Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 41-42 (1889)
- Article
- Beilage zu Nᵒ 41-42.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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Neikage zu Nr. 41-42 de« „lud. Famikienbkatt«". M] Sphrsrim Spiro. KomQc Don Iba H0smann. <«chl»t.) Rccha war in der Lag», dm Brief de« Geliebte« dessen Muttcr persönlich behändigm zu können, da Frau Dr. Spiro Sit Monaten al» verehrte Hausgenossin ber ihnen weilte. uch da« befreundete junge Ehepaar erfuhr, wie glücklich sich Recha'« Leben gewendet, und Paul fügte dem An»druck seiner Freude dir wichtige Mittheilung bei. bafe ihn seine Frau mit einem Knüblem beschenkt, »elche« in drr Taufe den Namen Paul Ephraim empfange« hatte. Sonnenschein, nicht« al« eitel Sonnenschein, ein wolkenloser Himmel Tag um Tag — doch e« sollte nicht also bleiben, ein düstere« Gewölk war im Anzug. Wechsel ist Naturgesetz. Leid und Freud', Licht und Schatten, eine« bedingt da« andere. Und wenn auch unsere beschränkte und begrenzte Anschauung e« nicht zu fassen vermag» wenn st« darob grollen und zürnen möchte, sie kann e« nicht ändern, nicht verhindern. .Pfeilschnell ist da« Jetzt entflogen." — Möge« die Stunden, die Tag« auch noch so schön sein, sie lasten sich nicht halten, st« eilen, fliehen, schwinden dahin. Und wenn selbst eine Zaubergewalt erstünde, die sie ur bannen vermüchte, wäre da« nicht rin illusorische« Beginnen? Gewiß. Den« nimmermehr könnte der Dust, dir Frisch«, die den grüßten Reiz aller und jeder Schönheit btldrr, in welcher Gestatt sie auch zu Tage trete, bleibend erhalten werden. Recha war trostlo«. Ihr Vater wurde vom Schlage gerührt und nach drei Tagen war er eine Leiche. Eben ward die schmucklos« Bahre au« dem Hause ge» tragen, vor »elchrm sich dir Leidtragenden versammelt hatte«, al« sich die Menge theilte, und ei« vagen hielt, dem ein junger Mann entstieg. Niemand kannte ihn, aber jeder forschte i« seinen Zügen, da di« Bestürzung, welche diese spiegelten, zu dem Schlüsse berechtigten. daß er ein naher verwandter de« Verstorbenen sei. Da» Aattitz de» Fremden war gebräunt, auf seiner Stirne thronte der Adel de« Geiste«, au» seinem Auge leuchtete der Stolz de« Starken, und um sein« Lippen lächelten die Güte und da« Wohlwollen de« Menschenfreunde«. E« war Ephraim. Schweigend schloß er sich dem Trauergefolge an. Nachdem er dem Vater der Geliebten da« letzte Geleit« gegeben, wollte er zu ihr eilen, um der einsam kauernden Tochter Trost und Sttltz« zu sein; wer aber malt seine llebeeraschung, al« ihm die Mutter, die liebe, langentbehrt« Mutter, die Thür« öffnete! Freudenthräne» weinend sank sie an die Brust de« Sohne«, de« Heimgrkrhrtr«, an besten Anblick sich da« Mutterherz weidete, voller Glück und Stolz. Frau Spiro bat Ephraim, r« ihr zu überlasten, Recha auf da» Wiedersehen vorzuberetten «nd sie hrutt in ihr» Trauer nicht zu stören. Ephraim zog sich zurück. Er hiett Einkehr in sich selbst und vermeint« nur einer heiligen Pflicht zu genügen, »am er dem Vater der Geliebten ei« würdige« Denkmal setze.. Er gab iu nachfolgende« Schreibe« seinen Entschluß Auödruck: .De« löblichen Gemeinderathder hiesigen Stadt erlaubt sich der Unterzeichnete einliegend Fl. 26 OOO in drei Wechseln zu übergeben, zur Gründung einer U»terstützung«kasse unter folgenden Bedingungen: 1. Dieselbe muß dar Namen Benjamiuöstist führen. 2. Unterstützung erhätt jeder Bedürftige ohne Rücksicht aus beste« Bckantmß. 8. Die Unterstützung besteh« i« unverzin»lichen Darlehen, au« kleinen Summen, di« zu« Betrage von tausend Gulden. Da« Darlehe» kann iu Terminm hi« z» zehn 'Jahren zurückgezahlt »erde». 4. Falls die Termine nicht eingehalten werden, soll im Jntereste b«c Stiftung daran gemahnt werden, doch müssen alle Handlung« derselben de« Stempel der Humanität tragen. — Indem ich ergebenst bitte, für die Verwirklichung dieses Projekt« Sorge tragen zu wollen und mich al«dann davon in Kenntniß zu setzen, zeichne ich Mit vorzüglicher Hochachtung ergebmst Ephraim Spiro." Am frühen Morgen machte Ephraim eine« Gang ins Freie. Wie oft hatte er diese Gegend, die ihm nun eine »weite Hrimath werden sollte, in seinen Träumen erschaut! Wie schön bist Du, mein deutsche« Vaterland, wie herrlich grünen Dein« Bäume, »ie lieblich wehm Deine Lüfte, wie schmelzend stngm Deine Vögel k Lr blickte um sich mit trunkenen Blicken und bewegtem Herzen, da gewahrte er einen dürftig gekleideten Mann, welcher sich ihm nähern zu wollen schien, ohne den Muth finden zu können. Ephraim trat an ihn heran, griff in die Tasche, doch erschrocken zog t» die Hand zurück, nachdem er de« Mann näher in« Auge gefaßt hatte. .Ist es nur eine Sinnestäuschung, eine Verwechslung, oder sind Sie wirklich — —" .Ja, ich bin t», Anton Laurentius Wendelin Sender ist mein Name." .Wie geht e« Ihnen?" fragte Ephraim theilnahmövoll. .Wie e« mir geht? Soll ich diese Frage für Ironie nehmen? Blicken Sie mich an. dann wisten Sie ti.a Ephraim, keine«weg« ein Freund Sender« «nd seine« Gelichter«, war nichtsdestoweniger ttefergriffen. Hatte et ihn doch in den Tagen seine« Glanzes gekannt und mußte ihn jetzt, einem Bettler gleich, vor sich sehen. .Erzählen Sie mir, wie e« Ihnen bi«hrr ergangen; Sie scheinen traurige Schtckjalsschläg« erlitten zu haben, sagte Ephraim. Sender erzählte chm, wa» un« bereits bekannt ist und fuhr also 'sott: .Der Anfang melurr Laufbahn war ebenso schön als vielversprechend, man prvtegitte mich, und wenn ich auch für die erste Zeit «hur Besoldung augestellt war, so eröffnet« sich mir ein« glänzende Zukunft. Mein nächster Vorgesetzter betonte da« wiederholt, setzt« mir aber gleichzritig auseinander, daß Geld und Kenntnisse ohne gute Verbindungen keine« genügende« Werch haben, und wies mich darauf hin, mir solche zu schaffen. Ich verstand den Wink und hielt um seine Tochter au. Diese, einst rin« vielgefeirrtr Schönheit, jetzt aber nur noch Spuren derselben ttagend, nahm meine Werbung au. Ich wurde dem Gesandten de« . . . scheu Hast» als Lrgation»- sekretast attachirt — und wir machten ein große« Haus. Meine Frau war eine Meistert« der Repräsentation, aber — leider auch der Verschwendung. und nach zwei Jahren war der größt« Theil meine« Vermögen« dahin. Inzwischen starb ihr Vater, welcher meine Hoffnungen bezüglich eines reiche« Erbtheil« auf» Bitterste tauschte; er hinterließ nichts al« bedeutend« Schulden, welch« za tilge« mir oblag. Wenn ich «einer Gattin von Einschränkungen sprach, verfiel sie iu Krämpfe, es entstanden Zwistigkeiten, bi« es endlich zu eine» ernsten Zerwürfniß kam. Die verwittwet« Mutter, welche bei ihre« einzigen, unvermählten Bruder, dem Majorats- Herrn v. D. lebte, holte ihre Tochter ab, und «uch ich wurde nach dieser Katastrophe von meinem Posten abbemfen und nach eine» kleinen Neste an der polacschea Grenze versetzt. Ich kam um «einen Abschied ein und beschloß, mir mit oem keinen Reste meine« Vermögen« in Amerika eine neue Existenz zu gründe«. Kaum dorten angelangt, «krauste ich beslig am Fieber und lag wochenlang im Hospital, zwischen Tor und Leben schwebend. Al« ich grna», war mir nichts «eblieben als da« nackt« Dasein, mein Geld war auf uner- Ürlich« Weist verschwunden. War sollte ich begmuen I Iu» Wasser springen, meine« Sie wohl? Da« war auch mein«