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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 38 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
38 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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^SS8. Jüdisches m iittilif &nau«gcgebeu von Dr. f tl §lnt£ M. Nahwer in Magdeburg. Zn Ktttthsltng». Kelthruug str die israelitische Familie. ». t f. Herzenlabel. Cinc kujawlsch« Erzählung jnnnltt "*«n* von JdaHofman». — Allerlei au» dem Vnfanoe unsere» Jahrhundert». Bau Johanna. — Ephraim Spiro für den Jamilieatisch. — NLthselausgaben und Räthsellösung«. (Lubrfugtrr Nachdruck au» diesem Blatte untersagt.^ HerzenSaoeu Ein» kujawlsch« Erzählung au« dem Anfänge unsere« Jahrhunden» Bon Johanna- ,1, - lSortsepung.) Da« Schiff nach England lag segelfertig im Hafen, da es mit Tagesanbruch abgehen sollte. Lin Bootmann holte >r»o und sein Gepäck au« der Taverne, wo dieser sei» einfache« Abendbrod eingenommen und bald brachte ihn brr schaukelnd« Kahn an die Strickleiter de« Seeschiffe«, die >r»o'« ungewohnter Fuß schwankend und nur mit Hülfe einer dargeretchlen Mairosenhand vom Schiffe au« beschwerlich erklomm. Man ließ ihm nicht länger Zeit al« .danke" zu sagen und wie« ihm seine Kajüte an, wo er halb betäubt von dem lärmenden Treiben de« ihm so fremdartigen Aufenthalte« tu seine Loje kroch. Bald hdrte er weder da« Schieben, Raffeln und Hin- und Hergeheu de« Gchiff-oolke«, noch die plätschernde» Wogen, die ihm ihr Schlaflied sangen. >1« er erivachte war da« Schiff bereit» fern von der Küste. Irno harte kaum den Boden de« Schiffe« berührt al« deffen schiounkende, Bewegungen ihm nur schwer gestatteten sich anzukleideu. L« überkam ihn jene eigenthüm» ltche Lmpfivduilk von den Kobolden der See mit grinsendem Hohugelächter d:m Beherrscher der Meere bereitet; eine Ironie auf de« Menschen Will-uSkraft. Helden und Riesen werfen diese Lobold-streiche nieder zum lächerlichen erbärmlichen Schauspiele derer, die von den Unholden verschont geblieben. Arno befand sich auf dem verdeck al« sein Zustand ihm gestattete »m fich zu blicken. Er hatte eine dämmernde Erinnerung, wie ihn Jemand die GchiffstreppR hinaufgeleitet und ihn auf eine Stelle eben nicht sansB uiederaelegt. Er schloß die Augen wieder al« er die miserablen Mitgenoffm seiner Leiden tu» fich her erblickte. Nach viernndzwanztgstündigem Leiden war Arno im Staude al« genießender Seereisender zu gelten. Speise und Trank, erquickende Seeluft, alle Porste der Seefahrt genoß er mit der Freude eine« au Körper und Geist gesunden Menschen. Er empfand hier mehr al» je, die Unmittelbarkeit de« Leben« in ihren Wirkungen auf feine instiktive Natur. Wenig gebildet durch Regel und Schule, bewahrte er jene feine, so zu sage» magnetisch« Ewpfäuglichkeit, die unwillkürlich und darum tief und wahr in fich aufnimmt, wa« die Sinne sympathisch berührt. Da« Meer mtt seinen Wundern und seiner stet« wechselnden Schönheit, ob fie im Soanruglanz ober im' milden Moudlichte erglänzte, ob Sturm die Welleugräber öffnete »der schloß, ob Bleischwere darauf lag, «der di« blane» Wogen leuchtend dahinzogev, immer »eckte der Eindruck bor Uuendlichkett umher in Arno Gedanken und Empfindungen ungewohnter Art. Dann schuf er fast unwillkürlich und doch von innerem Bedürfe» getrieben Bilder, »elch« seine Aeder in flüchtige» Zügen auf da« Papier warf. Er sah überrascht Aenßeruugen vor fich liegen, die den Hergang seiner tiefbewegten Seele verriethen. Am Bord de« Schiffe« schweifte sein Blick eines^Tage« über die strichweise belruchtrte Ser. Die Sonne brach nur an einzelnen Stellen durch schwere Wolken. In seiner Erinnerung, diesem Telephon dt« Measchengeiste«, tönten plötzlich die Worte: .Nur wa« der Geist beleuchtet, da« erkennen wir", Worte die Esther am See von Sarnowice vernommen und ihm mitgetheilt. Sinnend ergriff er die vor ihm liegende Feder, jener Gedanle bewegte fie, al« fie über da« Papier glitt: .Ties in der Seele .De» Menschen waltet .Eine eigene Welt .Boll großer Wunder .Die weder ein Anderer .Noch selbst der Eigner »I« wird ergründen. .Wie die »:wäff«r .De» großen Weltall» .Wogen und stürmen .Bald wild, bald milde: .Wogt in der Seele .Sirömt in der Seele .Da» Meer der «esühle. .Denn wie die Stürme »BerLndern di« Well», .Di« ruhig geflossen, .80 auch die Stürme .De« Leben» erzeuge» .Nimmer geahnte .Wunder der Seel«. .Und wie die Woge .Dann nur erglänzet, .Wenn sie die Sonn« .Strahlend beleuchtet; — .Und dunkel erscheinet .Die neben ihr fließet. »Ihr nicht vergleichbar: .Und wie der FIlcher .Lauswend am Strand« .Ties sich versenket a» Wunder de» Meer«»: innig der Mensch auch .De« eignen Wesen .Bewundernd lausche«. .So ruht i« Mensch« .tileheimnirvolle»: .Und nur wa» strahl«» .Der «eist beleuchtet .Da» nur erschau« «Ir. .Weffen er sähig .Ahnet der M«sch kaum/ E« girbt Momente in unserem Lebe», wo neue Eindrücke wirken, al« ob neue Register in nuferer Seele aufgezogen würden; wie bei der Orgel neue Luftströmungen bisher unberührte Töne hervorbriugen. So erging e« Arno al« er plötzlich »dichtete," er, der Zweiuuddreißig. jährige, der in seine» JünglingSjahren keinen Stammbuchver« zu reimen vermochte. Er schrieb Briefe in die Heimat und legte für Esther seine Erstltng«verse bet, nicht um fie bewundern z» lasten, sondern di« Wirkung der Umgebung anzndeute«. »Große, «ächt'ge Wolkenbildrr .Zieh'» wie Geist« vor mir her »Und ich d«ke und iw such« ,Wa» nicht hier aus Erd« «ehr. .Wohl di« Wolkeubllder Wechsel» »Und die mächtige Well« bricht, »So auch Tag und Rächte wandeln, »Ab« meme Seh,sucht nicht." .Lleisarb« ruht da» Meer und seine träg« Well« .Bespül« matt dm Seetang au de« Strand« ,8erlösch« ist heut' sei» wogend Ltchtgewand« »Da» gestem e» geziert, so farbenprächtig. ,Al» afa* da» Me« de» em'gr» Kampfe» müde, .D» sei»« Wog« ewig «achtlo» führen .De» Dünslaud. — v« doch dt« Luftmell' rühret. — .Sa rauscht «in Lied de» mattgebrochmm Stolze».

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