Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 36 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 141 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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{X »erwirkllche». Sobald ich «inen fest« A»fenchalt«ort .gewühlt Hase, gebe ich Ihn« wieder Nachricht. Sie gerne müchte ich zuweilen, «it Ihne» «der «tt »eine» Freunde Pro» ei» Stündchen zusammen sei». Die« Glück ist mir nicht beschiede»; ich arbeite von früh bi« spät, da« ist die bewührtrste Zerstreuung. Schütze Sie Gott ollesammt! Gedenken Sie manchmal Ihre« Ihnen herzlichste Grüße sendenden Ephraim Spiro." Recha hatte den Brief gelesen, der ihr da« Herz beklemmte. Sie schwieg eine Weile. Daß er immer dazu verdammt sein soll, im stampf um da« tögliche Brot die niedersten Verrichtungen zu leisten, er. dessen hohe« Streben ihn zu Großem befähigt und berechtigt, dachte sie »oller Wehmuth. Dann begann sie sich zur Franzi» ka wendend: »Da« traurige Loos vrn Fra« Doktor Spiro erregt «eine Theilnahme; Sie erweisen mir wol die Liebe, einen größeren Betrag, den ich Ihnen übergeben werde, der geprüfte» Mutter im Namen ihre» Sohne« zu übermitteln?" Franziska war gern eazu bereit und erzählte: „Seit uns Herr Sviro verlassen, besuchte ich schon zweimal seine Mutter; da« letztemal im Mai, al« wir erfuhren, daß sie erkrankt sei, blieb ich mehrere Wochen zur Pflege bei ihr. Sie ist eine herrliche Frau, ganz so wie ich mir Ephraim« Mutter gedacht, die an dem Sohne mit rührender Liebe hängt. Ich will Ihr da« Geld sogleich schicken, oder -- r« könnte vielleicht auffallen — und ich würde eher rathen, rin gute«, warmc« stleio zu kaufen; sie wird dann auch ohne Brief glauben, daß e« von ihrem Sohur kommt." Recha dankte Franziska für den guten Rath und noch am gleichen Tage besorgte sie mit derselben rin stleid, da« an die Adresse von Frau Doktor Spiro gesandt wurde. Herr Staubeschru willigte gern ein, dem halbjährlichen Zuschuß an Ephraim« Mutter in besten Namen eine größere Summe von Fräulein Benjamin beizufügeo. Die beiden Mädchen kamen täglich zusammen, l«nten sich immer mehr schätzen, bald wich förmlich da« „Sie" dem zutraulichen „Du" und sie gelobten sich, ihre freundschaftlichen Beziehungen zu pflegen und die Unterhaltungen in regelmäßigen Zwischenräumen schriftlich sorlzusrtzen. Ohne e« sich selbst zu gesteht«, vielleicht ohne deffea klar bewußt zu sein, fühlten sich die Beide» durch et» Baud, durch ihr« gemeinsame Liebe zu Ephraim rerbunde«; indeß waren sie lirdeoswrrth genug, um sich auch ohne diesen besonderen Grund zu einander htngezogeu zu fühlen. Wenige Tage vor ihrer Abreise erhielt Recha folgeudr« Schreiben: „Mein süße« Leben! Ich habe mich gefreut mit Deinem jüngsten Briefchen, woran« mir Mich und Honig fleußt. O, wie liebreich find mir Deine Worte! üvuure ich nur von Angesicht zu Aufsicht mit Dir sprechen, wir der große Prophet mit seinem Gotte! Leider aber find wir sür einige Zeit getrennt! Und »«ißt Du wa«, Herzenrtäubcheo? Ich »erde morgen auch »errelst». ich habe lauge überlegt und «ich endlich rntschloffen, «ine Universität zu besuchen, ich werde Philosophie hören. Ich gedenke sech« Monate in Heidelberg zu verweilen, und dann eile ich zurück, um einen eigeueu Herd zu gründen. Mir schwindelt fast von dem himmlischen Glück, Dich meine Gattin zu nennen. Sage Deinem ltedru Later, daß ich für sein« Gesundheit bet«, und Dir sage, daß Du «ein Eden bist, mein Heil und «eine Seligkeit. Dein Bräutigam Daniel Sender." Recha freut« sich über den Entschluß ihre» Verlobten,' .da sie hofft«, daß er auf der Hochschule neue Ansichten nnd freier« Anschauungen erlangen «erde, die mü den ihrigen bester Überei»stimmten. Auch Herr Beujamiu billigt« Cksto« Schritt nnd behauptete, dH er ein großer stopf sei, de« e« an entsprechende» Erfolgen nicht fehlen könne. Recha »ahm Örtliche» Abschied »an Franziska, ihrer neuen Freundin, und reift«, erfüllt von angenehmsten Eindrücken, nach s der Heimarh. Auch der alte Herr war von seinem Badeanfeuthalt befriedigt nnd »erließ denselben gestählt «ad gekräftigt. Trotzdem mußte sich Herr Beujamiu eingeftehen, daß sein« bisherige Arbeitskraft abgenommeu. und da sich auch für Ephraim noch nicht der richtige Ersatz gefunden, so übernahm es Recha, an de« Vaters Stelle die geschäftliche starrespoudenz zu besorgen. Im Laufe des Winter« löste Paula ihr versprechen ein und kam für mehrere Wochen Rech» zu besuchen. Wie freuten sich die beiden Mädchen zusammen, wie viele« hatten sie sich zu erzählen, zu vertrauen l Wie anregend wußte Paula, durch ihre tiefsinnigen Bemerkungen, durch ihre klugen Einfälle und ihr reiche» Wiffen jede« Gespräch zu gestalten, wie fühlte sich Recha durch sie erhoben und veredelt! Aengstlich zählte sie die Wochen, die Tage, die sie mir der Freundin verleben sollte, und mit wahrer Herzensangst gedachte sie de« Zeitpunkt» der Abreise, die zufällig mir der Ankunft ihre» Ve lobten zusammenfiel. Daß da« stammen de» einen sie nicht minder bedrückte, al« da« Gehen dcr anderen, konnte Recha nicht länger verhehlen; sie fühlte, daß ihr da« Herz immer schwerer wurde, je mehr der Zeitpunkt der Hochzeit herannahte, daß sie sich dem Manne, dem sie sich zu eigen geben sollte, immer fremder fühlte, daß die stluft, die sie von ihm trennte, ihr immer tiefer und breiter erschien. S« läßt sich nicht leugnen, daß Paula zu Sender« Unzunsten wirkte, wenngleich sie vermied, über l diesen Punkt, der ihr rin dunkler schien, mit Recha offen zu sprechen. Ihre ganze Lebensführung aber, ihre Richtung, war ein stummer Protest gegen eine solche Ehe» die in ihren Augen ein verbrechen, ein geistiger Selbstmord war. Recha, welche bewundernd zu der iu sich gefesteten Paula emporsah, deren harmonische LebeuSverhältnisse ihr bi« jetzt jeden stonflikt erspart und sie auf einen Standpunkt erhoben hatten, von dem au« sie Welt und Menschen be» urtheilte, kannte gar wohl die idealen Forderungen, welche diese an die Ehe stellte und fühlte sich ihr gegenüber beschämt und gedemüthtgt. „Memento moril“ klang es ihr entgegen au« allem, wa« Paula sprach» „memento moril" schien ihr ein böser Dämon unaufhörlich zuzuflüstern, schlafend und wachend wurde ihr dieser Ruf in« Ohr, in die Seele geschleudert, und sie mußte daun nicht de« Tode«, sondern de« Leben« gedenke», de« langen Leben«, da« ihr an der Seite de« ungeliebten Gatten endlos erscheinen, da« ihr den Tod bereuen mußt«. .Lehre um. »och ist« Zeit, renne nicht in Dein verderben," flüsterte ihr eine Stimme zu, der sie nur allzugern Gehör schenkte. „Du kannst, Du darfst Dein gegebene» Wort nicht brechen, e« wäre der Tod deine« Vater«, deffea Tage ohnehin gezählt sind", ließ sich eine andere vernehmen, und sie sagte sich in dumpfer Ergebung: „Warum nicht er, warum rin Anderer? Seiner wird der Mann meiner Lieb« sein. Die gehört ihm, der jenseit de« Weltmeer«, meiner wohl nicht gedenkt. O, Ephraim, daß Du mich geliebt hättest!" Am Vorabend von Paula'« Abreise saßen die beiden Mädchen stumm «eben einaudrr, Recha, in trübe« Sinnen verloreu, war unfähig, über Gleichgiltige« zu sprechen, und auch von dem» wa« sie so unsäglich elend «achte, wollte sie nicht rede». Ein leiser Seufzer eutrang sich ihr. „Erleichtere Dein Herz durch Worte» nicht durch Seufzer." Hub Paula au. in welcher der Entschluß gereist war, vor ihrer Abreise über diese Angelegenheit mit Recha zu spreche». Diese wollt« antworten, fand «brr keine Worte, und die Thräueu, die sie vergoß, all« die zurückgedrängten Thräne« flofleu jetzt und gaben ihrer Stimme beredteren Ausdruck, al« Worte e« »ermocht hätte». .Laß «ich all' «ein Leid an Deiner Brust ausweiue», Panla, nur einmal. 8» wird »orüb ergehe», wir »olle» daun nie «ehr darüber rede» nnd ich werde ihm morgen ruhig nutz gefaßt gegenübertretru." -