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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 37 (1889) · p. Seite 148

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
37 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 148 (sequence 4)
Language
German
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‘Rcdja’i Herz erfüllte« minder bittere Gefühle. Ihr war I« wohl, so leicht, wie e« ihr seit lange «icht gewesen, ganz verjüngt und verklärt setzt« fie sich a« den Schreibtisch nieder, um Paula von der glücklich« Wendung der Ding« zu ur terrichteu. Sie schrieb: .Frei, Paula, ich bin frei! Rur wer gleich mir s« lange in unwürdigen Feffel» geschmachtet hat, kann fühlen und »erstehen, wrlch' köstliche Mufft für »ich in diesem Wört'he« liegt. Du — Du seist mriue Befreierin« meine Rette:-in. meinst Du, Paula? Rei». thenre Freundin, e» kam ««der», bester, mehr im Sinne Deiner Recha, welcher Dein starker Geist, Dein hoher Muth fehlt und die nimmer gewaxt hätte, da» trennende Wort außzuspreche», wen» »icht er die Leranlastuug dazu gegeben. Saum ein« Stund« ist verflossen seit dem Auftritte, der über meine Ankunft entschied, und Du wirst begreifen, daß ich «och nicht fähig bin, klar zu deakeu uud ruhig zu schreibe«. Aber ich suche meine Erregung uiederzukämpfe«, D», »eine Freundin, mnßt »ifieu wa» ich Glückliche» für «ich ereignet. Lender, der, wie wir erwarteten kurz nach Deiner Abreise -ivtraf, hatte sich zu meiner freudigen Ueberraschnug auf» Lortheilhafteste verändert. Er gefiel fich tu der Rolle eine» Weltmänner, die er »icht ohne Geschick zu spielen wußte, uud hatte den früheren salbungsvoll« To» ganz aufgelien. Er beschenkt« mich mit einem fürstlich« Braut» schmuck und theilte mir auf meine erhobenen Bedenk« mit, daß er dir» glänzende Geschmeide im Hinblick auf unsere zukünftige hohe Stellung gewählt habe. Ich hielt da» für rin« Scherz, Sender belehrte mich eine» Besterea. Er gedenke unsere Vermählung zu deschlrnuig«, mit mir nach Heidelberg zu eilen, wir al» dann gemeinschaiUich zu« christlichen Glauben üdertretm werden. Alle Schritte sei« schon eiugelritet, eine angenehme Stellung stehe in fester A»»ficht und «» «erde ihm rin leichte» sei», Sprosse um «proste zu erklinmen, bier d« Gipfel der Leiter erreicht habe. Diese Eröffnungen, die eine Auflösung meiner Verbindung beben eleu, erfüllten wich — Du begreifst da» — mit stürmischer Freude. Urder Berg und Thal hätte ich d« Jodelruf hinau»schmetteru mögen: »Paula, ich bin ftril* Du kennst «einen Vater — er würde e» nie gutheißen, e» ni: verschmerz«, wmu ich. sei» Lind, dem Glauben, den er so hoch und werth hält, untreu würde. W>e verbl«det mußt, der sonst so kluge Sender sein, daß er die» übersah, wie v«nig mußte er mich kennen, wenn er wähnte, daß ich sein Thun billigen, daß e» mich beglücken werde. Wie ander», »mn sein Entschluß da» Ergebni» seiner Ueberzmgung gewesen wäre l Wie stark, wie muthvoll wäre er mir erschienen im Streb« nach Höherem, Besseren, im Ringen na» einer ErKuatoiß I Aber — vermeinte er Bessere» zu find«? Rein, er will den Glauben abstreis«, weil er seiner Eitelkeit, seiner Ehrfurcht, seinem Streberthum eine Feffel dünkt, er» d:r Talmudjüugrrl Paula, ich zittere im Gedanken, wie ruhe mir die Gefahr log, die Gattin diese» Manne» zu we rden, der aller Grundsätze, aller Würde, aller Ideale dar i't. Diese» süß-schmrichelnd«, stet» zum Himmel schielende Wesen, diese B eg- und Schmiegsamkeit seine» Auftreten» — ich wußte e» — daß fie nicht da« Sevuzeichea wahren, freien Mmschenmuthe» sind. Sein Wort mehr von ihm, er sei ar» meinem Leben gestrichen. Mag er fich weich bett« in eirie« Ministerfauteuil — ich bin frei! Schreibe gleich, hörst Du, gleich, Paula, Deiner Recha." (Fortsetzung folgt.) Allerlei für Ve« Kamilientisch. Ein moderner Samson. .Samson" welcher augenblicklich in de« königlichen Aquarium zu London zu sehen ist. wird wenigsten» nicht »iudt r al» die Täfelchen von Tel-tl-Aman» dazu beitrag«. etwaige Zweifler von der Wahrheit der biblisch« Erzählung«' zu Überz« g«. Den» »an diese stau "«erregende Production« geseh« hat, so ist e« durchaus »icht schwer zu begreif», wie eia Mau» einen Löwm hat zerreißen tönoe», wie mmz^ ei» Böckleiu zerreißt, »der wie er init d« Thor« der Stadt hat durchgehen, oder ein Han» hat utederreiß« können. — Der hrutige Samson zerreißt eisenre Settm, indem er einfach di« Ellbogen zusammmzieht und die ArmmuSkelu anspannt, »elche »icht weniger al» IS'/, Zoll t« Umfange Hab«; er biegt starke Etjevstaupm mit den Finge« und mit seiner geschloffmeu Faust arbeitet er wie mit eine« Dampfhammer. Er zerreißt Seile, welche «au ihm um die Brust gedund« hat. durch bloße» Athmen, gerade wie sei» biblische» Vorbild. Wenn man ihn in die Bastill« oder i« I» Boohelle etukrrkeru würde, so hätte er nicht uöthig. jahrelang die anstrengendsten uud au»daue«sten Arbeit« zu feiner Befreiung zu verricht«, wie man fie von «»gebrochenen Gesang«« erzählt. Er würde auch nicht »öthig habe», 10- Jahre laug au den Bitte« seine» Gefän,niste» mit Haarnadeln zu säg«. Er rpürde einfach dt« klein« Finger benutz« und die Eisrnftäbe zerb.echm, wie man ein Holzsttbcheu zerbricht. Ich habe »ergest« ihn zu frag«, ob einer seiner weiblich« Bewunderer ihn vielleicht schon um eine Haarlocke gebet« hat. (I. Et) Segen ba» laute Beten. Daß selbst Mose» da» Schreien und laute Bet« verbot« hat. suchte «in Prediger seiner Gemeinde durch ein« Bibelver« zu beweisen, e» heißt in 2. B. M. 9,19: n* NNVX p'j’TT mwn Tt TX 'B3 „Wenn ich meine Hände zum Gebet auSbretre, so soll« die lauten Stimmen aufhöreu l" darau» ist erwies«, daß eine gottgefällige Andacht in Ruhe uud Stille stattfindrn soll, und daß laMe« Mitbeteu und Mit fingen mit de« Lautor, unstatthaft ist. Levy-Zachau. Z» schüchtern. „Run, wie awüfirt« Sie fich heute Abend?" fragte Herr Bauquier Mayer d« jungen Affeffor Levy, der nicht ohne grwiff« Absicht zur Sone« gelad« und zwischen best« beide Töchter gesetzt war, beim Rachhausegehe». — „vorzüglich. Herr Lommerzieorath, doch bin ich offen gestanden in Gegmwart Ihrer Fräulein Töchter noch immer zu schüchtern." — ..In der Thal, Herr Affeffor! «» wäre mir lieber, Sie wären Freier!" . Kitthsrl-Anfgxben. '{«fr» Ae»tsches -Logogrvph »ud Meuderätßsel. von 0. in B. Setz' (inen andern Kops lern ftSnia auf Und lab ihn dann hemm sich drern; Boa »lcharist wird — ich »ett« drans — Ein h« rllch Werk dann vor Dir sieh'». II. ArSräischt* ^Logogryph. Bon A. Jt. in London. . Zwei Röthsel Hab' ich m'r eedabt, Die sind einander nah' verwandt; Die Lösung w n a Müh' Dir macht, Bist mit der Welt Du rech« bekannt. Wenn schnell wir Herz und Fuß nmk-hien, Dana wird die W«lt sogleich aushören. S. Zum Trümmerhaufen wird d!e Welt, Sobald da» mi t.'« Glied wegfällt. der Kitthjel in vor. Pr. I. Jahr, Zoit; Jahr,eil. U. Gr»!«. T$ l«<mlthier), “lf (Stier). Veramwonlicher Südactrur: Dr. M. öiahmer, Magdetnrg, " . i Druck von D. L Wolff, Magdeburg. Verlag von Bode« Arles«, Leipzig.

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