Jüdisches Familienblatt
- Journal
- Jüdisches Familienblatt
- Volume
- 1889
- Issue
- 9 (1889)
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
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.MB. Aüdlsche« 188S. L^KUlkll-K/-// HtrauHgegtben von Dr. M. Natzmer bi Magdebnex. . -ijsra- |n AMntztldm, i. Ktithnil, fit Mt ittatläischt Jrailit. -<=#- «nientabtL «int kujawischt Erzählung au« bem «nsangt unsert« Älhrhnndtrts. von Johanna. (fioris) — Raffenm>,chung ^nnfllt* * —b im htniigtn Jndtnihum. Bon Moritz «lobtrg. (Schluß.) — «tirt ,udücht Eharakierzagt. — * DBtiifdaafgabrn rat «ächstllösnn^n. l> (UnbetMtrr «achtzr»ck nümaaL) Herze»Sadel. Eint kujawischt Erzählung an» dtm Ansangt unstrt« Jahrhnndtri». von Johanna. - lNtchSNI« MURf«(M (Fortsetzung.) „Qa einen polnischen Dorfe" — erzählte Gerson — »halte ein Jude den herrschaftlichen strng gepachtet. Er stand mit dem Gntsbefitzer auf gntem Fuhr; du weiß», jeder polnische Gutsherr braucht immer einen jüdischen Factor und Mt«-uar Moses auch. Er war ein ehrlicher, aber durchtriebner Serk. Er besorgte für den Herrn Geld wenn es nöthig war; d»r Gräfin Spitzen, Blumen und Stickmuster; für Unecht und Magd was fie ihm anstrugen; kurz, er war für Alle ein kluger, guter, gefälliger Mann. Einmal schickte ihn der Graf in seinen Geschäften weit fort. Er gab ihm Reisegeld und Anweisungen, wie er fich bei dem Geschiffte zu verhalten habe und bei dem Abschiede sagte er: »Moscheh, du weißt, icksammle alterthümliche Sachen, triffst dn etwas, daun bringe es mit." Moscheh »achte seinen „Padam do uüg" und verließ in freundlicher Unterwürfigkeit seinen Herrn. Rach einigen Wochen kehrte er zurück, ließ fich nur so viel Zeit, fich uwzukleiden, nm anständig vor seinen Herrn treten zn können und ihm Nachricht über das Geschäft zu bringen. Es war große Gesellschaft im Schlöffe, man war bei Tische. Dennoch meldete der Diener M oscheh an, da es der Graf ein» für allemal so angeordnet hatte. Er wünschte zn wiffen, wie sein Auftrag ansgefühit sei, entfernte fich von der Tafel und als er von dem Berichte Moscheh'« befriedigt war, fragte er diesen: »Nun, hast du mir etwas Schönes mitgebracht'?" »Ich hoffe, es wird dem gnädigen Herrn gefallen", sagte er, fich tief verneigend. »Ich habe etwas mitgebracht, was nicht auf Erden war, noch sein wird — das kann ich beschwören." »Na, ne, Moscheh, du prahlst! Aber ich will deine Rarität auch meinen Gästen zeigen, die Damen und Herren sollen fich mit mir freuen, komm' mit!" Moscheh folgte de« Grafen in den Speisesaal, wo die Gesellschaft in fröhlichster Stimmung den allbekannten Inden laut grüßend empfing. Der Graf packte da« geheinuüßvolle Geschenk an« dem mit fremden Zeichen bedeckten stiftchm, worm ein andere« lag, mit schwarzem Sammet bezogen, mit goldenen, un- »erständlichen Zeichen bedeckt, darin lagen auf Goldgrund ein Pa«r stu-hörner. Man staunte dieses sonderbare Geschenk an, Llihhörner lagen hanfenweis auf den Landgütern der Herren »«her. Man blickte bestemdet bald den Geber,' bald die Gate an. »Was find diese Hörner?" stagte der Graf endlich. »Das soll nicht ans Erden zn finden sein? Und was waren die Hörner, die dn neulich von «st gekauft, Moscheh?" »Gnädb^r Herr, es ist ein Unterschied da. Diese Hörner find bei einer Ansgrabnng in Aegypten gesunden worden und die Gelehrten Huben erklärt, dies find Hörner von einer der Kühe des Pharao." Du kannst dir denken, lieber Joseph, wie die Gäste die Hörner bewunderten, und mit welcher Freude der Graf dem Moscheh dankte. Alle« rief »Äivat", er mußte mit den Herrn sein Glas Wein anstoßen, und die Damm konntm nicht genug hörm von dm stunstgriffm, die er benutzt hatte, um dm Eigmthümer dieser Hörner zu dem Entschluß zu bringen, fie ihm zu verkaufen. Endlich wurde er mtlaffen, ersttut. dm Grafen zuftiedengestellt zu habm. Lachend verlstß er da« Schloß, den Herrschaften oben einen billigen Spaß bereitet zu haben. »Was dachte er dabei, p»ein Junge?" fragte Gerson. Alle waren der Erzählung aufmerksam gefolgt, aber Niemand wußte oder wollte dst Lösung kennen. Dr *nabe staute fich in den Haarm, biß die Lippm zusammen, man sah. er strengte sein Gehirn an, aber vergebens. »Laß Josef hmte rühm, lieber Mann", bat Sarah, »sein Master"), dm er morgen zu sagm hat, liegt ihm i« stopfe." »Nun gut, so geh', es ist schon spät; sage mir morgen Antwort." »Es ist wirklich schon spät", sagtm die Anwesendm, fich von ihrm Sitzm erhebend. »Wir werden sehm, was dn für ein Junge bist, Josef; überlege dir das Räthsel gut", sagte man scherzend. Bald war da« Zimmer leer. Amo. der einzige Sohn Onkel Valentin«, war der letzte, der sich entfernte. Er überreichte Esther ein Buch und als fie eilig dm Titel las» blickte sie mit einem Ausdmck iunigm Dankes auf dm erstmtm Geber, der mtzückt das reizvolle Gestcht der Holdselig« betrachtete. Er ging und fie eilte mit seinem Geschenk in ihr Zimmer. Gem hätte fie den Nachtschlaf geopstrt, um in dem Buche zu lesm, aber die christliche Magd hatte schon die Lichter >m Hanse ausgelvscht und Esther konnte fie nicht wieder anzündm, dem Gesetze des Sadbaths folgend. »stadale und Liebe von Frstdrich von Schiller", sprach fie träumerisch uud drückte da« so lang ersehnte Werk an ihr hochklopfende« Herz. Sie legte da» Buch also nngestsm nebm fich und zwang fich, einzuschlafen; — ihre gesunde Natur stat bald in ihre Rechte. Als die Morgensonne durch den herzförmig« Einschnitt der Fensterlädm drang, erwachte «scher stöhlich wie ein stind, da« der gestrigm Freude gedmket, dst es heute erst ganz gmstßm wollte. Schnell war fie angekstidet und ungeduldig warf fie die Fmsterlädm zurück. Aber wie fest gebannt stand fie da, als sie fich umwandte: ein Bild hing an der Wand, das wie durch Zander dorthin gekommen war. E« stellte eine stirchhofsscme dar, wo eine junge Bäuerin in deutscher Nationaltracht an eine« mit einem einfachen 'von frischen Feldblnmm geschmücktm hölzerum strenze Mete, nebm fich zwei Milchkannen, andenstnd, daß *) Ein Vortrag an» de» Propheten.