker, in deren Mitte sich ei» hohe« Vilbnvgbstrebr» zeigt: «an preist die Familienväter, di« da» Letzt« dara» setzen, ihr« Kinder unterrichten zu lassen. Rur Juden dürfe» e» nicht sein, und wen» «»Juden sind, kommt der «dg. Türk und zäblt nach, so und so viele Jutenkinder gehen In Schule«, in Gymnasien und Universitäten, ja, bei den Christen ist eö «in« rügend, bei den Juden ein Laster. Aber «au sollt« doch wenigsten» dabei bleiben, daß da» Unterrichtnehmen, da» viidungtstreben bei de» Juden ein Laster ist. O «ein, in Valizie» gehen sie nicht in di« Schule, da ist e» auch ein Laster. lLebhoste Heiterkeit) De» wegen bin ich »icht der Ansicht de« Aba. Dr. Zucker, der un» den Rath erlheilt hat, daß wir bescheidener austreten und weniger aurgeben sollen. (Ruf: Da» kann nickt schaden!) Da» kann nicht« sckaden, ober nützen auch nicht. De« Juden nützt gar nicht»; giebt er viel au», so ist er verschwenderisch (Heiterkeit), giebt er wenig au», ist er «in ilieizhals. »Lebhaft« Heiterkeit.) Zieht er sich von den politischen Paneien zurück, so ist er unpatriotisch; nimmt er am öffentlichen Leben «heil, ist er vordringlich. Geht er mit der Regierung, heißt c»: Ja, der Jude geht immer mit dem Röchtigen; geh, er mit der Opposition, dann verhetzt er di« Parteien. (Lebhafte Heiterkeit) Redner «endet sich sodann gegen die Anklagen de« Abg. Türk in Bezug auf den Talmud. Ueber diesen sei sehr viel gesprochen und t« Mittelaltcr sei er sogar sür ein Zauberbuch gehalten worden. Wer habe jedoch den Talmud gemacht? Angesangen habe ihn Simon, der da» Buch Jesu», de» Sohnes Eiroch, geschrieben habe, welch«» al» «in heilige« Buch der Christen gelte. Fortgesetz« habe ihn Äamaliel, von de« der heilige Poulu» sich gerühmt habe, daß er zu beste» Füßen gesessen. Redner citirt die Aussprüche zahlreicher katholischer und evangelischer Theologen, die sich oll« über den Talmud in günstigem Sinne auSgesprechen haben. So habe unter Ankeren Johanne» Reuchlin, der «in Deutsch-Rationaler war, wa< auch der Abg. Türk sich merken sollet Folgende» gesagt: .Der Talmud ist nicht dazu da, doß jeder Lump (lebhafte Heiterkeit) mit ungewaschene» Füßen daruberlanse und sage» er könn?» auch!' (Lebhafte Heitcrheit.) Der Abg. Lürk hat — fährt Redner fort — al» stärksten vorwurs erhoben, daß dir Religio» der Juden di« Religion de» goldenen Kalbe» fei. Mehr als hundert Autoren im Talmud waren Arbeiter und Handwerker, und wenn Sie bei Ihren feeial-politischen Arbeiten zu Gunsten der Arbeiter Gesetze geschaffen haben, wohin haben Sie gegriffen? Bei den Ariern haben Sie doch nicht di« Keim« Ihrer Gesetzgebung vorgesunden. Und wenn heute der deutste Kaiser die Böller Europa'» «inladet, um eine ntternatiouale Gesetzgebung zu schassen zur Begrenzung de» Arbeitstage», wa« And«,«» thut er, al» einen jüdischen Gedanken au»- sührea? Waren nicht wir Juden «», die wir vor viertausend Jahren di« erste Arbeitswoche regulirt hoben? Viertausend Jahre sind vergangen, seitdem die Semiten eine sccial-politische Gesetzgebung geschaffen habe», und sie haben die Arbeit»w«ch« regulirt. Der Abg. Türk macht un» den vorwurs, daß aus un» der Fluch der Heimaihlofiigkeit laste. Sollen wir vielleicht heimatblo» sein wegen der Theilnahme einiger Juden bei der Kreuzigung Jesu? Da» wäre gewiß ein fluchwürdige» Verbrechen, und di« Verbrecher Hütten de» Finch verdient, und wenn sie den Fluch verdient haben, dann' war ja noch Einer berkeiligt — Pontiu» Pilatu». Da» war «in Germane «u» Forchheim in der Rheinpfalz. (Lebhafte Heiterkeit.) Wenn je ein Volk sich freiwillig in den Dienst de» anderen Bollsstamme» seit Jahrhunderten gestellt bat, so waren eb wir Inden. Wir haben sür da» D e u« sch > h u m gekämpft in allen Ländern. In Frankreich reden die Juden Deutsch, in Italien reden sie Deutsch, in Schweden, i» Norwegen sucht man jüdisch« Prediger, die Deatsch rede«, nach Brasilien, nach Nordamerika sucht man Deutsch redende jüdisch« Prediger, und in Polen, wo wir gastfreundlich ausgenommen worden find, hrwe« wir fortwährend an der deutschen Sprache frstgehalte». Wir wäre» d e Märtyrer der deutschen Ep-ache, wir haben den gerechten Haß, da» gerechte Mißtrauen der Rationalitäl auf un» geladen, weil wir, trotzdem wir Jahrhunderte im Land« weilteu, noch immer di« iremd« Sprach« nicht. preisgegeben haben. Eine» Tage» erwacht «in« neue Partei m t einer neue» Lehre, und wie lautet dies«? Hepp» HePP I lLebhoste Heiterkeit.) Da» ist die höchste Errungenschaft de» Jahrhundert»; Hepp. Hepp ist der höchste Ausfluß de» nationalen Gedaabni»; Hepp, Hepp 'st die größte Errungenschaft de« Dcutschthum»; Hepp, Hepp ist der Urlaut de» nationalen Denken»; Hepp, Hepp, ist unübersetzbar, «» kann nicht in» Czechisch« und nicht In» Polnische übersetzt werben. (Lebhafter Beifall und Heiterkeit.) Redner stdließt mit dem Ausspruch« de» Präsidenten Dr. Smolka au» einer LaudtagSsitzuug de» Jahre» 1868, daß der wahre Maßstab der Civilisation ein der Gesetzgebung und in de« Verhalten einer Ration Andersgläubigen gegenüber nicht nur in Bezug aus di« Gleichberechtigung in GlaubenS-Angelegenheite», sonder« auch rückfichtlich ihrer politischen Gleichstellung zu suchen sei. (Lebhafter Beikll.) N. ZNS Angar«, 16. Februar. (Or^Lor.) Der Verlust dreier Männer, wie Oberkantor Sulzer (Wien), Ober- Rabbiner Dr. Ndler (London) und Rabbiner Dr. Lud». Philipps«» (8a«), »elchar t» Gefmnmtjndnithnm hotröffe», »irb «ich i» «ftr«, Lach« tief cajtfttxka. I» Zeiten fo»fcffl»at9ct Unduldsamkeit und Verbittern»- mrt »ohl ba» göttlich« Lied »ermißt, deck innerhalb der schrafffte» und schrillsten Dissonanzen des AnßenlebenS in der innere» Welt der Slanbenögemeinb» und ach dieser' heran« Meister Sulzer gedichtet «nd du »alleu Einklänge mit der Gemeinschaft der Religion znr Ehre Gotte« nnd de« Jndenthnnch gesungen hat. Nicht minder »ird der Tod »ch edle» Führer» beklagt, der in hochgrbietendster Stellung ach Oberrabbiner England» achte Bildung, gelilntrrte Glilubigkrit mit edler tnmauität und Duldung zu »erdindru verstand. Ueber der' arteieu Gunst und Ungunst ragt auch erhaben da» Bild Ludwig Philippsou'», der um die Stellung dch Judenthum» nach Außen, die oerrdelte Form dch Lultn» desselben unvergängliche Verdienste in Dort »nd Schrift erworben hatte. Ta» wird »icht minder innig und lebeudig am Gestade der Donau empfunden, al» an der Elb« «ud am Rhein. Leun die Zahl der Vorkämpfer für Religion «nd Religion»» gemeinde »ird immer geringer» und weit gräßer ist dir Zahl der Sterne, welche leider vom Himmel dch Jndenthum» fallen, al» die solcher, welche au diesem umuachteteu Himmel ausgeheu. Und wie sehr bedürfen wir der Talente, wie sehr der Vertreter und Bertheidigrr dch heilige« Rechte» «nserch Glauben» und unserer Glanbenügemeinschast angeficht» der Angriffe, welche von alleu Seiten abzuwehreu find, i« gesetzgebenden Körper Oesterreich» aber von einem lleineu arüisemitischen Häuflein Abgeordneter in unerhörter Weise gewagt werden konnten. — Wohl ist der Antisemitiümu« in der durchaus gebildeten und toleranten Bürgerschaft Wien'» im Aussterben, flammte aber dafür in den grellsten Farbe» im Parlamente auf und beleuchtete in der unheimlichste« Weise die Heiligthümer der Religio« und Religionsgemeinschaft der Jude». Hervorzuheben ist bei der an da« Gesetz über die jüdische Rrligiousgrnossenschaft angekuüpsten Debatte. deren Wellen stürmisch hoch gingen, daß di« Abgeordneten in großer Mehrheit gegen den Antisemitismus sich auSsprachen, welcher höchst«!» bei de« rohe» Massen dr» Gallerirpublikum» auf Anklaug rechnen konnte, uud al» Episode dieser Diskussion Beachtung verdient. Den »»erhörten Lueger'schen Angriffen gegenüber hatte sich uämlich rin „Nathan der Weise" im Partamrnte grsuuden, rin jäd. Bankier Rameu» Salamon Sohn, dem der Judenfeind Vetter schriftlich das Zeugniß ausstrllen mußte. Jener hätte an ihm christlicher gehandelt, als alle feine christliche» Glaubensgenossen, die Wohlthätigkeit und Hochherzigkeit der Juden daher jedem Bedürftigen, selbst dem Gegner gegenüber über jeden Zweifel erhaben sei. — Bei uu» in Ungarn ist'» freilich, wie'» selbst von de» Feinden uaseirr Glaubensgemeinschaft zngestaudln wird, in der Richtung der wechselseitigen Achtung uud Duldung der GlaubenSporteien besser; obschon es dem Wiener Judrnthume an Männern nicht fehlt, nie gefehlt hat, die mannhaft für die Ehre der Glaubensgenossen rinzutrrtea Stellung und Begabung besitzen. So wurde der ReichStagsabgrordnete und Advokat Dr. Reumann zum ord. Professor der Pester Universität ernannt, sprach bei der Enthüllung der Büste der Philau» thropin. Fr. David Bischitz, der «orstrherin de« Israel. Frauenvereiu«, Bischof Sztz die Festrede, gab der Eultusmiuistrr Estky dir Erklärung ab, daß von seiuer Seite uUmalS die Bevorzugung elne» jüdischen Lonvertitea erfolge» werde. Auch hat der Minister Gerechtigkeit alleu jüdisch« GlaubeuSpartrieu gegenüber, gelegentlich eine» die»- bezüglich« Gesuches von konservativer Seite, verheiße». Auf de« Boden der Einheit «nd Freihrtt der Religionsgemeinschaft metben ja gerne von liberaler Sette Zugeständnisse gemacht. Rur möge der Gedanke eiuer Separation aufgegeben werden, weicher, wie er rrligionsgesetzlich der Motivirung «uträch, so innerhalb konfessionell bemmter Zeit» und Berhäftnisse gemeinsamer Gegnerschaft gegeuüber

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