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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 10 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
10 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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.Ml«. Aädtsche. uniltfi-lif// {»*rau«fleft6tn mb Dr. M. »atzmer in Magdeburg. _Z»r Kütttztttns * Kelehr»»- flr die isriMsche Fmülit. cstwftnlö. i?"* htl<uoiöl ErMluBa <m» dr» «asanp Bus«»«» Jahrhundert,, von Johanna. (Kort,.) — «ustav Krcytag . «der Richard «agnrr. — «llerle, für kn Kamiltentisch — Der wahr« »atttSt-wpel. «Lchselanfgaben und «ächselldsungen. (llBdefugter Rachdrnck untersagt.) HerzewSavel. Ein« knjawtsche ßirzühlung «i» de» Anfang« unsere» Jahrhundert». Ban Johanna. - (RMMn« (Kortsetznng.) Schiller« zedankureiche Porste, die Musik seiaer Sprache, tu der Folterkammer de« schlecht«, Geschmack«, de« lächerlichste», übertrieben«, Pathos, de« unschön« Jargon«, welche Ironie! Würbe e« der große Dichter verzeihen, baß trotz alledem Begeisterung für seine Werke wie eine Oriflamme diese in der dampfen Enge »der Gaffe" Heranwachsende Jugend umwehte- Waren doch selbst jüdische gelehrte Männer au« Mangel an Schulen in jener Zeit meisten« Rutodidakteu. Ihre Mußestunden waren dem Wiffen der Neuzeit geweiht. Voltaire«, Herder'«, Lesfiug'« und Schiller'« Werke waren >«icht selten bei ihnen zu finden, waren ihnen sogar vertrant. Manche« Göthe'sche Lied wurde von der Jagend gesungen, ohne den Namen de« Brrsaffrr« zu kenne». Ohne >» »ficht auf Rang und Würden, zurückgedrängt in gesellschaftlicher wie staatlicher Beziehung au« den christlichen Kreisen, strebt« die Juden, ihr Wiffen zu bereichern. Die« war ihnen kein« .mellende Kuh", sondern .dir himmlische Göttin". Mau möchte f'»ge», der Mangel an Schulen erweckte den Eis« zur selbstthätigm >u«bilduug. Nur sehr reiche Leute konnten die fernen, kostspieligen Lehranstalten für ihr« Kinder benutzen. Dir Väter selbst hatten fich neben de« Erwerb ihr Wiffen sehr mühsam (tlXAACtL aRofrt Mendelssohn hatte durch die herrliche Utbersetznug der Psalmen und der fünf Bücher Mose'«, wir durch seüwn .Phädon" einru neuen Geist unter seinen Glanbm«- geuoffeu geaalt. Mae neue Welt war dem Strebsam« erschloss«. Ln« dem einseitig« Studium de« Talmud war der Weg zrbahut zu« neuen Wisse»; Lausend« benutzten thu mnthig und «tschloff«, oft mißverstand« und Schtet von d« t« alt« Leb« Beharr«d«. «lei Beztel»u»g zu dem erwach«d« Frühling in Geiste«»elt halt«. Wie die im sollst« Glanze strahl«d« Sonne Meer beleuchtet uud auch dm kl einst« Thantropfcn >n Grashalm, so wirkte Schiller» Geist, nicht unr ans die große freie Welt draußen, fand«» er drang auch in di« «gen Judengaff« fcff kleinsten Städte, durch jen« unwiderstehlich« Zauber seine« Geiste« Licht uud Leb« verbreitend. Uugrwdhriltch begabte Mäuuer, aus de» Fundamente talumdtsch« Wiffen» erstarkt, begründet« tu dieser neu« Scm der uachkrmmenden Geueratiou die Ehreuftelluag, »elch« d« heutig« Jude» vou allen Gerecht« uud Hochgeblldet« gegduM wird: oämlich mitznarbeit« n d« allgemein«, groß« Bestrrtung» der »«« Zeit. In unsere» Städtch« schlaff« fich Mäuuer dieser Art >» etuauder: stier,o«. Valentin, auch Minderbegabte, und Dr. R embran», lq terer ei» Mau«, welcher mit uurrfchütterltche» Muthe «»» d« Qual« der »rmnl, trotz aller Entbehrung, seine ärtzlltch» Studi« glchqeud «bsoloiert uud fich et« ehrend« di« der da« am Stellung al« praktischer Arzt erworben hatte. Namentlich warm Gersvu und Valentin durch nahe Nachbar» und Verwandtschaft befreundet uud da« Leben dieser Familie war ein sehr innige«. Gerso» bildete seine Tochter. Valentin seinen Sohn nach bestem Wissen und Können. Sie warm e« gewöhnt von ihren Vätern her, die beschränkter im Wiffen al« fie, trotz mühseliger Arbeit sür da« tägliche Brod Zeit fand«, jed« Sonnabend die Kinder in dem zu examiniren. wa« fie die Woche hindurch in der Schule gelernt. So war« L«o und Esther von Jugend auf gut« Spielkameraden, später gute Freunde geworden, und die Eltern sprach« von den beiden nun herangewachsenen Kinde« wie von einem zusammengehörigen Paare. Sie selber aber gingen freundlich und unbewußt neben einander her. Esther ruhig «ad immer gütig gegen Lrno, er, oft unruhig und unsicher, nur über da« Eine klar, daß kein Mädch« in der Welt ihm so lieb sein könnte wie Esther. M fühlte ihre geistige Ueberlegeuheit ihm gegenüber. Ihre natürliche Begabung war viel bedeu» tender, al« ihre Losbildung, da e« keine Mädchenschule gab. Vesser gestellte Familie» hielten Hauslehrer für ihre Söhne, wo die Schweste« die Brofam«, dir von dm Tischen ihrer Brüder fielen, sammelt«. Diesen vorthell rbm hatte Esther nicht, da fie keine Brüder hatte. Ihr natürlicher Sinn für alle« Gute, Edle und Schöne entwickelte fich in den einfach« häuslichen verhältuiffen der Familie, unter dem fromm« Streben und Leben ihrer Mutter und de« tiefdenkeaden, begabt« Vater« gelegentlicher Belehrung. Der gute Geist do« Hanse«, der unsichtbar alle« durchwehte wa« zu ihm gehörte, hüllte sie in eine Wolke von Unschuld und Reinheit. Kein Wunder, wenn in einem so tiefen Fraueugemüthe die ahnende Seele die Dolmetscherin der erhab«en Gedanken war, die Esther, seitdem fie Schiller« Drama gelesen, beschäftigt« und zum Nachdmk« aureizt«. Esther war der Interpretation Schiller« entfloh«, und hatte eben die Pforte, die nach dem Getteidefelde führte, geöffnet, al« I«o an« der Thür de« Nachbarhause« trat. Sie eilte ihm entgegm and erzählte ihm lachmd, wie fie edm vögele« Deklamation entronu«: .Und nun habe Dank, Du Guter", rief fie, .für die schön« Geschenke, womit Du «ich so sehr überrascht. Wie kamst Du darauf, «tr ein Bild zu schenk«?" Arno erröthete leicht uud wollte leugu«, er »iffe nicht« davon, »einte er. .Aber Du bist'« doch! Du verstehft zu lüg«, daß Gott erbarm' , Wer wird so roch »erd« bet einer Uuwahr» hett? Da« verräth ja alle«!" Nach viele« Neck« uud Scherz« gestand er «dlich schüchtern, er Hab« eine groß« Letzalichkrit mtt Esther tu dem Gesichte uud der Haltung der BLnrtu gesund«, drsouder» habe th» der fromme Blick ihre« Luge« an Esther gemahnt, darum konnte er fich nicht davon treu»«, sie könne uu» selbst sehest, warum sie chm gefalle. »Sie galmtt", sagte fie lächelub, war aber stutzig, tl» fie sei» craftM, fast trübe« Lächeln sah. Er hatte s, kühl« Autwort uicht gewünscht, »och erwartet.

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