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Jüdisches Familienblatt · 1889-01-01 · 4 (1889) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Familienblatt
Volume
1889
Issue
4 (1889)
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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M 4. Jüdischer 1889. L^Alllkv-Fie// H«ra»»aegebe» von Dr. M. Mich«er In Magdeburg. •«N^ jor JrttthM«-l Selehraas flr die israelttifche jaailie. Znhalt Der llka«. Bon Leon Lewanda, übersetzt von Levtn-Saaan. (Fortsetzung.) — Jüdisch: Laurgi« und synagogale Musik. — LI» ' »atsenoaft. Bon «,bb!»rr t>\ Nlvpnec-Lloqnu. — Viertel für den Familientisch. — Au» de« Sprachschatz de« Talmud. * Poetisch übertragen von Max vtlaberg. — Büthselaufgaden und Rüchsellösungen. tUnbrsntzter «achdrnck untersag».) *) Der tu«». Bon Leon Lewanda, übersetzt von V. Levln-Tagan. - (Nachdruck unlttlajt. (Fortsetzung.) Ätfcnfttu Haupte» anb tief seufzend stiegen die Deputirten die Treppe de» Gouvernemeotsgebäude« Himmler. Hier begegnetrn fie dem Polizeimeister, einem Armeemajor, der au« unbekunotm Gründen es für gut befaad, sich über die armen Juden lustig zu machen, mit welcheu er ja sonst auf sehr, sehr freundschaftlichem Fuße lebte, da fie nie vergaßen, »au» sein Namenstag »ar. der Namenstag seiner Frau sowie irde« einzelne» von seinem Halbduzend Linder» und sogar ('der Nanirnstag der Litular-Räthiu Przepeudzemskoi, seiner Geliebte». »Nun, »eine Herren itaufleute", sagte er, fich vor Lachen ausschüttend, so daß die Majorsepauletteu auf seinen Weiten Schultern tanzten, »Mit den »Pries" ist'» varbai, hahahal Und da« .Streimele"* *) und der »Lolpak" *), ai »ai, Zores grauße"), hahahal Die Sonn' tief, der Gchabbe» ual,. und in Schul' nicht gah. Boruch att», Mamo, Tatol so heißt es ja »ohl, ihr Herren Laufleute?- schloß der Polizeimeifter und ging hinauf zu« Gouverneur, mn zu rappirtiren, daß in der Stadt Alles iu Ordnnng sei. Die »Herreu Laufleute" antworteten nichts; fie schluckten den Hohn de» ArmeemajorS hinunter mit jener stoischen Gleichgültigkeit, mit welcher Lräukuugen, die ihnen verdient »der unvrrdicnt von Berufenen oder Unbernfrne» zugrfügt werden, stillschweigend hiuuuterzuschlucke» die Jude» llingfi gewöhnt find. — Auf der Straß« harrte ihrer eine ernstere Unanaehmltchkeil: die Begegnuug mit ihren Glaubensgenoffe», die fie mit der Nachricht betrüben mußten, daß die Deputation keinen Erfolg gehabt habe. »So ist also keine Hoffnung mehr vorhanden?' jammerte die Miaskcr Nrmeiodr, als fie die Berichte der Deputirten augehört hat«:. »Der Gouverneur hat uns kurzer Hand abgewicsen", antwortetrn die Letzteren. »War es garuicht möglich, ihn zu erweichen?" frag Jemand aus der Menge. »Würest Du doch hingegaugeu, chu zu erweichen", erwiderte einer von der Deputation. »Wahrscheinlich hatten fie ihre Zungen zu Hau» vergessen", sagte wieder Jemand. »verstummet. Unverschämte!" fuhr Arke Bugai die Menge au. »Wie, schämt ihr euch nicht, die G'wireu zn schmähen für nichts und wieder nichts! Wir setzen uu« allerhand Uuauuehmltchkeite» und Gefahren aus und dafür dankt ihr «ns also? Sehr schöul" Die Menge sah ihr Unrecht ein und hörte auf, Glossen und Borwürfe laut »erdea zu lassen. »Jndeß mir scheint, daß noch nicht Alles verloren ist", sagte Arke Bugai, sich an die Deputirten wendend. »Die Sach« läßt fich noch gut machen." Die Deputirten sahen ihn fragend au. »Aus den Torten de« Gouverneur« habe ich verstanden", fuhr er fort, »daß die Regierung noch selbst unschlüssig ist; denn im entgegengesetzten Falle, wozu hätte der Gouverneur es nöthig gehabt, mit uns so freundlich zu sprechen, uns zu überzeugen, uns alles auseinauderzusetzen? Er hätte ja kurz und bündig sagen können: So sei e» — nud Basta! Ist er doch Gouverneur!" Biele fanden, daß Bugai Recht habe. »Was wäre nun zu thun?" fragen fie ihn. »Nach Petersburg reisen und bei den höheren Behörden fich bemühen", antwortete Bugai. Manche wollten fich schon an diese» Projekt klammern, wie der Ertrinkende an den Scrohhalm, allein der Rabbiner war anderer Meinung. »Rabboßail" sagte er. »alle Mühe ist jetzt vergebens; fie wird nicht» nützen. Der Uka» ist vom Saiser unterschrieben, folglich werden keine Anstrengungen helfen. E« hieße Zeit und Geld umsonst vergeuden. Und daß der Gouverneur mit uns freundlich war, kam daher, weil es ihm so gepaßt hat; möglicherweise ist es ihm so vorgeschrieben — wer kann s wissen die kaiserliche Weisheit ist uns unbegreiflich. Gott sendet eine neue Versuchung Äer uns — was ist zu thun? Laßt fie uns tragen, wie es wahrhafte« Jude» geziemet: demuthsvoll, ergeben, die Hand segnend, die uns straft um unserer Sünden willen. Zudem verletzt der neue Mas nicht jene Gruudgebote unserer Religio«, bei denen es heißt, daß man fich lieber tödten lassen, fie aber nicht übertreteu solle. Um anftr jüdisches Lostüme ist es allerdiug» schade, allein man kann auch Jude sein in einer andern Tracht. Darum müssen wir zu Gott beteu, daß er unser Herz stärke, damit wir mit der Tracht nicht auch Das adlegen, was uns zu Juden macht. Zu diesem Zwecke gedenke ich unter Zustimmung der Rabbiner und des »Beth- Dtn"") einen »Taanis" •*) aazusetzen. Morgen wollen wir darüber Nachdenken." Alle hörten diese Worte de« Rabbiner» staunend an, und obwohl nicht Alle seine Anfickit thrilteu, wagte es dennoch Niemand zu widersprechen, da Reb Jisrol fich in der ganzen Stadt einer großen Autorität erfreute, sowohl seines tiefen Wissens als euch seiues frommen Wandels und seines geraden Eharakter« wegen. Nur Einer, Reb Leiser, der Maggib, erlaubte fich vielsagend mit den Achseln zu zucken, als wollte er an deuten daß mit Red Jisrol etwas nicht gauz in der Ordnung: — — ob er am Ende nicht gar von der Freigeifterei angesteckt ist? Allein da Niemand dieses beredte Achselzucken Reb Leiser« bemerkt hatte, so gingen Alle ruhig nach Hause, ohne den mindesten Schatten •) Äwi -) Groß litten schirmt oser Pelzmützen, ohei» Lei». •) «abbinische« «erichr —) Fasttag.

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