Israelitische Wochenschrift
- Journal
- Israelitische Wochenschrift
- Volume
- 21 (1890)
- Issue
- 2 (9.1.1890)
- Date
- 1890-01-09
- Page
- Seite 9 (sequence 1)
- Language
- German
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M 2. M«-deImrg, 9» Ia««ar 1890 XXL für die religiösen und soeialen Interessen des Judenthnms. -a k-a «chiallfch trkchtlai it rtnt Rum-ntt brr bts „famlll**. »Titt*“ «.kt« a*k l»»»,«. f tril f#r alc brfl ftittir bti tSrn Vaftüntcm X. RuÄbflabltm.fTt dr«l Muk Blrrtdjlbrt. Mu klrtdtt ‘>u|cnbung: jihrlt» 14 Mark, i«4 brat ■«((•ttbr: 18 »I. <8fl., K>!}r«., 8 Rbl., 4 Xoilatl). ttf .V«ch»M,chrIN' mit .faatllintklatt* (•bat .a U 111«t u r b 1 o 11') foliri: 8 W«»K 8S »«,. »fnttl|dbtU(b. Herauigegeben von Rabbiner vr. M. Aahmer in Magdeburg. Für Mehrheit, stecht la» Friede»! ifi m r»r ■ t ihr bie.31 ra t H tH <6 e t3o<fernftrih* me für tzas.JÜdifcheLtrreratLr-vla::*, die ksring-spaltene Anlrzetke osrr oeren d^L Pf. find entweder durch die Annoncen^ itrvedilionen von 0.1^. Daube <ScOo., Rudolf Moaa«, HuMn»t«lnde "Vogler xl A oder direct einju enden an Gio GvPSdtti»« lir uMmfllt. Pß-chsnr^rif!*1 Iw p«|b«k«rg 'aS iRllRlt: Lettee»»« Artikel: Ludwig Philippson — tob I — Briese aus j Rußland. — Wert «Ute und Sorrespondengenr Deuttchlan' Berlin. Leipzig, Au» dem Vrosjhtrzoglhum Hesse». Crefeld. Bad Oeynhausen. Ree» a. Rh. Oe fterre ich-U uga r n: Prag. Preß bürg. Preßburg. ' Italien: Floienz. — Ä in e r i t a: Rew-Uorl. vermischt« und neueste Nachrichten r Magdeburg Berlin. > Frankfun a. M. Coburg. Gnesen. Elarga'd. Noniß. Wien, Prag, London. Inserat«. MT* Nachdruck ohne vollständige Quellenangabe untersagt. Wochen- Jarsar. lt>90. um». .hakender. frtiüO. DaNAerotag . 9 17 Fretta, . . . 10 1«! KonnabeNv 11 ia i mar (4,‘>4 ) pm»Utas . . 12 20 | Pnt«l. . . 13 21 ' piemftag . . 14 22! »tt1»«ch . . 15 23 I panner.,., . lü 24 | Ludwig Philippson - tod! Ter Maua, der da« deutsche Judenthum der Gegenwart am lebhaftesten gefördert hat, hat für immer sein Auge geschlossen. ES gab in Deutschland unter den ausgezeichneten Männern, mit denen die Vorsehung in diesem Jahrhundert unS begnadet hat, gelehrtere und beredtere Männer als er,; aber rS gab keinen, der wie er die Fackel des jüdischen Ge. dankenS in alle Streife getragen Hai, keinen, der so uner. schrockcn und unermüdlich für Juden und Judenihum ständig daS Dort erhoben hat. Gott hat es mit ihm wohlgemeint, daß er den Sieg der Gedanken erlebte, für die er männlich gekämpft hat. > Als er die »Zeitung des Judenthum«' gründete, schien die 1 Gleichberechtigung der Juden in Deutschland ein ferne« | Ziel unserer Sehnsucht zu sein. Wer. wagte e« zu hoffen, daß f» rasch da« Sehnen werde erfüllt werden. Da hat e« Gott gefügt, daß durch große Wandlungen de« staatlichen! Leben« die Gleichberechtigung der Juden deutsche« Staat«.! recht geworden ist. j Al« er auf den Kampfplatz trat, war innerhalb des j Jubeuthum« hier die radikale Reform, dort die starre, Orthodoxie n aßgebevd; dir Partei der V e r m i t t l u n g j mb der Versöhnung war noch nicht vorhanden; Phi- | lippfo« hat mit seinen eminenten Sinn für die Erfordernisse; de« praktischen Leben« die Brücke gebaut über diese Kluft, so ist er ein Priester, rin „Pontifex", geworden und alle Partrieu haben ihn geehrt, ihm vertraut. "Bei vielen Anlässen ist er der Stimmführer der ganzen deutsche» Jndenheit gewesen. Die antisemitische Bewegung hat sein treue« jüdische« Herz tief gekränkt, aber er hat den Muth nicht verloren, er glaubte an die Zukunft. Diesem festen Vertrauen hat er noch im Leitartikel der letzten Nummer de« drei und fünfzigsten Jahrgang« seiner Zeitung, datirt »Bonn, den 22. December", mit fcl« genden Worten Ausdruck gegeben: »So mögen wir mit Zuversicht auch in die uns bevorstehenden Zeiten einlreten, unsere« Berufe« gewiß und mit dem ernsten Willen, ihm getreulich anzuhängen.' Da«, war seine Grüße, daß er nicht in bösen Zeiten die Flinte in'« Korn warf, sondern daß er auf seinem Platz au«hielt, bi« der allgewaltige Tod ihn abrief. Unzählige unserer Glaubensgenossen sind durch ihn au« der Wüste de« Aberglauben« und de« Formeldienste« in da» Land der Erkenntnis geführt worden; dabei hatte er, wie r« bei einem Dichter natürlich ist, eine tiefe Empfindung für da« Gemüthvolle und Innige de« altjüdischen Leben«, Jetzt, im Augenblick, wo die Trauerbotschaft zu un« dringt, fehlt un« noch die Sammlung, fi.ne weitverzweigte Thätigkeit nach allen Richtungen zu schildern. Heute genügt e« fkstzuhalten, daß der Mann ein großer Segen für die gesammte Judenheit gewesen ist. Wir lasse« hier den Bericht über dir letzten Tage, die Brerdiguug und Leichenfeier Phitippson« folgen: Bonn, den 2. Januar 1890. Ein jäher Tod ereilte am vergangenen Sonntag den hochverdienten emrrit. Rabbiner und Schriftsteller Dr. Ludwig Philippson. Samstag, den 28. Dezember hatte er im Kreise der Seinen den 79. Geburtstag feiern sollen; am Freitag Abend tiaf ihn ei» Schlagaosaü, am Sonulag gab er seine Seele aus; ein längerer TodrSkamps blieb ihm erspart.