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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 17 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
17 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches 1889. $erau«gtgtbcn Bott Dr. «. «ahmer ht Magdeburg. -r---- Air Untrtlrdbmg l Ktlthrmfit Mt mmMf-t Familie. «M*- Inhalt . Hertintadel. «ne kujawisch« «rzLbluag auS dem Anfänge unsere« Jahrhundert», von Johanna. — Em arischer Badeort. * — Allerlei für den Famikientisch. Job und Esther, «ladstone'« Urtheil über Franzo». — Die ungeladenen »äst«. — Räthsel. anfgaben und «äthsellSsm^ekl. (llnbefnztrr Rachdruck au» diesem Blatte untersagt.) Herze« Sadel. «ne kujotoische Erzählung an» dem Anfänge unsere« Jahrhundert». Bon Johanna. (Btachüruck »urerjogl.) 1J] (Fortsegung) Esther erwachte später al« gewöhnlich. Ihr war der gestrige Tag ein schöner Tranm. Hattest du e« geahnt, daß auch Er, dessen du deseeligt gedacht, bei seinem Erwachen der verklärten Siegesgöttin. die ihn im Traume geschmückt, gedachtes Und nicht nnr al» solcher! — Er» der Liebling der Damenwelt aristokratischer Pariser Salon», wo man ihn »den kalten Polen" nannte, liebt« zum ersten Male mit dem Feuer der ersten Liede, die ewig scheint und »deren Göttlichkeit flammt wie strahlende Religion zu« Himmel auf." Sie vrrvollkommnete seine Liebe z« dem Glauben seiner Bäter und der Sehnsucht zur Befreiung des geliebten Laterlande». Diese drei Mächte waren jetzt die leitenden Genie« seiner Gegenwart und Zukunft, ihnen wollte er die Entscheidung vertrauend überlaffeu. Arthur verhehlte e» fich nicht, welchen Kämpfen er die Geliebte au»setzte, wenn fie seine Liebe ahnen würde; welchen Widerstand ihr die Religion»degriffe ihrer und seiner strenggläubigen Verwandten bereiten könnten. Eine ernste, geheime Stimme rief ihm zu: »Gedenke deine» Laterlande», bereite dich vor, für da»selbe einzutreten; du sollst und wirst gehen, wenn e» dich ruftl" Diese warnende Stimme mahnte ihn, jeder Gelegenheit au»zuweichen, Esther wiederzuseheo und wo die» unvermeidlich, sein süße», traurige» Geheimniß für immer in fich zu bergen. Die» forderte seine Mannesehre, die Verpflichtung, da» theure Befitzthom seiner Ahnen zur blühenden, nutzbringenden Stätte zu erheben, wo Volksbildung die Bewohner seine» steine» Reiche» zu selbstdrukenden und arbeitsfähigen Menschen veredeln würde, um ein menschenwürdige« Dasein zu erwerben, in Arbeit und Erholung. — Seiner edlen Großmutter wäre der lohnendste Beweis seiner Dankbarkeit und zugleich der erhebendste Wirknugskrei» für ihre menschenfreundlichen Bestrebungen zum Besten ihrer Umgebung. So war sein erstrebeuswerthrr Liebliugsplau. Seinem Vorsätze, Esther» Nähe zu meiden, war ein Zufall günstig. Der kleine Henrik litt an einer Augen» entzüadnng» fie «achte die Unterrichtsstunden unmöglich, wahrscheinlich auf Wochen. Er fand Sammlung in dem rastlosen Eifer für die Wtrthschaft. Esther lebte im reinsten Glücke und wußte und dachte nicht daran, dem fie beherrschende» Gefühle einen Name» zu geben. Sie genoß e«, wie man die Kindheit genießt, ohne zu ftageu. Sie blühte wie eine Rose und liebte Alle» um sich her, mehr al» je. — Siebente» Kapitel. Wochen waren vergangen, als endlich der sa sehnliche Wunsch Esther», van der Gräfin znm Unterrichte Henrik'» gerufen z« werden, fich erfüllte. Die Einladung kam, die Chaise stand vor der Thür und bald grüßte Esther die zärtlich nachblickenden Eitern au» dem dahinrollenden Wagen. Endlich, endlich! rief e« jubelnd in dem frohen Herzen de» Mädchen». — Wie unbeschreiblich schön erschien ihr heute der Weg nach Saruowice. — Die goldigen Aehrea de» fich weithiustreckenden Weizenfeldes nickten ihr freundlich zu; die Vögel schienen zu verstehen, was fie so froh bewegte, was fie sangen» war für sie allein; Wald und Flur hatten heute andere Blüthen und Düfte al» gewöhnlich, — ja e» war ein Festtag der Schöpfung. — Erwartungsvoll, al» harre ihrer eia neur» Glück, blickte fie Himmel und Erde an. Al» fie in Sarnowice ankam, war e» nach bürgerlichen Begriffen Mittagszeit, aber Frau von WiniawSka hatte ihr Cadinet noch nicht verlassen. Ein Diener geleitete Esther in einen kleinen Salon, der nur durch eine Portiöre von persischem Seidenstoff, die eben zurückgeschlagen war, von dem Boudoir der Dame getrennt war. Leise war Esther eingetreten; fie bemerkte die Gräfin in tiefe Andacht versunken auf ihrem Betstuhl knieend. Ihr noch schöne» goldblonde» Haar, »wie wenn die Schaale der Kastanie platzt", floß wie ein Mantel nieder an der von unverwüstlicher Grazie umwebten Gestalt, die in Haltung und Bewegung dem edlen mattoneuhaftea Antlitz gegenüber fast jugrudfrisch erschien. Dir Wallrathkerzen in silbernen Leuchtern warfen ihren milden Schein auf ei» kunstvolle» elfenbeinerne» Kruzifix und die Copie der wunderthätigen Himmelskönigin von Czenstochau, die über dem Betstuhl angebracht war. Da» verdunkelte Zimmer lag da still und geheimnißvoll; man hörte nur die Perlen de» von dem Papste in Rom geweihten Rosenkranzes in den Händen der Betenden auf» einanderfallen nach jedem leise gebeteten Paternoster. Jetzt erhob fich die ftomme Beterin, die feinen Fingerspitzen in einem kunstvoll gearbeitete» Weihnapfe aufeuchtend, einem im fünfzehnten Jahrhundert au» Karniol augefertigten, geweihten Gefäße; fie machte da« Zeichen de« Kreuze« über Stirn und Brust. Esther war in dieser weihevollen Stille von der ihr fremdartigen AndachtSübnug tief ergriffen, die künstlerische Ausschmückung de» Zimmer» erhöhte diese Stimmung. »Man muß eben nicht gerade Katholikin sein, um hier andächtig zu werden", dachte fie. Ring« au den Wänden hingen in herrlicher Umrahmung Raphael'sche Madonnen; da» Abendmahl von Leonardo da Vinci; die Himmelfahrt Jesu; die heilige Cäcilia mit ihrer Harfe in himmlischer Verklärung. Esther war versunken in den Anblick der Sixtinischen Madonna, deren wunderbarer Ausdruck der Augen fie unwiderstehlich fesselte. So hatte fie nicht die hinter ihr stehende Gräfin bemerk, deren leichter Schritt gedämpft war durch den vollen Smyrnateppich, der da« ganze Zimmer bedeckte; fie gönnte Esther di« stille Freude de» reine« Genuffe».

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