Mannheim
Compact Memory

Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 46. · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 46.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
88% known words query
IRI
…/5369809-5935066-5956618--7357-5373382
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

Berli«. Bei der Nepräsentanten-EraLnzung»wahl «m 38. So» «emfet sind 10 KcprSfcatanten und sämmtliche (U) Stellvertreter neu |ii wR^en. Au» Halberftabt. 8. November, wird nn» berichtet: Gestern wurden st, der Untersekunda de» hiesig« Domgyrnnasinrn» anttsernitffche Klug, blitter verttzeilt. Zieht »an in Betracht, daß jene Schriften von eine« Sohne eine» daftlbft aagestelltm Gymnasiallehrer« unter den Schülern verbreitet wurden, s« ist diese« Vorkmnmntß desto stärker »u verurtheilen. Leipzig. Der hiesige .Verein deutscher Studenten", hat bei der am Sonntag vollzogen« Voistand»wahl zur akademi schen Lesehalle, in welcher er Jahre lang die Herrschaft geführt hatte, eine Niederlage erlitet». Na<b einer kurzen Eiklärung, ein Gegner der Tendenzen diese« antisemit. Verein» zu sein, 'wurde Herr stad. Jar. CI au« mit 86 Stimmen zum ersten, der gleichgesinnte Herr oand. rnoä. Richter «it 66 Stimmen zum zweiten »ersitzenden gewühlt, während der Vorsitzende de» Verein« deutscher Studenten Herr stad. iar. «ogge mit 60 Stimmen durchfiel. Da unter der Leitung diese« Verein« ml glichst viele konservative und antisemitische Zeitungen angeschafft, mißliebige Zeitungen abgelehnt vnd abgeschafft worden waren, so richteten sich die«mal die zur Tn nähme gelangten Anträge in der Hauptsache auf die Anschoffung unabhängiger Blätter. Wriezem. Herrn Hofprediger Stöcker hat der hies. Gemeinde» kirchenrath die Et. Marienkirche zur Predigt aelegentlich eine« Stadt» mission«feste« versagt und die Berliner vtadtmission gebeten, einen andern Festredner zu senden, da der Gemeindekirchenrath da» Auf» treten de« Herrn Stöcker al« Redner nicht für wünschen-werth hält. Hall (Württemberg), 6. November. Am Montag wurde hier der Recht»anwalt Eduard Hirsch mann zu Grabe getragen. Ein Schlaganfall, der ihn acht Tage zuvor betroffen, hatte seinem Leb« am 3..d». ein Ende bereitet. Die große Leichenbegleituna zeugte von der alloe» mein« Beliebtheit de« Heimgegangenen. Die Grabrede de« i«rael. Tnllußbeamlen Hänle und der von Herrn Professor Dr. Ludwig irn Aufträge der Deutsch« Partei dargebrachte Nachruf schilderten d« zu früh »erstorben« al» M«sch, Familienvater, Bürger, Freund und auf» richtig«, selbstlos« Patriot, wie er die Achtung und Verehrung auch seiner politischen Gegner sich erwarb. Geboren in Crailsheim am 14. Januar 1837, besuchte er die dortige Lateinschule und wurde al» fähiger, fleißiger Schüler für d« Volkllehrerberus bestimmt. Nachdem er da» A. Schullehrer-Seminar ln Eßlingen durchlauf«, wurde er im amtlich« Schuldienste verwendet, und al» Ochulamt»verweser in vankheim bei Tübingen erstand er die Matnrita« und studierte die Recht»wiffenschast an der Universität. Rach erstanden« Staavprüsungen ließ er Ach 186! al» Recht»anwalt in seiner Vaterstadt Crailöhetm nieder. Die neue Gerichtsverfassung veranlaßte ihn, 18/8 sein« Wohnsitz hierher an d« Sitz de« Landgericht» zu verleg«. In Crailsheim wie hier wirb der Verlust diese» zu früh Hingegang« m all« -reisen schwer bedauert. Motz. Irn hiesigen jüdischen Hospital befindet sich eine Frau die 108 Jahre eilt ist. Dieselbe hat sich 1816 im Alter von 34 Jahren verheirat he t. Gtvakorrltz. (Böhmen.) Der hiesige Tempel ist in der Nacht von Freitag ans Samstag von unbekannt« Einbrechern fürchterlich verwüstet worb«. Die Bänke sin» zerschlagen, die F«per her kümmert die Paramente mit Anlnahme der wer'hvoll«, die gestohlen wurden, ata und zerbrach«. Eine GerlchSeommission hat an Ort und d« Thalbestand ausgenommen. Der Tempel wird v»n der Gendarmerie bewacht. f Gelegentlich der Aulstellung wurde eine ganje Reihe it« aulgezeichnet u. A. Der niederländische Maler J»raöl» »ldene Medaille für seinOelgernälde), ferner die Maler BlochlKrankreich), i.Schwartze (Rußland), Alkenafi (Raffe), Blum (Amerika); in der Seniplur: Samuel (Belgien), Ketzbnrger (Frankreich), Günzbonrg (Russe). Erziehung: Da« Institut Bischoff»heim in Part». Gari«. Der Minister de« öffentlichen Unterrichte» betraut Herrn Galom»n rnft der wissenschaftlich«Mission, die juristisch« Einrichtung« ^iMmj», chinesisch Indien», Cochinchiua'«, Japan» und Sibirien» zu chbart». Die neue Kammer hat fünf J»raelit« al« Abge» ordnete: Bisch osf»heim, Raynal, Camillo Dreifu», I. Rein ach und Alfred Nagnett. — Gelegentlich der Au»stellung hat unser Glaub«»gmoffe Ofiri» Jsfla 100,00» Krane» der genialst« Schöpfung de» »«schlich« Geiste», welche in der Abstellung hervorragt, znerrannt. Dari», Wie in Preußen in den Gotteshäusern Jlrael» die Namen derstnig« Krieger iüd. Glauben» verewigt werden, welche den Heldentod ftlr König und Vaterland (Kaffer und Reich) starben, so ist in der hiesig« Synagoge in der Vussanltstraße eine Gedächtnigtafel für diejenigen Mitglieder der Nationalversammlung angebracht worden, welche wie Mirab«u, Moleshetbe«, Gregoire u. a. rn. am 28. Januar 17V0 für die Gleichstellung der Inden etngetret« sind. Dn»i«. Die hiesigen Allianzschulen lenk« die Aufmerffamkeit der öffentlichen Meinung auf sich. Die Knabenschule zählt mehr al» 1300 Schüler, die in 21 ©affen unterrichtet werden. Mehr al» 800 Kinder gehören d« ärmer« ©aff« an, dieselben erhalt« Kleidung, Nahrung und Schulbücher umsonst. Die Mädchenschule zählt 600 DGRIrnkNen. Nizza. Der Drpntirte Bischosstheim »er hier rerwählt und eine Stern« warte hier erbauen ließ, hat der jüdischen Gemeinde lO-OOOft geschenkt, um die an» dem Stznag»z«bau herrührende Schuld zu minder». Laudon. Der »«ernannte Lordmayor Hery Aron Isaak», war e« hauptsächlich, der zur Zett e» bewerkstelligt hatte, da» Stöcker d« Saal in «ustdhall für seine Vorträge nicht erhalt« hat. Er ist mutter» licherseit» mit Disraeli verwandt. Odessa. 8. vrtob:r. Heute wurde hier da» Grabdenkmal de» sel. Herrn Rabbiner Dr. Schwabacher unter großer Theilnahrne der Gemeinde und der Stadt unter Gesang und Red«kten feierlichst enthüllt. Ja der Festrede de» Herrn Banquier Chaje» wurde hervor^» hob«, daß der Verewigte durch Merke der Humanität und Bildung nicht nur um die hiesige Gemeinde, sondern auch um da» Judenthnm Rußland» in hervorragendem Maaße sich verdient gemocht halte. Leider muß die Gemeinde erst durch den Verlust diese» au»gezechnet« »eist, lich-n an die Bed«tung desselben er nnert werden, wäre der Verklärte beim Leb« so verstanden Word«, wie nach dem Ableben, sein Loo« wäre ein glücklichere« gewes«. Odessa. Der Erzbischof Nicanor, da» geistliche Oberhaupt de» DiScestn Odessa und Cherson, hat sich jüngst über den Vildnng«grad der Russisch« Polizei sehr off« au»gesprochen. Indem er aus die Einwohner seine« ei »men «iftrict» zu sprechen kam, Snßerte er ganz frei, müthig, daß die Ruff« »« Jud« und D«ffch« in der ClvUffation und Eultur wett nachständen. In den Dörfern sieht man die Jud« nn» D«ffch« proSperir«, während strebsame Ruff« « »« An»nohm« gehör«. Die Jud« und Deuffch« sieht man Überdie« nie betrnnk«, währ«d die» bei den Russen sehr oft der Fall sei. Nach Erzbischof Nicanor sind die Inden, welche von »« Russen mit solcher «rausamkett au» ihrer Heimach vertrieb« werden, da» einzige anständige Volk im Lande. Aid». Hier starb 118 Jahre alt Hr. R. Feiuleib. Der Drei» war bi« zur letzt« Leb«»stunde ftisch an Leib und Geist. Wilna« Hr. A- Kopernik und Frau Hab« zur Feier Ihrer goldenen Hochzeit eine DarlehenSftiftung für Unbemittelte gemacht, d«m e» frei steht, ob und wann und wie sie zurück bezahl« woll«. Gophta, 24. Septtmber. Herr Lande«rabbi»er Dr. Dankowitz ist, gegenwärtig mit der AatarbeMurg eine» einheitlich« Statut» für die Gemeind« Bulgari«« beschäftigt. Die Kränklichkeit desselb« hindert ihn nicht, durch persönliche Intervention zur Herstellung de» Fried«» in den Gemeind« thättg zu sein. Gaiba (Algier). Die hiesige jüdische Gemeinde beabsichtigt, ihr« Friedhof mit einer Mauer zu umgeb«, um so die Gräber vor Entweihung pr schütz«. Zu der hierzu erforderlichen Gnmm« von 10000 Krane» hat unser Stadtrath 3000 Franc« votirt. Gultn»» (Russffch.Pol«), 26 vetober. Unsere kleine Stadt war in Gefahr, der Schauplatz einer Tißa-Eßlar-Affaire zu werden. Ein junger Converttt hätte, wie .Hameliz' (Rr. 207) schreibt, die jüdische Gemeinde deauneirt, sie hätte auf ihrem Begräbnißplatze ein Opfer .rituell« Morde»", ein vor drei Jahr« »erschwund«e» Christenmädch«, im Geheimen beerdigt. E« sollte de» Grab differ zu .heilig« Zweck«" umgebrecht« Christin die jüdisch« Gräber vor Verderb« schütz«. Ein Glück war, daß sich bei amtlicher Untersuchung die Boden» losigkett de» Adergleuden» und die Niedertracht der Erfindung ergeb« heckte. Die ganze Stadt war in Aufregung- Melbowrne. Sir Benjamin Benjamin emvsin» durch b« Stadtseerrtär die erste Nachricht von seiner Erhebung in den Nitterstan», währen» er in der Synagoge am G,tt«»di«ste theilnahm. Bei ein« Sitzung de» Geadtraihe» wurde folgende Resolutioa einstimmig aago» nomm«: .Der Stadtradch gratnlirt herzlich dem hochehrwürdig« Major, Aldernmnn Sir B«j. B«jamin zu der hob« Ehre feiner Erhebung in d« Ritttrsiand, durch welche Ihre Majestät die Königin alemnädigst geruhte, ihn audzuzetchn« und erkennt in derselben zugleich die hohe Ehre, welche Ihrer Majestät getreue Stad» Melbourne hierdurch zu »heil wurde." (Am. J»r.) Ga» Sebasto. Hier starb im hoh« Alter, Herr Ernst Levi, welcher da» Seschäft»hau» Jsaae Leon in Bavonne repräienttrt; zur Zett Napoleon» III. verließ derselbe al» eifriger Republikaner Frankreich und ließ sich in Spanien und Sebasto nieder. Er war Mitglied und später Bieeprästdent de» Handelitkammen» Consul zu Venezuela und war mtt viel« Orden deeorirt. Die hiesigen Zeitung« ,,El Guipez eoano" und .La Union Liberal" von 28. bi» 30. Septsind einstimmig über d« empfindlich« Verlust, d« dess« Tod hervorbringt, erwähn« leine bah« Verdienste, und wie der Verstorbene ungeachtet seiner religiös« Abstammung sich dennoch die Sympathien der Bevölkerung erworben. Gleveland. (Ohio.) Wir Hab« leider d« Tod de« Her« Dr. Adolph Friedmann, Jnspeetor» de» Montefiore-Asyl», zu melden. Derselbe starb am 20. September in Alter von 88 Jahren. Sei» Leben war ein nnnnterbroch«e» Wirk« der Liebe und Barmheuigkeit. Da» Studium der Thora und die Bethestianng am Iffentlich« Gotte»- di«ste gehört« außerdem zu sein« liebst« Beschäftigung«. An seinem Grobe wein« eine Gattin und vier Kinder, welche hoffenlich der „Kescher-Orden" der Sorgen um die Existenz «theb« wird. Rev. Dr. Hahn gab dem allgemein« Schmerze um den groß« Verlust in sein« Srabrme beredt« Au«»rack.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.