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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 23 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
23 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 23. AÜdisch«, 188». Herau«g«gedeu von Dr. M. Uatzmrr in Magdeburg. In zlntnhtlümx. -elttzrillg fiir die israelitische Fs«ilie. Herzeuladel. Et« kujawisch« Erzählung au» dem Anfang« unter«» Jahrhundert», von Johanna. — Mvnat»plaud«r«i * von H. 8. — Allerlei für den Familien «Isch. — Au» dem Spruchschah de» Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinberg. Andacht im Eebirg«. — Räthselaafgaben und Rüthsellösungen. (llubefugtrr Nachdruck au» diese» Blatte untersagt.) Herzeavaoez. Eine kujawisch« Erzählung au« dem Ansaug« unsere» Jahrhunden». Von Johanna. 17) - (Fortsetzung.) Am Ende de» Dorfe» bemerkte Dr. Rembrand Mank, der statt seiner Maare, die er seinen Auftraggebern abgeliefert, «me lebend« Van» auf de« Rücken trug. Der Doctor ließ de« Wagen halten, dem Lastträger den Weq zu erleichtern, der sich dankend und erfreut zu dem Kutscher setzte, nachdem er seinen Sabbath»braten unter dem Wagenfitz geborgen. ,E» ist wieder wild hergegangen bei dr» Staroste»," sagte er bedeutungtvoll de» Kopf schüttelnd, »Herr Doltor. wir Jude« sind doch rin Am Kodeschl") Welcher ordentliche Mensch thut da» bei un»? »Wohl dem, der sich lagen kann, immer danach grhandrtt zu Haber. Wir stad «och sündhaft wie damal», al» Volt uu» unserer Sünden wege« au» unser« Lande gewiesen, «a» meinst Du. Mank? Dieser schien sich nicht gar so heilig zu fühlen, er schlug dir Auge« nieder und seufzte tief auf. Wie gewissen Erinnerungen zu entfliehen, suchte er eine andere Unterhaltung. Gehrtmmßvoll sagt« er: »Herr Doctor, r» rührt sich wieder bei dm polnischen Herrschaften." »Roch ist e» ein Grheimniß, Marek." »Lieber Herr Doctor l Di« Herren wissen, sie köanm mir traue«. So wahr sollen mir Weib und Kinder leben, wie ich nicht» über mein« Lippm bringen werde. Mein biöch» Nahrung Hab ich von polnisch« Häusern, soll ich ihnen nicht tteu dafür dienen? — Zch arbeite schon Monti» rungrn," sagt« Marek leise. Er bat absteigen zu dürft«, da er in der Borstadt noch etwa» zu verrichte« habe. Nachdem er seine San» dem Kutscher zur vrsoraung für seine Frau anvertrant, drückte er diesem einige Groschen in die Hand und mtftrnte sich dankend. De» Doctor» Andeutungen hott» einm wunden Punkt i« Marek'» Gewiflm berührt. In seinm Jüngli«g»jahrm gehörte er einer Diebe» band« an, die vom Goplosee m» an die ostprenßisch-russtsche Grmzr dir Bcwohner in Schreck» und Polizei wie Gmödarm» in Verzweiflung versetzte. Diebstähle, Einbrüche waren mit unerhörter Frechheit und Umficht auSgeftihrt, wie e« nur organisirten Bandm möglich ist, alle polizeilich» Maßregeln war» «irkuug»1o». An eine« große» Kirche«feste hatte sich diese Bande in eine« großen katholisch» Kirchendorf eingefund», um di« sehr reiche Kirche zu doraubm. Glanbruöunterschich störte hier nicht; Katholiken halt» Absolution für begangene und zukünftige Sünden «rhrtten, wofür chnm strmge Bvßübungm «nd reichliche Spendm für dm Opserstock auferlegt «arm; Protrstautm hattm kurz vorher ihr Abendmahl genommen, und Marek hofft, durch reich« Almosenspendm, Bet» und Fastm sein« Sünde wett zu machen; überdie» meinte er diese» Verbrechen mir demselben Rechte für den Tempelraub de» Rrbukadnezar autüben zu dürfm, mit welchem den hmtigm Judm die Kreuzigung Ehristt angerechnet wird. Um Mitternacht, al» alle Wallfahrer längst «uf dem Rückwege, di« Bewohner de» Dorfe» im lief» Schlaft warm; Ew. Hochwürden und der Küster sich dm Schlaf de» Gerechtm gönntm, den sie nach den fiommra Wort», die Jeder von ihnen nach seinen Pflichten geübt, in der Kirche wir bei der Tafelmnd« der heiligen Bätrr, die sich al» Kirchmbeistrnd eing'sundm, — fühlten sich die Diebe sicher. Zwei große Wag» standen vor der vom Dorf« abgelegenen Kirche, bald lagen Leitern dicht unter dm kirchm« fenstern. Mt geübter Hand waren leicht die Fensterscheiben eingedrückt, da» Fenster geöffnet und große Säcke mit Stricken und Haken, worin sich Menn für Mann hinunter» ließ, herbeigeholt. In diese »ucdm alle Werthsachm gepackt. Eine Winde, die von außen befestigt, war von einiger, Männern angewandt. Alle» hiuau»zuschaflm. Dann senkten flch die entleriten Säcke wieder, um die Leut« auf derselben Weise zu mtsernm» wie sie gekommen warm, nur Marek wollte noch Nachschau halttn wegen kostbarer Kl' inigkeitm. Mit Entsetz«n bemerkte er, daß der Wagm schnell davon rollte, Niemand war zu sehm noch zu hör». er wir iwr« lorm. In seiner Berzweiflung kam ihm ein RettungSgrdaake. Er warf eia weiße» Prirstergewand über seine Kleider, zündete alle vorhaudmm Altarlichter an, nahm eia große» Crucifix in di; Hand, und so ausgerüstet zog er mit. dem Muthe der Berzweiflung die Kirchenglocke. Der Küster erwachte, verwirrt über da« unzeitige Geläute, eilte nach der Kirche und stürzte sprachlo» zu Bodm bei dem Anblick de» vom Lichterglaaz umstrahlten Priester», der da» E ucifix hoch über sich erhob. Marek hatte auf diese Wirkung gerechnet, stteiste eilig dm Prirstmock ab, und al» der Küster zur Besinnung kam» war der Sünder in sicherer Entfemuag. Auch die Dorfbewohner und ihr Scelenhirre waren, durch da» Geläut« geweckt, m höchster Auftegung herbeigeeilt. Lin Wunder war geschehen da» der Küster mst eigenen Augen gesehen. Seine «rregte Phantasie schuf Unsagbare», bi» er am Morgen die Sakristei irdischen und die Kirchenkasse, so reich gefüllt von den gestrig» Andächtigen, leer fand. Marek aber legte rin Gelöbuiß ab, sein sündhafte» Lebm anfzugeben und sich durch redliche Arbeit «nd Ehrenhasttgkeit zu erhalten. Seit dreißig Jahrm erfüllte er die», blieb stich- »nd kugelfest gegm jede Versuchung, selbst in Tagm der Roth und Sorge. An dem Krankenbette seine» Werbe», da» der Doctor vom Tod« gerettet, legte Marek demselben seine Beichte ab. Elfte» Kapitel. Da» niedrige Bauernhaus.«st seinem theilweise neu» Sttohdach und dem astm bemoost», verschönte dir letzt» Strahl» der unttrgrhmdm Sonne, die Tannenstäbe de» Zaune» von feiner. altersgrauer Rinde bedeckt, glänzt« wie Atla«, die klein» Fenstnscheiben erglüht» in feuriger Lohe. »1 Heilige» «alt.

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