Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 21 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 82 (sequence 4)
- Language
- German
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82 rt ist ein ernster Mann geworden, ganz daS Ebenbild seiner Mutter!" .Geleitet von Ihrer Hand wcrdeu die schönen Anlage«, die fich schon in seinem stnabrnaltrr zeigten, sicher gut entwickelt sein, pnädige Frau. Ein gute« Enkelkind ist in Ihrem Falle da» vermittelnde Baad zwischen Himmel und Erde. Die dort oben bedürfen Ihrer Liebe nicht mehr, sie ist oo» beste Elbe de» Zurückgebliebenen, die natürlichste und berubioeudst« Gabe für Ihr liebenfüllte» Herz/ Die Gräfin dankte schweigend dem Herzenskenner mst rührendem Blicke. Der Diener trat mit hellen WallratSkerzen in silbernen Armleuchtern et«, deckte den Tisch und reichte Thee und Imbiß. .Sie habe» hier noch nicht» genosien, Herr Doctor l Ei. ei, Tomaffek,' sagte die fürsorgliche Hausfrau mit mildem Errste, »Du hast nicht an den Herrn Doc'or gedacht?' »Gnädige Frau,' antwortete dieser ehrfurchtsvoll, »ich war zwei Mal hier, der Herr Doctor schlief i» Lehnstuhle, ich wollte ihn nicht stören.' Er entfernte sich leise wie ei» Schiiten. »Auf leisen Schwingen nahten sich mir die Bilder meine» Leben», sie drängten e» in traumhafter stürze in diese Stunde, wo mich der Zauber dieser Umgebung beherrschte,' sagte Rembrand. »Die» Zimmer ist Ihnen nicht neu,' sagte die Gräfin, »Alle» ist hier, wir e» früher gewesen, aber der Odem, Derjenigen, die diesen Raum belrbre, ist verschwunden!' Sie reichte dem Doctor die Hand, die er theilnehmmd drückte. — Nach einer Pause, in der er überlegte, daß der bewegten Frau ein Ablrnken von dem berührst« Leid nützlich sei, sagte er: »Der Gegensatz de« heute Erlebten ergriff mich hier so mächtig. Ich komme eben von Herrn von stonarSki, der mich zu seiner kranken Frau geholt hat. Dort traf ich Pan Franschischek, von dem ich hörte, daß Sie, gnädige Frau, einen Wagen nach der Stadt geschickt, um mich zu holeu; ich benutzte die Gelegenheit, um mich Ihnen zur Verfügung zu stellen. Welche Zustände in jenrm Hause! Ich bin ganz »utsetzt darüber und wünsche der Dame die beste Gesundheit, um diese Schwelle nie wieder betrete« zu dürfen!' > »Ich kenne e». Leider kann ich Franschischek nicht überzeuge«, daß er diesen Umgang meiden müßte. Sie iverdrn sicher meiner Meinung sein, Herr Doctor, da Sie die Familie kennen gelernt!' ,E» ist für eine» leichtlebigen Man» eine gefährliche stlipve, gnädige Fra«, mir scheint aber, daß er bereit» in unzecreißdaren Netzen gefangen ist.' Frau von Winiawtka schien unangenehm berührt von dieser Angelegenheit und Dr. Rembrand beeilte sich da» Gespräch zu wenden, indem er fragte, ob Henrik» Augenübrl sich gebessert, für da» er nach Esther» Bericht eia Mittel gesardt. „<£» hat gut gewirkt, aber da» Kind ist krank,' erwiderte die Gräfin. »Wir geht es unsrer lieben Esther und den Estern, Herr Doctor?' .Ich fand Fräulein Esther in ihrem ganzen Wesen verändert. Ihre harmlose Heiterkeil ist von einem Ernste verdrängt, der ihr zwar einen neuen, ich möchte sagen, elegischen Reiz verleiht, aber ich fürchte, die Ursache wrrlt körperlich nacht heilig.' »Sie wissen, daß sie Henrik unterrichten wollte', bemerkte die Gräfin, »e» kam aber nur zu einer Stunde; durch da» Leiden de« stinde». Damals fand ich sie vortrefflich gesund an Leib und Seele. Hoffen wir, daß sie sich bald erholt! Wegen Henrik habe ich Sie eben herbemüht, Herr Doctor, kommen Sie mit mir zu dem armm stunden, mir scheint sein Zustand bedenklich, heute früh fieberte er stark, al» ich bei ihm war.' (Fortsetzung folgt). Allerlei für de« Faurilieutisch. Da- Gebet eines Wuuderrabbi. Einen glänzenden Beweis von der wirksamen straft de» Gebete» eine« Wunderrabbi theilt ein Pariser Blatt mtt. Eine» Tage», al» sich eine große Schaar Andächtiger früh Morgen» bei dem Wuuderrabbi zusammenfand, wagte Einer au» dem Haufen, dem Rabbi hartnäckig zu widersprechen. Die» vermochte aber eia Verehrer de» Letzteren nicht zu ertragen; er ließ seinem ZornauSbruche fteien Lauf' und sprach: ,O heiliger Mann! Bestrafe doch diesen frechen Sterblichen, wie r» sein Verbrechen verdient. Na Blick Deiner Augen reicht ja hin, voa der Zimmerdecke einen Balken loSzulüsc», welcher dem Verwegenen die Hirnschale zerschmettern wird.' Doch der Rabbi mit mitleidigem Lächelnentgegntte: »Laßt ihn plaudern; ich billige diesen Zorn, aber e» ist nicht an uns, den Sünder zu bestrafen.' Indem er alSdaun einen gebieterischen Bl'ck nach der Decke warf, al» wenn seine Augen Blitze schleudern wollten, rief er mit mächtiger Stimme: »Bleib an deiner Stelle Balken, und wage e» nicht, herabzustürzen!' Und — der Balken rührte sich nicht. — _ Ter billigste Arzt. Herr Freudenberger, der 90jährige Vorsteher an der deutschen Synagoge zu London, wurde während de» Peffachfrste» krank. Der alle Mann ließ den Arzt zu sich kommen. Dieser ftagte chn: .Was thaten Sie, ehe Sie mich rufen ließen?' Der Grei» antwortete: »Ich betete zu dem allmächtigen Gott, daß er mich heilen möchte.' — Aber warum schickten Sir denn nicht gleich zu mir?' ftagte der Arzt aufgeregt. — »Weit ich dachte, der Allmächtige thut e» billiger, al» Sie.' Jlit* dem Spruchschah des Talmud. Poetisch übertragen von Max Weinbergs .Hochdkult o$nc •nufrnljurta bei Btrftfltrl MttilCil.) Wie viel im Sturm zu Sott gelobt, Wirb Lüge, wenn er auSgetobt I » Dem Baum mit wenig wurzeln, vielen Zweigen Gleicht der, dem Wissen mehr als Tugend eigen. Ein ernster Anprall und er ist zerstoben Wie wenn in WaldeSwipiel Wirbelstürme toben. RAHsel-A«fga1»e«. I. Deutsches Morträthset. Bon 6. in K. WaS Hagar einst der Sarah war, DaS zeigt der Anfang sonnenklar; Wo Joseph einst geweint, geklagt, DaS umgekehrte End« sagt; Da» Ganze findet man al» Stadt Auch immer im Familien-Blatt. II. Deutsches -Logogryph. Boa A. K. in London. Nimmst da» Herz du dem Propheten, Wird al» König er auftreten. Ausiüsmrg der Kitthsrt i« vor. Kr. L Der stich», -ahn, Lahn («igenaame). -ha» (Kürst der Tart»rr»> n. nw (Gewand). OD (Pferd). HL (stora) pn (der Götze Dagon). Beraatwonlicher Redakteur Dr. -lahmer, Magdeburg. Druck von D. L Wolfs, Magdeburg. Verlag voa »loben Kries«, Leipzig.