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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 41-42 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
41-42 (1889)
Article
Beilage zu Nᵒ 41-42.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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— 166 — Meinung, aber es war bitter kalt, mir schaudert« vor einem so kalten, nasser Trab, und ich gab de« Gedanke» wieder aus. Ich fand Beschäftigung in einem RedaktionSbüreau »nd — die Kunst geht nach Brot, vor alle« muß man doch leben, es wurdn mir von den verschiedeastm Seiten glänzende Anträge-“ .Schon gut, weiter," schnitt Ephraim dem Sender da «Wort -ab, da er fürchtete Dinge hären zu müssen, welch« alle Ge« fühle de« Mitlnd» ertödtea möchten, dessen der Bedauern»« werthe immerhin in seiner gegenwärtigen, traurigen Lage bedurfte. .Eines Alxnds", fuhr Sender etwa« stochend fort, .al« ich von meinen: Bureau nach Hause ginn, wurde ich von zwei Männern übetfallru, denen ich, auf Veranlassung ihrer Gegner, einige Wahrheiten gesagt hatte. Sie wollten Lynchjustiz an mir iben, mißhandelten mich aufs grausamste «nd ich kam nur nit knapper Roth mit dem Leben, wen» auch keineswegs mit heiler Haut davon, von jetzt ab war mir der Aufenthalt in de« Land der Freiheit, wo mich Miß« geschick über Mißgeschick verfolgte, verleidet, und ich schiffte mich mit dem nächsten Dampfer noch Europa eia. Zuerst wandte ich die Schritte nach der Heimath. Die Eltern waren todt, ich könnt: nur ihre Gräber besuchen. Der Schauplatz mrtnrr Kindbet erschien mir fremd und unheimlich, und es zog mich mir unwiderstehlicher Gewalt dahin, wo ich die glücklichsten Tage meine« verfehlten Dasein« verlebt hatte. War e« rin Liest frommen Aberglauben«, war r« eine jener trügerischen Hoffnungen, deren selbst der Unglückliche sich nicht ganz mtschlagm kann, ich weih es nicht, genug, ich legte den W«c wandernd in ewigen Tagereisen zurück, ich bin seit gestern hier und e« war mir vergönnt, Benjamin die letzte Ehe« zu erwnsen.- .Ephraiia, besten Herz warm für da« Leid der unglücklichen Menschheit schlug, mußte von dem rraurigen Geschick Sender« um 'o tiefer ergriffen werden, al» r» sich in so fern mit dem becührft, daß sich beide Männer tn der Liebe zu demselben Weib« begegnet hotirn. Schweigend legte er dm Weg zu dem Hotel zurück. Dortm händigte er Sender eine bedeutende Summe ein, und versprach auch in Zukunft seiner gedenkm zu wollen, unter der Bedingung, daß dieser da! Städtchen für immer verlaffe, um Recha ein Wiedersehm zu ersparen. Rach wenigen Wochm wurde im engsten Freundeskreis die Hochzeit;-feiert. Wmn auch die Stimmung der Gäste eine meyr ernste al« heitere war. so bezweifelte doch niemand, daß da» junze Paar in treuester Liebe vereint, sich de« reinstm Glüöe« erfreute. Während de« Mahle» erhob sich Paul Pran, vrlcher dm Ehrenplatz an der Seite der Braut einnahnr, und sprach dm gefülltm Kelch erhebmd: .Die« GlaS gelte oll dem wa« da» Lrbm schön und werthvoll macht, der Lebe, ver Frmndschaft, der Humanität. Der letzteren vor allem, der mir will fast scheinen, al« sei sie uns inmittm un'erer auf die Spitze getriebenen Enltnr und Eivilisatioa nbhaadm gekommm. Wem fiele da nicht die Lessing'sche Fabel ein von dem Pfeile, dm man schnitzte so fein, so fein — bi« er zerbrach. Stellm wir ihn wieder her, meine Frrunlx, au» gutem, derttschea Holze, lieber Bord mit allm Brrurtheilm, seien wir wieder wahr« Menschen, und al« (»Up bedürft» wir — glauben Sie e« einem altm Seemann — einm Lompaß — die Liebe, einen Leitstern — die Humanität. —" Allerlei fit den Fmrrilierrttfch. Der betrunkene Leichnam. In dem jüdrschm Gemüche sind Frohsinn und Trübsal nahe verwandt und wo Thränen fließen, da ist da» Lachen nicht mehr fern. Drßhalb kann e« nicht auffaüea, daß sogar die rngrkünstelten Trauergebräuche der galizischm Judm Veranlassung zu mehr oder minder spaßhaften Auekdotm gegeben habm. Hörm wir eine derselben: Eine arme Wittw« begab sich nach der Grabstätte, an welcher die Gebeine ihre« theuern Mannes mhetm, welcher schon vor 3 Jahrm auf ewig Abschied von ihr genommm hatte. Nachdem sie sich über da» Grab hiagestreckt hatte, begann sie »tt dem Leichnam sich in eine Unterredung einzulaffen. Einem Spaßvogel, welcher sich in der Nähe befand, machte die« viel Vergnügen; er kroch daher hinter dem Grabstein und konnte auf diese Weise, ohne bemerkt zu werden. Me» «tt aohörea, wa» hier gesprochen wurde. .O mein armer, gebenschter (gesegneter) Awroomchele, Du weißt, wie sehr ich dich liebe und wie theuer mir dein Andenken ist. Nie wurde ein verdrießliche» Wort unter un« gehört. Du warst immer ein vollkommmer Gatte und Vater und ich werde nie wieder glücklich sein, bi« ich wieder bei dir bin. Aber ich bin so außerordentlich arm und ein gut sttuirter Pächter bietet mir die Hand zur Heirath. Drßhalb komme ich zu dir, um deinen Rath zu fragen und deine Einwilligung zu erbitten. Sage mtt daher, theuerster und liebster aller Menschenkinder, wa» soll ich thun?" .Heirathel' sagte der Spaßvogel. .Aber wie kann ich mich dmn einem anderen Manne hingeben, al« dem, welcher dft Wonne meine« Leben« war?" wendete die Wittwe rin. »Heirathe nichtl" sagte der der Spaßvogel gleichgültig. .Aber wie kann ich den« mich und meine armen Kinder ernähren?" .Heirathel" rief der - Spaßvogel. ,O ich sehe» r« nützt zu nicht«, daß ich zu dir gekommen bin, un Rath zu erftageu," sagte die Frau, welcde anfing, die Geduld zu verlieren, .du bist noch gerade so “I13W (betrunken) wie früher!" Dft häßliche Fra«. .Wie heißt seine Frau" — fragte «in galizischer Jude dm ander«, nachdem sich der kürzlich verheirathete Freund X. mit seiner jungen Frau mtfemt hatte, die »ander Eclaubniß, häßlich zu sein, einen all zu großm Gebrauch gemacht hatft. .Wie ich höre, heißt sie„Chaje". — Wie konute er sich nur eine so .mieße" Frau mit eine« solchm Namen au«wählm?" .Wa« «ollen Sie?—meinte dieser — .er hat sich doch seine Frau ganz nach dem *plfl TOJTJ (Nenanneh T»ok®f) gewählt." .Wieso da«?"— „Bon allm .Mieße«" (NVNV—TodeSartm), die darin aufgeführr werden, hat er sich die .mieße Ehaje" crnnn-a, »««gesucht." (Da« Wortspiel bemht auf der Doppelbedeutuug vou 1. „mieße"") --- die häßliche: uud NND — Todesart einerseits, und 2. Vlurjs — weibl. Eigenname, uud >"M — wilde« Thier andrerseits. Unter den im ks«oa»Lno Tankef aufgeführte« TodeSartm befindet sich bekanntlich auch: >"NN? *9 „wer durch «in wilde« Thier" (seinen Tod fiudm soll.) Wa» Sott thut, da» ist wohlgethau. Ueber diese« Thema hatte ein Prediger eine sehr eriauliche Predigt gehalten. Nach Schluß de« Gottesdienst«« trat ein kleiner, sehr verwachsmer Manu an dm Prediger Hera» uud erbat sich dt« Erlaubntß zu einer Frage. Ter gutmüthige Prediger ertheilte fie ihm bereitwilligst. „Herr Prediger," begann nun Jener, „Sie habm uns mit eindringlichen Wortm zu brweism gesucht, daß Gatt Alle« in der Wett recht gut gemacht habe, bitte, betrachtm Sie doch nun einmal meinm Buckel, wa» sagm Sie nun?" — .Ich weiß nicht» wa« Sie haben wollen," erwiderte der Prediger, nachdem er dft allerdings hohe Rückseite de« Manne« bettachtet nud betastet hatte, „ich find« au dem Buckel nicht« auszusetzm, er ist ganz gut gemacht, ich hätte ihn auch nicht besser machen können." ") .«ießkomwt »«, de» tolmub. (’TJ) D*ttQ („widerwärtig-.) verantiiwlUiäer Ktboctttrr: Lr. ft Lahmer, Magdeburg. Druck vo» D. L Wolfs, Magbrbarg. Serlag »o» Lodert strie s«, Leipzig.

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