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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 49 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
49 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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•M49. Jüdische» 188». ufiliM-l/i// Heraulg - - — -^ Hernulgegeden Mn Dr. M. Nähme» in Magdebur,. Zn Küertzßwnß ». -elthnmz str die i-r-Msche jiaHlit. ^ktlibnft » KlH2^o»«d>»d2b^Bm^S^Ho^^ota^^^n^m«lnerHgend^v»n^UNt«^?Ub^^«?»^^^^llerl»t^ |öt den O11“1**1» gamtlientlsch. — NötAelanfioden nnl> «lchsellchnu^n. lUndefngtrr Nachdruck n< »lesem Watte »Ntersagt. Si» Baal Teachabah.*) Bon 6. Horowttz. Die galizische Bezirk«stadt L. glich vor 10 Jahren ihre« übrigen „frommen" Schwestern in der großen polnische« Ebene und der obsenre fanatische Troß führte da« große JBert, aste« terrostrenb und in Finsterniß hüllend. Meine Goschüf'stonren pflegten mich oft durch diese« Ort zu führen und ich war daran gewöhnt, die genannte Stadt al« eine »fromme «ater den frommen" zu drtrachten. Seit nahezu li»e« Dezennium aber hatten sich «eine Verhältnisse ge» Indert, ich hatte meine Heimath, di« Wohnstätte der Wunderradtt's. »erlast.u, um wich dranßen in Europa herumzu» tnmmeln. Die Umstände erheischte« e« noch einmal, daß ich meine heimathlicheu Saue besuch'« und wiederum führte mich mein Weg über B. — Im Polenlande hrrschte leider noch immer her »Uta, quo, dt« laugen Kaftan« warfen weiter ihre trüben Schatten und die Lioilisatiou schien vor dem galizische« Schlagbanwe Halt gemacht zu haben. Nachdem ich aber von meinen Reisestrapazen au-ruhend, mein Hotel verlaffen hatte und durch die Sassen schlendert«, wähnte ich der Sptelball eine« T'aume« zu sein und ich rieb mir die Stirar, um wich zu vergewiffern, daß ich »ach sei. Die ganze Stadt kam mir wie au«getauscht vor, die Straßen halten ein ganz andere« saubere« >u«sehen und ans den Gesichtern der Paffanteo prägte sich nicht mehr wie in der .gute« alten Zeit" rin zelotischer A»«druck au«. Der kurze Rock machte der langen Jubtze erfolgreich Eoncnrrrnz, ja die ganze Generation war bereit« größteutheil« «nropätsch gekleidet, und selbst der Jargon schien von seiner originellen Urwüchsigkeit riogebüßt zu haben. Die Juugen« kamen schaarenweise an« der Schule mit ihren Büchern »nter den Armen, antwortete« in der Laadeüsprache und da« liebe Chedrr, diese Geist und Körper verkrüppelnde Erztehnng«» aaAalt der jüdisch-polnischen Jugend, befand sich auf dem Lu« sterbe-Etat. Ich fpähete und forschte ringöumhrr, konnte wir die Metmarphose »icht erkläre» «nd wandert» weiter mechanisch durch die Gasten, bi« ich «ich unbewußt einer nach Einem Ziele hinstrvmenden Menschenmenge «»schloß und von den wagenden Menscheumassru erfaßt, durch da« breite Thor de« jüdischen Friedhof«, auf den .gute» Ortmit hinein ge-, flnthet wurde. Ein hoher Obeliük au« weiße« Marmor, überragtr die Übrige« Denbnä'er, da« Pnblikum schaarte sich so gut e« ging um diese« Mannment, eine lautlose Siillr trat ein, die Repräsentanz der jüdischen Gemeinde trat in dir erst« Reihe, «f einen «Bin! ihre« Präsidenten fiel die Hülle »an der vardersritr de« Grabsteine« und die Sannrnprahlen hüpften auf der aergoldrteu hebräisch-deutschen Inschrift. Der Borstetzer de« Lnltnävorftaude« hielt dem Berblicheoe» einen rührenden Nachruf, daun intouirte der Chor e>n Gebet für da« Seelenheil de« Berstorbrneu. da« Auditorium beachtete ein andächtige«, pietätvolle« Schweigen und die Gedächtnißfeier war zu Ende. Langsam und leise sprechend kehrte alle« nach der Stadt zurück, im Gifthause angelaagt wurde mir der Bescheid über die Entstehungdgrschichte und Enthüllung de« Denkmal« und mit Nachstehendem will ich e« versuchen, da« Vernommene d:m Leser mittheilen. E« war rin regnerischer, kalter Herbstnahmiltag, die v'rgilbten Blätter der Baume fielen ranschrnd zur Erde, ein Schau:» ging durch die Luft, al« Borbol« de« herannahenden Winter«, und die ganze, wastertriefend« Stadt bot eine trostlos« Phystogonomie. Eine gebeugt« in einen Mantel gehüllte Gestalt wankte auf einen Stock gestützt de« Wege« dahin, von Zeit zu Zeit inoe haltend, um Athem zu schöpfen und au« der Brust de« ganz gebrochenen Wanderer« drang ein röchelnder, pfeifender Ton. Der Mmrn achtete wenig de« Wege«, watete unbekümmert durch die Pfützen und sein ganze« Wesen schien nur von Einem Bedanken in Anspruch genommen, der sein ganze« Denkvermögen absolvirend ihn für die Außenwelt abstumpfte. Sein Aeußerr« hatte etwa« Fremdländische« an sich, sein Körper wir hager, die Glieder schlotterich, die Kleider hingen nachlässig herab, liehen aber auf eine Wohlhabenheit ihre« Träger« schließen. Da« Alter ließ sich schwer bestimmen, sein von einem ergrauenden Barte rin gerahmte« Gesicht war eingefallen und trug die sichtbaren Spuren von Kummer und Leiden. Die Augen leuchteten wie fieberhaft und in denselben spiegelte sich ein unau«sprechlicher Schmerz wieder. Er hatte bereit» die eigentlich« Stadt hinter sich, lenkte seine müden Schritte gegen den Friedhof und unwill» kührlich zog er den Mantel wie ftöftrlud fester um seinen Körper. Dort von einem niedrigen, verfallenen Zaune eingefaßt, dehnt« sich der Gotte«ackrr au«. In den vereinzelten verkrüppelten Bäumen rumorte der Wind, die Regentropfen fielen plätschernd auf die hölzernen Grabdenkmäler und oben in den Lüften segelte eine Bogelschaar, ihren Zug nach dem Süden antrrtend. Ring«um war rin vom Regen aufge- »richte«, lehmig« Brachfeld, da« Häusergewirr erschien hinter dem graue« Nebel wir tu weite Ferne gerückt, kein lebendige« Wesen lieh sich sonst blicken, der einsame Wanderer setzte keuchend seinen Weg fort und betrat den .guten Ort". Link« am Eingang befand sich rin kleine« Häu«chrn, welche« dem Aufseher und Todtengräder in einer Person al« Behausung diente. Am kleinra Fenfterchen, welche« theilwrise mit geöltem Papier verklebt war, kam eia ungewaschener und ungekämmter Jü»gliug«kopf zum Borschein und den Fremden erblickend, rief er tu» Zimmer hinein »Tate, Tat«, « Pürez kümmt".") Die Thüre wurde hastig von innen ausgemacht und schnellen Schritte«, daß die Kaftaaschvße »ei« »»«einander fuhren, eilte der Todtengräder hinter dem Fremden daher, ihn 1 Nrntger Sünder. *) Hi7t«r, Bater, rin vornehmer Herr tommi.

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