Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 45 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 177 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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— 177 — .Die Lehrrrkovftrenz und «ew kirimr Erich habe« es werft^ldet, dich wir »icht im feftaefetzttn kl«»de yta—wn, «H HM Sie doch dicht versüwmt. liebe Fra»? Dtt Aengkei» sinb.Heröthrt" sagte zärtlich,Fra» Elle» »»d küßt« die M» ^üthettschm >»Uw. i .Keim liebe Frmudia." sagte Dr. Heim»» mild dmh <n(t, .Ufr» Sie Stute trübe» Gebaute» a*fh- * ix de» «nbcBoanoMn Leben, (ft ist kein sü»*>.^ , sauber» ein se>t»dri»g«ideft. Wir > Männer kännru y«r nicht der «Ur». «hrwürbigm kitten grmlfe leben, unsere Zeit »nd »usere Kraft gehören vor Auem den übernommene» Pflichte«. Sie sehen baft ein. verebete Frau!" »Mein Elter» häuft mit sriuen freigestuute« Freuode», lenkt« meiu Denken früh auf die sich ueuerschlttßeno« Welt; aber meiu Herz wird uicht leicht die bisher heilig gehalteueu Formen unsrer Gesetze aufgrbm, trotzdem unsere Weism selbst sie nar .de» Zaun um das Gesetz" neunen. Würden kie aber sehen, wie meine Mutter die unscheinbarsten selbst, i« Namen Golteft ausübt. Sie würden diese Formen achten und liebe» lernen. — Aber es ist Zeit, die Sabbathgertthte kosten, bitte zu Tische, meine Herrschaften", sagte sie ndlich. Waren die Speisen auch ganz abweichend von der eng» lischeu Kücke, sie wurden gelobt und die reichlich ge» füllten Schüsseln waren bald geleert; besonders ergötzte sich Dr. Josef, der in seiner jooialen Weise scherzend meinte, .den ganze» heimische» Freitagabend genieße er mit." Arno bestand darauf, dag Escher ihr schönes Lied, das sie zu Hause gewöhnlich nach dem Abendbiod« gesungen, heute dem Freundeskreise nicht entziehe. Obgleich Miß Älen den hebräischen Text uicht verstand, ergriff sie die rleglsche Melodie und die überraschend schöne Stimme der anspruchftlosen Sängerin so sehr, daß sie dieser mit Kuß und lirbevolleu Arußeruoge» herzlich dankte. — »Run, Herzallerliebste, sagt« Arno in freudiger Stimmung, »user Freitagabend darf sich schon mit den heimischen meffen, nicht so? — Beschreibe ihn den Eltern, sie werden uns loben." — .Eft ist ein köstlicher Abend", sagt« virgnügt Miß Ellen und mir besonders interessant, da ich nie einen derartigen erlebt. — Mein Bater ist eia Nachkomme jener spanischen Maraonen, die wegen ihrer Glaubeustrrue von den Spanier» verfolgt, ihren Gottesdienst in tiefen Kellern oder andern versteckte» Orten ausübten. Der Glaubeasmuth seiner Bor» fahren ist auf chn übergegangen, er ha» srinm Kindern die große Lehre g,lehrt, wie Mose» es geboten: .Du sollst sie Dem« Kinder lehren, wenn Du aufftehrst oder Dich nieder» legest, wen» D« zu Hause oder auf «eisen bist". Meine Ktuder, ermahnte er, — das göttliche Wort ,Hch bin der ewtge, einzige Gott" —, dies haltet fest zu aller Zeit, als et» Gut das uie veraltet. Dt« Anordnungeu der. Mensche« aber find wandelbar. Was die Bestgesirmteu und Etnstchts- »olleu berücksichtigt und feflgestrllt für ihre Zette», Orte und Verhältnisse, kan» für die uusrigeu nur grübt werdeu, so lang« unsre freiwillige Unterordnung unter dies« zum Gesetz erhobenen kitte» «nd Gebräuche uns heilig find."— Wir «nßteu ihm fest »ersprecheu, dir Form nur so lange a»sz«führeu, als uns ihr Inhalt heilig erschetut, sie aber für uns unbrauchbar zu erkennen, wenn der Geist der sie «tust belebte uns entschwunden ist." »Erinnerst Du Dich der Wort« «eines Laters, Esther, wie er in der Erkenutniß seines freien Denken«, stet« da« Zusammenwirken der Menschhett als das höchste Ziel, wie es unsre Propheten »ud die Narr» Geister aller Zetten . »nd Länder als die Erlösung der Wett keunzeichneten? .Nie «erde ich jene weihevollen Lehre» vergessen, «ein Arno," erwiedrrte sie bewegt. — .Die Geschichte der Böller lehrt uns, sprach der Dottor, daß jedes Volk eine andere Aufgabe hat, zur Entwicklung -der Menschheit beizutrage», je nach seiner Begabung. Wie die Glieder eine» Körpers, jedes seine Bestim» mnug h«, de» Ganze» z» die«» zum eig»e» Gedeihen» so «bettet der Größte wie der Gerttegoee mit zur Sntwttklnng ««schliche» Fortschritt«. — Der Verkünder der Gottrsidoe. der Forscher t» de« Geich« Her Natur, der Entdockrr frenidrr Welttherle und der Laxdbedaner; der Bahn» brecherwelcher di« Natur der Wildhett «»tzteht, «nd der Meisteridealer Künste, sie alle stehen im Dienste der Menschheit. — Großartig und vielfach find die Lermächt» uiffe unsrer Borfahr«» für diese» Zweck, laßet uns wetter dafür arbeiten mit dem Bewnßtsei»: .Wer de» Besten seiner Zett genug getha», der hat gelebt für alle Zeiten." .Wie kommt Ihr Männer «ur darauf, u»ser gemüth» liches Zusmnmeuset», durch wetthistorische Erklärungen zu unterbrechen?" rief Miß Ellen scherzend. —' .Nur darum", war die Antwort Aruo's, .um E»ch Frauen stets wieder zur Mithilfe anzufeueru. Euer Wirken im Haus« sei ei» solches, daß dem Manne die Ideale der Menschhett erhalte» bleiben durch Euer vertrauen auf di« gut« Sache. Sur« reine Hrrz«»s«t»falt, Glaube und Lied« und die fich immer mehr befestigend« Stnficht, daß da« Haus, die Familie, die Veredlung de« Menschengeschlechtes bedeute, erhebe Such in Eurem schweren, heiligen Berufe." — .Darauf laßt uns unsre Gläser leeren: Es lebe da« gemeinsame Streben." Am Sonnabend Morgen richtete Esther das Frühstück her, mit einem gemischten Gefühle von Selbstüberwindung und reiner Genugthuung, Arno sollte leichten Herzen« seine Tagrspflichte» übrrnihmeu. Stt vermied es auf das gestrige Gespräch zurückzukommeu, in gemüthlicher Stimmung sprach sie: »Ich werde viel von Elle« lernen, Männchen! Neulich war ste ans ein Plauderstündchen bet mir. Ich bat fie mich zu belehre« was Sitte sei in dem stolzes, abgeschloffeueu Gesellschaftslebm der Engländer, besonders der Damen, de« wir nns aus die Dauer doch uicht ganz entziehen dürfe». Darauf «rwiederte fie i» ihrer herzigeu, verständigen Weise: .Der Begriff mancher Menscheu über Schicklichkeit ist meist ein ängstlich-beschränkter. Diese erscheium mir wie Tänzer auf eine» Seile; ein zollbretter Schritt über daffelbe hinaus bringt fie zum Fallen, von dem fie fich uicht «ehr erholen und »st ihr lebelang Krüppel bleiben. Ihr Begriff von dem .was sich schickt", ist so eutfentt von der erlaudteu Freiheit des Benehmens, wie dt« gesunde Natur gegen die verkünstelte. Schickltchkeitsgrfühl ist dort, wo Herzeusverftäadniß ist für das. was den Nebrnmeuscheu verletzt, was ihm Schamröthe ans die Waage drängt oder ihn freundlich ermuutert. Nie wird Derjenige fehle», der wahrhaft« Bescheidenheit «nd ungekünstelte Herzeusgüte besitzt; diese find die Genie«, die auf «ine« sicher», drettrn Weg geleiten, wo der Fuß sicher wandelt, sogar manche herzlose Gesellschaftsdame verdrängt, ohne es zu »olle». — Erziehung, das heißt Maßhalten in seine« Benehme» für fich selbst «ud gegen Andere, das nennt «au Takt, feinen Nature» angeboren; aber als so nothwradig anerkannt, daß mau fich bemüht, selbst oberflächlichen Mensche» durch die Form der gesellschaftliche» Regeln, eine Art Tatt zu »erschaffen. Treten kie nur sicher auf, «eine Lieb«, Stt dürfen es schon wagen." »Ellen hat Selbstvertrauen in mtt geweckt", sagte Esther die Rsthe der Bescheidenheit a»f. den Wangen. »Geh ruhig Deine» Weg, «et» Lttb, erwiderte der Au« geredete. Du stehst im g»te» Schutz«! Ich muß fort, mein Kind, «eine Uhr mahnt «ich an meine Pflicht. — Noch einen Kuß auf den Weg!" Esther empfand jene zweischneidige Wirkung, dtt unvermeidlich ist bei ernste» Naturen, bet dem Uebergauge aus dem alte» tu eineu neuen Zustand. Dtt Wirkung ist schmerzhaft, aber fie merzt manches Lrankhafte, Ueberflüsfigr und Hindernd« aus. Die grmüthvolle Frau htig mtt ihrem ganzen Herzeu an de» ihr heiligen, lieben Gewohnheit»; aber ihr verstand erkannte dtt keguungm der neu» Forderung. Eft »arm ja doch nur Amßerlichkritm zu opfern dtt, wie «an ihr sagte, vorurtheitt erwecke». Dttse trennende