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Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums · 1889-01-01 · 20. Jahrgang Nᵒ 38. · p. [Seite]

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Journal
Israelitische Wochenschrift für die religiösen und socialen Interessen des Judenthums
Volume
20 (1889)
Issue
20. Jahrgang Nᵒ 38.
Date
1889-01-01
Page
[Seite] (sequence 5)
Language
German
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s— 299 —Z alaude» »icht dar«», daß Herr Lehmann gerade au Lagm »au fitbun Herrn Papa Ditpensation erdallen hot, sonst würde »an doch nicht so iinaßlich in Bepig aus da« Ahitrschließen seinill Außerdem vetzivelsel» wir dl« .Achtung und Werthschätzung aaderer religiöser Ewpfinduugen" de« Herr» Orkar Lihman» aus da» stärkste und zwar um deßwillcn, weil «» ihm noch nicht genug damit ist, daß sein« christlichen Arbeiter 60 Stunden in sünf Tage» arbeite», er läßt sie anßerde« noch an seinen und ihren Sonntagen arbeitenII Gerade in de« »kommt«, wo Deutschland« Buchdrucker »estredr stad, im Interesse der vielen A,beit»l«sen in dem Buchdruck-Lewer de und i« Jateresie der Gesundheitspflege lie Arbeit«t«it »u verringern, muß in der Lehmaun'schm Druckerei, bet «iuer Atmosphäre, wo c» der Har Prinzipal kaum langer al« jtbn Minuten tu bin Leschäftlräumen au»< halten kann, sag« und schr-ibe siebzig »i< achtzig Stunden pro Woche geardeittt werden II Gewiß recht nette Zustände! Gerade um die jetzige Z-it wich von Seiim der Herren Rabbiner j und itrael. Borstände sowohl in dm Zeitungen al» auch in Eingaben an die Militärbehörden Propaganda dafür gemacht, daß den jiidischm Soldoten während der Reujahr»- und übrigen Festtage (26. Gept. ic.) Urlaub gewlhrt werden möchte, »um dm jüdischen Brüdern in Waffen »icht den gut.n Llandin zu verscheuchen, daß unier dem Waffenrock alle religiöse» Gefühle verstummen müssen!" Wenn wir auch durchaus nicht« gegen die Urlaub«gewährung während der jüdischen Festtage einjuwenden haben, so wäre e« doch jedensall« sehr «rwünscht, wmn die vetnffmdm Militärbehördm, die dm Urlaub gewähren, e« nicht den jüdisch en Brüdern in Waffen durch «I» Etaholen der verloren «n Url»ob«tage «atgelrm ließ«, wie die» von dem chri st lichen Buchdrvckerei-Persoaal de» Herrn O«kar Lehmann, welch«» gezwungen wird, dt« jüdischcn Festtage «i'zus.iern, verlangt wird, d-c verlormeZeit überwiegend an christlichen Sonntageu einzuholkn. Hier wir« e« nun gewiß sehr angebracht, wmn der Herr Rabbiner Dr. Lehman» statt an da« Geveral-Eommando de» 11. Armkecorp« an seium Herrn Sohn eine Eingabe machm «üroe, um dies« allen religiöse» Gefühlen Hohn sprechenden Gebahren, da« nur auf niederen Gewinn berechnet ist, ein End« »u machen I Da» Gute liegt doch in diesem Fall« so nahe, waiu» den» In di« Fern« schweifen?! Der Vorstand de« Bezirk«»eretn« der Mainzer Buchdrucker." Wir hätten gar manche« hier hinzuzufügen über wahre und heuchlet ischeReligiofität, über äußere und innere Frömmigkeit, über Scheiuheiligkeit und Humanität, aber wir drängen r« zurück, denn KM TOI TO '2 DH' K'.l.l N72 7'2WDn - uud brgn ügen uns nur mit der Bemeikung: D'DV DD 7inort .1712 UDO pne: ,inc2 Oefierreich-Uagar«. Mi«». Bezüglich der „12 Millionen - Stiftung de» großen Philanthropen Baron Moritz v. Hirsch" dringt die »Neuzeit" einen intrrrrffanten Bericht über die eigentlichen Jntentioaen desselben, au« dem wir da« Wesentlichste hier mittheilen: Der Baron war bi« gegen Ende >uguft in Karlsbad zur E«r, uud kaum hatte er dieselbe vollendet, so trat er nicht die Rückkehr nach Part« au, sondern eilte nach Wien, um seine 12 Millionen-Stiftung sür Galizien und die Bukowina persönlich zu fördern. Es beunruhigte ihn nämlich uud brannte au seinem Herzen, daß di« Realifiruug seiner Stiftung fich dadurch verzögert, daß di« Statute« derselben nock nicht von maßgebender Stelle genehmigt find und daß die Wünsche und Anträge der Regierung ihm erst tu den letzten Tagen bekannt geworden sind. Am 30. August besuchte er Herrn Prediger Dr. Jellinek, seinen Lertra«e»«mauu, mit welchem er seit fast zwei Jahren in regem schriftlichen Berkehr bezüglich der galizischen Stiftung steht, um diese Angelegenheit mit demselben zu besprechen, und e« gelang nach einer fast etustündtgen Unterredung, «inen Modus zu finden, der nach allen Seite» hin beftiedigen dürste, so daß die Ausficht vorhanden ist, daß die Stiftung noch im Laufe diese« Jahres in Wirksamkeit werde treten können. Baron Moritz von Hirsch legte bei dieser Gelegenheit ei» iutrreffante« Glaubensbekrnntniß ab. Er habe, sagte er, vielfach in seinem Leben heftige Opposition gefunden, die ihn nicht beirrte und in seinen Entschlüssen »icht wankend machte; er habe auch nie »ach Lobeserhebungen uud Anpreisungen gestrebt. Wird die galizische Stiftung ihren Zweck erfüllen, so werde er fich dadurch allein belohnt uud befriedigt fühlen. E« werde ihm eine große Freude bereiten» wenn der jüdischdeutsche Jargon au« Galizien schwinden werde uud die jalizischen Jude», zu deren wohl er seine Stiftung errichte. tüchtig arbeiten, Handwerk und Ackerbau betreiben, und jene Gewohnheiten, welche mit der Religion nicht zusammen hängen und die Juden von dem übrigen Theile der Bevölkerung unuvthiger Weise absondern, allmählich aufgebe« werden. Da« sei sein Ziel, sein Herzenswunsch, seine Lebensfreude. Er mische fich nie in religiöse Angelegenheiteu, weder im Orient, noch im Abendlaade; da« Sinzige ne» er wolle, sei, daß die Juden die nöthige Bildung erhalten und so erzogen werden, daß st« arbeitstüchtig werden, um sich durch ihrer Hände Arbeit, durch Handwerk und Ackerbau zu ernähren. Baron Hirsch wird gegen Ende September Gelegenheit nehmen, da« Kuratorium in Wien persönlich zu iustalliren und der Regierung zu präsentireu. »Glücklicher, merkwürdiger Mann! Während gewöhnliche Menschenkinder sinnen und sorgen, wie sie ihren Besitz vermehren können, hat er nur den unvergleichlichen Lummer, wie er Millionen und Millionen zum Besten der zurückgebliebenen Volksklaffen verwenden könne." Mir«. (Bon der Wiener Universität.) Die ,N. Fr. Pr." vom 2. September bringt folgende Nachricht, die nicht verfehlen wird, in der wiffenschaftlichen Welt und in liberalen Kreisen Aussehen zu machen : .Der außerordentliche Professor der Wiener Universität, Dr. Georg Jellinek, hat beim Unterricht«minister um die Entlastung angesucht uud diese erhalten. Herr Dr. Jellinek hatte die Lehrkanzel für Staatsrecht inne und war mit der Lehrverpflichtung für Bölkerrecht beauftragt, die« seit dem Jahre 1883. Seither wurde derselbe vom Profefforen-Eollegium der rechts- «nd staats» wissenschaftlichen Facultät der Wiener Universität zum Ordinarius vorgeschlageu. Die Ernennung unterblieb jedoch.*) Der Grund der Demission Jellinek'« dürfte nun darin zu suchen sein, daß nicht nur die Ernennung zum Ordinarius nicht erfolgte, sondern vom Minister sogar eine Schmälerung der Stellung Jellinek'« an der Universität verfügt wurde. Durch die Berufung de« Professor Lammasch als Ordinarius für Staat»recht und Völkerrecht wurde Jellinek au« seiner bisherigen. Stellung als Lehrer des Bölkerrechtes verdrängt, ohne daß ihm hierfür irgend ein Aequioalent geboten worden wäre. Offenbar ist Profrffor Jellinek durch dieses Vorgehen zu der Uebrrzeugnug gelaugt, daß in absehbarer Zeit sein« Ernennung zum ordentlichen Profeffor de» Staatsrechte« in Wien »icht zu gewärtigen sei, und hat sich deshalb entschloffeu, dem Gebote der wiffenschaftlichen Ehre folgend, seine Demission zu geben, die ihm sofort bewilligt wurde« Prof. Jellinek war an der Wiener Universität durch zehn Jahre thätig und erfreute fich als Lehrer wie al« Gelehrter eines ausgezeichneten Rufe«. Die Wissenschaft verdankt ihm nicht wenige Leistungen, unter denen die beiden Bücher über Staatsuverbindungeu und über Gesetz und Verordnung am meisten hrrvorrageu. Seine kleineren Arbeiten über die Donau-Frage und über einen Berfaffungs-Gertchtshof Kr Oesterreich find in weiteren Kreisen bekannt. Da« in so außergewöhnlicher Weise erfolgte Scheiden Jellinek« ist im Interesse der Universität gewiß zu beklagen." N. Zn» Nngarrr» 11. September. (Or.-Corr.) Schon wieder senken sich die Ufer der Theiß in Szegedin, der au« den Ruinen auferstandenen Metropole Süd-Ungarns, die stattlichen Häuser bersten, und der Staat ist damit beschäftigt, die Schäden zu brserligen und mit Gebilden der Menschenhand dem Element zu trotzen. — Szegcdi» ist überhaupt das Schmerzen«- uud Liedling«-K>nd unserer Regierung, und wäre es derselben zu wünschen, daß e« ihr in gleichem Maaße gelingen möchte, die Trümmer de« Bolkswohlstandc« zu erheben. An redlichem Streben hierzu fehlt e« sicherlich unserem neum Finaozminister Wekerle nicht, der auf den Weckruf der Zeit sich zu verstehetscheint. E« ist ein Glück, daß den leitenden Kreisen des Staate« niemals die Wahrheit *) Prof. Dr- G. Jellinek ist der Sohn de« Wieaer Prediger» De. Ad. Jellinek. (Red.)

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