Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Journal
- Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
- Volume
- 20 (1889)
- Issue
- Beilage zu Nᵒ 41-42.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- [Seite] (sequence 3)
- Language
- German
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— 329 — gesprochen, bn*nft< Dr. Sahu: .Excellenz, die Kind« spreche» »och «ine Sprache: Deutsch, sie lese» auch noch eine dritte Sprach«: Hebräisch." „Bewunderungswürdig I" sagt« hierauf d« Minist« — den man noch nie so bewegt -eschen, »wahrlich, die Herren Linnen mit ihrem Erfolge zufrieden sein." StaatSsrcrrtär BeiIrviczy richtete noch einig« Fragen au» d« ungarisch?» Geschichte an den Zögling Ludwig Nochschild au» Serajewv. Die exakte» und brillanten Antworten erregten neunding« die grüßte Bewunderung d« hohen Gäste. Se. Excellmz und dessen Begleitung besichtigten dann die verschiedenen Arbeiten d« Zöglinge, besonder« die Zrich- «ungen und die schönen Landarbeiten, dm gemeinschaftlichen großen Speisrsaal, den Spielsoal. dm Schlafsaal, da« gemeinschaftliche Bad und de» hübschen Betsaal. Dann gingm ie hinab in die gnäumige Küche, wo ebm dg« Mittagsmahl ür die Zöglinge bereitet wurde. Daselbst herrschte die crupolöseste Reinlichkeit. Hi« richtete Dr. Lohn folgmde Wo te an den Minist«: »Diese Küche hier. Excellenz, sieht am Sabbathtage kein Fm«, die Speism w«dm bereit« am Freitag bereit«*, wie auch überhaupt in d« Anstalt die religiösen Observanzen strengstm» beobachtet w«dm." Beim Hinaufgehm «achte Dr. Josef Simon den Minister aus die an dm Thürrn angebrachten Mesusso« aufm«ksam und betonte ebmfall«, daß dir Anstalt in Bezug auf die religiöse Rigorosität, so auch in anderen Hinsichten ähnliche Institute weitaus übertteffe. Se. Excellmz ließ sich noch üb« die 102 Zöglinge, welche bereit» die Anstalt v«laffm haben, Bericht erstatten, dirselbm haben alle anständige Beschäftigungen, fallm Niemanden zur! Last und nwnbm sich auf ehrliche Weise ihr Brod. Der Minist« ließ sich die Gründung«geschichte de« Institut« erzählm und hörte voll Thrilnohme die chm vom edlen Stift«, von Anton Foch« mitgeiheiltm Dinge. Bor seinem Scheide» gab S«. sttzrellenz nochmal« in dm herzlichste» Wort« sein« großen Zufriedenheit Ausdruck, woraus die Anwesmdm mtt laMen Eljmö erwiedertm. G»»ßßrit«t»»teu. £«*<£•»«•». DiekurzmNachrichtenüb«Süd-Afrika in dm jüngsten Nummrm der »Jewish Ehronicle" verdienen uas«e besondere Bmchtuag. Daß di« dortigen Juden Reichchu« und Ansehm erwerben, rst kein Wund«, dmn sie gehörm zu den erstm Piontrm der Diamautseld« und habm nicht wenig dazu beigetragm, die Entwickelung und da« Gedeihen derselbe» zu fördem. Daß ab« in ein« ganz abgelegene« Stadt ein Herr L. A. Levtno, obschou der einzige in Sedford geborme und wohnhaft« Jude, ya den geachtetsten Bürg«» gehört, ist in d« That beme-keiuioerlh. Tief im Land« woh >-n augerdem auch noch Jude», welch« beharrlich an d.r Lrschtteßuag der Hilfsquellen Süd- Afrika'« Mitarbeiten. Sobald die Zahl derselben an irgmd einem Platz« zu einem Minjan hturricht, wird gewöhnlich an dm hohen Festen öffentlich« Gottesdienst gehalten und ans dies« Weise der Grundstein zur E«ichtung ein« beständigen Gemetad« gelegt. Zu solchem Zweck« reisea die Judm oft »ehr«« hundert Meilen nach entlegeam Colonien, um mit ihren Brüder» gemeinschaftlich beim zu küunen. Ehe sie jedoch zur Errichtung eine« Gotte»hause« schreitm, sorgen di« rrsim Ansiedler, gleich chrem Stammvat« Abraham dafür, einen Ruheplatz für ihre Tobten zu schaffen. So wurde z. v. in vorig« Woche di« Einweihung eine» F.wo- Hofe« zu Krer»dors gemeldet und heute könum wir die Mtttheiluug machm, daß in dieser Woche zum ersten Male bei Selegenhea eine« Begräbnisse« zu Dordrecht mtt Minjan gebetet wurde. Di« Zahl dies« neugegrüudrren Semeiudm ißt in stetigem Zuneyure» begriffe» und tute« hierbei diesetbm Ersch«"ungm zu Tage, wie wir sie von dm erste» Gemeinde^ »> Austra ut gerne'-1 haben. Valästtwa Aer»snte«. (Schloß.) Ich habe mehrere jüdische Wohnungen besucht: ganze Familim lebm zusammen in einem krllerartigenRaume von d«Größe eine« gewödulrchen Schlafzimmer«, an welchem fich k ine Fenster befinden und deffen einztae Oeffnung die Thür ist, durch weche auch da« Licht hineinbringt. Der Fußboden besteht wir die Mauern au« Stein. Bon Hau«- g rä'ben kann natürlich nur in dem allerbescheidensteu Maße die Rede sein. Für die Erwachsenen find ein oder zwei Betten vorhanden und die übrigm Familienglied« müsse» auf dem Fußboden schlafen. Die Küche ist meistentheil« ei» kleiner kaftenartiger Kaum, gerade hoch genug, daß die Hanssrau darin aufrecht stehen kann und nicht größer al«12 Faß im Quadrat. In derselben befindet fich rin grober Oft» au« Stein, in welchem Holzkohlen gebrannt werdm und hi« und da ist in diesen Kellerräumea, welche ginzen Reihen von Familien zur Wohnung »imeo. noch ein Brunnen, welcher gemeinschaftliche« Eigenthum ist. Ich nar in Jerusalem zur Zeit de« jüdischen Osterfeste». Zu dies« Zeit ershieaen die Juden in ihren Festgewändern und ich war erstaunt, ieiche Gewänder au« Sammet >>nd Seide in allen möglichen Farben bei Leuten zu sehen, welche ich vorher in Lumpe» gekleidet sah. Au einem der Festtage besuchte ich mehrere Synagogen und fand fie alle überfüllt. Die Rabbiner waren kostbar gekleidet und ich habe selten andächtigere Beter angetroffen al« diese Juden. Jüdische Wohlthätigkeit«-Anstalten gib: e« zu Jerusalem eine Menge. Ich habe deren mehrere besucht, unter andern auch di« Schulen, welche von den Familie« der Rothschild'« gegründet wurden. Diese find sehr geräumig und e« wird in ihnen sowohl Handarbnt«- als Elementar« und ReligionSuulerricht eriheilt. Dergleichen besuchte ich auch die Ichrriaerwerkstätlen und sah palästinische Juden ebenso kunstvolle Arbeiten verfertigen, al« ste unsere amrrika« Nischen Schreiner nur machen können. Ich traf Jünglinge in den Zinngirßereien mit der Anfertigung von Modellen beschäftigt, welche für die Pariser Ausstellung bestimmt waren, desgleichen in den Zeicheasälen Knaben beim Entwürfe und Modelliren von Thonfiguren, welche den besten Werken d« Skulptur an die Seite gestellt werden konnten. Au« den Rothschttd'schea Fond« wird auch eine Mädchen» schule unterhalte», welche von über 100 Schülerinnen besucht wird. Diese Anstalten find al« die der Alliance Israelit« bekannt und werden von sämmtlichen Judm auf d« Erde und von den Rothschild'« unterhalten. Zu den bemerkenswerthen Grüaduageu dieser Alliance gehören auch eine Anzahl Ackerbaucolouien in o«. schiedeuen Gegmden Palästina'«. Rahe bei Jaffa ist eine «ckerbauschule mit «ehr al« 700 Schülern und 8 derartige Eoloutm. vou denen etne einen Flächeuraum von 2800 Acre« umfaßt. Ste liegt in d« Ebene Saron, de« einstigen Aufenthaltsorte der Philister, und hat viele Tausend Weinstöcke uyd Olivmbäume. Die Türkm machen große Schwierigkeiten, wenn ste den Judm Land verkaufen sollen, aber Letztere bewähren fich sowohl al« gute Ackerbauer, wie fie al« vortreffliche Arbeit« fich autzeichuen und d« terraffenförmige Boden de« Jerusalem umgebenden Hügellandes zeigt, daß da« heilige Land »ou de» Indra besser cultioirt wird, al« die« von den Gröberem Palästina'« je geschehen ist. Eine bedeutmde Fläch« Laude« in d« Umgebung von Jemsale» befindet fich heute bereit« in den Hände« einzelner Jude« oder in de» Besitz« der von diesm unterstützten WohlthätigkettSaustalteu. Gestern machte ich einen Ritt nach Bethlehem, eine Stund« »au Jemsale«, und fand Telegraphenstangeu auf dm Ebeum, w» «tust Ktznig David gegm die Philister kämpfte. Die Stadt hat viele neue Häuser. Bon derselbeu auch Hedro» führt jetzt etne bequewe Straße und dir Zeit wird wahrscheinlich nicht »ehr fet» sein, tu welcher «an