Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 28 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 110 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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ntfca. Me tat krachte» der Getstessonne behindern. Möge dich Gott schütze», du tapfere kluge Jungfrau, und »dg« jener Man», der deiner »ich» würdig ist, dir nicht zn« Eichicksal werden. Wie schön wäre die Welt, wie herrlich d<» Leben, wen» alle Mensche» so gut und klug wären, wie ei dieses Midche» ist! Wie klar, wie eiofack, wie natürlich ist das Wahre, das Schöne, warum nur wird es so schwer erkannt und anerkannt! Bi» ich ei» Schwärmer? O, dann laß mir di« Begeisterung, der du fi« wir verliehen, mir graut » ,r der Nüchternheit, wie sie »ir stündlich entge^ntritt, das Lebe» verödend uud vernichtend. Gleich einem Liebeudeu ater, der scheu sei» Geheiwuiß birgt, um de» Blüthenstanb se nes Glückes nicht der Mensche» rauhem Betasten preiszngebeu, will ich mich i« Sülle» au der EnlfalMog des Göttliche» im Mensche» erfreue». Immer höher strebend, «ich a» dem Beispiel der große» uud edle» Geister aller Ziite» und aller Völker aufrichteud, fühle ich mich ihnen nahe und vou ihrem hehre» Sinne umwittert!" Ephraim entkleidete sich und schlief bald ei». Im unter» Stockwerk aber unterhielte» sich »och Herr Benjamin und feine Trchter mit ihrem Baste, dis dieser sich gegm elf Uhr verabschiedete. Auch Recha wollte sich zurückziehen, ihr Vater abrr hatte etwas auf dem Herze», was er nicht all«iu tragm wollte. .Ist nicht Herr Sender ei» gelehrter musterhafter junger Manu? Wie gefällt er dir, Recha? Nicht wahr, diese Frage ist überflüssig?" Die Tochter ftannte chreu Vater au. Dieser aber fuhr fort: »Liebe« Lind, du bist jetzt achtgeh» Fahre alt, uud Herr Sender ist eine glänzende Partie." .Mein Vater," entgegnete Recha mit Entschiedenheit, de« Zeugniß eines starke» Geistes, »ich werde Herrn Sender uie meine Hand reiche». Du willst doch mein Glück, und dai würde ich bei chm nicht finde». Frage nicht nach den Gründe», ich kan» dir nicht alles sagen; du aber, Vater, ivlllst mich doch nicht zum uuglücklichsteu Weibe mache»." »Da sei Gott vor," erwiderte dieser ganz erschrocken. ,J h werde niemals riueu Druck auf dich äsiSübcu, nur gebe ich dir zu bedenke», daß ich schon fünfzig und einige Jahre zähle, daß Sender ein gelehrter und reicher Manu ist, und daß seine Ettern eben »so wohlhabende als achtbare Lente fiut. Was kannst du brfferes wünschen, Recha?" Nachdem Benjamin einige Augenblicke geschwiegen und vergebens Antwort seiner Tochter erwartet hatte, begann er, von einem uyreu Bedanken angeregt: »Oder hast du andere Pli ne, Recha? Möchtest du vielleicht gerne Frau Doktor «erden? Ja, das Hingt gut, und ich muß gestehen, wenn mei» einziges Lind de» Titel führen dürfte, das wäre eine Herzeusstittkung auf meine alten Tage." »SKiu, Väterchen. Laß da» jetzt, ich bin müde, schlaf uohl." Recha küßte de» Later uud begab sich in ihr Schlafgemach, ein trauliches Zimmer, in welchem man weder Pracht» mötrl, »och wohlduftende Flacons uud dergleichen elegantes Sp elzeug sah. Der Raum trug das Gepräge seiner Be wol neriu uud ihres einfachen, voruehmea Sinnes. Nahe de« Fenster, da» die Aussicht auf eine» Garte» bot, stand «i» Schreibtisch, auf welchem eiu aufgkschlagenes Buch lag, die herrliche» Dichtungen vou Julius Hammer eulhalteud. Reck» mochte heut« i» dem Buch« gelrse» haben; sie ließ sich in riur» Stuhl finken uud sprach zu sich selbst: Wie sich doch die Menschen ei» Armutszeuguiß ausstell«» mtt ihrer Titelsucht, mit chrer Verehrung der Aeußerlichknteul Mensche» zähle», Menschen beglücken, und Mensche» nur habe» Werth! Latein und Griechisch, Philosophie uud Naturwissenschaften kömreu ein Weib rbcnsom»i| beglücke», wie eiu hoher Rang und ei»e glt»ze»dr Stelloug es vermöge»; das vermag allem de» Mauses Herz. Sau mau» oder Arzt, Jurist oder Haudwerker, Lehrer oder Künstler, ei» jeder soll vor alle« Mensch sei» und als solch,» deurtheitt werde». wahrlich, mei» Vater, der Doktortttel hat^keineu Reiz für »»ich." Recha stützte sinnend ihr Haupt und halb^unbewußt las sie tu dem vor ihr liegeudeu Bücher .vertrank dich de« Licht der Sterne, Beschleicht bei. Her, ei» bittre» Weh, Sie find dir nah i» weiter Ferne, «ran Menschen fera i» nächster 9M?." »Fern in nächster Näh!" So ist es. mei» Vater. Dt» bist so gut, aber d» verstehst mich nicht. Nur euch, ihr Stets«, kau» ich mich anverlraueu und dir, geliebt« Paula, wir minder fern uud unerreichbar als jene, doch aber mb Dir getrennt. O, daß ich mit dir vereint sei» könnte, daß ich in «tmm Kreise leben dürfte, wo es mir vergönnt, »sich gleich dir tu die höchste« Regionen der Gedankenwett cmporznschwiuge»! Eitle» Wünschen! In schmerzliches Sinne» verlöre» starrte Recha noch eine Weile vor sich hin, und es war schon Mitternacht vorüber, als sie ihr Lager aussuchte. _ (Fortsetzung folgt.) JUt5 dem Spruchschatz des Iavuud. Poetisch Übertrag-« von 9c«i Weinberg. (RtOkimtf oh« amiMi»»»« M SctfiffRl trxUta.) An de« Füchslei» stehst Du schon, Dah es eine«^Fuchse» Loh».^ Leut Dir die Freude* Um Krug, Kasch setz' ihn a» die Lippe«. De»» willst Du erst proben «ud nippen. Lagt schon da» Schicksal: Lenng. Heut' i« abgeschabte« Klöd«, Morgen oft in Lamatt und Leid«. Kitthsel-Anfgabe«. I. Deutsches Mörtrrrälhsek. Loa 0. in 8. wenn stet» «an übt die hetl'g« Pflicht, Koaunl'» erst« schon zur rechten Zeit; »14 Jsaae wünschte ei» Laicht, Hielt'» zweite Esou gleich bereit, wenn beide sie verdundrn stad. Likennl »in Jeder, der nicht bliud, Di« Farbeoschrifl von Lotte» Hand, Dir glänzet über Stadt und Land. II. KeSraisches Anagramm. Bon 6. in 8. vorwärt», rückwärts, wie Du'e liest, Einen König stets Du stehst; Der eine lebt schon lang nicht «ehr, Der andre über« Sternenheer. III. Areisprachigk» Doppelyomouym. Loa O. in 8. Da» erste als Gewürz «an kennt. Sobald «au es lateinisch nennt; Doch »er hebräisch es ersaht. Der steht nur «ine» halbe» Ast; Da» «äite hat als grober Man» Und Christ sei» voll gar fthe degliickt; AI» Jade geh« es schon »ora», Senn'» kau« das Licht da Belt erblickt; Ei» Mineral erscheint. Ben» deutsch »um ste vereint. A«siSpmt der KSthset i» v»r. Pr. I. Diesstohl. II. »kr,». Krone. IH. ’-|B (Löwe), b» (LottX SriK prophetische Vezeichnnng für Kausale«- und de» .Mtwr". - Leraiitworrltcha Aedactrnr I. L.: D. L. Bolss, Magdebmg. Drnck v« D. L. Wolfs, Magdeburg. Balog von stöbert Friese, Leipzig.