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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 50 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
50 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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3»iW» Bon Br. «. bi»h«er in «agdeburg. Jn Jittttzeitaß i ßtirtzm« flr Mt isreMgt Jnrilit. Inhalt: SÄ^.r^ÄÄ«!'- BmI TtaohobnlH S#n S. Horo« itz. — Sie Wärjtegt btl Jahre! 1848 und Allerlei fftt den Familientisch. — Räthselavsgaben und RLihsellLsungen. (Undesngter Nachdruck »»I »lese« Matte ist unters»,t. VeifteKgegeRwart. Folgende wahre Begebenheit erzählte mir öfter mein seliger Großvater: Sb eine« jenen prächtigen Herbsttage, welche ber Volk«, »itz schon 1«it alten Zeiten, den Altweiber» Sommer tanfte, saß Rabbi Jechesk^el Landau, Oberradbtner zu Prag, in seiner, i« ersten Stockwerk des sogenannten Rabbiaerhause« befindlichen Studirstnb«. vor ih», a«f den großen, runden Tisch lagen »ebrere anfgeschlagene Folianten. Der ehr. würdige Rabbi ivar mit der Betmtworluug ber an ihn, den beriihatevr v<lfosser der Rechtsgntachten ,Nod» Bijehuda", Hi weit und breit eiagrlaufenrn Recht«, nnd Ritualfragrn terirt eifrig beschilstigt, daß er eine» großen und kräftigen Man», der eben, ohne zu grüßen rtugetreten war. nicht eher bemrrkte, bi« er hart »or seine« Lehnstuhle stehen blieb. Di« weiße, blutbefleckte Schürze drgselbrn so wie der herab, hängende Wetzstahl ließen leicht sei« Beschäftigung erratheu. Der Rabbi, ärgerlich über dt« Störung. würdigte de» Eindringling kaum eine« Blick,« und schrie ihn erregt an: . .So« wollt Ihr?' »Redde", utwortet« der Kleischergesell« in wildem Tone, »allgemein nennt man Such einen großen Man», einen Baal Kabboloh, de« Nicht« unmöglich ist, nnd der straft seine« wissen« sich sogar in die Lüfte erheben kann. Ich loill »ich nun selbst überzeugen, was an alle» diesen Reden IDahre« ist, wen» Ihr wirklich 'so ein stünstler und kein «Schwindler seid, so springt angeublicklich au» diese« Fenster l«s die Gaffe hinab". Dabet wie» er nach dem offen stehende« Fenster. Während dieser Ansprache musterte Rabbi Jecheäkel de« Sprecher, und erkannte mit Schrecke», "daß er einen sipah «sinnige» vor fich habe. Sl« der Fleischer seiuen sonderbaren Wunsch ausge. spräche» batte, zwang sich der Rabbi zu einem Lächeln nnd »ersucht« ihn Hu seiner Wahnidee abznbringen. Wir entsetztr - er fich «ber, al« der wahnsinnig« mit Blitzesschnelle «io, bi« jjetzt unter dem Schnrz »erborgen gehaltene«, blanke« Fleischer. ) beil drohend erhob, den zitternden Rabbi bei der H«d faßte :«at ihn auschrie: »Entweder, «ebbe, Ihr springt durch diese« Fenster. oder ich spalte Euch de» stopft wohlan, Rebb«, wollt Ihr springen?" Rabbi Jecheäkel erkannte rasch, daß au eine andere Rettung, al« de» Wille» de« Tolle« »achzugrben, nicht zu denke» sei, denn weigerte er fich, drohte ihm der gewiffe Tod, sprang er aber« t rem Fenster, so »ante n vielleicht nur mueine« vetnbrnche daroakommrn. Im vertrauen ans Gott ent. schloß er sich zu de« grwagtea Sprung«, und eilt«, al« sein« Hand stet geworden, zum Fenster. Dort angelangt wandt« fich der Rabbi nochmal« zu dem wahnsinnigen, der noch immer nit erhobenem Beile an derselben Stelle stand. »Höret mich", begann scheinbar Hllkommen gefaßt d.-r »eigentlich ist zum Fenster htnnnterspringrn gar keine stunst, da« kann Jedermann, sogar Ihr könnt e«, wenn Ihr wolltet, ich will Euch aber beweisen, daß ich mehr kann al« jeder Andere, ich werde von der Gaffe hier hinauf, springe». Ist Euch da« Recht?" . Einen Moment besann sich der Wahnsinnige, dann senkte er da» Beil, ein eigrnthümliche« Lächern verzerrte sei» Angesicht, und er sprach: »Ja, Ihr hadet Recht, Redbe, da« ist noch eine «eit größere stunst, geht und jpingrt da hinauf." Seldstvrrständlich verweilte der Rabbi auch nicht einen Aügeublick länger, und mit rascheren Schritten, al« man e« bet einem nahezu 70 jährigen Greise vermuthen sollte, entfloh er au« seinem Zimmer und der drohenden Befahr, uud «Ute in die in der Rähe sich befinden«« Fleischbänke, wo er, noch am ganzen störper zitternd, in raschen Worten da« Geschehene mitttzeiltr. Mehrere handfeste Fleischer begaben sich nun in dir Wohnung de« Rabbi'« und bald gelang r« ihnen, den noch immer au« dem Fenster schauende» Wahnsinnigen zu feffeln und tu Gewahrsam zu bringen. Die Geistesgegenwart Rabbi Ieche«ktl« hatte ihn thatsächlich vom sicheren Tooe errettet. Mathia« Kisch. «Hu BmI Teftchubah. Bou 6. Horowitz. (Forise»ung.s Im einzigen, am Riugplatze befindlichen Gasthause, lag zwei Tage später der Fremde auf dem straukenlager und der Arzt machte keine Hoffnung. Der strante wußte auch, daß seine Stunden gezählt seien, jetzt betrat der Notar mit noch zwei Amt»personen die Stube and nach zwei Stunden ver» ließen st« da« Hotel, ein Testament uud eine Sassete mit »erschiedene» Dokumenten nnd Werthpapiere mitffich nehmend. Der Sterbend« ließ den jüdischen Hotelbesitzer zu fich rufen, ertheilt« ih» noch mit leiser, schwacher Stimme einige Instruktionen, händigt: ih« auch einen Betrag zur Bestreitung gewisser Ausgaben ein und, al« hätte er jetzt all seine ir« bische» Geschäfte erledigt, sank sei» Haupt in die stiffen zurück. Seine Auge» nahmen eine« »erklärten Ausdruck an, leise brwrgtrn sich seine Lippen, iudeß der Todesengel immer engere streif« um ihn zog. Al« der Morgen graut«, fiele» di« schwachen Strahlen der ausgehenden Sonn« auf di« entseelte Hülle, welche noch am selbe» Tage neben dem Grab«, an welchem der Fremde nr drei Tagen gebetet hatte, beigesetzt wurde. Acht Tage später fand die behördliche Entsirgelung de« Testament« statt, und demselben war «ine Schrift betitelt: »Mit« Selbftbtographte" betgeschloffen. Da« Schriftstück mit ^em Hetne'schen Motto: »Keine Vt«si« wirb nun lesen Keinen Kabbisch wird «an fn„«». Nicht! gefegt und nicht« gefangen Sieb aa meine« Einbringen." lautete:

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