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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 40. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 40.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 2)
Language
German
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-312 £ unb zaghafter Gesellen »eckt, die vor den Antisemiten zu Kreuze kriech«,; Güdemann ist so vorsichtig, so maßvoll, daß mau es shier nicht verficht, wie auch dieser Maua da« Mißfallen jenir Sippe erregt, deren ganze» Judeuthum darin besteht, daß si: nicht Christ«, sind. Geiger sollte doch wissen, wa« e» heutzutage heißt, einem deutschen Juden in großer öffentlicher Stellung den Borwuif entgegenzuschlrudrrn, .daß er die geistigen Bestrebungen der Deutschen verun. glimpfe." Das ist «ine Denunciatio« der gefährlichsten Art für einen Mann, der in Wien al« Rabbiner wirkt und für den gleichsam die ganze österreichische Judenheit verantwortlich gemacht wird? Geiger hätte vorsichtig sein muffen, selbst wenn er seine Denunciation beweise» könnte; aber er bringt nicht die Spur eine« Beweise«. Geiger besorgt die Geschäfte der Antisemiten viel gründlicher, al» Herr v. Schönerer. Denn al» dem Sohne seines Vater«, al« dem Schützling de« D. I. G. B^ hat man wenigste,,« da« Vertrauen zu ihm, daß er sich nicht bemühen wird, un« zu Grunde zu richten; Geiger verdient nicht einmal das Vertrauen; er kann gegen den wiffenschaftlichen Werth x» Südemaun'fchen Buche» nicht« sagen; denn die Anerkenn« ig, di« Güdemann'« Buch bei Juden wie bei Christen gefur den hat, war eine allgemeine; da« Buch ist mit Begeisterung ausgenommen worden. So offenbart sich denn der Haß gegen Graetz und gegen Güdemann, deren einzige Schuld e« ist, daß sie wärmer für da« Judeuthum empfinden all Geiger und Konsorten, darin, daß eine Tendenz in dem Güdemann'sch«» Buch« herauSgewittert wird, die sonst Niemand entdeckt. Hätte Güdemann eine leere Nomenklatur geliefert, so hitte er eine» Lobstrich erhalten; weil er warm für seinen Glauben empfindet, wird der Pöbel auf ihn gehetzt, indem man ihm eint Verunglimpfung der geistigen Brstrebungeu der Deutschen vorwirft; und die Wiener Antisemiten können sagen: .Ja, diesen Borwurf gegen Euren geistlichen Führer hat eia jüdischer Profeffor auögefprochen, der von der Vertretung der deutschen Judrnhrit, dem D. I. G. B.» beschützt und gefördert wird!" Wahrlich der Gemeindebund sollte endlich da» Band zerreiße». da« il»i mit solchen Halbjuden verknüpft. Die Zeftschrist der historischen Kommission gilt al» da» Orgau de« D. I. «. B.; er wirbt und wnckt für sie. er sammelt Geld für sie; er dirf e» nicht dulden, daß diese Zeitschrift den Haß schürt gegru allgemein verehrte Männer, daß st« den Antisemiten die Waffen schmiedet.— Der Artikel Geige,'« wird jüensall» noch zu vielen Erörterungen Anlaß gebe«. ttvt die ttm der «eli-i»» z« lede«. |-<» Mahnruf zn« nene» Aahre. Weil wii: Juden unter Ander«gläubige» leben, so find tvir sehr geneigt, bei allem wa« wir chun und meiden, vorzüglich d,e Rücksicht auf unsere nichtjüdisch« Umgebung walten zu lassen, die Frag« zu stellen: wa« sagen di« nicht- Msichen Krei« dazu; aber in der Angelegenheit de« Mische« RellgioiwunterrichtS gilt e« in erster Reche die sittliche und •) 9m B*r, «rt. ist S. SV« Z. 17 ist w«l ft. m», ft. 19 .««- st. Unve^chltchkeii, unk 306 .»uften »«tf* £. «abMUMrtt zu lesen. materiell- Wohlfahrt der kommenden Geschlechter zu schütz«, die sittliche und die materielle, den« daß «in« 3W|». ohne Halt ist, die charakterlo« ist. schwerlich Fleiß «nv Thatkraft genug besitzt, um auf ehrlichem Wege Erfolge zu erzielen, bedarf wohl keine« Beweise«; eimge Glücksritter mögen in einem solchen Geschlecht obenauf kommen, aber es ist nicht anzunehmen, daß rin Geschlecht, welche in der Jugend nicht darauf gewiesen worden ,st, den Blick nach oben, den Blick nach innen zu lenken, auch nur im Stande sein wird, die von den Vätern ererbten Güter festzuhalten. Aber es ist allerdings auch eine Schande, daß unser« Sinder die Religion nicht kennen, um derentwillen unsere Ahnen Märtyrer geworden sind Auf einem preußischen Gymnasium ist vor einiger Zeit ein jüdischer Abiturient wegen moralischer Unzulänglichkeit zurückgewiesen worden, weil der Schulrath durch einen Zufall zu seinem großen Erstaunen erfuhr, daß ein Jüngling, der sich den Studien widmen wollte, die zehn Gebote nicht kannte; man erzählt sich, daß Lassalle in einem ähnlichen Falle noch rasch von einem Commilitonen sich diese Kunde des Dckalog« beibringen ließ und dadurch sich rettete; der jetzige Prof. Lev y in Breslau soll der hilfbereite Kamerad gewesen sein; vielleicht war die« flüchtige Erlernen des Zehngebots daran schuld, daß L. später sich theoretisch so leicht über das achte Gebot hinwegsetzte und über das EigenchumSrecht so eigenthümliche Ansichten entwickelte. Jndeß, welche Wirkung übt « auf christliche Kreise, wenn sie erfahren, wie geringschätzig der Jude über sein« Heiliqthümer denkt, daß ein Mensch, den seine Eltern so Vieles lernen lassen, davon keine Kenntniß hat, wonach er benannt wird, keine Kenntniß von dem, wa« sonst dem Kinde in unseren Schulen al« Wegzehrung mitgegeben wird. Es ist einem Schulrath nicht zu verargen, wenn er studirtr Leute, die den Dekalog nicht kennen, al« eine Gefahr für den Staat betrachtet; man kann es ihm nicht übel nehmen, wenn er nach solchen Erfahrungen den Drang der Juden nach den Studien und den studirten Berufen al« einen durch und durch unheiligen betrachtet, daß er annimmt: die Juden lernen nur da«, wa« etwa« einbringt. Wir täuschen uns, wenn wir glauben, daß diese elenden Zustände in christlichen Kreisen unbekannt sind. Christliche Lehrer verkehren tagtäglich mit unser« Kindern; sie merke», wie die Masse der jüdischen Schüler selbst an hohen Feiertagen in die Schule geschickt wird; gerade dieser Uebereifer ist ihnen verdächtig! sie gewinnen kein vertrauen zu Leuten, die um ein paar SlLNdrn Unterricht« für ihre Kinder zu gewinnen, ihnen die Weih« de« Festes rauben; sie können Eltern und Kindern, die ihrem Glauben so «ringe Opfer versag«,, nicht di« Kraft zutrauen. Widerstand zu leisten, wenn irgend ein weltlicher Bortheil lockt, und ein« Gemeinschaft, d,e solch« Mitglieder in großer Zahl enthält, wird ihnen verächtlich; es giebt zu denken, warum gerade unter den Lehrern der Berliner Höhen, Schulen so viele «ntisemiten sind; sollten die Lehrer in iahrckangem Berkehr mit jüdischen Schülern nicht merken, daß Viele verselben zur Anlernung völlig überflüssiger nur von der Mod« verlangter Kenntnisse Zeit haben und eben deöwegey zur Einprägung der religiösen Wahrheiten keine Zeit gewinnen? Verachte dich selbst, und dich verachtm auch d»e andern Menschen. Wer soll Respekt haben -vor einer religiösen Genossenschaft, in der viele Mitglieder niedrig genug denken, daß sie um «in Specimen oder gar um eine Schulstunde, oder nur »m di« Gunst de« Herrn Lehrer« nicht zn verlieren, ihr Kind am Feiertag statt nach txm Tempel in di« Schule schicke«, daß si« Juden ohne Judenthum eniehen. ... Sonderbarste ist, daß Eltern, nachdem sie ihr« heiligsw Pflicht versäumt habe«, dann noch verwundert find, wenn die Kinder, die die Sache nicht besitz«, nun «ich de« Namen avheben und bei irgend einem Lüß der jüdische» Gemeinschaft de» Stücke« »enden. Wäre» nicht uuftr» Gegner^ d« auch dem getaüften Jude» Hep, Hep i» W

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