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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 28 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
28 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 28. Jüdisch«, 1889. itiilttl'f/f// Heraulgegeben von Dr. M. »ahmer in Magdeburg. Zn Küerhlätr»g i KelchRng fir die israelitische FeEe. - t .. fier)*n<aIxL Cinc kujawische Erzählung au« dem Anfang« unser«» Jahrhundert» Loa Johanna. — Ephraim Spiro. Smnfllt* Novelle von Jda Hofmaa». — An» d«« Spruchschatz dr» Talmud. Porlisch übertrag« von «R»s Weinberg. — . j,(m|flOTjgaSfn Bnb -Ulthsellssun^n. (Unbefugter Rachdruck an» diesem Llatte untersagt.) Herzeasavel. Sin« kujawisch« Erzählung au» dem Anfauge unsere» Jahrhundert». Bon Johanna. «] - (Fortsetzung) In einem herrlichen Herbsttage saß die Reconvale». , |catin allein in der Beraada. deren bunte, brouzefarbeoe und ' grüne wrtublätter in lieblicher Mischung' an den dichten Runken schaukelte», »an leisem Luftzuge bewegt. Nicht» störte dir tiefe Still« als da» Rascheln der hüpfenden Vögel in de« buntgefärbten zur Erde gefallenen Laube. Dunve regelrechte Striche in der Luft bezeichneten die geordnete» Züge der abzieheuden Schwalben; auf den Wiese« hatten die Störche ihre Versammlungen, wo strenge» »der gerechte« Gericht bä den Bedingungen der zur Reise Befähigten gehalten wurde. Dort fand man nach ihrem Idzuge die wegen mangelnder Straft von den Bissen der strengen Richter Getödteten. Bei der Heerschau de» vorigen Jahre» war der Storch von Sabulewic,« Heuschober dennoch »itgezogeu, trotz dr» verbände» den Marianna seinem ge» brochrnen Beine angelegt, den er noch daran trug, al» die Störche i« Frühjahr wiedergekehrt und jeder sein alte» Rest bezog. Man durfte also annehmen, daß Tode»urtheile nicht leichtfertig au»geübt wurden. Nebeldüustr füllten morgen» und abend« die Luft und wie Thräueu »or dem Abschiede, so fielen schwere Tropfe-, von de» Zweigen, wenn die Nebel auf den Bäumen lagen. 8» war Sommersscheidrn, doch der heutige Tag schüttete feine ganz« Schönheit über die Erde, al» schied er ungern »ud möchte den Menschen uoch zuletzt in seiner ganze» Hrrrlichkttt erscheinen. Ju dieser milden Einsamkeit sehnte fich da» reiche Herz der Gräfin nach einer ihr gleichfühleuden Menscheuseele. Esther» Blld tauchte plötzlich vor ihrem inneren luge auf «nd fir beschloß da» liebe Mädchen zu fich zu bitten. Sie klingelte, ließ fich Schreibzeug «nd Papier bringen und bat Gerson dringend ihr seine Tochter zu feudeu; wenn fie nicht länger bleiben köuue, fir ihr mindesten« zu lassen bi» Arthur wieder heimgekehrt, sie erwarte ihn in zwei Tage». Die Eautpage wurde mit dem Briefe sofort abgeschickt, so sehr ersehnte Fra« vou Wioiawtka ihre» Gast. Esther erschrack heftig, al» der Bater ihr den Wunsch der Gräfin »ittheilte. Sie »ehrte ihn mit erfundenen und wahren Glündeu ab, unter welchen der nach ihrer Meinung wirksamste, ihre sie oft üdermauurnd« Mattigkeit sei» sollte. Zagende Liebe nud ängstliche» Ihueu überkam fie, wen» fie daran dacht», Ihm begegne» zu köuueu. »Dir »erden Re zwei Tage in der frische» Luft bei dieser liebe» Dame ptt tdun. «ein «in», sagte die Mntter, wir könne» ihr de» Irin«, «nusch nicht veil,gen. Gott sei Dank, daß sie fich wieder erholt hat." »Länger al» zwei Tage aber bleibst D» nicht, ich muß dnrchan» verreise,-, sagte Gersom Ei blieb kein Auöweg. Die kleinen Reisebedürfniffe waren schnell besorgt und mit Grüßen für die Gräfin hob Gerson seine geliebte Tochter in den Wagen. Wie sorglo» fie ihr Sind gehen ließen! Waren auch Gerson dte ungewöhnlich theiluehmeaden Aeußerungen Arthurs ausgefallen, hatte ihm auch die Frau Doctorin manchen bemerken-werthen Wink über die leidenschaftliche Form desselben gegeben, Gerson blieb unbefangen. Der Glaub« und der Bäter Sitte schützte allerding« dir Jüdinnen vor dem intimen Verkehr mit den Christen, dte Kluft der Borurtheile bildete eine unübersteigliche Schutzwehr für beide Theile. Aber wo und wann fand Liebe nicht ihren Weg? Sara war noch sorgloser al» ihr Mann, ein schöne» Z'Ugni» ihrer reinen Seele, ihre» unschuldigen Fühlen» und Denken«! _ Irthur hatte einen Umweg gemacht, um noch einmal die Geliebte zu sehen. ,E« ist da« letzte Mal", sagte er sich ahnungsvoll. ,Du meine heilige Liebe, die ich dem «Heuer« Baterlaore.opfre, Du wirst mich den Tod verachten lehren! Nur um Deinetwillen entsage ich meinem Leben»- glücke, da« sonst nicht» hätte verhindern können." Diese Gedanken beherrschten sein ganzes Wesen, al» sein Wogen vor Gerson« Hause hielt. Frau Sara trat ihm au» ihrem Laden freundlich grüßend entgegen. — Nachdem fie herzliche Worte getauscht über sein unerwartete» Kommen und ergthre Fragen über da» Befinden der Gräfin beantwortet, theilte fie ihm mit, daß Esther auf den Wunsch der Gräfin zu ihr gefahren sei. Dem Ueberraschten fehlten im ersten Augenblicke die Worte; verwirrt, befangen stand der sonst so Sicheraustretende vor der einfachen Frau. Beängstigende Freude, »Glück ohne Ruh'" erfüllten ihn bei dem Gedanken, Esther in seiner heimatlichen Einsamkeit zn wissen, er dankt« Gott für den freundlichen Zufall. Er küßte Frau Sara'» Hand, er hätte fie umarmen mögen, die ihm so beglückende Botschaft gebracht. Scine Erregung fiel selbst der Harmlosen auf, al>er ehe sie Zeit gewau« darüber nachzudenteu, trat Gerson ein. Erfreut den unerwarteten Gast zu finden, reicht« er ihm die Hand uud theilte ihm ebenfalls Esther« Abwesenheit mit, in so herziger Weise, daß Arthur endlich dir Haltung gewann. »Ich komme, um Ihne«, meine Lieben, nnd der Doctorfamilte »rin Lebewohl zu sagen. Ich weiß, daß bet Ihnen Alle» was mir lieb und theuer ist, tu freundlichem Andenken bleibt nud Sie ««tue geliebte Großmama trösten und ihr helfen »erdeu wo e» nvthtg ist. Ihrer Umsicht «ud Treue übergeb« ich die Führimg dr- Rechnungen und Emkünfte «ei«» Besltzthnm». seien Sir «etner armen Großmama ferner Berath« «ud Freund, wie Sie e» bi«her gewesen, verzeihen Sie mir, sagte er mit Thräneu tu den Ingen» wenn ich St« betrübt —1• feist Stimme versagte ihm.

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