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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 23 (1889) · p. Seite 89

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
23 (1889)
Date
1889-01-01
Page
Seite 89 (sequence 3)
Language
German
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bekannte freie Stunde des Laudrathe« znm Wähle seine« Client« zu benutze». Marek trat leise und bescheiden in da- Privatzimmer de« Landrathr» ein, der auf da« Klopfen an seiner Thür „Herein" gerufen. »Run .Marek, wa» führt Dich am Schabbe« zu mir?" fragte er leutselig. „Adanai*)/ antwortete dieser mit freundlich unterwürfiger Mienen, sich tief verneigend, .draußen wartet Einer auf em gut' Wort von dem Heren Landroth. Mein Herz ist grängstigt von Mitleid. Er hat Hau« und Hof und sein birchen Bieh bei einem Brand verloren. Der Exekutor hat ihm wegen Kopfsteuer für seine koptkrünke Schwiegermutter/ er zeigte b^>eutung«voll auf seine Stirn, ihren Zustand bezeichnend, „da» letzte Bett genommen. Ich möchte den Herrn Landrath gebeten haben —* „Laß ihn hereinkommen 1* unterbrach der Landrath genugsam bewegt und unterrichtet von dem, wa« da folgen sollte. Pawel Kat zitternd ein, die Entscheidung seiner Bitte von der in seinen Augen höchsten Autörität der Welt erwartend. Al« der Landrath diese« Bild te« Elend« sah, fragte er nicht mehr, sondern reichte Pawel einen schriftlichen Befehl an den Exekutor, die Erlassung der Kopfsteuer gewährend. Ein fast krampfhafter Freudenlaut enkang sich der grängstigt«» Brust Pawel«. Er umfaßte die Kniee de« Landrath«, Marek aber konnte die Abneigung desselben gegen dergleichen leidenschaftlichen Au«brüche; mit eine« Handküsse dem guädigen Hin» dankend, führte er seinen Schützling hinan«. Pawel eilte beglückt der Heimath zu, indem er den Segen Jesu Ehristi für seinen Helfer in der Roth herabflehte. Aron Süß« «kannte zu ihrer Freude an dem Au«druck der Befriedigung Marek« günstigen Erfolg. „Ein guter Mensch, der Herr Landrath. Sott soll ihn gesund und leben loffen. Meinst Du, wa« thut er Große« an armen Juden I Mein Batcr hat gesagt, meist findet sich Einer von den Höchsten müten unter Judenfeinden, der nimmt sich unser au/ „Du hast Recht, soll ich leben, lieber Manul Speist «a» nicht Gatt täglich mit Wundern wie damol», al» wir -gezogen sind an« Mizrajim?" Er reicht« seiner Frau die Hand: „Süßelebrn, ich geh' in'sBethHamidrosch,**) der Rabbi will einen Bortrog halten/ So war der Tag de« Herne vorüber gegangen. Da« geflochtene Wachglicht zu« Abschied von diesem und zum -Segen der kommende» Woche anaezüodet, erlöschtt knisternd in der Retge de« Biere«; die Gewürzbüchse wurde Jede« zu» Rieche» gereicht. „So duftend sei unser Leben!" sprachen sie. Und morgen ist Marek unterweg« mtt seinen schwere» Packe» auf dem Rücke» und betet still im Wandern sei» Morgeogrbrtl Du armer reicher Manul (Karts, folgt.) Mo«at»pla»derei. Ho» M. S. Der Monat Jjar liegt ganz in der Sefirah-Aeit. Kein Mensch weiß mü Sicherheit anzugebe», welche Beraulafiung de» Emst erzeugte, den man in diese „Tage de« Zählen»" hin- -eingetrogeu hat, und der in so grellem Widerspruche steht mtt dm Freuden, die gerade in dieser Zeit von dem sogenaanten -Wonnemonat" gehegt werden. Mau künute glauben, daß der elegische Hancd, der diese Sefirah-Zett durchweht, vielleicht eine Mahnung nuferer Religio« zum Ausdruck dringe« will, un« nicht zur Ueberschwenglichkeit im Wonnegenuß hinreißen *> Mächtiger Herr. **) In jeder Gemeinde befindet sich die» Lehr haut der hebräischen Wissenschaften, wo Jeder, der sich dasilr interefsirt, belehrend« Unter» Haltung und unentgeltlichen Unterricht bei de» Rabbi, auch freie Benutzung der vibliothet findet. und zum llebermuthe führen zu lasten, denn nicht« ist ja bekanntlich so schwer zu ertragen, al« eine Reihe von guten Tagen. — Allein, sorgt man nicht anderweitig schon dafür, daß der Urbrrmuth fich nickt t er Juden bemächtige! Hat die Welt nickt immer da« Ihrige grthan, um ihnen jede Veranlassung zur Urberhebung fern zu halten? Diese« weiß eia Jeder, der die Weltgeschickte kennt.' — Und dennoch »ittett man fortwährend bei den Judm Gelüste, die nur au« einem ungrstöttrn Wohlleben hervorgehen können, hält man sie in Verdacht, sich der Weltherrschaft bemächtigen za wollen. Auf finanziellem und journalistischem Gebiete sollen sie bereit« obenauf sein — und nur noch rin Kleine« — und die Zwden werden die Zügel der Weltregierung in ihren Händen haben. Die Beweise hierfür zu erbringen, hat sich bei Einzelne ein Eifer kundgethan, dm man in seiner übergroß« „Wärme" von zustäudiger Seite für gut befundm hat. ein wenig „kalt" zu stellm, und wir erlebten einen „Fall", der die Geschichte de« gesttaftm Judmhaffe« um rin neue« Blatt vermehrte. — Nein, da« jüdische Bolk wird von dem Wonnemonat nicht zum Uebermuth geführt werdm. Mag ea draußen in der Natur jubeln, duften, blühen und grünm — in seinem Volksleben sind die Wiuterstürme noch nicht vorüber, dmn eine „Schwalbe" macht noch keinm Sommer. Noch giebt e« huadrrte von Ei«- uud Sturmvögeln, die da« Lebm«schiff J«rael« krächzmd umflieg«. Roch giebt e« in allen Schicht« der Gesellschaft Lmte, dir nun einmal an den Judm kein vergnüg« finden und sie zu nicht» Anderem zu verwmdm wistm. al« zum Prügelknaben, der für die Sünden Anderer herznhaltm hat. Man kann Niemandem einm Bcrwei», eine Züchtigung zukvmmm laflm, ohne daß man dabei in fürsorglicher Weise die Juden mitbedächte. Man kan« ferner in tousmd Dingm freisinnig dmkm uud fühlm. allein wmn die Inden zur Sprache kommm, da« ist etwa« Andere«, da konn man sich schon ein wenig Unduldsamkeit vergönnen; wozu wären dmn die Juden sonst da? — Reicht c» nicht schon au«, wmn man sich gegm eine „häßliche" Judmhetze ungehalten zeigt! Der Schönheitssinn unsere« Jahrhundert« hat sich t» einer Weise ausgebildet, daß er sich sogar au die „Häßlichkeit" einer Judmhetze stößt. Schön müßte sie sein, schön, mtt aumuthige Formen, graziösm und taktiösm Bewegungen — vielleicht auch mit rnssisch-bmgalischer Belmchung — da« wäre »och wa«. dann würde auch der freifinnige Prediger und Sttten-„ Richter" daran nicht« au«- zusetzm ha dm.— ' Wir »enden uu« zu unserer inner« Angrlegmheiten. Bei Erörterung der Lehrerfrage in der „Wochenschrift" sttrßm wir anf eine Klage, darüber, daß die kleiner« Gemeind« sich Doktor-Rabbiner anstellen, ohne irgend »elch« Berständniß für dies« Luxutarkkel zu habm. Wir wurdm dabei au ein Gleichoiß erinnert, welche« wir in einem älter« hebräischen Werke vorgefundm. Daselbst wird die Schriftsteller „Wer Geld Ikbt, wird de« Gelde« nicht satt" dahin erklätt, daß «an auch der Thora und Mizwo» «iemal» satt werde» wird, wen» man sie wirklich liebm und für sie Berständniß habm werde. Solche« muß auch mit dm Lehrern derselbm der Fall sei». Geschieht diese« nicht, so wirb man ihrer gar leicht satt und überdrüssig. Uud nun da« Gleichuiß. Ein armer Mann wurde riast durch einm glücklich« Zufall zu «ine« Krösu« gemacht. Da« war nicht schlimm. Allein der Mann hatte kein verständniß für die »mm Verhältnisse. Er wußte nicht, wie so et» »ohlhabeuder Man», der er jetzt war, leb«, wohnm uud fich einrichtm müsse. Um fich darüber Aufschlnß zu verschaffe«, schlich er fich, so oft es fich ihn» ließ tu die elegante Wohnung eine« Reichen, um zu erspäh«, wa« bei diesem Alle« »orhandm war. Bet dieser Gelegenheit gewahrte er dort einm prächtig« Käfig, tu welche» et» kleiner Vogel sich befand. Der neue Reiche mußte nicht, z« wa« der gut wäre. Da er ihn aber in Mitte» der glänzmdm Einrichtung sah, so zögerte auch er nicht, ein« solchm Vogel fich auzuschaffm, wartmd der Dinge, die nun komm« vürdm. Ob wohl der Vogel dick

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