Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 33 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 128 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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— 123 — ,Dn wirst die Segnungen beffelbeu genießen, mein Sohn, wohl Dir!" Die Valentin in seinem juchteubezogeneu Lehnstuhl dasaß. da« schwarze Sammtkäppche» auf de» graue« »ollen Haar im bequeme« Schlafrock, die lieben, klugen Lugen im Glanze einer Art Kiudereiafalt, dem sanften Lächeln um den Mn» >, — war man versucht, fich „Nathan den Weisen" in dieser Gestalt zu denken. Der Doktor in der Blüthe seine« Alter«, saß i,m gegenüber in »seiner" Sofaecke, wie er da« gewohnte Plätzchen nannte. Gr nahm dem Freund« den Herder au« rer Hand, e« zog ihn gar mächtig au. »Nicht« da, Freundchen! Warten Sie noch einige Tage mit tiefer Lektüre, heute würde fie Ihnen zu austreugend sein. Plaudern wir und daun kommt unser Schachspiel." Der Doktor stöberte in de» umhriliegendeu Blättern umher, rin alter »Auekdotruschatz" mit seinen vergilbten, Heil»,eise abgerifienen Bogen fiel ihm auf, weil Mendelssohn'» Name darauf stand. Er la» laut: »>l« Mendels» sohu einst zur königlichen Tafel geladen war mit Liebling«- gästei Sr. Majestät, saß neben ihm eia Herr, der wie der lönigliche Gastgeber, GeisteSturuiere liebte. »O weh", rief rer Doktor hier fehlt der Anfang eine« Verse« der schirf zogespitzt sein mochte, wie die folgenden Worte andeuten, e« scheint auf jüdische« GeschäftStreibeu und Jes« gemünzt zu sein." — Höre« Siel — »Ihr pflegt doch sonst bei Vater« Leben dem Sohne gern Kredit zu geben." Darauf Mendelssohn: »Wie sollen dem Sohn« Kredit wir geben, der Vater wird ja ewig leben." Der Monarch lacht« herzlich, seine Gäste durch seinen Humor aufeuerud, kam da« geistige Naketrufeuer der Unterhaltung nie in« Stocken. Ein Herr v. TrautmaunSdorf, bemerkte in eben nicht zartzlewählteu Worten, «wichen sonderbaren Geschmack Gott der Herr beweise, daß er die Juden »seine AuSerwähltrn" nenn:. — Im ruhig scherzenden Tone erwiderte Mendelssohn E« mag wohl Würdigere ans Erden geben, vielleicht solch«: wie' Sie, gnädiger Herr. Manche« auf Erden ist uuerklärlich. — Hören Sie, wie r« mir einst unterwegs erging. —;fch komme in ein Dorf, da« wie auSgestorbeu daliegt, weder Mensch noch Thier find sichtbar. Ich trete vorfichtig in ei« Hau«, allmählich erscheinen di« Bewohner, di« mich kauweu. Al« ich mein Erstaunen über den Zustand de« Dorfe« äußere, erklärte man mir den Grund. Marodeure «achlru die Gegend unsicher. Die Bewohner seien sehr zagt, »ft, fie hätten vor dem Dorfe SicherhettSmaßregel» getroffl«. Dort befind« fich ein Esel, der bei dem Erscheinen fremrcr Leute durch sein Schreien die Gefahr kuuo thuu würte. Sol sagte ich, einem Esel traut — mau'« Dorf?! »Der grlungrne Wurf, wog de« Getroffene» nicht lieb gewesen sein, sagte Arno lachend, aber hoch leb« der König, au testen Tafel solch ungezwungener Ton erlaubt ist." Scherzende Bemerkungen knüpften fich au da« Borgeleseue, wähl end Baleutiu di« Schachfiguren aufstellte. Arno war von seiner Mutter zu einer geschäftticheu Berathuug abgernen. Mit reger Aufmerksauckeit wurde gespielt, plötzlich rief Baleutiu von einem unerwarteten Schachzug seine» Gegner« überrascht: »Da« war ein schlauer Zug, darauf war ich nicht gefaßt. Ihre Frau hat Recht, da« einzige rothe Haar in Ihrem dunklen Barte, zeigt seine Wirkung beim Schachspiele E« giebt doch für jede Tugend eine Versuchung, wie ich eben sehe, Sie Ehrlicher uuter den Ehrlichsten." „6ardes I» reine", erwiederte der Verhöhnte sicher, und — Schach dem Könige!" rief er trinmphireud. Freundchen. wa« meft» rothe« Härchen betrifft» erkläre ich Ihnen offrr: Ich glaube fest au die sittliche Bestimmung de« Ma schen, aber ich bi» auch fest überzeugt, »e» Jacob dem Lab,«, wa« Jacob de« Esau getha», wird nie ganz von der Erd« verschwinden." Man ordnete die zweite Schachpartie, al« Arno di« ganz aufgeregte Mutter Josef«, Fra» Heimanu in« Zimmer führte, — gefolgt »on der Mutter und Sara. »Bon Berliu", rief fie athemlo«, Arno ein Packet überreicheud, »e« ist Josef« Handschrift, der Postbote hat mir vorgeleseu, ich soll e« hier abgebeu." Alle blickten erregt auf Arno, da da« Packet öffnete. Er eatfaftete da« Doctordiplom Josef«. »Ena Sohn ist Doktor der Philologie, Frau Heimanu", rief a fröhlich. Er la» da« Diplom vor. »Aba lese» Sie den Brief. Har Arno", drängte fie, wa« soll ich mit dem großen Bogen Papier, davon versteh' ich nicht«." Arno la«: »Liebe Mutter, ich bin Doktor, aba nicht solch eiua wie unser vaehrter, lieba Herr Doctor Rembrand; Recepte für Kranke wade ich nicht schreiben. Aba laß e« Dir genug sein, daß ich bald im Staude sein werde. Dir Dein Alta zu erleichtern. Dir zu lohnen wa« Du uud da selige Bata für mich gethan, in Euren schwere« Tagen. Ich habe schon eine Anstellung al« Lehrer in einem feinen Hause. Diesen großen Bogen stecke wirda in« Futteral, wenn «eine Wohlthäta ihn gelesen, ich meine die Baleutiu'sche und Gason'sche Familie, besonder« Fräulein Esther, die Doktorfamilie und die der edlen Frau v. Winiawaka. Ihre Unterftützuug ahielt ich al« ich schon verzweifelte, ohne diese hätte ich mein Examen aufschieben müffeu. Grüße die lieben vawaudteu uud uu» litt« Mutin, denke an die Wort« der Großmutter: »Die Krone der Linder find die Eltern. Die Ziade da Eltern find die Kinder." Ja, ich werke e« an dem Stolze meine« Hazen«, daß Ihr geliebte Ettern, die Krone meine« Leben« seid, leida kann ich« dem Bata nicht mehr sagen; und ich bin Deine Ziade, nicht wahr Mutterleben? Doktor Heimanu! llingt da« nicht schön? Geliebte Mutter, willst Du wiffe«, wa« diese Papierrolle »erth ist, so schätze sie Deine« besten FeiertagStteid« gleich. Lege fie zu Deinen besten Sachen in Deinen Kasten uud kommt fie Dir zu Händen, daun denke fie ist wehr wath, al« Dein Feiakleid uud Deine goldbetreste Haube dazu. In Dankbarkeit uud Liebe Dein Sah» Doktor Josef Heimanu." Während de« Lesen« stoffen Freadeuthränen üba da« runzlige Seficht da glücklichen Mutta und da theiluehmendeu Frauen. Sara brachte zur festlichen Stimmung erquickende» Liqnenr und Eingemachte«. Fra« Heimanu ttaak auf da« Wohl da Gesellschaft und de« eigenen Sohne« mtt den bekannten Worten: »Mögen Sie imma Verkünd« gut« Botschaft sein." „Ach", sagte fie bewegt, „hätte die« doch mein gut« Manu erlebt!" — Jena dunkle Schatten fiel auf die Freude, den Erinnerung au Verlorene« imma daraus wirft. — Die glückselige' Gegenwart siegte uud fröhlich sprach fie: »Mein Bata, Gott hak ihn ftüh von uu« genommen, pflegt« zu sagen: „Die Welt ist geglichen zu eine« Tanz» saal. viele Tausende treten zu« Tanz an. Die Ersten kommen zuerst Haan, dann wird abgeklascht, Audae treten vor uud so immazu, bi« die Ersten die Letzte« wadeu uud dann ist e« mit ihnen vorbei, fie kommen gar nicht mehr Haan." „Aba »ach langem Warten kommt doch noch manch»«! ein Extratourchcn", sagte schazeud Frau Baleutia. „Jetzt bin ich daran", sagte ftoh die Erfreute, komisch kuixeud. — „Aba jetzt zu meinen Lindau". — Unterwegs - thetlte fie Jedem ihr Glück mit uud wie ei» Lauffeua va. breitete e« fich in da Gaffe: Josef Heimanu ist Doftor. «Fortsetzung folgt.) Sphr«im Spiro. Rovttle von Jda Hofwaun. P (Fortsetzung.) Al« a am vierte» Tage bei Benjamin eintrat, saß Nrcha eifrig lesend in eina Fenstäntsch« und lud ihn mtt da Hand ei», sich bei ihr nieda zu lassen.