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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 14 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
14 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M14. Aüvts««» 188». i^ilt tn-glntf Heraulgegrben oon Br. 9t Lahmer tn Magdeburg. Zsr Illterhittu-1 Kelchmfir dir israelitische La«i1ie. g .) - Di« . Hrr»«n«adrl. «int kvjawtsche «rjählu», au» de» Auf«« unsere» Jahrhundert«. Ban Johann». iff«1sch""--l. . tzlulüll! S»r« der Rajjvth. von L Lohen»«irr» — Lu» de« Sprachschatz de« Talmud. Poetisch übertrazen von Mar Weinberg. v Sirqselausgaden mrd RlthsellSsungea. (ll»des»,trr Nachdruck au« diese« Blatte «»trrsagt.) Herze«sadel. Eine tujawische Lijählung au« dem Anfang« unsere« Jahrhundert» Von Johanna. - (ftufttnut tuttnfagt. *] (Jarrsetzang.) Sie traten in La» Zimmer. Der Flügel stand da, aber dahin mar die holde Sängerin, die hier so manche» Ohr nnd Herz ergötzte. Arthur „ahm dir ans de« Flügel liegende Geig« und spielte, in träumerischer Erinnerung an seine Matter, eine ihrer LirbltngSmelodien. Unwillkürlich sang Esther da» ihr au» jener Zeit bekannte und lieb gebllebcoe 8ied vor sich hi». »Sie haben die Berse behalten, liebe» Fräulein, bitte singe» Sir mit voller Stimme, ich begleite Sie." Und ihre metallrrinr. sympathische, wenngleich uugrschultr Stimme tönte rührend schön, al» sie jene» Lied saug: .Am blauen See, ini Salde«schatten, So Blöckchen biüh'n auf grünen Matten, I« kühlen Kranz von Seldeabänmen Such« still tdaliaa") t« Krühlingsträumea, Trinkt Regentropse» voll seel'ger Sonn«, Badet die Blätter tn Maiensonne. Juli schmückte sie mit rothea Korallen, Röcht' wie di« Rädchen gerne grsallen, Schlang durch die Zweige fie, wie durch Flechten, Spiegelt i« See sich, wie Mädchen möchten, Ihr lange« Haar strichen die Sind«, Aräuselten Lüftchen, schmeichelnd, gelinde. Ho stand sie glücklich im grünen Haine Im Rorgenthau, i« Rondenscheine —* Plötzlich Hörle der Gesang auf, und wie Arthur ihr gegenüberstoud, den Bogen über die Sailen haltend, al» er» «arte er die folgenden Verse, begegneten ftch ihre Blicke so bedeutungsvoll. daß Beide erst nach einigen Minuten Worte fanden. „Warum fingen Sie nicht weiter. Fräulein?" »Ich finde die letzte» Berse nicht, vielleicht später", antworte fie. .Wo bleibt Ihr? klang Großmüttercheu» Stimme «nter dem offenen Fenster, .Kommt, wir warten mit de« Laffee." Arthur bot dem schweigenden Mädchen seinen Arm, al» sie de» ihrige« darauf stützte, fühlt« er lrffra leise« Beben. „Wie reizend Du gesungen hast. Esther, wie lange habe ich diese» Lied nicht gehört", sagte innig die Gräfin. ,4)4 finge t» so gern still vor mich hin", antwortete die Gelobte, .aber mir waren die letzte» Berse eben entfalle«, sie kowrreu schon wieder, wie liebe Gedanken." „Ainn, wein Töchlercheu, sagte Gersou. »ach de« Laffee reise« wir ab." Drwou wollten aber die lieben Gaftfrennbe nicht» hören, sie meinten der weg sei gut und Heller Mondschein, » einer Stund« seien sie zu Hanse. *) Der Berderltzenpmnch. (Hol». Li«d>. „Da fie es wünschen, gnädige Frau, und ich meine» häuslichen Töchtercheu eine Freude gönne, bleibe ich gern bi» z«m Abend. Ich besuche daun noch den Herrn Probst." „Dorthin begleite ich Sie, lieber Gerson", sagte die Gräfin, „kommst dn mit, Esther?" „Wenn Sie e» erlauben, bleibe ich; ich sghne mich, meine Spielplätzchen im Parke wiederzusehen." ..Nun, dann hast du an Herrn Arthur einen guten Führer", sagte Serson, und grüßend trennte sich die Gesellschaft. Fünfte» Lapitel. Al» unsere Freund« bei dem Probste ankamen, stand da» Gtucketenthor, wie immer tn den polnischen Gehöften, gastfrei geöffnet. Ehrwürdrn handelte nach dem ftommeu Spruch: „Der Himmel ist de» Ewigen Himmel, die Erde gab er den Menschenkindern." Da» bemerkte mau au seiner Wirthschaft. welcher er seine ganzen Kräfte widmete, wenn seine geistliche» Pflichten e« gestatteten. Die blökenden, feinwolligen Schafheerdeu, da» glänzende Fell der gut» geuährtea Lühe mit ihren strotzenden Eutera. und die kräftigen Stiere und Pferde, die, vom Felde zurückkrhrend, da» große Gehöfte belebten, fesselten aber nicht den Blick der Ankommenden. Ehrwürden, eine kräftige Gestalt von einigem Embonpoiut, da« trefflich mit dem ruhigen, gutmüthigeu, geröthetea Gesichte harmonirte, stand, umgeben von Knechten uns Mägden, vor einer Jammergestalt, einer Art lebender Bogelscheuche von Lumpen, struppigem Haar, Barte und geringelten Locke« an den pergameutartipeu. eingesunkenen Schläfen. Bedeckten Haupte«, nach alter Sitte, stand der in sich Zusammengesunkene da, scheu um fich blickend, wo Hohn und Verachtung ihn umgaben. Ueberrascht standen Frau von Winiaw»ka und ihr Begleiter neben dem fie grüßenden Hau»hrrrn. „Sie kommen wie gerufen, lieber Gerson, Sie sollen hier Schiedsrichter sein. Dieser Manu", er zeigte auf den Inden, „wohnt seit kurzer Zeit im Dorfe, am Ende weine» Getreidefeldes. I« der Ernte blieben dort einige Garben stehen, die morgen mit den noch verstreuten Lehren abgeholt werden sollten, aber fie waren verschwunden. Nach tagelaugem Nachforscht« erfuvr man. daß dieser Manu der Dieb sei. Er leugnet nicht die That, behauptet aber, kein Dieb zu sein, indem er sich auf da» mosaische Gesetz beruft, wo e» heißt, wie er sagt: „Und wenn ihr erntet die Ernte enre« Laude», so sollst dn nicht ganz aberuten die Ecke deine» Felde». Und die Nachlese deiner Ernte sollst du nicht ablesrn, dem Arme« und de« Fremdling sollst du fie überlassen." Ist e» so!"' fragte der geistliche Herr, der e» nicht liebte, in gelehrte» Schriften uachzuforscheu. ist so", bestätigte Gersou. „Dann sei e» dir diesmal verziehen", sagt« der gut nfittäc Herr, „ober laß e» dir nicht »och einmal einsaüeul «»er Gesetz in solcher Art auSzuübr«. wie dn es die»ma

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