Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- 20. Jahrgang Nᵒ 45.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 79% known words query
- IRI
…/5369809-5935066-5956616--7348-5373374- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Istanbul 1× ep/1044827
- Riga 1× ep/1000826
- Seesen 1× ep/1048106
OCR text
«Mtzütitzkeit« grgr» Me 3«bm daselbst, vtr entn^aun etaoR Privakbrief au» Bag dal» folgmde Schilderung: Hll« wir bei» Erlösche« der Cholera, »Ache «u» zur Flucht iu die Uuigebuaa aeuöthiat hatte, «ach Bagdad zurückkehrteu, ft«b unser Rabbiner SßdalS»«ekh. Da G «» verwehrt ist, unsere Lodte« auf de» geioühnldhe« Leiche^elde zu oe* arabeo, erboten wir uns vom Gouverneur Mustapha Azim Mascha die Erlaubaiß, den Berstorbenea in eine« nahe am rechten Ufer de» Tigrt» gelegene« jüdische» Wallfahrtsorte beerdigen zu dürfe«. Diese Lrlaubnitz wurde na» gewährt. Al» wir aber die Bestattung der Leiche vornehmen wollten, erschien der Vorstand einer der Grabstätte naheliegenden »ahomedallischen Gemeinde mit seinen Leuten, die mit den Schwerter» auf uu» eindrangen, um die Beerdigung zu verhindern. Jene Gemeinde behauptete nämlich, daß ans diesem Wallfahrttzorte ein muselmanischer Heiliger begraben liege, während wir seit Jahren hier da» Lhrengrab eine» jüdischen Propheten pflegen. .Wir wehrt« un«, und trotzdem einige von unser« Leuten verwundet wurden, gelang e» un» doch, die Angreifer in die Flucht zu schlag« und unser« Todtm zu begrabe». Am nächst« Morgen führten wir beim Gou- Mnteat Beschwerde über die gegm un» angew«dete Gewalt. Der Gemeindevorsteher jedoch, der dieselbe a««geübt hatte, beschuldigte un», daß wir seine L«1e angegriffm hätten. Auf da» hin nahm der Pascha die Rabbiner und Borsteher der jüdisch« Gemeinde gefangen, ließ sie in ein Gefängnis, werf«, und sendete auch die Reiterei in die Straß« der Jud«. Unsere Glaubenrgmofs«, die sich auf der Straße befand«, wurd« von d« Reitern arg zugerichtet, ein Ttzäl von ihn« auch an die Schweife der Pferde gebundm und geschleift. Die Mahomedaner der Stadt erregten ein« Aufstand, drang« in unsere Häuser und plündert« und raubten. Ungefähr siebzig unserer angeseh«stm Glaubentzgrnoffni wmdet« sich nun telegraphisch nach Konstantinopel um Abhilfe. Al« der Gouverneur, der die Depesch« auffing, hiervon ve«ahm, ließ er auch diese in» Gefängniß werfen." L« gelang nun aber endlich, derAnglo-Jewish-Aflociation in London Kenntuiß von dies« Borgäug« zu ged«, welche sofort dem Lord Sali»bury davon MittheUung machte. Dieser wie» d« englisch« Vertreter in Konstantinopel telegraphisch an, die Angelegenheit zu untersuchen und womöglich die unverzügliche Freilassung der Gefangen« zu erwirk«. Polizei l Aber dt» Arbeit»», dl« ihr harte» Lo» ver» verstockte, gemeingefährliche Personen, die gelnebel Lunden tausend von aittfem irischen HetzfiuzblLNem Kreisen der Gesellschaft verbreitet unter Berufung a» Kermischte und «eueste Nachrichten. Berlin, 6. Novauber. In der gestrigen Sitzung de» Reich« löge» sagte der Abg. Froh me bei Grlegeahctt der Berachunz über da« Soziattstengesetz u. A. Folgende«: »Schlimmer al» die vom Herrn Minister die auttsemilischm, zialistmaesetze« rinit schärfere, enthält gemeine und aosrrizmde Stelle» gegen Gesellschast«llassea, so daß man sich muMkürlich fragt: wo bleibt da »user» hochweise und gerechte »ltget l Aber die Arbeiter, die ihr harte» Lo» verbessern wollen, stad geknebelt werden müffe».!M werde» iu allen Protectionen, voll Mn Schumtz und Aufreizungen ^»!i?stellt sinder Herr Minister denn dag»?' Bom Mtniftenische erfolgte aus diese Anfrage ein sehr beredte» — Schweigen. Broslan, 25. Oetober. (vr^ EorO Mit Beginn de« «lutersemester» traten in da» Seminar 1» neue Hörer ein, so dab die Zahl der gegenwärtig« Hörer auf ca. 60 gestiegen ist. — Der Privatdoeent der Philologie au der hiesige» Univerfttö«, Dr. Leopold C «h». der tu der jetzt aufgehobenen wPnnaflalabcheiluug de« Seminar» eine Zeit laug auterrichtet hatte, ist vor kurzim zu« Lusto« an der htestge» Kgl. u. Universitätsbibliothek ernannt worden. Dresden, 1. November. Dc« VOjöhrige Stznagogeujabiläum wkd am 6. Mai 1890 stattfinde». Der «emeiaderath trifft bereit» Vorbereitungen zur Abhaltung eine» Festgwte«dienpe». Emde», 98. Ocwder. (Or.-Lo r.) Am 91. d. M. starb der hier in ale» Kreise« so hochangesehe» »ad beliebt gewesene vr. rnock. Leer«. Durch den Heimgang deffilt» hat die hiesige jüdische Gerneirde eine» recht herb» Verlust erlitten: den» »er Berdllchone hatte, obgleich Me einer groß» Prazi« in Anspruch genommen >«d nicht mg d«u Bode» de« gesetzt««» gnbenthmu» stehend, al« langjährige« Borstand«mttglte> sich der Sache der Gemeinde s, angenmnm«, daß die ourch seinen Lob entstandet Lüche noch lange stchlbar sei« wird, «e beliebt der Hetmgeg»gene aber auch bei de» nichtjüdische, «st. bürgeru gewesen, bewiesen nicht nnr allem die dielen Ehr«- und vrr- »ranenbämter, welche ihm bei jeder Gelegenheit üdertrem»» worden, (er Mt ». g. Schtrd»richter, Stadwerordneter, Borsiaudsmitglkd der hwsigen Härtogssifcheret nt «enosstnschastsbank ». dal. ol\ foibetn auch bk große «echeiltgnng von H-ch und «kdag seiten« »er »tcht-jüd. Mtwikger bet fifiuem Leichenbegänxnisie. Anch die Spitze» sämmtlicher hiesiger Behörden und Geuoffenschaften nahm« au demselben theil. In rarze», «der ergreifende» Borte» schilderte Herr Lnndrnbbtoer Dr. Bachhol» da» tbatenreiche Leben diese» auf allen Gebiete» so bewährte» Manne« und de, Berlnft, welchen dk trauernde Btttwe «ad die Ber» wandtea, sowk bk jüdische Gemeinde und die ganze Stadt Imb« durch den Lob beffelbea erlitten Hab«. Sees««» 91. vctober. Sonntag, den 97. b. M., fand bk Lin» weihang de» neue» Alnmnatgebönde« der hkflge» Aacobsonschale statt, «oz» viele alte Schüler «nd srlthere Lehrer, so wie sonstige Gönner der Anstalt sich eingesuubm hatte«. Außer den vrtsbehörd« warm regieruuAtsettlg anwesend Schulrath Eberhard an» vraunschwrig und Regkrnnjchralh Dannendemm an» Gauder-Het«. Namen» de» Eura» torimn» stattete vr. jnr. Jaeobsoh» all« beim Bau Betheiligtea sein» Dank ad an» übertRe» da» neue Hau» seiner Bestimwunz. Sodann deglackwünschie «cholrnth Ebechard dk Anstalt »u ihre» neuen Lei« na» sprach sich in anerkennender Weise über die Entwicklung der Schule au». In längerer Nede legte hieraus der Direetor die Gründe dar, dk den Rendaa «othweudig gemacht hattm. Nachdem «och Direetor Lachou dk Glückwünsche de» SamsonschuK in Wolsenbüitel und Recht«- auwalt Dr. Mag»«» au» Brauafchweig dieselben seiten» de» Jacob» son'sch« Waisenhause« iu Seesen dargebracht hattm, wurde ehr Rundgang durch da« ume Lau» «mgettetm, der bestättak, daß tu letzterem alle Ersahrungen praktischer Schulmänner sowohl, al» auch dk Errnngenchasiea moderner Schulgesu,dheit«?flege »erwerthet worden sind. Hm»«- Mer, Lehrer und Ehrengäste vereinigten sich fetant im großm Speiseaal zu eine» Fütmahl, da» durch Liedervotträge der Schüler und mcmnichsache Trtnkspriche gewürzt wurde. Sero. Hier wurde ein antisemitisch-r Geslnnunasgmoffe »er Berl-nee Schulvorsteherin Boretiu», derche«. Reai-Schnlrtrektor Horne, »er, wie unter de« Diel und Namen de» Missions-Inspektor» Seifert an» Leipzig iu chriftlichm Kreisen Geld erschwindrl« hatte, ertappt, entlarvt und wegen Betrug» zu sieben Monctea Gesängaiß un) >00 CK. Geldbuße verurtheilt. Brün». Die Herrm Samuel «nd Bernhard Morgenfteru haben, um den Jairationen ihre« ohne Hinlerlasiuag einer letztwilligm Erklärung jüngst verstorbenen Bater», Hrrrn Florian Morg rastern, zu entsprechen, u. A. nachstehende Beträge wohlchätigen Zweck« gewidmet, und zwar: 1. der Hleroriigen Bürgerversorgunzgaustali 500 fl.; 9. de« Unterftützims»foad» der hierortigm G.-nosstnsch-st der Gastwirthr »00 st.; ü. de« Ilnterstütznngssoid» für auölreleaoe Zöglinge de» hierortigm Waisenhause« 200 fl.; dem Untecstützung»s»»d» de» Mädchen-Watsmhause» in G «ein 900 fl.; d. der Laudeaburger Gemeinde, al« Heimathsgemeinde de» Lerblichenea, 500 st.; 6. dem tSraelitischm Waisen-Hilf»- vereine in Brünn 1900 fl.; 7. dem eocmgel scheu Frauea-HUfSvereine in Brünn 100 fl.: 8. dem i»rae»lischm Frauen-H»s»»ereine in Brün» 600 fl.; 9. dem hier»Ni,m Kinderspttale 90.« p.; 10. für dk Kiadergänen in Brünn 100 fl.; 11. sür die Feriea-Eoloaie de» hieroNtgen Sudetenoereine« 900 fl.; 19. dm Vereinen .Btkur Eholim" «ad .llhiwra Kabtscha" in Brün» je 100 fl.; 13. der hierorttgea lumer- Fmerwehr 100 si- 14. dm Arbeitern "der Malzfabrik Florian Morgenstern Ä Sohn 100; 15. drm Herrn Bürgermeister Mnierholler zur BertheUaug an dk Brünner Srmm ohne Unterschieb der Eonsesflm 400 fl.; 1k. de« Gemeiadevorstande in Rzekowitz zur Berthelluag au dottige Arme 50 fl; 17. dem Gemeiadevorstande in KaNhau« (König»- feld) zur Berthelluag an dortige Arme 50 fl.) Dnri«, 1. Oktober. Herr Leopold Bomstam«, ei» dretßigtähriger Sau» Riga, eia treuer Anhöuger der jüdtschm Glaubm»- st, deffe, Atelier elnm Sammelpnnst der hervorragendst« iersöalichkNte» in Pari» btldn, wurde von der Jury der dia»jährtgea Aursttlluug «st der goldeam Medaille auSgezeichnN. Zu seineu hervorragmdfim Kunstwerken gehön da» MarmordUd: »Der Sie, David'» über «oliatd". Part«. I» Verbindung «st der Eentmarfeier der srcmzöfische» Revolutto» wurde ei» Preis von 25,000 Franc» stk da» beste Werk über „Ge«iflen»sreiheit" «»geschrlchen. Unter dm Preisrtchtem »arm auch die Herr« Adolphe Frank und Jule» Simon. Letzterer prwesttrte in seinem Bericht (dbu da» verdtmst der Pret»schrtst) euergisch gegen de, modern» A,iisemtit»mu». P'ter«dnrg. «ach der neuest« B-lktzähluua befinde, sich im Kk«u«»ch Pol» unter 8,955.088 Einwohnern 1,176.1» Inden. — Wie »er »Gra«hdaninberichtet, »erd« »l« Eavellmeister in der ruffisch« Armee von nun an weder Jud«, noch Ansltuder, sondem nur rasfische Lhrifim »ngestelt werdm — Drr Direetor »er Petersburger DumntohanL Herr Abroham Sack, ist von Sr. Majestät dem Kaiser «U de» Sladlmir-Ordm dritter Eiaffe und Herr MawE Eiroßi «st de» St. Annen-Ordm zweiter Elaffe »««aemtchnrt wordm.—Zujolge etue» Erläge» de» Minister« de» Inner» soll von uu» an jüdisch« ..itzer», welche poliMtch bescheinige Zenvelffe über ihre Arbet». besitz«, der Ausenthalt i» gnnze, russisch« Rüche gestattet